Die Frankenstein-Industrie

High-Tech-Hühner, Designer-Kühe und Pharma-Cocktails: Ein Blick in die Abgründe der globalen Fleischproduktion.von Hilal SezginLegebatterie oder Mastfabrik? Wohin geht’s nach der „Grünen Woche“? Bild: reuters

Der vielleicht größte Mythos im Zusammenhang mit dem Fleischverzehr ist der seiner Natürlichkeit. Es sei natürlich, dass der Mensch Fleisch esse. Es ist scheinbar selbstverständlich.

Zur Illustration wird gern auf die frühsteinzeitliche Jäger-und-Sammler-Gesellschaft verwiesen, ungeachtet der Tatsache, dass einige von deren Gepflogenheiten uns heute schaudern machen: Frauenraub zum Beispiel, Menschenopfer oder das Aufbewahren menschlicher Skelettteile zwecks Ahnenverehrung. Vor allem aber ist der Rekurs auf den frühen Jäger und die in der Höhle wartende Gefährtin (sie hat derweilen ein paar lumpige Beeren gesammelt) deswegen verblüffend, weil die oft tagelange gemeinschaftliche Jagd mit ungewissem Ausgang nichts weniger ähnelt als dem recht gefahrlosen Gang in den Supermarkt.

Beide Tätigkeiten und die damit verbundenen Sinneseindrücke entstammen unterschiedlichen Welten; es ist fraglich, ob der Steinzeitmensch, wenn man ihm ein in Folie verpacktes Tiefkühlhuhn in die Hand drückte, sofort etwas damit anzufangen wüsste.
Per Stromschlag im Wasserbad betäubt

Sobald es aufgetaut wäre, würde es sich der Steinzeitmensch gewiss erfreut zuführen wie jedes andere unverhofft am Wegesrand gefundene Stück Kadaver; doch in dieser Rolle, also als Aasfresser, sieht sich der moderne Fleischkonsument ja auch wieder nicht! Trotzdem gelingt dem Supermarktkunden die – im Grunde auch nicht wenig beachtliche – Kulturleistung, das an weit entfernten Orten unter industriellen Bedingungen und mit einer Menge chemischer Zusätze hochgepäppelte Stück Leben, das hunderte Kilometer transportiert, in eine Kette eingehängt, per Stromschlag im Wasserbad betäubt und dann geschlachtet wurde und ihm selbst erstmals als eisige, steinharte Substanz entgegentritt, als etwas wahrzunehmen, das dem ähnelt, was der entfernte Vorfahr erjagt hat.
Hilal Sezgin

ist Veganerin und Muslima. 2011 erschien ihr Buch „Von einer, die raus zog“ im Dumont-Verlag. Sie lebt mit vielen Tieren auf einem Hof in Niedersachsen.

Wozu nun dieser imaginäre Exkurs in Steinzeitwelt und Supermarkt? Um darauf hinzuweisen, dass man den heutigen Fleischkonsum für vielerlei halten kann: lecker, weit verbreitet, bequem, unappetitlich, ungesund, gesund, zivilisiert, barbarisch et cetera. Nur eines ist er eben nicht: „natürlich“. Welches Fleisch wir essen, wie wir daran gelangen, wie wir es zubereiten und sogar wie es – immerhin ein Produkt organischen Ursprungs – überhaupt gewachsen ist, all dies ist Ergebnis spezifischer und historisch äußerst wandelbarer menschlicher Praktiken. Doch der Vorteil der gängigen Betrachtung liegt auf der Hand: Was als natürlich gilt, ist von vornherein jeder Notwendigkeit zur Rechtfertigung enthoben, muss gesellschaftlich scheinbar nicht verhandelt werden, ist unserem moralischen und politischen Urteilen weitestgehend entzogen.

Genau aus diesem moralfreien Raum haben Bücher wie Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ und Karen Duves „Anständig essen“ den heutigen Fleischverzehr heraus- und in die öffentliche Arena gezerrt. Es muss sich nicht mehr allein der Vegetarier verteidigen, warum er sich zu seinen „absurden“ Ernährungsgewohnheiten verstiegen hat, sondern auch der Fleischesser ist mit Argumenten konfrontiert.

Le Monde Diplomatique

Dieser Beitrag ist in Le Monde diplomatique und in der Edition LMd No.10 erschienen, wo es um das Thema „Welternährung im 21. Jahrhundert“ geht, wie übrigens auch im neuen „Fleischatlas“, dem Gemeinschaftsprojekt von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde diplomatique.
Foto: lmd

Wer sind diese Schweine im Lkw?

Und eben mit Fakten. Nicht zufällig schenken die erwähnten Bücher dem empirischen Herstellungsprozess des Fleisches mehr Aufmerksamkeit als dem abstrakten ethischen Für und Wider. Viele, ja die allermeisten Menschen mögen es grundsätzlich in Ordnung finden, Tiere zu Nahrungszwecken zu züchten und zu töten. Doch wie dieser Teil der Nahrungsproduktion tatsächlich praktiziert wird, nämlich per Massentierhaltung, hält kaum ein informierter Konsument für ethisch vertretbar. Bezüglich der Ablehnung der Massentierhaltung hat sich ein gesellschaftlicher Konsens herausgebildet, der bislang allerdings weder Alltags- noch Rechtspraxis geworden ist.

Wir alle wissen ja: So wenig wie mit der steinzeitlichen Jagd hat die heutige Fleischproduktion mit jenen idyllischen Bauernhöfen gemeinsam, die die Ausmal- und Wimmelbilder unserer Kinder füllen. Was man über die Wirklichkeit erfährt – indem man eine Fernsehreportage über Hühnerfabriken sieht oder auf der Autobahn an einem Schweinetransporter vorbeifährt –, muss man schnell verdrängen, weil sich ein solches Ausmaß von Leid und Schrecken schwer aushalten lässt.

Wer sind nun diese Schweine im Lkw? Sie sind Säugetiere, empfindungsfähige Organismen, natürliche Lebewesen – und sind es nicht. Es wurde oben bereits angedeutet, dass sogar das Wachstum des Nahrungsmittels Fleisch kein rein natürlicher Vorgang ist. Auch mit klassischer Landwirtschaft hat die heutige Intensivtierhaltung wenig zu tun, vielmehr ist sie Hightech-Industrie mit Tieren. In industriellen Prozessen werden diejenigen Vorgänge von Lebewesen, die technisch vom Menschen noch nicht hervorgebracht werden können, deren Effekte aber gewünscht sind, in einen so weit wie möglich industrialisierten Produktionsprozess eingebaut. Zucht, Besamung, Fütterung, Haltung – in sämtlichen Phasen des Nutztierlebens führt der Mensch längst über die Natur Regie.

Wenn das nur dieses eine, bis heute noch nicht ganz kontrollierbare Moment wäre, dieser verflixte Funke Leben! Doch diesem „Leben“ ist eben nur noch eine Nebenrolle zugewiesen in der heutigen Frankenstein-Industrie, die sich der eigenmächtigen und eigennützigen Planung und Erschaffung von Lebewesen verschrieben hat und auf diese Weise Fleisch, Eier und Milch für bereits ein bis zwei Milliarden von Menschen produziert.(1)
Hungernde Elterntiere

Wer sich mit der modernen Agrarindustrie beschäftigt, den wird eines am stärksten verblüffen: die Beobachtung, dass heutige Ställe nicht mehr rund um die Tiere, sondern vielmehr die Tiere passend für die Haltungssysteme „designt“ werden. Aus diesem Grund ist die tierschützerische Forderung nach besseren Haltungsbedingungen zwar völlig richtig, ihre Erfüllung allein würde aber leider nicht genügen.

Denn fast sämtliche heutigen Nutztierrassen sind derart auf Effizienz gezüchtet, dass ihr Organismus darunter leidet. Sie sind anfällig für Störungen im Knochenbau, das Skelett kann mit dem Muskelwachstum nicht Schritt halten, sie neigen zu Stoffwechselstörungen, Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle, chronischen Entzündungen überbeanspruchter Organe – oder gleich mehreren solcher Symptome auf einmal. (2) Entsprechende Verhaltensstörungen kommen hinzu.

Versuche haben gezeigt, dass Masthähnchen offenbar aufgrund ihrer chronischen Schmerzen die erhöhten Sitzstangen in ihrem Stall ohne Gabe von Schmerzmitteln gar nicht mehr erreichen konnten. (3) Und damit die zur Weiterzucht verwendeten Elterntiere solcher Mastgeflügelrassen überhaupt fortpflanzungsfähig sind (und nicht zu groß, schwer oder plump), muss ihnen Futter vorenthalten werden, weswegen sie permanent hungern und Verhaltensauffälligkeiten zeigen. (4)

Auch dies mutet paradox an vor dem Hintergrund unterstellter „Natürlichkeit“ – da wir doch gemeinhin annehmen, anders als das Kulturwesen Mensch vollziehe ein Tier sein Leben „nur“ in der Befriedigung überschaubarer natürlicher Grundbedürfnisse. Doch bereits diese basalen tierischen Verhaltensweisen sind eben durch die Zucht immens eingeschränkt: die Bewegung, die Futteraufnahme, das Sozialverhalten – und die Fortpflanzung natürlich auch. Bei Hühnern ist die Zuchtwahl dermaßen weit fortgeschritten, dass heutige Hybridrassen nur noch entweder für Eier- oder für Fleischproduktion geeignet sind.

Das Erbgut und Know-how entsprechender „Zuchtlinien“ liegt weltweit in der Hand weniger Firmen, die für ihre „Produkte“ exakt angeben, wie viele Eier eine durchschnittliche Henne im ersten Jahr legen wird, wenn sie soundso viel Gramm eines bestimmten Futters bei soundso vielen Stunden Licht et cetera erhält. Eine streng geregelte Kette von Großelterntieren, Elterntieren, Brütereien und Aufzuchteinrichtungen gewährt die „gleichbleibend hohe Qualität“ – des Produkts Tier.(5)
Hühnerschlachtsystem für Indien

Auch bei einem Säugetier wie dem Rind steuert die moderne Reproduktionstechnologie längst alles außer dem Wachstum innerhalb der Gebärmutter. Durch das strenge Überwachen einzelner Zuchtparameter wurde und wird nicht nur die Milchmenge kontinuierlich gesteigert, sondern auch der Eiweiß- und Fettbedarf der Milch je nach den Bedürfnissen des Marktes variiert. Künstliche Besamung ist Standard, zusätzlich werden inzwischen auch In-vitro- und In-vivo-Verfahren eingesetzt.

Bei der In-vivo-Methode wird der Eisprung hormonell angeregt, später werden die Embryonen herausgespült, unterm Mikroskop begutachtet und in Behältern mit flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius zu den Empfängertieren transportiert. Dank solcher Embryonen und jährlich etwa 2,5 Millionen verschickter Portionen Sperma verspricht die niedersächsische Firma Masterrind GmbH ihren Kunden „die Sicherheit maßgeschneiderter Qualität“.6

Die extreme Leistungssteigerung hat dazu geführt, dass heute zwei Drittel der Milchkühe vorzeitig aufgrund von Sterilität, Stoffwechselkrankheiten und Eutererkrankungen geschlachtet werden müssen.(7) Die Häufigkeit der chronischen (und schmerzhaften) Eutererkrankung bei der Kuh schätzen Tierärzte auf 40 Prozent. Wie mir ein schleswig-holsteinischer Rinderzüchter erklärte, züchten er und seine Kollegen daher derzeit nicht nur auf noch mehr Eiweiß, sondern eben auch „auf gesunde Euter und gute Beine“. Ich fragte nach, was mit „guten Beinen“ gemeint sei. Nun, schließlich komme man immer mehr von der ausschließlichen Anbindehaltung ab, bei der die Kühe einzeln auf ihrer Standfläche fixiert werden und ihr Futter vorgelegt bekommen.(8)

In Lauf- oder Boxenställen dagegen müssen sich die Tiere selbst zum Futterplatz und zum Melken bewegen. „Die Tiere müssen also wieder gehen können“, formulierte es der Rinderzüchter. So erklärt sich, dass bei einem vierbeinigen Landsäugetier „gute Beine“ zum Zuchtziel werden, damit es die Fähigkeit zur eigenständigen Fortbewegung (zurück-)erhält. Und dazu wird Sperma in stickstoffgekühlten Röhrchen verschickt.
Entwicklung analog zur weltweiten Verbreitung des Autos

Nun könnte man einwenden: Während wir in Europa Bedenken wälzen, ob wir aus Tierschutzgründen weniger Fleisch, Eier und Milch essen sollten, versuchen Menschen in anderen Teilen der Welt erst einmal, sich der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Kalorienmenge von unten zu nähern. Sobald dies gelingt und Einkommen und Lebensstandard steigen, werden auch mehr Milch, Eier und Fleisch konsumiert. So hat sich der weltweite Fleischverbrauch allein in den Entwicklungsländern von 1963 bis 1999 mehr als verdoppelt.(9)

Die Milchproduktion in Schwellenländern in Asien und Lateinamerika hat eine Steigerungsrate von circa 3 Prozent, die der Eierproduktion von 2 Prozent – jährlich.(10) Es handelt sich, könnte man den Eindruck bekommen, um eine Entwicklung analog zur weltweiten Verbreitung des Autos. Die Bewohner der Industrienationen verpesten schon seit Jahrzehnten mit ihren Abgasen die Luft – sollen deswegen Chinesen auf ewig nur Fahrrad fahren? Wollen wir der langen Reihe unserer kolonialistischen Exporte nun auch noch unsere neu entdeckten moralischen Skrupel hinzufügen, denen zufolge der Rest der Menschheit vegetarisch zu leben habe?

Auch hier begegnet uns übrigens die Idee der Natürlichkeit oder Selbstverständlichkeit des Fleischessens (und Verzehrs anderer tierischer Produkte). In vielen Veröffentlichungen wird der Zusammenhang zwischen steigendem Lebensstandard und steigendem Konsum als gleichsam zwangsläufige, sich selbst erklärende Entwicklung dargestellt, kann beispielsweise knapp lauten: „Während die Green Revolution eine konzertierte politische und wissenschaftliche Antwort auf rasch wachsende Bevölkerungen war, wird die Livestock Revolution, die sich derzeit in den Entwicklungsländern vollzieht, vom Steigen der Einkommen und der weltweiten Mittelklasse vorangetrieben.“(11) Das ist einerseits nicht falsch, andererseits aber, wie im Folgenden gezeigt werden soll, nicht die ganze Wahrheit.
Global Player mit Intensivtierhaltung

Was bezeichnen überhaupt die Wörter „Green Revolution“ und „Livestock Revolution“? Das Erstere meint die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion von Getreide und Feldfrüchten mittels des Einsatzes von Kunstdünger, Pestiziden und neuen Züchtungen von den 1940ern bis Ende der 1970er. Analog dazu heißt Livestock Revolution („livestock“: Englisch für Nutztier) die in den 1980er Jahren einsetzende Technisierung und Effizienzsteigerung bei der Produktion tierischer Nahrungsmittel. Während allerdings inzwischen bekannt ist, dass die Segnungen der Green Revolution auch mit diversen Flüchen wie DDT-Katastrophen und der Quasimonopolisierung des Saatguts erkauft waren, weckt der Begriff der Livestock Revolution noch deutlich weniger (und weniger negative) Assoziationen.

Zu den Ländern, in denen sich diese „Revolution“ vollzieht, zählt Indien, das auch deshalb besonders interessant ist, weil es für seine lange vegetarische Tradition bekannt ist. 20 bis 30 Prozent der Inder leben vegetarisch.(12) Weit verbreitet ist immer noch die Ablehnung von Rindfleisch, dafür wird stärker auf Büffelfleisch zurückgegriffen. Außerdem boomt die Produktion von Eiern und von Hühnchenfleisch mit einer Steigerungsrate von jährlich 8 Prozent.(13) Bisweilen wird Huhn als gute Möglichkeit angepriesen, mit dem der „einfache Mann“ Speiseplan und Einnahmequellen ergänzen könne.

Allerdings stellt sich bei einem näheren Blick auf die Produktion des Hühnchenfleisches heraus, dass die Produzenten und ersten Nutznießer des gestiegenen Hühnchenfleischkonsums mitnichten Kleinbauern sind, die sich ein paar Hühner halten;(14) sondern man trifft in der indischen Hühnchenproduktion auf exakt dieselben Global Player mit Intensivtierhaltung, die man schon aus europäischem Rahmen kennt.
Bruteier an Fremdfirmen

Weil die Hühnerzüchtung und -produktion weltweit auf eine Handvoll Firmen konzentriert ist, sollen hier kurz zwei von ihnen benannt werden. Erinnern wir uns, dass die Hühnerzucht in Legehennen und Masthähnchen (eigentlich: Masthühner beiderlei Geschlechts) unterteilt ist. Zu den weltweit größten Produzenten von Masthähnchen gehört die PHW-Gruppe (nach Paul-Heinz Wesjohann), die unter anderem, aber längst nicht nur die Firma Wiesenhof kontrolliert. Dem Bruder Erich Wesjohann wiederum gehört die EW Group unter anderem mit den Firmen Lohmann (Weltmarktführer für Legehennen) und Aviagen (Genetik in der Geflügelzucht).(15) Beide Unternehmen agieren weltweit und arbeiten dabei, grob gesagt, mit dem Prinzip der Lizenzvergabe und der vertikalen Arbeitsteilung.

In vielen, nicht allen Fällen verbleiben die Großelterntiere und deren wertvolles Genmaterial in der Hand der Firma selbst, die dann Bruteier an Fremdfirmen liefert;(16) diese Firmen lassen die nächste Generation ausbrüten, geben sie eventuell weiter zu Aufzucht und Mast; für die Schlachtung gehen die Tiere manchmal an die erste Firma zurück. Es handelt sich um ein flexibles, überall einsetzbares System, mit dessen Hilfe viele Risiken und ein Großteil des Preisdrucks an andere Firmen weitergegeben werden können. Die Gewinnmargen für die anderen beteiligten Firmen sind äußerst knapp kalkuliert.(17)

Eine solche Fremdfirma, die mit beiden Wesjohann-Unternehmensgruppen (also sowohl in der Eier- als auch der Hühnchenproduktion) kooperiert, ist Suguna Poultry, die 1984 von zwei indischen Unternehmern gegründet wurde. Deren Website leuchtet in wunderschönen warmen Farben, die Slogans stehen dem nicht nach. „We dream for a healthier, happier India“, heißt es, und man verfolge „a vision to energise rural India“. Das passt gleichermaßen gut zur erklärten Firmenphilosophie der EW-Group („think globally, act locally“) wie zur Überzeugung von Paul-Heinz Wesjohann: „Ich bleibe dabei: Die moderne Geflügelzucht ist eine große soziale Tat.“(18)
Ein Huhn mit spezieller Genetik

Von der einen Unternehmensgruppe bezieht Suguna Poultry die Masthühner, von der anderen die Legehennen. So wurde Suguna Poultry die „unangefochtene Nummer eins im indischen Geflügelgeschäft“; vor zwölf Jahren machte die Firma 29 Millionen Euro Umsatz, heute sind es 570 Millionen.(19 )Ein Netz von 15 000 Bauern arbeitet für die Firma, und es werden mehr angeworben. Zu den Hähnchenställen gesellen sich Zuchtanlagen, Brütereien, Laboratorien und Futtermühlen. Derzeit produziert Suguna Poultry wöchentlich 7 500 000 Masthähnchen vom Typ Ross 308(20) – ein Huhn, dessen „Bedienungsanleitung“ 100 Seiten umfasst;(21) als Legehenne wird Lohmann LSLLITE eingesetzt, „ein Huhn mit spezieller Genetik für den indischen Markt“.

Bei diesen Hightech-Hühnern ist alles genauestens aufeinander abgestimmt: Wie sie gehalten werden, welches Futter sie benötigen, wie sie (gerade in wärmeren und feuchteren Gefilden) motiviert werden können, genug Wasser aufzunehmen, denn: „Ein Huhn, das nicht trinkt, nimmt auch kein Futter auf.“(22) Nimmt es aber weniger Futter auf als in den Unternehmenslaboren berechnet und in der Anleitung angegeben, produziert es weniger als erhofft und kostet eventuell sogar mehr, als es liefert.(23)

Das Huhn entpuppt sich also als eine Art Danaergeschenk wie jene Puppe, die Michael Endes Figur „Momo“ geschenkt bekommt; erst nach und nach versteht Momo, dass diese Puppe auch nach bestimmten Kleidern, Spielzeug und einem Gefährten verlangt. Im Falle der Hühner (die allerdings von vornherein bezahlt werden müssen) kommen also Futter, Käfig, auch spezielle Impfungen hinzu. Sie sorgen dafür, dass ein Bauer, der direkt oder über Suguna Poultry einen „exklusiven Distributorenvertrag“(25) mit den niedersächsischen Unternehmen abgeschlossen hat, nicht ohne das restliche Paket auskommen wird.
Die erste Milchfarm in Kambodscha

So entstehen – nicht nur beim Huhn, sondern auch bei anderen modernen Hochleistungstieren – überall neue Absatzmärkte für weitere europäische Firmen. Futtermittel und Impfstoffe wurden schon erwähnt. Haltungssysteme (darunter auch die in der EU verbotene herkömmliche Hühner-Käfighaltung) liefert weltweit die in Vechta angesiedelte Firma Big Dutchman, die ein Patent zur automatischen Fütterung von Legehennen besitzt. Und auch die Milchkühe, deren Sperma wie oben beschrieben weltweit versandt wird, funktionieren in der Ferne wie Momos Puppe.

Die Firma Siemens installiert dann die Technik der indischen Großmolkerei Vadushara Dairy; eine schwedische Firma beteiligt sich an der ersten Milchfarm in Kambodscha; eine spanische Firma liefert weltweit die Apparaturen für die Klauenpflege von Kühen. Damit die später gewonnenen Produkte überhaupt erst transportiert werden können, müssen in den betreffenden Ländern Verpackungsmöglichkeiten, Transportsysteme und Kühlketten aufgebaut werden. Also investieren deutsche und andere Firmen in Lkws und Kühlsysteme; überall sind im Rahmen der Green Revolution Know-how und Geld aus Europa und Nordamerika gefragt.

Doch was heißt eigentlich, dass etwas „gefragt“ sei? Wer bittet hier wen um Kooperation, und ist es nicht vielmehr oft so, dass Geld und Technologien in andere Märkte „eindringen“, sie „erobern“ oder gar erst generieren? Wiederum ist Indiens Beispiel aufschlussreich, weil es daran erinnert, dass mit dem Produkt totes, tiefgefrorenes Huhn allein nicht viel anzufangen wäre. Traditionell wurden Hühner in Indien lebend auf dem Markt gekauft und in der Nachbarschaft geschlachtet, was aus hygienischen Gründen auch gar nicht anders möglich war. Heute muss ein geschlachtetes Tier frisch gehalten und zu potenziellen Endabnehmern transportiert werden. Schließlich braucht es auch neue Arten der Verwertung, sprich Restaurants, Gewohnheiten und Rezepte. Nicht zufällig bietet Suguna Poultry auch Fertiggerichte an.

Nur das ärmste Fünftel der Weltbevölkerung, dem täglich 1 Dollar oder weniger für Nahrung zur Verfügung steht, wird auch dieses Angebot wohl nicht erreichen. So überlegt die zur EW Group gehörende Firma Aviagen: „Die Vermarktung von Hähnchenfleisch an diese Menschen ist aus offensichtlichen Gründen schwierig. Die einzige Gelegenheit, diesem Fünftel Chicken nahe zu bringen, ist durch den Verkauf von Hähnchenfleisch an Organisationen, die Nahrungsmittelhilfe vergeben.“(26) Es ist hier leider nicht der Platz, Milchpulverlieferungen in die Dritte Welt und ähnliche Phänomene zu diskutieren. Nur so viel sei gesagt: Zumindest auf dem Milchmarkt hat die Firma Danone einen direkten Weg zu den Portemonnaies der Ärmsten gefunden. An Niedrigverdiener in Indonesien hat die Firma erstmals 2004 Joghurt in 70-Gramm-Fläschchen für umgerechnet 10 Cent verkauft und 2009 in Senegal speziell für die unterste Einkommensgruppe den Trinkjoghurt Dolima (Wolof für: „Gib mir mehr“) kreiert.(27)
Danone Trinkjoghurt für Senegal

Zugegeben: Aus hinreichender Distanz betrachtet ist alles trivial, was über solche Mechanismen der Weltwirtschaft gesagt werden kann. Selbstverständlich suchen europäische Investoren internationale Absatzmärkte. Selbstverständlich generieren sie diese Märkte selbst mit. Europäische Regierungen stehen ihnen dabei zur Seite. Doch dies ist eben nicht dasselbe „Selbstverständlich“, mit dem man zunächst unbefangen nicken wird, wenn man hört, dass steigender Wohlstand weltweit auch mehr Bedarf an Fleisch, Eiern und Milch generiert. Kein Senegalese muss Danone-Joghurt trinken; kein indischer Städter braucht ausgerechnet Sugunas Home Bites’ Spaghetti Bolognese vom Huhn.

Japans Bewohner – die sich zum Bedauern der europäischen Milchindustrie weigern, ihren Trinkmilchkonsum weiter zu steigern – kämen notfalls auch ohne die Pizzerien und Schnellrestaurants aus, die europäischen Produzenten immerhin weitere Absätze für Käse und Schmelzkäse garantieren.(28) Solcher Bedarf erwächst nicht gleichsam organisch aus dem Wohlstand, sondern er wird aus einer Kombination von „harten“ Mitteln von Kapital und Politik sowie „weicheren“ kulturellen Prozessen generiert: von Investitionen, Technologietransfer, Exportsubventionen, Freihandelsabkommen; von Ernährungsberatung, Internet, Reisen und Bildern vom westlichen Lebensstil.
Hier hat der Mensch seine Erfindungsgabe denkbar schlecht genutzt

Nun lässt sich auch aus umwelt- und entwicklungspolitischen Perspektiven vieles gegen die Livestock Revolution einwenden, doch in diesem Text sollen einmal nicht die Folgen für den Menschen, sondern die für das Tier im Vordergrund stehen. Ein Fehlschluss muss dabei vermieden werden: Auch die traditionelle Tierhaltung war und ist für Tiere keine Erquickung.

Weder leben die Kühe auf Indiens Straßen „glücklich“, noch das Huhn, das auf einem afrikanischen Fahrradgepäckträger transportiert wird. Allerdings kommt der Frankenstein-Industrie – und dem dahinterstehenden Verbund aus ökonomischen Interessen und wissenschaftlichen Kompetenzen – das zweifelhafte Verdienst zu, das Grauen sowohl quantitativ wie qualitativ um ein Vielfaches gesteigert zu haben. Quantitativ, weil ohne die moderne Effizienzsteigerung ein solch hohes Niveau des Konsums von Fleisch, Milch und Eiern gar nicht zu erreichen wäre; und qualitativ, da wie oben beschrieben wirklich jede einzelne Lebensphase der involvierten Tiere zu einer Qual eigener Art umgewandelt wurde.

Nicht erst die Schlachtung, nicht erst der Transport sind qualvoll (die Dauer beider wird übrigens in den industriellen Prozessen zumeist wesentlich verlängert). Sondern auch die Reproduktion, der (meist vorenthaltene) Umgang mit dem Nachwuchs, ja sogar die Nahrungsaufnahme (die zwar dem wirtschaftlichen Ergebnis, nicht aber den subjektiven Bedürfnissen der Tiere entspricht); das Stehen und Liegen, das Bewegen – falls überhaupt möglich. Haben frühere Philosophen das Tier noch durch die unspektakuläre Freude charakterisiert gesehen, der Bedürfniserfüllung zu frönen und im eigenen Körper „zu Hause“ zu sein, hat die Intensivtierhaltung den Tieren das meiste dieses schlichten Soseins und Wohlgefühls nicht erst mit den Haltungsformen, sondern oft bereits mit der Züchtung genommen.

Vermutlich kann man es dem Kulturwesen Mensch nicht verdenken, dass es versucht ist, die widerspenstigen Elemente der Körperhaftigkeit auch anderer Spezies einem gewissen Schöpfungseifer zu unterwerfen. Das allein müsste nicht gleich katastrophal sein. Im Falle der weltweit operierenden Frankenstein-Industrie allerdings lassen sich die vielen Qualen und Grausamkeiten, die restlose Ausbeutung des Tiers für jeden ethisch nicht weiter qualifizierten Konsum und schließlich auch die Entfremdung des Menschen von anderen Spezies nicht schönreden. Hier hat der Mensch seine Intelligenz, seine Erfindungsgabe und besonders seine Fähigkeit, die Prinzipien des Lebens zu erforschen und zu variieren, denkbar schlecht genutzt.

Fußnoten:

(1) Weltweit werden jährlich circa 56 Milliarden Tiere verzehrt (vermutlich sind, wie bei den meisten Schätzungen dieser Art, nur Landwirbeltiere berücksichtigt). 67 Prozent des Geflügelfleisches, 50 Prozent der Eier und 42 Prozent des Schweinefleisches weltweit stammen aus der Massentierhaltung. Livestock’s Longs Shadow, FAO 2007.

(2) Siehe die Beiträge von Bernhard Hörning und Lars Schrader bei der Veranstaltung „Wenn die Zucht zur Qual wird“, am 23. Mai 2011: http://www.gruene-bundestag.de/cms/tierschutz/dok/384/384370.wenn_die_zucht_zur_qual_wird.html.

(3) Bernhard Hörning, „Auswirkungen der Zucht auf das Verhalten von Nutztieren“, Kassel (University Press) 2008.

(4) Michael Erhard, siehe Anmerkung 2.

(5) Auf seiner Firmenwebsite stellt Weltmarktführer Lohmann Tierzucht die Produktpalette vor: http://www.ltz.de/produkte.

(6) http://www.masterrind.com.

(7) Bernhard Hörning (Hochschule Eberswalde) in „Wenn die Zucht zur Qual wird“, siehe Anmerkung 2.

(8) Laut Informationen des Deutschen Tierschutzbundes werden bislang noch über ein Drittel aller Kühe in Anbindehaltung gehalten. http://www.tierschutzbund.de/milchkuehe.html. Auch wenn Anbindehaltung ein klarer Fall von nicht artgerechter Haltung ist, heißt das noch nicht, dass Boxenställe dem Bewegungsdrang des Tiers gerecht werden.

(9) Weltagrarbericht der Zukunftsstiftung Landwirtschaft e. V. http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichtes/fleisch.html und Christopher Delgado, „Rising Consumption of Meat and Milk in Developing Countries Has Created a New Food Revolution“, „Journal of Nutrition, Nr. 133, November 2003, S. 3907S–3910S.

(10) „Elite. Magazin für Milcherzeuger, 22. Juni 2011: http://www.elite-magazin.de/news/Milch-sprudelt-weltweit-ausser-in-der-EU-498741.html und „Agrarmärkte, Jahresheft 2007, Teilauszug „Eier und Schlachtgeflügel“ aus der Schriftenreihe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft: http://www.lfl.bayern.de/iem/agrarmarktpolitik/29337/linkurl_0_5_0_0.pdf.

(11) „Livestock Production and the global environment: Consume less or produce better?“, Henning Steinfeld und Pierre Gerber in „Proceedings of the national Academy of Sciences in The United States, 8. Oktober 2010.

(12) Siehe die diversen im englischen Wikipedia angegebenen Studien: en.wikipedia.org/wiki/Vegetarianism_by_country#India.

(13) Laut Ministry of Food Processing Industries, Bericht 2007–2008. Siehe auch: Economic Research Service/USDA, „India’s Poultry Sector: Development and Prospects“, WRS-04-03. Laut dem Informationsdienst Maier +Vidorno GmbH (mv-group.com) 2008 hat der Verzehr von Geflügelfleisch einen Anteil von 50 Prozent am jährlich um 11 Prozent wachsenden Fleischkonsum. (14) Insbesondere die „einfache Frau“ übrigens gerät dabei oft ins Hintertreffen, siehe „Info Resources Focus, 1/2007: „The Livestock Revolution: An Opportunity for Poor Farmers?“

(15) Firmenrechtlich: PHW-Gruppe Lohmann & Co. AG und EW Group GmbH.

(16) Heutige Hühnerhybriden sind so gezüchtet, dass sich die gewünschten Eigenschaften in der nächsten Generation verlieren. Die Firmen besitzen also ein „eingebautes biologisches Patent“, Franciso Marí und Rudolf Buntzel, „Das globale Huhn. Hühnerbrust und Chicken Wings – Wer isst den Rest?“, Frankfurt am Main (Brandes & Apsel) 2007.

(17) Und zwar zwischen 0,134 und 0,25 Euro pro Tier laut Franciso Marí und Rudolf Buntzel, siehe Anmerkung 16.

(18) „Welt am Sonntag, 22. März 2009.

(19) „Lohmann Poultry News, 3/2010.

(20) http://www.sugunapoultry.com/farmers/parent_stock/breed.asp.

(21) Marí/Buntzel, siehe Anmerkung 16.

(22) „Lohmann Poultry News, 3/2010.

(23) Besonders unbeeinflussbare Faktoren wie Klima, Dürre und dadurch bedingte Futterknappheiten können zur Gefahr werden, „Info Resources Focus, 1/2007

(24) „Lohmann Poultry News, 3/2010.

(25) Aus einer Firmenveröffentlichung, zitiert nach Marí/Buntzel, siehe Anmerkung 16, S. 86.

(26) „2009 machte [Danone] 42 Prozent seines Umsatzes in Indien, Indonesien oder afrikanischen Ländern. Vor zehn Jahren waren es noch 6 Prozent.“ „Financial Times Deutschland, 2. Juli 2010.

(27) http://www.meine-milch.de/artikel/deutscher-milchmarkt-import-und-exportstrukturen; Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Chancen und Herausforderungen für den deutschen Milchmarkt“, 2008.

 

Quelle: http://www.taz.de/!109274/

Paedophilennetzwerk – ein unglaublicher Horror

Das Buch: „Das Pädophilennetzwerk“ von Jean Nicolas (I) Vorwort Als ich 1994 von Luxemburg nach Belgien übersiedelte, hatte ich den Auftrag, die Geschehnisse rund um die europäischen Institutionen, die in ihrer grossen Mehrzahl in Brüssel beheimatet sind, journalistisch aufzuarbeiten und den hier beschäftigten Beamten, Kommissaren und Parlamentariern über die Schulter zu sehen und gegebenenfalls auf die Finger zu klopfen. Nie hätte ich gedacht, dass ich parallel zu meiner Arbeit eines politischen Journalisten ( die von mir aufgedeckten Unregelmässigkeiten in der EU führten immerhin im März 1999 zum Sturz der gesamten EU-Kommission) eine Entdeckungsreise durch den Sumpf der schlimmsten menschlichen Perversionen machen würde, die nicht nur zu Hunderten von Artikeln und der Veröffentlichung mehrerer Bücher, sondern auch zu unheimlichem Druck und schwerwiegensten Agressionen gegen mich und meine Familie führen würde. Die europäische Politik hat es so an sich, dass sie an den Tagen wo keine Skandale aufzudecken sind, äusserst langweilig sein kann. Mein Interesse an der maximalen Breite der Fischereinetze im Nordatlantik oder des maximalen zugelassenen Diameters einer südamerikanischen Banane, hielt sich in Grenzen. Da traf es sich gut, dass Mitte der neunziger Jahre einige sehr suspekte potentielle Kindesentführungen in Belgien als Beschäftigungstherapie für den nicht ganz ausgelasteten Journalisten dienten. Es war diese bemerkenswerte belgische Art, immer alles, auch das Schlimmste und das Schrecklichste, unter den Teppich zu kehren, die mich stutzig machte und meine angeborene journalistische Neugierigkeit stimulierte. Mit der Festnahme der Dutroux-Bande und der in den folgenden Monaten entdeckten gravierenden Unregelmässigkeiten, die immer öfters auch in Zusammenhang mit europa- und weltweit operierenden pädophilen Netzwerken gebracht wurden, stand ich plötzlich mit beiden Füssen und in vorderster Front einer journalistischen Recherche, die, wenn sie auch vor allem Belgien störte, ebenfalls breite und weite Kreise nach Frankreich, Deutschland, Luxemburg, die Slowakei, Holland und andere Länder zog. In meiner dreissigjährigen Karriere als investigativer Journalist habe ich die halbe Welt besucht, Kontakte zu allen nur erdenklichen Milieus –darunter auch viele kriminelle- gehabt, und über bewegende Schicksale und ergreifende Ereignisse berichtet und recherchiert. Nie allerdings ging mir je eine Recherche so unter die Haut und wurde ich in der Ausübung meines Berufes so unter Druck gesetzt, indem man versuchte mich mit allen Mitteln daran zu hindern, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, wie im Falle der Pädophilie. Nie hatte ich ebenfalls so viele Schwierigkeiten, die Resultate meiner Recherche in den grossen Medien zu veröffentlichen, wie in diesem Bereiche. Ich muss allerdings den Hut vor der Courage einiger grossen Medien ziehen, wie zum Beispiel der ARD, dem „Spiegel“, dem „Stern“, der „Welt am Sonntag“ und auch der „Frankfurter Allgemeine“, die diese Problematik journalistisch aufgriffen. Ich gehe heute davon aus, auch weil ich es am eigenen Leibe erfahren habe, dass in der ganzen Welt natürlich gewachsene Strukturen bestehen, die immer irgendwie den Pädokriminellen schützen. Es fängt an mit oft sehr milden Gerichtsurteilen und gipfelt in politischem Schutz. Dieser erklärt sich dadurch, dass die versteckte Pädokriminalität sich vor allem in gehobenen Kreisen, wo Geld und Infrastrukturen zu Verfügung stehen, entwickelt hat. Ob in Belgien, Frankreich oder Deutschland: Überall konnte ich Politiker, hochrangige Beamte, Richter, Industrielle und andere Persönlichkeiten identifizieren, die auf irgendeine Art und Weise mit Pädophilie zu tun hatten. So entstand in jedem Land ein „natürliches“ Netzwerk der Unterdrückung, der Protektionen und der Toleranz für eine regelrechte Seuche der Perversität gegenüber dem schwächsten Mitglied unserer Gesellschaft: dem Kind. Die zwei Schicksale der Mädchen, die den roten Faden dieses Buches darstellen, erlauben einen kleinen Einblick in das weite und unkontrollierbare Netzwerk der Pädophilie und seiner Verzweigungen. Zwei Mädchen stehen hier als Beispiel für einen Markt von mehr als zehntausend Kindern, die jährlich zum Beispiel in Deutschland missbraucht werden und der laut ofiziellen Schätzungen jedes Jahr einen Umsatz von einer Milliarde Euro allein in Deutschland darstellt. Die Dunkelziffer dieses Marktes ist natürlich äusserst schwer einzuschätzen. Wenn sie dieses Buch lesen, werden sie eine Reise in eine Horrorwelt antreten. Vieles wird ihnen unglaublich erscheinen. Ich weise allerdings daraufhin, dass sämtliche Recherchen und hier veröffentlichte Informationen auf juristischen und polizeilichen Akten beruhen, auf Zeugenaussagen die auch von der Justiz als der Wahrheit entsprechend eingestuft wurden und dass das Unglaubliche, das Schreckliche, leider die absolute Wahrheit ist. Zwei junge Mädchen haben die Affäre Dutroux überlebt. Eine davon, Sabine Dardenne, ist Zeugin in diesem Buch. Die beste Zeugin, denn sie war am längsten im Keller des Kinderschänders gefangen. Sie führte Tagebuch, schrieb Briefe und hat, sieben Jahre nach ihrer Entführung und dem ihr von Dutroux Angetanenen, Rede und Antwort gestanden. Sie stand, vor, während und nach dem Dutrouxprozess im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Mehr als neun Jahre nach dem Beginn der „Affäre Dutroux“… Samstag, den 24. Juni 1995. Julie Lejeune und Melissa Russo, beide acht Jahre alt, verschwinden an dem Tage auf mysteriöse Weise während sie auf einer Brücke der Autobahn Lüttich-Brüssel, in Grâce-Hollogne, spielen. Marc Dutroux und sein Komplize Michel Lelièvre haben die Kinder entführt. Dies sind auf jeden Fall die Erkenntnisse, die man aus dem Dutroux-Dossier des Richters Jacques Langlois herauslesen kann. Am Dienstag, den 22. August, zieht sich die blutige Spur des Marc Dutroux weiter durch Belgien : An Marchal, neunzehn Jahre und Eefje Lambrecks, siebzehn Jahre, verschwinden in Ostende, nach dem Verlassen einer Hypnoseshow, wo sie dem Magier Rastelli als Versuchspersonen zur Verfügung standen. Marc Dutroux und Michel Lelièvre haben beide entführt. Die Indizien in der Dutroux Akte und die Aussagen der beiden Beschuldigten sind eindeutig. Es bleibt jetzt ruhig um die Dutrouxaffäre, bis zum Mittwoch, den 6. Dezember 1995… Marc Dutroux wird wegen Diebstahls mit Gewaltanwendung verhaftet. Laut eigenen späteren Aussagen während seiner Verhöre, beauftragt er seine Ehefrau, Michèle Martin, sich während seiner Abwesenheit um Julie und Mélissa zu kümmern. Letztere wird wohl regelmässig den Hunden auf Nummer 128, route de Philippeville in Marcinelle, Nahrung vorbeibringen, wird die Kinder aber «aus Angst» wie sie später aussagt, verhungern lassen. Zur gleichen Zeit versagen die belgischen Polizeikräfte, sei es aus Dummheit oder aus Unvermögen. Es könnte aber auch sein, dass verschiedene Spuren, die zu Dutroux führten, bewusst ignoriert wurden. Die parlamentarische Untersuchungskommission in Sachen Dutroux stellte fest, dass die belgische Gendarmerie andere Objektive hatte, als die kleinen Julie und Mélissa wiederzufinden und bewusst deren Tod in Kauf nahm, um einen noch grösseren Coup gegen Seilschaften in Wallonien zu landen. Am Mittwoch, den 13. und am Dienstag, den 20. Dezember veranstaltet die Gendarmerie Charleroi zwei Hausdurchsuchungen bei Marc Dutroux in Marcinelle. Diese verlaufen ergebnislos. Dienstag, den 28. Mai 1996: Sabine Dardenne, zwölf Jahre, verschwindet spurlos in Kain, bei Tournai. Sie war mit ihrem Fahrrad Morgens auf dem Schulweg unterwegs. Dutroux und Lelièvre hatten sie mit ihrem weissen «Break» entführt. Am Freitag, den 9. August des selben Jahres verschwindet Laetitia Delhez, vierzehn Jahre, in Bertrix. Sie verliess am Abend zu Fuss das Gemeindeschwimmbad um nach Hause zu gehen. Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte, der übrigens im selben Dorfe wohnt, leitet sofort mit Staatsanwalt Michel Bourlet eine Untersuchung ein. Ein Gemeindepolizist aus Bertrix, der sämtliche Anwohner der Entführungszone befragt, stösst auf einen Studenten und eine Nonne, die beide Teilinformationen über das Kennzeichen eines suspekten weissen „Break“ – Lieferwagens haben, der am 9. August verdächtig auffiel. Am Dienstag, den 13. August stellt die Polizei fest, dass besagter Lieferwagen angeblich einem gewissen Marc Dutroux aus Sars-la-Buissière, bei Thuin, gehört. Sechs Häuser, die Dutroux gehören, werden polizeilich durchsucht. Aber man findet nichts! Trotzdem werden an diesem Tag drei Personen unter dringendem Tatverdacht festgenommen : Marc Dutroux, 39 Jahre, seine Ehefrau, Michèle Martin, 36 Jahre und ein Mieter eines der Dutroux-Häuser, Michel Lelièvre, 25 Jahre. Donnerstags den 15. August : Marc Dutroux legt ein erstes Geständnis ab. Er verrät das Versteck im Keller des Hauses von Marcinelle, als er den Beamten sagt : »Ich werde ihnen zwei Mädchen geben». Laetitia Delhez und Sabine Dardenne werden befreit. Dutroux sagt an dem Tag aus, dass Michel Lelièvre Julie und Mélissa entführt hat und ein gewisser Michel Nihoul, 54 Jahre, sein Komplize sei. Samstag, den 17. August : Diesmal verrät Dutroux den untersuchenden Beamten, dass die leblosen Körper von Julie Lejeune und Mélissa Russo im Garten seines Hauses in Sars-la-Buissière begraben sind. Die Grabungen ergeben, dass Dutroux Recht hat und man findet ebenfalls den leblosen Körper einer dritten Person, Bernard Weinstein, anderer Komplize von Dutroux. Am selben Tag erfährt das Untersuchungsteam via Interpol, dass Dutroux eventuel einen Pornokassettenhandel mit der Slovakei und der Tchekei betrieb, wo man ihn ebenfalls verschiedener Straftaten verdächtigt. Dutroux und Lelièvre waren mehrmals in diesen beiden Ländern. Am nächsten Tag kommen die untersuchenden Beamten einen grossen Schritt weiter: Dutroux und sein Komplize Lelièvre legen ein Geständnis über die Entführung von An Marchal und Eefje Lambrecks, ab. Dienstag, den 3. September : Man findet die toten An und Eefje auf dem Dutroux-Grundstück in Jumet, wo Weinstein wohnte. « Die haben alle miteinander geschrien. Laetitia und ich waren der Meinung, dass die bösen Menschen jetzt kommen würden um uns zu töten. Ich sagte : « Ich habe Angst » und Laetitia hatte auch Angst. Wir versuchten uns gegenseitig zu trösten. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Dutroux rief : Ich bin’s ! Das hiess wie immer, dass er uns erlaubte, aus dem Kerker herauszukommen. Aber ich hatte furchtbare Angst, denn da standen soviele Männer. Wir haben beide versucht uns zu verstecken. Plötzlich flüssterte Laetitia mir zu : Da steht ein Polizist, ich kenne den, wir können rausgehen. Als wir rausgingen, habe ich bei mir gedacht, dass der schlechte Traum jetzt vorbei ist. Ich habe mich bei Dutroux bedankt, denn ich glaubte in dem Moment dass er der Mann ist, der den Mut hatte, die Polizisten mitzubringen, um uns zu befreien.“ Diese Worte von Sabine Dardenne fassen Anfang 2003 die ersten Gedanken zusammen, die sie am 15. August 1996 zusammen brachte. Es ist der Tag, an dem Sabine und ihre Leidesgenossin Laetitia aus ihrem Verliess im Keller des Hauses von Marc Dutroux in Marcinelle befreit werden. Fotos und Filmausschnitte zeigen zwei Mächen, ein Grösseres und ein Kleineres. Das kleine Mädchen weint und kommt aus dem Hause heraus. Sie ist irgendwie verloren hierdraussen, in diesem sehr ärmlich anmutenden Viertel, in dieser mehr als dreckigen, engen Strasse vor dem Dutroux Haus. Das ganze Viertel ist grell und hell beleuchtet durch unzählige Apparate von Pressefotographen und Kameraleuten. Einige zufällig anwesende Nachbarn spenden Beifall und irgend ein Mann, ein Polizist ohne Uniform, fasst das kleine Mädchen an der Schulter und befördert es in ein Polizeiauto. Sabine, nach mehr als sechswöchiger « Haftzeit », sowie Laetitia nach vierzehntägiger Freiheitsberaubung, sind von Dutroux schon soweit konditioniert, dass sie sich bei ihrer Befreiung zuerst in die Arme des Kinderschänders und nicht in die der sie befreienden Polizisten stürzen. Für beide Mädchen stellt nach ihrer Gefangenschaft ihr Schänder Sicherheit und Vertrauen dar; die anderen Männer sind für beide eine Bedrohung, auf jeden Fall während der ersten Minuten der Befreiung die beide Mädchen gar nicht richtig verstehen und realisieren. So wie Sabine ebenfalls die ersten Augenblicke und Tage ihrer Entführung und Freiheitsberaubung nicht verstehen konnte. Ist es Tag, ist es Nacht ? Sabine weiss es nicht. Das zwölfjährige Mädchen sitzt während langen Wochen allein im Kellerverliess des Kinderschänders Marc Dutroux. Ihr einziger Besitz : Ihr Schulranzen, an den sie laut eigenen Aussagen Dutroux nicht heranliess. Und das kleine Mädchen, das grosse psychologische Stärke beweisst, wird nach einigen Tagen grosser Verzweiflung eines ihrer Schulhefte aus dem Ranzen kramen und ein Tagebuch führen. « Meinen Kalender » hat sie dieses Tagebuch betitelt, in dem sie versucht, Zeitabläufe festzuhalten und verschiedene, von ihr als « Aktivitäten » bezeichnete Ereignisse, zu beschreiben. « Ich blieb im Besitz meines Schulranzen. Der Inhalt : Meine Französischkurse, die niederländischen Lehrbücher, meine Mathearbeiten. Und viel Papier. » Sie schreibt Briefe an ihre « liebe Eltern ». Sabine kommt aus einem kleinbürgerlichen Arbeitermilieu, wächst auf mit Mutter, Stiefvater, Onkel, immerhin in der Geborgenheit einer normalen, wenn auch in mehr oder weniger ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie. Bei jeder sexuellen Handlung die sie über sich ergehen lassen muss, zeichnet sie einen kleinen Stern, der ihr Leiden ausdrücken soll, in ihr Tagebuch. Der Stern ist ebenfalls Ausdruck sexueller Vergewaltigungen, die dem jungen Mädchen sehr weh taten. Kleine Kreuze bezeugen von den Momenten wo Dutroux anwesend war und sie belästigte. Ein grosses P (der erste Buchstabe des französischen Wortes für abwesend, „parti“) zeigt an, dass Dutroux abwesend ist und ein grosses R (der erste Buchstabe des französischen Wortes für zurückgekommen, „revenu“) hat sie ins Tagebuch eingetragen, wenn er zurück war. Sie späht durch Ritzen in den Mauern und kann bemerken, ob Tageslicht durchkommt oder nicht. So kann sie irgendwie miterleben, ob es Tag ist oder Nacht… Natürlich wurde das Kind nicht nur sexuell, sondern auch psychisch von Dutroux ausgenutzt. « Dutroux hatte mir gesagt, dass ich getrost meinen Eltern Briefe schreiben dürfte. Also schrieb ich an meine Eltern und erzählte ihnen in den Briefen meinen Tagesablauf und alles, was es sonst noch zu erzählen gab. Es war ein bisschen als ob ich in Ferien wäre. Obschon Dutroux mir immer sagte, meine Eltern wären böse Menschen, hatte ich meine Eltern lieb. Ich wollte zurück nach Hause und fragte meine Eltern mich doch abzuholen », erzählt Sabine. Am 22. August 1996 hält Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte im Protokoll Nr 112352 fest, dass ihm ein Paket von Sabine Dardenne geschriebenen Briefe an ihre Familie übergeben wurde. Der Richter hält fest, dass er die immer noch verschlossenen Briefe aufmachte und sie laas. Dann übergab er sie den mit dem Dutroux Fall befassten Polizeibeamten. Einer dieser Beamten, Polizist Hupez, hält am 2. September in den Protokollen 112355 und 112359 fest, dass die Handschrift von Sabine nicht immer dieselbe ist. „Es gibt Variationen in der Handschrift von Sabine“, schreibt der Polizist. „Ich stelle fest, dass besagte Handschrift manchmal viel nervöser ist und Sabine sich beim Schreiben weniger angestrengt hat. Die Präsentation der Briefe ist manchmal äusserst unordentlich. Diese Variation stammen wahrscheinlich von der mentalen Manipulation, die Dutroux auf Sabine ausübte.“ Der Kommissar erwähnt dann auch die verschiedensten Druckmittel, die Marc Dutroux gegenüber dem 12 jährigen Mädchen gebrauchte: Unerfüllte Lösegeldforderung an die Eltern, Beschützerrolle von Dutroux, Todesdrohungen, körperliche und sexuelle Tortur, Einsperren, Drogen, usw. Um sicher zu gehen, dass besagte Briefe auch wirklich von Sabine stammten und nicht von Dutroux manipuliert wurden, liess man grafologische Gutachten anfertigen sowie sämtliche Spuren ( wie zum Beispiel Haarspuren im Briefumschlag) festhalten. Dutroux hatte ihr versprochen, ihre Briefe abzuschicken . Sabine hat heute noch Tränen in den Augen und ihre Stimme schwankt, wenn sie von ihrer Entäuschung in Bezug auf die von Dutroux nie abgesandten Briefe berichtet: « Meine Briefe hat er unter dem Teppich im ersten Stockwerk versteckt », erklärt das junge Mädchen. 33 Blätter wurden so wiedergefunden. Der längste Brief war zehn Seiten lang. Sämtliche Briefe waren mit kindlicher Schönschrift verfasst, eine regelmässige Schrift, fast ohne Fehler. Man bemerkt, dass im Laufe der Zeit die psychologische Verwüstungsarbeit von Dutroux gegenüber Sabine Wirkung zeigt. Sabine fühlt sich immer mehr verlassen. Der Inhalt der Briefe ist gezeichnet von Resignation, aber auch anhaltender Liebe zu ihren Eltern. Zwei junge Mädchen haben die Affäre Dutroux überlebt. Eine davon, Sabine Dardenne, ist Zeugin in diesem Buch. Die beste Zeugin, denn sie war am längsten im Keller des Kinderschänders gefangen. Sie führte Tagebuch, schrieb Briefe und hat, sieben Jahre nach ihrer Entführung und dem ihr von Dutroux Angetanenen, Rede und Antwort gestanden. Sie stand, vor, während und nach dem Dutrouxprozess im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Mehr als neun Jahre nach dem Beginn der „Affäre Dutroux“… Samstag, den 24. Juni 1995. Julie Lejeune und Melissa Russo, beide acht Jahre alt, verschwinden an dem Tage auf mysteriöse Weise während sie auf einer Brücke der Autobahn Lüttich-Brüssel, in Grâce-Hollogne, spielen. Marc Dutroux und sein Komplize Michel Lelièvre haben die Kinder entführt. Dies sind auf jeden Fall die Erkenntnisse, die man aus dem Dutroux-Dossier des Richters Jacques Langlois herauslesen kann. Am Dienstag, den 22. August, zieht sich die blutige Spur des Marc Dutroux weiter durch Belgien : An Marchal, neunzehn Jahre und Eefje Lambrecks, siebzehn Jahre, verschwinden in Ostende, nach dem Verlassen einer Hypnoseshow, wo sie dem Magier Rastelli als Versuchspersonen zur Verfügung standen. Marc Dutroux und Michel Lelièvre haben beide entführt. Die Indizien in der Dutroux Akte und die Aussagen der beiden Beschuldigten sind eindeutig. Es bleibt jetzt ruhig um die Dutrouxaffäre, bis zum Mittwoch, den 6. Dezember 1995… Marc Dutroux wird wegen Diebstahls mit Gewaltanwendung verhaftet. Laut eigenen späteren Aussagen während seiner Verhöre, beauftragt er seine Ehefrau, Michèle Martin, sich während seiner Abwesenheit um Julie und Mélissa zu kümmern. Letztere wird wohl regelmässig den Hunden auf Nummer 128, route de Philippeville in Marcinelle, Nahrung vorbeibringen, wird die Kinder aber «aus Angst» wie sie später aussagt, verhungern lassen. Zur gleichen Zeit versagen die belgischen Polizeikräfte, sei es aus Dummheit oder aus Unvermögen. Es könnte aber auch sein, dass verschiedene Spuren, die zu Dutroux führten, bewusst ignoriert wurden. Die parlamentarische Untersuchungskommission in Sachen Dutroux stellte fest, dass die belgische Gendarmerie andere Objektive hatte, als die kleinen Julie und Mélissa wiederzufinden und bewusst deren Tod in Kauf nahm, um einen noch grösseren Coup gegen Seilschaften in Wallonien zu landen. Am Mittwoch, den 13. und am Dienstag, den 20. Dezember veranstaltet die Gendarmerie Charleroi zwei Hausdurchsuchungen bei Marc Dutroux in Marcinelle. Diese verlaufen ergebnislos. Dienstag, den 28. Mai 1996: Sabine Dardenne, zwölf Jahre, verschwindet spurlos in Kain, bei Tournai. Sie war mit ihrem Fahrrad Morgens auf dem Schulweg unterwegs. Dutroux und Lelièvre hatten sie mit ihrem weissen «Break» entführt. Am Freitag, den 9. August des selben Jahres verschwindet Laetitia Delhez, vierzehn Jahre, in Bertrix. Sie verliess am Abend zu Fuss das Gemeindeschwimmbad um nach Hause zu gehen. Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte, der übrigens im selben Dorfe wohnt, leitet sofort mit Staatsanwalt Michel Bourlet eine Untersuchung ein. Ein Gemeindepolizist aus Bertrix, der sämtliche Anwohner der Entführungszone befragt, stösst auf einen Studenten und eine Nonne, die beide Teilinformationen über das Kennzeichen eines suspekten weissen „Break“ – Lieferwagens haben, der am 9. August verdächtig auffiel. Am Dienstag, den 13. August stellt die Polizei fest, dass besagter Lieferwagen angeblich einem gewissen Marc Dutroux aus Sars-la-Buissière, bei Thuin, gehört. Sechs Häuser, die Dutroux gehören, werden polizeilich durchsucht. Aber man findet nichts! Trotzdem werden an diesem Tag drei Personen unter dringendem Tatverdacht festgenommen : Marc Dutroux, 39 Jahre, seine Ehefrau, Michèle Martin, 36 Jahre und ein Mieter eines der Dutroux-Häuser, Michel Lelièvre, 25 Jahre. Donnerstags den 15. August : Marc Dutroux legt ein erstes Geständnis ab. Er verrät das Versteck im Keller des Hauses von Marcinelle, als er den Beamten sagt : »Ich werde ihnen zwei Mädchen geben». Laetitia Delhez und Sabine Dardenne werden befreit. Dutroux sagt an dem Tag aus, dass Michel Lelièvre Julie und Mélissa entführt hat und ein gewisser Michel Nihoul, 54 Jahre, sein Komplize sei. Samstag, den 17. August : Diesmal verrät Dutroux den untersuchenden Beamten, dass die leblosen Körper von Julie Lejeune und Mélissa Russo im Garten seines Hauses in Sars-la-Buissière begraben sind. Die Grabungen ergeben, dass Dutroux Recht hat und man findet ebenfalls den leblosen Körper einer dritten Person, Bernard Weinstein, anderer Komplize von Dutroux. Am selben Tag erfährt das Untersuchungsteam via Interpol, dass Dutroux eventuel einen Pornokassettenhandel mit der Slovakei und der Tchekei betrieb, wo man ihn ebenfalls verschiedener Straftaten verdächtigt. Dutroux und Lelièvre waren mehrmals in diesen beiden Ländern. Am nächsten Tag kommen die untersuchenden Beamten einen grossen Schritt weiter: Dutroux und sein Komplize Lelièvre legen ein Geständnis über die Entführung von An Marchal und Eefje Lambrecks, ab. Dienstag, den 3. September : Man findet die toten An und Eefje auf dem Dutroux-Grundstück in Jumet, wo Weinstein wohnte. « Die haben alle miteinander geschrien. Laetitia und ich waren der Meinung, dass die bösen Menschen jetzt kommen würden um uns zu töten. Ich sagte : « Ich habe Angst » und Laetitia hatte auch Angst. Wir versuchten uns gegenseitig zu trösten. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Dutroux rief : Ich bin’s ! Das hiess wie immer, dass er uns erlaubte, aus dem Kerker herauszukommen. Aber ich hatte furchtbare Angst, denn da standen soviele Männer. Wir haben beide versucht uns zu verstecken. Plötzlich flüssterte Laetitia mir zu : Da steht ein Polizist, ich kenne den, wir können rausgehen. Als wir rausgingen, habe ich bei mir gedacht, dass der schlechte Traum jetzt vorbei ist. Ich habe mich bei Dutroux bedankt, denn ich glaubte in dem Moment dass er der Mann ist, der den Mut hatte, die Polizisten mitzubringen, um uns zu befreien.“ Diese Worte von Sabine Dardenne fassen Anfang 2003 die ersten Gedanken zusammen, die sie am 15. August 1996 zusammen brachte. Es ist der Tag, an dem Sabine und ihre Leidesgenossin Laetitia aus ihrem Verliess im Keller des Hauses von Marc Dutroux in Marcinelle befreit werden. Fotos und Filmausschnitte zeigen zwei Mächen, ein Grösseres und ein Kleineres. Das kleine Mädchen weint und kommt aus dem Hause heraus. Sie ist irgendwie verloren hierdraussen, in diesem sehr ärmlich anmutenden Viertel, in dieser mehr als dreckigen, engen Strasse vor dem Dutroux Haus. Das ganze Viertel ist grell und hell beleuchtet durch unzählige Apparate von Pressefotographen und Kameraleuten. Einige zufällig anwesende Nachbarn spenden Beifall und irgend ein Mann, ein Polizist ohne Uniform, fasst das kleine Mädchen an der Schulter und befördert es in ein Polizeiauto. Sabine, nach mehr als sechswöchiger « Haftzeit », sowie Laetitia nach vierzehntägiger Freiheitsberaubung, sind von Dutroux schon soweit konditioniert, dass sie sich bei ihrer Befreiung zuerst in die Arme des Kinderschänders und nicht in die der sie befreienden Polizisten stürzen. Für beide Mädchen stellt nach ihrer Gefangenschaft ihr Schänder Sicherheit und Vertrauen dar; die anderen Männer sind für beide eine Bedrohung, auf jeden Fall während der ersten Minuten der Befreiung die beide Mädchen gar nicht richtig verstehen und realisieren. So wie Sabine ebenfalls die ersten Augenblicke und Tage ihrer Entführung und Freiheitsberaubung nicht verstehen konnte. Ist es Tag, ist es Nacht ? Sabine weiss es nicht. Das zwölfjährige Mädchen sitzt während langen Wochen allein im Kellerverliess des Kinderschänders Marc Dutroux. Ihr einziger Besitz : Ihr Schulranzen, an den sie laut eigenen Aussagen Dutroux nicht heranliess. Und das kleine Mädchen, das grosse psychologische Stärke beweisst, wird nach einigen Tagen grosser Verzweiflung eines ihrer Schulhefte aus dem Ranzen kramen und ein Tagebuch führen. « Meinen Kalender » hat sie dieses Tagebuch betitelt, in dem sie versucht, Zeitabläufe festzuhalten und verschiedene, von ihr als « Aktivitäten » bezeichnete Ereignisse, zu beschreiben. « Ich blieb im Besitz meines Schulranzen. Der Inhalt : Meine Französischkurse, die niederländischen Lehrbücher, meine Mathearbeiten. Und viel Papier. » Sie schreibt Briefe an ihre « liebe Eltern ». Sabine kommt aus einem kleinbürgerlichen Arbeitermilieu, wächst auf mit Mutter, Stiefvater, Onkel, immerhin in der Geborgenheit einer normalen, wenn auch in mehr oder weniger ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie. Bei jeder sexuellen Handlung die sie über sich ergehen lassen muss, zeichnet sie einen kleinen Stern, der ihr Leiden ausdrücken soll, in ihr Tagebuch. Der Stern ist ebenfalls Ausdruck sexueller Vergewaltigungen, die dem jungen Mädchen sehr weh taten. Kleine Kreuze bezeugen von den Momenten wo Dutroux anwesend war und sie belästigte. Ein grosses P (der erste Buchstabe des französischen Wortes für abwesend, „parti“) zeigt an, dass Dutroux abwesend ist und ein grosses R (der erste Buchstabe des französischen Wortes für zurückgekommen, „revenu“) hat sie ins Tagebuch eingetragen, wenn er zurück war. Sie späht durch Ritzen in den Mauern und kann bemerken, ob Tageslicht durchkommt oder nicht. So kann sie irgendwie miterleben, ob es Tag ist oder Nacht… Natürlich wurde das Kind nicht nur sexuell, sondern auch psychisch von Dutroux ausgenutzt. « Dutroux hatte mir gesagt, dass ich getrost meinen Eltern Briefe schreiben dürfte. Also schrieb ich an meine Eltern und erzählte ihnen in den Briefen meinen Tagesablauf und alles, was es sonst noch zu erzählen gab. Es war ein bisschen als ob ich in Ferien wäre. Obschon Dutroux mir immer sagte, meine Eltern wären böse Menschen, hatte ich meine Eltern lieb. Ich wollte zurück nach Hause und fragte meine Eltern mich doch abzuholen », erzählt Sabine. Am 22. August 1996 hält Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte im Protokoll Nr 112352 fest, dass ihm ein Paket von Sabine Dardenne geschriebenen Briefe an ihre Familie übergeben wurde. Der Richter hält fest, dass er die immer noch verschlossenen Briefe aufmachte und sie laas. Dann übergab er sie den mit dem Dutroux Fall befassten Polizeibeamten. Einer dieser Beamten, Polizist Hupez, hält am 2. September in den Protokollen 112355 und 112359 fest, dass die Handschrift von Sabine nicht immer dieselbe ist. „Es gibt Variationen in der Handschrift von Sabine“, schreibt der Polizist. „Ich stelle fest, dass besagte Handschrift manchmal viel nervöser ist und Sabine sich beim Schreiben weniger angestrengt hat. Die Präsentation der Briefe ist manchmal äusserst unordentlich. Diese Variation stammen wahrscheinlich von der mentalen Manipulation, die Dutroux auf Sabine ausübte.“ Der Kommissar erwähnt dann auch die verschiedensten Druckmittel, die Marc Dutroux gegenüber dem 12 jährigen Mädchen gebrauchte: Unerfüllte Lösegeldforderung an die Eltern, Beschützerrolle von Dutroux, Todesdrohungen, körperliche und sexuelle Tortur, Einsperren, Drogen, usw. Um sicher zu gehen, dass besagte Briefe auch wirklich von Sabine stammten und nicht von Dutroux manipuliert wurden, liess man grafologische Gutachten anfertigen sowie sämtliche Spuren ( wie zum Beispiel Haarspuren im Briefumschlag) festhalten. Dutroux hatte ihr versprochen, ihre Briefe abzuschicken . Sabine hat heute noch Tränen in den Augen und ihre Stimme schwankt, wenn sie von ihrer Entäuschung in Bezug auf die von Dutroux nie abgesandten Briefe berichtet: « Meine Briefe hat er unter dem Teppich im ersten Stockwerk versteckt », erklärt das junge Mädchen. 33 Blätter wurden so wiedergefunden. Der längste Brief war zehn Seiten lang. Sämtliche Briefe waren mit kindlicher Schönschrift verfasst, eine regelmässige Schrift, fast ohne Fehler. Man bemerkt, dass im Laufe der Zeit die psychologische Verwüstungsarbeit von Dutroux gegenüber Sabine Wirkung zeigt. Sabine fühlt sich immer mehr verlassen. Der Inhalt der Briefe ist gezeichnet von Resignation, aber auch anhaltender Liebe zu ihren Eltern. « Wenn ihr es nicht schon getan habt, so bitte ich euch meine Kugelschreiber und Leuchtstifte jetzt zu benutzen, denn später werden sie vertrocknet sein. Ich bete jeden Tag zu Gott, dass er mir hilft, euch wiederzufinden, denn das ist mein innigster Wunsch, » schreibt sie an ihrer Eltern . « Ich hoffe, dass jemand sich um meinen Garten und auch um Fifi (Sabines Kanarienvogel) kümmert. Ich hoffe beiden geht es gut. » Dutroux versucht die Kleine für seine sexuellen Perversionen gefügig zu machen. Der Kinderschänder hat dem kleinen Mädchen mitgeteilt, dass ihre Eltern nichts mehr von ihr wissen wollen. Natürlich will Sabine dies nicht sofort glauben und fragt Dutroux, doch einen Kontakt zu ihren Eltern herzustellen. Dutroux, der in die Rolle eines gutartigen Entführers schlüpft und dem jungen Mädchen glaubhaft macht, dass seine « Chefs » ihr nur Böses wollen, er sich ihnen aber entgegenstellt, erschleicht sich schliesslich das Vertrauen von Sabine, in dem er ihr mitteilt, dass er trotz Verbotes des „ Chefs“ telefonischen Kontakt mit Sabines Mutter aufgenommen hätte. Sabine vertraut ihrem Tagebuch an : « Ich bin sehr froh, Neuigkeiten von euch erhalten zu haben. Ich weiss, dass er nicht lange mit euch reden konnte, weil er sonst Schwierigkeiten mit seinem Chef bekommen würde ». Der Auszug besagten Tages strotzt nur so von netten Bemerkungen die Sabine über die ihr von Dutroux zugetragenen Informationen über ihre kleine Familie macht. Wie zum Beispiel, dass der Onkel soundso bei den Eltern zu Hause War « Deine Schwester hat ihren Jahresabschluss geschafft, ja, deine Eltern haben das Schwimmbecken aufgerichtet », usw…, belügt sie Dutroux und Sabine glaubt alles. Dutroux hat ein perfektes Einschüchterungssystem für das zwölfjährige Kind aufgebaut. « Sofort als ich in seinem Hause ankam, teilte Dutroux mir mit, dass ich Glück gehabt hätte und er mir das Leben gerettet hätte. Denn wenn die Anderen mich gefangen hätten, dann hätten sie mich sehr schnell getötet. Er sprach immer von dem Bösen, den er auch den Chef nannte und spielte die Rolle meines Beschützers. » Zur Ausübung seiner perversen sexuellen Phantasien nahm Dutroux das Kind manchmal mit nach Oben in die Wohnung. Er musste sie also zu komplettem Gehorsam zwingen, um jeden Fluchtversuch zu vermeiden. « Er hat mir nie Genaues über den Chef erzählt aber er hat mir gesagt, dass er Mitglied eines Netzwerkes wäre, bestehend aus seinen vielen Freunden und ihm. Er sagte mir auch dass es keinen Sinn hätte, zu versuchen, mich des Haustelefons zu bedienen, denn es handele sich hier um ein internes Leitungsnetz. Dutroux erklärte sogar, dass dieses Netz so funktionniere wie wenn alle Komplizen im selben Hochhaus wohnen würden.“ Dutroux, in seiner primitiven Art, bringt es trotzdem fertig, Sabine um den Finger zu wickeln. „Er sagte mir, dass er mich einsperren müsste, um mir das Leben zu retten. Er wollte verhindern, dass der Böse mich umbringt. Er sagte auch, dass der Böse bei meinen Eltern Geld verlangt hätte, diese aber keines hätten. Ich glaubte ihm das. Ich stellte mir viele Fragen. Er sprach von einer Million (AdA : 25.000 Euro). Er sagte auch : Die wollen dich gar nicht freikaufen, sie könnten ja ihr Haus verkaufen, den Wagen… » Man kann Sabine alle Emotionen aus ihrem Gesicht ablesen, wenn sie diese Episode weiter erzählt. Hinterhältig befragt der Kinderschänder die Kleine : « Warum bezahlen deine Eltern nicht für dich ? … » Sabine konnte ja nicht wissen, dass Dutroux, oder irgendein Komplize, niemals mit ihren Eltern gesprochen hat. « Und ich, ich glaubte ihm ». Trotzdem hat Sabine eines Tages versucht, aus ihrem Gefängnis auszubrechen. Sabine ist moralisch am Ende und dort angekommen, wo Dutroux sie hinführen wollte. Nach einigen Wochen Gefangenschaft und Bearbeitung durch ihren Schänder, schreibt sie erneut einen Brief an ihre Eltern : « Ich bin sehr froh, dass ihr mir alle verziehen habt und dass ihr mir viel Glück wünscht. » Und sie schlussfolgert in Bezug auf ihr Verschwinden : « Verzeiht mir all das Böse das ich euch angetan habe ». Dutroux bringt die Kleine soweit, dass sie Zeichnungen anfertigt, vier an der Zahl, auf denen Sabine sich selbst darstellt, lächelnd, betitelt « Vorher/Nachher » oder « Haare von Papa und Mama geschnitten »und « Haare vom Monsieur geschnitten ». Sie biedert sich bei ihrem Vater an ; sie stellt Kreuzworträtsel her, denn ihr Vater mag diesen Zeitvertreib. Sie inspiriert sich von Rätseln, die sie in alten Zeitschriften findet, die Dutroux ihr zum Zeitvertreib in den Kerker legt. Diese Kreuzworträtsel und Zeichnungen werden ebenso wie die Briefe nach der Verhaftung von Dutroux unter dem Teppich des Wohnzimmers von Polizisten wiedergefunden. Im Laufe der dahingehenden Wochen werden die Eintragungen dieser modernen Anne Frank immer systematischer. Sabine spielt mit den Zahlen. Sie schreibt Uhrzeiten auf, wie zum Beispiel : « Zwei Minuten nach eins : Zwei ist die Hausnummer meiner Taufpatin . Drei nach eins : Ich weiss nicht. Fünf nach eins : Ich weiss nicht. Sieben nach eins : Sieben ist meine Lieblingsziffer. Acht nach eins : Acht ist die Lieblingsziffer von Sebastien. Zwölf nach eins : Mein Alter. Dreizehn nach eins : Geburtsdatum von Bobonne. » Dieses System geht stundenlang weiter, Sabine versucht mit jeder Zahl Erinnerungen aus dem Umfeld ihrer Familie aufzurufen und seien es nur die Schuhgrössen der ihr Nahenstehenden. Sabine erklärt, dass sie in ihrer Zelle versucht hat, irgendwie am Leben ihrer Familie teilzunehmen. Die Arbeitstage ihrer Mutter sind im Tagebuch gekennzeichnet : « Ich wusste, dass sie jedes zweite Wochenende zur Arbeit ging, ich wusste, dass sie jeden zweiten Dienstag frei hatte. Ich sagte mir immer, dass um diese oder jene Uhrzeit Mutter ihre Arbeitstelle verlässt. Papa hatte eine regelmässigere Arbeitszeit.“ In ihrer primitiven Zelle hatte die kleine Sabine mehr als genug Zeit, über ihre Entführung nachzudenken und ihre Ereignisse immer wieder zu erleben. Ihr Bericht ist heute, mehr als neun Jahre später, noch sehr genau : « Es war am 28. Mai 1996, um sieben Uhr fünfundzwanzig, ein ganz normaler Dienstag ». Das kleine Dorf Kain, nur einige Kilometer von der belgischen Stadt Tournai enfernt, lebt auf wie jeden Morgen. « Ich ging zusammen mit meinem Vater zur Haustür hinaus, mein Vater bog sofort nach rechts ab und ich nach links, in Richtung meiner Schule. Dieser Weg führt von unserer Wohnung zum Collège Notre Dame wo ich die erste Klasse des Sekundarunterrichts besuchte. An diesem Tag beeilte ich mich, den Weg zur Schule mit meinem grünen Fahrrad zurückzulegen. Kurze Zeit später fuhr in der Rue du Stade ein weisser Lieferwagen an mir vorbei. Alles ging sehr schnell. Ich habe nichts bemerkt. Ich habe nicht auf die vorbeifahrenden Wagen aufgepasst. Ich bemerkte wie der Wagen stehenblieb, aber dies hat mich nicht beunruhigt. Als ich am Wagen vorbeifuhr, zog eine Hand mich mit meinem Rucksack ins Auto hinein und der Mann packte ebenfalls mein Fahrrad in den Lieferwagen . Meine Schwimm-und Sportsachen waren auf meinem Fahrrad festgebunden. Das Auto fuhr sehr schnell. Ich nahm an, dass wir uns auf der Autobahn befinden würden. Ich konnte allerdings nicht aus dem Wagen heraussehen. An den Fenstern hingen Vorhänge. Dutroux versuchte mir mehrere weisse Pillen in den Mund zu stopfen . Ich habe sie aber wieder rausgespuckt ». Die ersten Aussagen von Sabine bei der Polizei bestätigen dieses Szenario. Hier erzählt Sabine, dass sie die besagten Pillen mit ein wenig Coca-Cola schlucken musste. « Weil ich aber immer noch nicht schlief, hat er mir wieder drei oder vier Pillen gegeben und schliesslich mehrere Tropfen mit einem Tropfenzähler in den Mund eingeführt . Ich war benommen. Ich denke, ich habe einige Zeit geschlafen. Ich bin aber wieder schnell aufgeweckt. Ich fragte sofort Dutroux wo der Rest meiner Cola wäre. Er hat mir geantwortet, dass der andere (AdA: Michel Lelièvre) sie ausgetrunken hätte. In diesem Moment war das Auto noch immer in Bewegung. Die beiden Männer haben mich am Ende der Reise im Wagen in eine blaumetallik Stahlkiste eingesperrt. » Polizeibeamte stellten später fest, was Dutroux auch in den Verhören bestätigen wird : bei den Sabine verabreichteten Tropfen handelte es sich um Rohypnol, ein Medikament der Kategorie der Psychotropen, das zum Beispiel als Substitutionsmittel für Heroin angewendet wird. Dieses Medikament wird im Falle von Sabine und deren heutigen Erklärungen noch eine grosse Rolle spielen, wie wir in den folgenden Seiten sehen werden. In Marcinelle angekommen, wurde die „ ganz “ spezielle Fracht der beiden Kinderräuber in der Metallkiste ins Haus getragen. „Im Innern des Hauses wurde ich aus der Kiste befreit“. Sabine war wieder zu sich gekommen, so dass sie selbstständig die Treppe zum ersten Stockwerk hinaufgehen konnte. « Ich wurde zwei bis drei Tage Oben gefangen gehalten. Ich musste mich nackt ausziehen. Dann musste ich mich auf das Bett legen und Dutroux band mich mit einer Kette am Hals am Bett fest. Dutroux ist mehrmals zu mir gekommen. Danach wurde ich in der Zelle im Keller eingesperrt.“ Das junge Opfer beschreibt den Zustand der Zelle als Dutroux sie einschliesst . « Dutroux ging mit mir in den Keller. Vor einer grossen Wand entfernte er ein schweres Regal. Er öffnete eine versteckte Tür und sagte zu mir : Hier wirst du dich wohlfühlen, hier wirst du gut versteckt sein. Zwei Matrazen lagen auf Holzpaletten, die sich in direkten Kontakt mit dem Boden befanden. Eine einzige Birne brannte an der Decke. Dutroux hat mir die Halsfessel ausgezogen. Das Mobilar bestand aus einem kleinen faltbaren Tisch und einem kleinen Regal. Meine Notdurft musste ich in einem Eimer verrichten. Einige Zeit später bekam ich dann eine Kaffeemaschine mit der ich Wasser aufwärmen konnte. Dieses Wasser war in einem grossen Benzinbehälter enthalten.“ Sabine kann sich nur gelegentlich waschen. Dutroux kommt dann nach unten, befreit sie aus der Zelle und nimmt sie mit ins Badezimmer. Sie darf sich dann gründlicher waschen. Alles spielt sich im Beisein von Marc Dutroux ab. Manchmal bleibt Sabine im Kerker während einer Woche eingesperrt, ohne irgendeinen Menschen zu sehen. « Die wichtigste Entscheidung, die ich dann zu treffen hatte bestand darin zu entscheiden, ob ich das zur Verfügung stehende Wasser zum Trinken oder zum Waschen gebrauchen werde“. Wenn sie Dutroux längere Zeit allein lässt, stellt er eine Spielkonsole der Marke Sega mit einem Bildschirm in ihre Zelle. Sabine, die auch noch unter Klaustrophobie leidet, ist beim Spielen äusserst nervös : « Eines Tages hat mich meine Ungeschicklichkeit beim Spielen so in Wut gebracht, dass ich das Spiel gegen die Mauer warf. Als ich es wieder aufhob, hörte ich sofort, dass irgendwas im Inneren der Konsole kaputt gegangen war. Das Spiel funktionierte nicht mehr und jetzt hatte ich keine Möglichkeit mehr, mich auf diese Weise zu beschäftigen. » In der Zelle ist es kalt, manchmal sehr kalt. Sabine, die, wenn sie nach Oben mitgenommen wird, praktisch immer nackt herumlaufen oder liegen muss, ist im Keller noch immer so angezogen, wie sie es damals am 28. Mai war, als sie entführt wurde. Sie trägt einen Short und ein T-Shirt. Die Zelle wird nur dürftig durch einen ganz kleinen elektrischen Heizkörper versorgt. Um die Zelle, die sich im Keller, von Betonwänden umgeben, befindet, nur dürftig zu heizen, muss das Kind das Ding praktisch immer unter Strom lassen. « Manchmal fehlte mir die Luft zum Atmen », berichtet Sabine. « Die Luftversorgung meiner Zelle bestand ausschliesslich aus einem acht Zentimeter breiten Loch in der Decke. » An einem anderen Tag fällt die zur Erhellung des Raumes bestimmte elektrische Birne aus. « Das war für mich das Furchtbarste, was mir geschehen konnte, ich habe geschrien, die ganze Zeit geschrien ; ich rief immer wieder : Es ist kein Licht mehr da, ich krieg keine Luft mehr. Ich wurde verrückt. Aber er kam nicht. Ich hörte ihn wie er sich oben bewegte. Nach einiger Zeit kam das Licht wieder zurück. Ich denke, dass Dutroux eine Sicherung ersetzt haben muss. In solchen Momenten sehnte das kleine Opfer praktisch die Präsenz seines Schänders herbei. Obschon sie wusste, was sie dann meistens erwartete. „Er sagte dann immer : Ich komme dich bald holen. Wenn er dann kam, nahm er mich entweder mit ins Erdgeschoss oder ein Stockwerk höher ins Schlafszimmer, das ich als Zimmer der Tortur bezeichnete. » Sabine erzählt nichts von dem was ihr in Dutroux Schlafzimmer angetan wurde. In ihren Augen sieht man, dass der Schrecken ihr noch in den Gliedern sitzt und sie die sexuellen Übergriffe, die perversen Handlungen und die erlittenen Qualen wohl nie vergessen wird. Hat Dutroux Sie manchmal mit Rohypnol gefügig gemacht ? Was tat er ihr alles an ? Das Schweigen von Sabine sagt mehr aus als Tausende von Wörtern und es ist nicht am Journalisten, dieses Schweigen zu durchbrechen. Im Erdgeschoss nahm er sie manchmal mit in die Küche. Er gab ihr dann ein Glas Milch. Oder wärmte irgendetwas Essbares auf, was das Kind dann auch herunterschluckte, obschon es das Gericht nicht mochte. Sie wurde nicht sehr oft in der Küche bekocht und wenn ihr Schänder sich mal um ihr Essen kümmerte, dann gab es öfters « rohe Bouletten mit kalter Tomatensauce“. „Während ich diese Speisen herrunterschluckte, verspeiste Dutroux schöne und gute warme Gerichte vor meinen Augen, ohne mir davon etwas mitzugeben. Es lagen immer Bonbons und Schokolade auf dem Küchentisch herum. Er aas viel davon in meiner Anwesenheit und ich durfte diese Süssigkeiten nicht anrühren. » Meistens aber verspeisste Sabine ihre karge Kost im kalten Kellerverliess. Dutroux stellte ihr einige Konserven auf das kleine Regal. Vor allem gab er ihr grosse Quantitäten von Brot zum Essen. Wenn er sie längere Zeit alleine liess, gab es noch mehr Brot : « Eines Tages legte er mir drei grosse Brote miteinander in die Zelle. » Sabine verstand, dass sie mal wieder einige Tage allein sein würde. Sie wollte sich das Brot aufteilen. « Aber mit der hohen Feuchtigkeit in meiner Zelle verfaulte das Brot sehr schnell. Das von mir aufgesparte Brot war nach zwei Tagen ganz grün. » Sabine hat nicht viel in ihrer sechs Wochen dauernden Gefangenschaft gegessen… Richtig krank ist sie nicht geworden, aber eines Tages hatte sie starke Zahnschmerzen. Sobald Dutroux auftauchte, bat sie ihn um Hilfe. « Ich habe Zahnschmerzen. Ich habe Angst, dass meine Zähne mir eines Tages aus dem Mund fallen. Tun Sie bitte etwas, » flehte sie ihren Schänder an. Dutroux beruhigte sie : « Ich bin Arzt », sagte er. Sabine erzählt : « Dutroux hat dann lange wie ein Arzt geredet und hat mir dann Medikamente gebracht. Die Medikamente waren abgelaufen. Ich habe es gesehen, ich habe die Verpackungen genau gelesen. » Am 9. August 1996 schliesst Dutroux die Tür des Kerkers auf. Er ist in Begleitung eines jungen fünfzehnjährigen Mädchens. „Hier hast du eine Freundin, damit es dir nicht zu langweilig wird » sagt Dutroux. Dann nimmt der Kinderschänder beide Mädchen mit nach Oben in sein Schlafzimmer. « Laetitia war noch ganz benommen », erzählt Sabine. « Sie wurde auch ans Bett angekettet. » Beide Kinder müssen Dutroux sexuelle Phantasien über sich ergehen lassen. « Später kam Laetitia dann mit mir nach Unten in die Zelle. Sie wachte langsam auf », berichtet Sabine. Laetitia spricht ihre Leidensgefährtin an : « Draussen suchen alle nach dir », sagt Laetitia zu Sabine . « Ich kann dir nicht glauben“, antwortet Sabine. « Doch, doch, wenn ich es dir sage. Siehst du keine Nachrichten im Fernsehen », fragt Laetitia? « Nein ». Sabine ist voller Zweifel. Aber nicht gegenüber Dutroux. « Sogar wenn meine Eltern mich wirklich suchen würden, begriff ich in keinen Moment, dass Dutroux ein Schwein war. » Sabine wird sich nach den drei ersten Tagen des gemeinsamen Lebens in der Zelle aufopferungsvoll um ihre neue Freundin bekümmern. « Obschon ich keine grosse Moral mehr hatte, habe ich immer wieder Laetitia Mut zugesprochen und mich um sie gekümmert, so gut ich es konnte. » Sabine versteht heute, wie sehr sie in jenen Tagen manipuliert worden war. Sie war Dutroux sogar dankbar, dass er ihr eine Gefährtin in ihre Zelle gebracht hatte. Heute gesteht sie : « Ich musste mich schon alleine um Laetitiakümmern, mit ihr reden, denn sonst hätte Dutroux sich ja umsonst die Mühe gemacht, mir eine Freundin mitzubringen.» Sabine hat während vielen Jahren geschwiegen. Ausser den sehr intimen Fragen weicht sie heute nicht mehr aus. Es sind diese intimen Fragen, die es mit sich gebracht haben, dass die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen trotz ihres gemeinsamen Schicksals sehr schnell zerbrach. Sabine wirft Laetitia und deren Mutter vor, verschiedene Details über sehr private Geschehnisse im Umgang mit Dutroux öffentlich gemacht zu haben. « Was damals im Hause von Marcinelle geschah, geht keinen etwas an », meint Sabine. Und sie fügt hinzu : « Nach unserer Befreiung rief Laetitia mich eines Tages an. Sie wollte mit mir über das Geschehene reden und behauptete, sie wäre allein. In Wirklichkeit befand sich eine flämische Journalistin neben ihr. Die hat alles mitgehört und aufgeschrieben. Laetitita hat der Journalistin alles erzählt, was ich ihr anvertraut hatte.“ Sie kommentiert ihr Tagebuch oder die vielen Briefe an ihre Eltern mit viel Realismus. Sie zeichnet ein Bild der Horrorwelt in der sie mit Dutroux leben musste. Eine abschreckende Welt. Ein Lebensweg, der die Fähigkeiten eines zwölfjährigen Mädchens in solch einer traumatischen Lage unter Beweiss stellt. Aus dem kleinen Mädchen ist heute eine richtige Frau geworden. Wenn sie heute mit Journalisten redet, tut sie das, um verschiedene Fakten ins rechte Licht zu rücken. Sie sucht nach Kredibilität und will Dutroux Aussagen ihre Wahrheit, die Wahrheit, entgegenstellen. Sabine ist heute zwanzig Jahre alt und arbeitet in der Bestellungsabteilung einer belgischen Firma. Sie sagt von sich selbst, dass sie öfters in ihrem Tagebuch nachliest. Das ihr Angetane hat sie als Zwölfjährige den Beamten der Polizei aus Neufchâteau in mehreren längeren Protokollen, die dem Autoren vorliegen, ausführlich geschildert. In der Akte 100236 L 114 vom 20.August 1996 erzählt sie zuerst die Umstände ihrer Entführung durch Dutroux. Die von Sabine gemachten Aussagen stimmen ziemlich genau mit denen überein, die sie „ uns “ Anfang 2003, also sechseinhalb Jahre später, machte. Man findet allerdings noch einige Details in diesen Aussagen, die sie wahrscheinlich nach vielen Jahren vergessen hat. So erfährt man zum Beispiel, dass es Dutroux war, der sie in den Wagen zerrte, indem er sie mit der einen Hand am Mund fasste und mit der anderen Hand an den Augenhöhlen packte. Nachdem sie, eingesperrt in einem metallenen Koffer, von Dutroux im ersten Stock des Hauses in Marcinelle „befreit“ wurde, schildert das junge Opfer den Beamten, was ihr wiederfuhr. „Es ist 10Uhr 30. Dutroux befiehl ihr, sich nackt auszuziehen. Dutroux legte ihr eine Kette um den Hals und befestigte sie am Bett“, berichten die Beamten. Ihre Zusammenfassung des Verhörs von Sabine erwähnt noch Schreckliches: „Am 2. Tag führte Dutroux sie in sein Zimmer und er zog sich nackt aus. Sie musste sich gegen ihn reiben. (…) Am 3 Tag musste sie das ganze Haus putzen. Beinahe jeden Tag wurde beiderseits Oralsex praktiziert. An einem spezifischen Tag gebrauchte Dutroux eine Salbe um sie zu vergewaltigen. (…) An einem anderen Tag war es auch Laetitia, die von Dutroux mit ins erste Stockwerk genommen wurde. Laetitia schlief. Er befestigte einer ihrer Füsse mit einer Kette am Bett. Wenn Dutroux ein Bad nahm, musste sie mit ihm in die Wanne steigen. Dutroux waschte sie.“ Laetitia Delhez erzählt ihrerseits denselben Beamten das ihr Wiederfahrene. „Sie lebte nackt, nur mit ihrer Unterhose bekleidet. Sie schlief anfänglich nur am Fuss angekettet, später am Fuss und am Hals angekettet. Im Zimmer stand ein Kinderbett. Wenn Dutroux ihnen etwas zum Essen brachte trug er nur einen Slip. Als Laetitia zum ersten Mal Sabine begegnete, trug diese nur einen Short.(…) Sie musste Verhütungsmittel nehmen. Er machte Fotos von Sabine und zeigte sie ihr. Sabine erzählte Laetitia wie sie vergewaltigt und gefoltert wurde. Laetitia beschreibt ihre Vergewaltigung. Dutroux zog nie ein Kondom über sein Glied.“ In diesen Protokollen beschreibt Sabine ebenfalls die Umstände ihrer Gefangenschaft.“ Der Kerker der beiden Mädchen im Keller des Hauses von Dutroux wurde niemals geputzt. Tiere liefen darin herum. Während ihrer ganzen Gefangenschaft wechselten die beiden Mädchen nie ihre Kleider. Zum Verrichten ihrer Notdurft stand ihnen ein Plastikeimer zu Verfügung. Der Eimer musste komplett gefüllt sein bevor sie ihn entleeren durften.“ Wir verzichten auf die Veröffentlichung anderer Auszüge dieser meterlangen Protokolle. Es schien uns aber wichtig, dem Leser einen kurzen -wenn auch bewusst nicht vollständigen- Einblick in das unendlich Schreckliche der Gefangenschaft von Sabine und Laetitia bei Dutroux zu geben. Gleich zu Anfang der Dutroux Affaire hat der Autor dieses Buches in Sachen Dutroux und Pädophilie in Belgien recherchiert. Nachdem er in den ersten Interviews nach der Befreiung von Sabine eine sehr bemerkenswerte Aussage des jungen Opfers im belgischen Fernsehen gehört hatte, versuchte er an die Polizeiverhöre und die Gerichtsakten in dieser Sache heranzukommen. Was im auch gelang und übrigens schwerwiegende Folgen für den Autoren mit sich brachte. Dies gelang dem Autor im Jahre 1999, als er sich die gerichtlichen Polizeiakten Dutroux im Auftrag des Magazins „Der Spiegel“ beschaffte. Nach Erscheinen seines in Zusammenarbeit mit Frédéric Lavachery geschriebenen Buches „Dossier Pédophilie“ (Herausgeber : Flammarion – Paris) entlud sich die geballte Gewalt des belgischen Staates gegenüber dem Autoren. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete unter dem Titel : „Belgien ist das Thailand Europas. Vor ihm muß Marc Dutroux sich fürchten: Ein Besuch bei dem Sensationsjäger Jean Nicolas.“ Luxemburg, 29. März 2002: Der Chef kommt persönlich aus der Küche, um den Gast zu begrüßen. Es ist Mittagszeit. Das Wirtshaus „La Fontana“ in Capellen, einem unscheinbaren Vorort an der Peripherie, ist gut besucht. „Da drüben“, sagt Jean Nicolas und schiebt die schweren Vorhänge beiseite, „da wohnt Juncker.“ Jean-Claude Juncker. Auch das Haus des Ministerpräsidenten wirkt blaß und unauffällig, wie die ganze Gegend. Man will nicht auffallen. Man kennt sich. Luxemburg ist ein kleines Land. „Zu klein für mich“, sagt Jean Nicolas. Will man dies überhaupt jemandem glauben, dann ihm. Der Mann wird weltweit gesucht. Transparenz ist das Menetekel des Jean Nicolas. Je überschaubarer eine Gesellschaft, je präziser sich Wege und Handlungen einzelner nachvollziehen lassen, desto schwieriger gestaltet sich sein Job. Jean Nicolas ist Journalist, doch nicht einer der landläufigen Sorte. Nicolas ist ein Wühler im Dreck, ein Spürhund, der sich, wenn man ihn nur anständig bezahlt, den Schattenseiten der Wirklichkeit zuwendet. Belgien ist sein bevorzugtes Revier, dort ist er berühmt und berüchtigt. Die Botschaften, die er von seinen Streifzügen in den Sumpf aus Verbrechen, Gewalt und Korruption mitbringt, verbreitet er in Form von Büchern. Sie heißen «C’est le bordel dans les bordels», «Dossier pédophilie» oder «Les pédophiles sont parmi nous». Zu deutsch: «Die Pädophilen sind unter uns“. Keine Frage: An Marc Dutroux kommt so jemand nicht vorbei. Seit fast sechs Jahren wartet die Welt auf den Prozeß gegen den belgischen Kinderfänger, und seit fast ebenso langer Zeit blüht das Geschäft der Enthüller und der Verschwörungstheoretiker. Deshalb ist Luxemburg für Jean Nicolas noch ein wenig enger und bedrückender geworden. Denn „Le petit Nicolas“, wie man den schwergewichtigen Mann nennt, kann das Großherzogtum nicht mehr verlassen. Bei einem belgischen Gericht liegt ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vor – wegen „Diebstahls“ geheimer Gerichtsakten sowie der „Gründung einer kriminellen Vereinigung“ mit seinem Koautor Frédéric Lavachery. Allein weil Nicolas gebürtiger Luxemburger ist, wird er nicht ausgeliefert. Sein Haus auf dem Land, in dem er mit seiner Familie lebt, steht nur wenige Kilometer vor der belgischen Grenze. Jean Nicolas handelt mit einer hochbrisanten Verschlußakte. Sie enthält Teile des Untersuchungsmaterials für die Anklage gegen Dutroux. (…) Nicolas bestreitet jedoch vehement, das Material gestohlen zu haben. Das Papier sei 1997 von einem Justizbeamten entwendet worden, sagt er, und zirkuliere seither als Kopie in den einschlägigen Kreisen. Er habe es nur „gesucht“ – immerhin im Auftrag der Zeitschrift „Der Spiegel“ – und auch „gefunden“, für zehntausend Mark, „das war nicht schwer“. Erhalten haben will er das Dossier von einer Kollegin, die es wiederum von einem Anwalt habe. „Das reicht womöglich nicht einmal für eine Anklage wegen Hehlerei“, glaubt Nicolas. Daß er Akten veröffentlicht hat, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, hält er unter Journalisten für ein Kavaliersdelikt: „Jeder von uns hat schon einmal illegal Papiere zugespielt bekommen. Das gehört zum Geschäft.“ Oft kommt der ausgebuffte Rechercheur mit seinen Methoden sehr weit. 1998 etwa war er daran beteiligt, die Vetternwirtschaft der EU-Kommissarin Edith Cresson aufzudecken. Der 15. März, als die gesamte Kommission zu rücktreten mußte, ist sein persönlicher Festtag. (…) Wenn Nicolas von sich und seiner Arbeit erzählt, klingt es bisweilen, als ginge da mit einem Thrillerautor die Phantasie durch. Von vorgetäuschten Freundschaften ist die Rede und von opulenten Gelagen, bei denen reichlich Alkohol floß, um die Zunge der einen zu lösen oder andere besinnungslos zu machen, und der Jäger mittendrin, immer in Erwartung des finalen Todesstoßes, des Moments, da er den Informanten „endlich geknackt hat“ – für Nicolas die Sekunde des Triumphs und der Genugtuung. Daß seine „Freunde“ hernach nichts mehr von ihm wissen wollen, kümmert ihn nicht: „Es waren nie meine Freunde.“ Auch wenn er sie vorher in dem Glauben ließ. Nicht nur deshalb ist das Geschäft des Jean Nicolas ein einsames. Leute wie er sind allein, weil sie von andern gemieden werden. Nicolas arbeitet für so renommierte Magazine wie „Spiegel“, „Focus“ oder „Paris Match“ und auch für France 2 oder die ARD. Seinen Namen indes findet man nur selten. Seinesgleichen Dienste nimmt die Presse in Anspruch wie Regierungen diejenigen von Spionen. Man braucht sie, aber man möchte nicht mit ihnen gesehen werden. Warum er das tut? Nicolas ist zumindest ehrlich: „Auf die Dutroux-Geschichte bin ich anfangs aufgesprungen, weil sich damit Geld verdienen ließ.“ Drei Bücher, etliche Artikel und viel Aufmerksamkeit wurden ihm zuteil. „Nur bei Günther Jauch war ich noch immer nicht eingeladen“, seufzt er ironisch. Da ist auch eine gehörige Portion Eitelkeit im Spiel. Den moralischen Aspekt will der Journalist jedoch nicht ganz unter den Tisch kehren. Immerhin hat sein Großvater, ein großer Gewerkschafter, 1919 die Republik Luxemburg ausgerufen. Sie währte nicht einmal einen Tag. Daß der Dutroux-Prozeß Jahr für Jahr verschleppt wird, daß „Beweise manipuliert, Zeugenaussagen korrigiert und Spuren bis nach ganz oben nicht verfolgt werden“, hält Nicolas für „skandalös“. „Was ich tue, halte ich für richtig und wichtig, weil die Öffentlichkeit um die Wahrheit betrogen wird.“ Und die lautet in der Lesart Nicolas‘: „Belgien ist das Thailand Europas.“ (…) Warum fühlt gerade er sich zur Aufklärung berufen, auch noch mit illegalen Mitteln, möchte man wissen. „Weil ich heute niemandem mehr in Belgien begegne, der die Affäre Dutroux wirklich aufklären wollte“, kommt es prompt zurück, und wieder schießen Namen aus ihm her aus: Michel Bouffioux, „Sie wissen schon“, der belgische Journalist mit den unbequemen Fragen – „es gibt ihn nicht mehr“. Vincent Decroly, ehemals Grünen-Abgeordneter – „redet nicht mehr“. Patrick Moriau, Vizepräsident der ersten Untersuchungskommission, der gehen mußte – „ist verstummt“. Und jetzt also er, le petit Nicolas. Von wenigstens achtzehn Leuten will er wissen, daß sie im Zusammenhang mit den Dutroux-Ermittlungen auf „nicht normale Weise“ ums Leben kamen. Daß es mit dem vereinten Europa in mancher Hinsicht noch nicht so klappt, wie Brüssel es gern hätte, kommt dem Flüchtigen daher mehr als gelegen. Er weiß, daß der belgische Untersuchungsrichter Jacques Pignolet ihm in Luxemburg nichts anhaben kann, „doch der Druck nimmt täglich zu“. Vor allem aber macht es Nicolas zu schaffen, daß er kaum mehr arbeiten kann, seit er sich nicht mehr außerhalb des Landes bewegen darf. Seine drei Anwälte, die unentgeltlich für ihn arbeiten, bereiten derzeit eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vor. Seinen Hunger hat Nicolas noch nicht verloren. Dabei hat seine Familie allein in den vergangenen vier Jahren drei aus Belgien angeordnete Hausdurchsuchungen erlebt. (…). „Sogar meine Schuhe haben sie beschlagnahmt“, spottet er. 1997 kamen sie, um die Fahnen für sein nächstes Buch „Les protecteurs“ – „Die Beschützer“ – zu beschlagnahmen. Seine Frau versteckte belastende Dokumente derweil im Katzenklo. Selbst der König, dessen Konterfei auf dem Umschlag in Gestalt einer Banknote prangt, wird darin schwerer Vergehen bezichtigt. Sein 2001 bei einem großen französischen Verlag erschienenes „Dossier pédophilie“ löste ein ähnliches Beben aus. „Wenn wir von Königen sprechen“, feixt Nicolas, „dann reden wir bestimmt nicht von Hochzeiten.“ Die eine Frage jedoch, um die im Zusammenhang mit den Verbrechen niemand herumkommt, kann nur ein Mann beantworten. Nur Marc Dutroux könnte sagen, ob er als Einzeltäter handelte oder ob hinter ihm ein schützendes Netzwerk stand und womöglich noch steht. Dutroux aber sitzt im Gefängnis von Arlon und schweigt. (…) Auch die Bildzeitung kommt in einem Interview auf den internationalen Haftbefehl zurück: BILD: Sie meinen, es gibt viel mehr Beteiligte an Dutroux Kinderporno-Ring, mehr Täter und Mitwisser als bisher bekannt? Jean Nicolas: Es gibt beispielsweise viele deutsche Spuren in den Dokumenten. Etwa viele Telefonnummern in Bayern, Beweise über Verbindungen von Dutroux‘ Netzwerk nach Deutschland und Frankreich. Noch im letzten Jahr sind Leute bei einigen dieser Rufnummern in Bayern selbst ans Telefon gegangen…. BILD: Sie meinen also, die Rufnummern, möglicherweise auch die Namen von Deutschen, die mit dem Kinderporno- Ring in Verbindung stehen, sind seit Jahren der belgischen Justiz bekannt – und bis heute ist nichts geschehen? Jean Nicolas: Ich bin kein Polizist. Und ich bin auch nicht dazu da, der Polizei zu helfen. Ich bin ein Journalist. Meine Aufgabe ist das Aufdecken von Sachen, die einfach still unter den Teppich gekehrt werden sollten. BILD: Sie bieten das Dossier auf Ihrer Internet-Seite an, gegen Geld. Jean Nicolas: Wenn man als Journalist Neuigkeiten veröffentlichen will, Informationen besorgt, kostet das natürlich Geld. Ich bin ein ganz normaler Mensch, aber wenn ich Leuten über das Internet Zugang zu Informationen geben will, muss sich das auch rechnen. BILD: Ein internationaler Haftbefehl der belgischen Justiz gegen Sie. Und Sie wohnen gerade einmal 5 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Wie fühlen Sie sich? Jean Nicolas: Es ist sicherlich besser, für einige Zeit in Luxemburg zu bleiben. Aber ich lache auch gleichzeitig darüber. Es ist einfach lächerlich, eine skurrile, lachhafte Geschichte. BILD: Also Angst vor möglicher Rache wegen der Veröffentlichung haben Sie nicht? Jean Nicolas: Das sieht gefährlich aus. Aber es hat einen Vorteil, der mich schützt: Wenn man weiß, dass ich was habe, weiss man auch, dass ich es anderen weitergebe. Mich kaputt zu machen, hat daher wenig Sinn, sonst werden meine Dossiers und Entdeckungen ja noch gefährlicher. Das einzige, was mir manchmal wehtut, ist die Art und Weise, wie man mich verunglimpft, meine Kinder, meine Frau mit reinziehen will. Aber meine Familie ist stolz darauf, was ich tue. Das motiviert. Ein sehr interessantes Interview zu dieser Thematik erschien ebenfalls in der „Welt am Sonntag“. Spiegel online berichtete ebenfalls. (siehe Anhang für beide Artikel)… ***** In ihren ersten Aussagen erzählt Sabine, dass sie von Dutroux « in ein schönes grosses weisses Haus » geführt worden wäre. Es ist die Zeit in der Staatsanwalt Bourlet mehrere Autobusse mit perversen belgischen Persönnlichkeiten füllen wollte, um sie alle ins Zuchthaus zu befördern. Wenigen war die Aussage des jungen Opfers aufgefallen. Dutroux Anwalt Julien Pierre bemerkte seinerseits gegenüber dem Autor, dass dieses junge Mädchen in einem nicht gerade hochrangigem sozialem Umfeld aufgewachsen wäre und für sie ein beliebiges nettes und fein angestrichenes Häuschen zur Supervilla werden würde. Danach wurde es still um Sabine und es war Laetitia, die Mitgefangene der Zwölfjährigen, die einige kühne Schritte in die Öffentlichkeit wagte. Schritte, die Sabine nicht besonders gefielen. So entstand im Laufe der Zeit eine kleine Feindschaft zwischen den beiden Mädchen, die weniger auf Konkurrenz als auf unterschiedlichen Auffassungen beruht. Einerseits Laetitia, die eine offene und anfänglich konstruktive Zusammenarbeit mit der Presse pflegt. Die junge Frau, die sich entgegen aller Absprachen mit Regerungskreisen und Presse, nachdem sie immer mehr in Vergessenheit geraten ist, als Putzfrau in einem wallonischen Bahnhof wiederfand, wird dem von Aussen immer grösser werdenden Druck, der sie zum Schweigen bringen will, nicht standhalten und im Jahre 2002 alle Brücken zu Presse und Journalisten abbrechen. Eine Mitarbeiterein des Autoren, Caroline Mangez, Journalistin für Paris-Match, wird Zeugin dieses enormen Drucks werden, als sie im Sommer 2002 eine Verabredung mit Laetitia trifft und sich nach Bertrix begibt. Anfänglich sollte Laetitia Delhez uns Rede und Antwort für dieses Buch stehen. Ob des internationalen Haftbefehls der von der belgischen Justiz gegen den Autoren erlassen worden war, war es mir nicht mehr möglich, mich persönlich nach Bertrix zu begeben, um diese Zeugin zu befragen und ihre Geschichte zu erzählen. Da ich zu der Zeit zusammen mit Caroline Mangez, „grand reporter“ bei „Paris Match“, an einer Geschichte über Dutroux arbeitete, empfahl es sich, die junge Kollegin zu der Verabredung zu schicken. Im Mai 2002 trafen wir uns in meinem Büro in Luxemburg, um die Recherchen und das Gespräch vorzubereiten. Am frühen Nachmittag verliess die französische Journalistin mein Büro und fuhr zuerst nach Brüssel, wo sie am selben Tage noch eine Verabredung mit einem Informanten für unsere Recherchen hatte. In Brüssel angekommen, bemerkte Mangez sehr schnell, dass sie von zwei Männern, die absolut nichts taten um unbemerkt zu bleiben, verfolgt wurde. „Die beiden Männer fielen mir sofort auf“, erzählt Caroline, die bereits im Jahre 1998 eine bemerkenswerte und für den belgischen Staat sehr kompromettierende Reportage veröffentlicht hatte. Sie war also bestimmt keine Unbekannte für die belgische Justiz und ihre Anwesenheit in Belgien schien für Besorgnis zu sorgen. Dies umso mehr da sie mit dem Autoren, Staatsfeind Nummer eins in Belgien in Sachen Pädophilie, zusammen arbeitete. „Ich wollte natürlich sicher sein, dass die beiden Unbekannten mich überwachten“ berichtet Mangez weiter. „Ich schlenderte langsam durch eine Strasse im Zentrum Brüssels und ging urplötzlich in irgendein kleines Geschäft hinein. Ich sah mich während einigen Minuten um und ging dann wieder hinaus. Beide Männer hatten geduldig draussen auf mich gewartet und nahmen die Verfolgung wieder auf. Sie taten dies in einer Art und Weise, die mir deutlich machen sollte, dass sie hinter mir her waren. Ich ging nochmals in ein Geschäft hinein und dasselbe Szenario wiederholte sich. Ich beschloss dann, meinen Informanten nicht aufzusuchen und begab mich zu einer Freundin, die auf extraterritorialem Gebiet wohnt und wo ich folglich eine ruhige Nacht verbringen konnte.“ Mangez hat mir dieses unnachahmliche Gefühl beschrieben, das ich so gut kenne und das darin besteht, psychologischen Druck auf den Journalisten auszuüben und ihm seine investigative Arbeit unmöglich zu machen. Mangez bezeugte davon, dass Solches ihr nicht einmal in dem Maasse bei Reportagen in Tchetschenien oder Afghanistan passiert ist. „Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg von Brüssel nach Bertrix. Die Angst fuhr mit im Wagen, denn ich kannte inzwischen die Methoden der belgischen Justiz und dies nicht nur wegen dem, was Jean Nicolas angetan worden war. Denn schon Ende Zweitausend hatte der in Sachen Dutroux ermittelnde belgische Polizeibeamte Pierre Colson mich in Paris kontaktiert und mich zum Verhör nach Brüssel bestellt. Er wollte wissen, wie ich an die Dutroux Akte gekommen wäre, eine Akte deren Besitz für Nicolas einen Haftbefehl mit sich brachte. Ich hütete mich natürlich, mich nach Brüssel in die Hände der belgischen Justiz zu begeben. Einige Wochen später sass mir Colson in Paris in einem Büro der dortigen Justizpolizei gegenüber und dies auf Basis eines internationalen Rechtshilfegesuches. Er befragte mich nach meinen Quellen. Ich erklärte ihm, dass das französische Gesetz mir erlaubt, diese Quellen zu schützen und ich dachte bei mir, dass die Belgier viel mehr Energie aufwendeten, um die Quellen einer Journalistin herauszufinden, als die Wahrheit in der Affäre Dutroux festzustellen. Ich hatte selbst telefonisch mit Laetitia Delhez gesprochen und diese hatte sich bereit erklärt, mit mir ein längeres Gespräch zu führen. Als ich an der Tür ihres Hauses mitten in Bertrix klingelte, öffnete Laetitia. Sie schien unruhig. -Ich bin Caroline Mangez und komme für unser Gespräch, stellte ich mich vor. -Ich will nicht mehr über diese ganze Sache reden, antwortete mir die junge Frau, die am Vortag noch so kooperativ gewesen war. „Die Erinnerungen an die Untersuchungen des Polizisten Colson, die Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten des Jean Nicolas mit der belgischen Justiz und das gestrige Erlebnis mit den beiden mir folgenden Polizisten schossen mir durch den Kopf. Ich versuchte überhaupt nicht mehr, Laetitia zu überzeugen, mit mir zu reden, sondern suchte sofort mein Heil in der Flucht“, erzählt Caroline Mangez, die sehr schnell mit ihrem Leihwagen die wenigen Kilometer, die Bertrix von der französischen Grenze entfernt ist, zurücklegte und aufatmetete, als sie wieder in ihrem Lande war. Mangez ist danach niemals mehr nach Belgien zurückgefahren. Sabine, nach ihren dramatischen Erfahrungen im Keller des Hauses von Marc Dutroux, wird nach einigen Tagen Freiheit den Kontakt zur Presse abbrechen. Während sieben Jahren wird sie schweigen. Aus dem Kind wird ein junges Mädchen und dann eine junge, selbstsichere Frau. Als sie schliesslich mit einem Mitarbeiter des Autoren redet, sowie den Kontakt zur belgischen Presse förmlich sucht, interessieren ihre Aussagen die belgischen Medien allerdings vor allem in Bezug auf das in Belgien als unrealistisch eingestufte Netzwerk des Monsieur Dutroux. Trotz aller Hinweise in diese Richtung, trotz einer überwiegend gravierenden Beweislage, trotz den Berichten des ersten Untersuchungsrichters und des heute noch immer zuständigen Staatsanwaltes will Sabine, nachdem sie aus ihrem Schweigen herausgetreten ist, nichts (mehr) wissen von irgendwelchen Kunden, denen sie Dutroux angeboten hätte. Erschreckend sind ihre diesbezüglichen Aussagen. Denn die junge Frau redet heute wie in Transe, wenn sie über Verbindungen von Dutroux zu möglichen Kunden befragt wird. Solange sie ihren dramatischen Leidensweg erzählt, spürt man, dass das Erlittene, das zum Bericht wird, voller Emotionen ist, dass sie ehrlich und bewegt redet, dass die Geschichte ihr nahe, sehr nahe geht. Sobald allerdings das noch nicht Bewiesene erörtert werden soll, blockt sie ab wie ein Regierungssprecher. Nein, sie ist nie von Dutroux „ausgeliehen“ worden, nein, sie war nie ausserhalb der Spelunke von Marcinelle. Ja, sie wurde nur von Dutroux missbraucht. Nein, sie hat nie andere Männer während ihrer Gefangenenschaft gesehen. Glaubwürdig oder unglaubwürdig? Verdrängt sie abscheuliche Erinnerungen oder redet sie unter Druck, plappert praktisch das nach, was man ihr vorgegeben hat? Schwer zu beurteilen. Es gibt allerdings eine unübersehbare Spur, die andeutet, dass Sabine nicht über alles reden will und sie entweder stark traumatisiert ist oder Druck auf sie und ihre Familie ausgeübt wurde und wird, damit ihre Aussagen entschärft wirken. Sabine wurde befragt, ob Dutroux, der laut eigenen Akten und in mehreren Verhören die uns vorliegen, das Hilfsmittel Rohypnol erwähnt, sie nicht mittels dieses Medikamentes ohne ihr Wissen missbraucht haben kann oder anderen Personen zum Missbrauch zugeführt haben könnte. Die Wirkung von Rohypnol ist allerseits bekannt. Es versetzt die Opfer in einen schlafähnlichen Zustand der es allerdings erlaubt, dass sich das ausgenutzte Mädchen in einem normalen physischen Wachzustand befindet, alles über sich ergehen lässt, ohne allerdings in vollem Bewusstsein zu handeln. Ist die Dosis hoch genug, dann erinnert das Opfer sich nachher an nichts, überhaupt nichts. Diese Behauptungen sind nicht nur wissenschaftlich belegt, sondern auch in der Praxis eindeutig bewiesen worden. Sabine aber sagt, dass sie nie von Dutroux mit Rohypnol betäubt worden sei, dass sie also nie ohne ihr Wissen zu irgendeiner sexuellen Benutzung missbraucht wurde. Sie sagt dies nicht nur, sie behauptet es mit aller Kraft, sie schreit es praktisch aus sich heraus und… verträgt keinen Widerspruch, sei er auch noch so klein. Es gibt allerdings heute Beweise, dass ausser den von Dutroux entführten und in der Zelle von Marcinelle eingesperrten Kinder, noch andere Leute Zugang zu dem Kerker hatten. Während fünf Jahren verweigerte Untersuchungsrichter Marc Langlois die Untersuchung tausender von Haarproben, die im Verliess aufgefunden worden waren. Es bedurfte eines juristischen Streites zwischen Staatsanwalt Michel Bourlet und dem Untersuchungsrichter, ehe diese Expertisen vollzogen werden konnten. Die Untersuchungen ergaben, dass ausser den eingesperrten Kindern, Dutroux, seiner Frau und Lelièvre, Haare von gut einem Dutzend anderer Menschen in der Zelle aufgefunden wurden. Es ist natürlich unmöglich, die zu diesen Haaren gehörenden Leute aufzufinden. Andererseits ist aber nicht zu wiederlegen, dass fremde und unbekannte Personen Kontakt zu den kleinen geschändeten Opfern hatten. Eine der Wichtigsten wird die sechzehnjährige Sidonie sein, die er als dreiundzwanzigjäriger kennen- und lieben lernt. Er liebt, wie er selbst sagt, junge und noch ganz frische Mädchen. Sidonie spielt alle seine kleinen perversen Spielchen mit und posiert für pornographische Nacktfotos. Noch immer hat er seine Ehefrau, Florence, treibts daneben häufig mit Sidonie und… flirtet weiter, immer noch in den Eishallen, mit anderen Mädchen. In einer dieser Hallen wird er 1981 seine zweite Frau, Michèle Martin, kennenlernen. Sie wird ihm zwei Kinder schenken und ihm total hörig werden. Aber zuerst, 1980, wird er zum zweiten Mal Vater mit Florence. Doch Familienleben interessiert ihn nicht mehr. Diebstahl und betrügerischer Autohandel sind jetzt seine Beschäftigung. 1983 verlässt er Florence und zieht mit Michèle Martin zusammen. Marc Dutroux hat nun 27 Jahre. Alle moralischen Grenzen sind weg. Dutroux kennt nur noch seine eigenen Pulsierungen, seine egoistischen Interessen und seinen persönlichen Profit. Er betrügt die sozialen Kassen, lebt von Diebstahl und Betrug und sieht sich stundenlang Pornofilme an. Die angemieteten Filme werden immer härter. Seine Vorliebe : Filme, wo Frauen den Wünschen und Perversitäten ihres männlichen Partners ausgeliefert sind. Sein äusseres Erscheinungsbild: ungepflegt, genauso wie sein Zuhause, das dem Chaos in des Vaters Wohnung ähnlich sieht. Seine Stärke : Schönrederei, die gut bei Frauen ankommt. Anwalt Julien Pierre hat mir Marc Dutroux als einen sehr intelligenten Mann beschrieben, der sich persönlich um die Argumentation seiner Verteidigung kümmert und eine Vorliebe für sarkastische Wortspiele hat. 1984 wird Jérôme, sein erstes Kind mit Michèle Martin, geboren. Es ist ebenfalls das Jahr wo Marc Dutroux damit beginnt, die Hörigkeit seiner Frau total auszunutzen : Er schlägt sie, zwingt sie zu den komischsten Sexspielereien und macht aus ihr eine Sklavin und sein Objekt. Seine Gewalttätigkeit greift auch auf das Kind über. Martin spricht nach ihrer ersten Festnahme 1986 von Dutroux in folgenden Worten : «Ich musste lernen, durch ihn zu denken(…), er dressierte und manipulierte mich(…), Frauen sind für ihn minderwertige Lebewesen. » 1983 am 9. Juli, begeht Dutroux seine erste schwere Straftat. Mit einem Komplizen, der nie identifiziert wird, begibt er sich mit dem blauen Opel Kadett seiner Frau nach Haine- Saint-Pierre, in der Nähe von La Louvière. In der rue de l‘Harmonie sucht er mit dem Komplizen und Thierry D., der den Tip gab, die Wohnung von Flora Doniaut auf, eine achtundfünfzigjährige Junggesellin, die allein in ihrem Haus wohnt. Über das unbewohnte Nachbarhaus gelingt die Bande in die Wohnung. Nylonstrümpfe werden übergezogen und die Frau, die mit ihrem Nachtkleid bekleidet ist, wird von den drei Ganoven überrascht. Dutroux bedroht die Frau mit einem Revolver, während die beiden Komplizen das Haus durchwühlen. Aber sie finden nur einige hundert Franken. Dutroux will die gefesselte Frau zum Reden bringen. Er reisst ihr das Nachthemd vom Leibe und steckt ihr zwei seiner Finger in die Vagina. Danach nimmt eine «baionnette » denselben Weg. Die Frau gibt nach und erzählt, wo 70 000 Franken (1 750 Euros) Ersparnisse sowie verschiedene Schmuckstücke versteckt sind. Am 1. März 1985 wird Marc Dutroux, der von seinem Komplizen Thierry D. verraten wurde, festgenommen. Er muss wegen Mangels an Beweisen am 2. April freigelassen werden. Mehr denn je glaubt Dutroux jetzt an seine Unbesiegbarkeit. Er wird zum zweiten Male im Februar 1986 festgenommen. In der Zwischenzeit hat er zahlreiche kleine und grosse Diebstähle begangen. Autos, Strassenrestaurants (Friteries), Baustellen, Caravans, Sportplatzbuden. – In der Nacht vom 1. zum 2. Dezember 1985 gelingt ihm sein bisher grösster Coup : Auf einer Baustelle bei Gilly erbeutet er Mobiliar für rund 750 000.- (17 500 Euros) die sich in der Galerie Saint-Roch befanden, dem Arbeitgeber, zehn Jahre vorher, von Marc Dutroux. – Am 31. Januar 1985 hat Dutroux bereits seine erste Vergewaltigung hinter sich. Um 17 Uhr verlässt die Studentin Joëlle C. den Zug in Obaix. In der rue de la Commune wird sie vom Beifahrer eines dunkelroten Toyota Carina, den Dutroux am 27. Januar geklaut hatte, in den Wagen gezerrt. Auf dem Hintersitz wird sie festgehalten und die Augen werden ihr zugeklebt. Ein Müllabladeplatz dient als Dekoration für Nacktfotos, zu denen sie gezwungen wird, in pornographischen Posen. Danach wird sie vom Beifahrer (Dutroux) defloriert und vergewaltigt. Und wird schliesslich zurück zum Bahnhof in Obaix gefahren, wo Dutroux ihr noch 100 Franken (25 Euros) aus ihrer Brieftasche entwendet. – lm Frühjahr 1985 entführt Dutroux mit dem Komplizen Jean Van Peteghem zwei junge Mädchen vor der Gemeindeschule von Morlanwez. Die Jüngere wird von Dutroux vergewaltigt. Beide werden später bis praktisch vor ihre Haustür zurückbegleitet. Und das perverse Treiben geht munter weiter. – Am 26. Mai lernt Dutroux im Eispalast von Valenciennes die sechzehnjährige Isabelle B. kennen. Sie wird seine Geliebte, obschon sie weiss, dass er verheiratet ist und Kinder hat. Sie akzeptiert alle seine Spielchen, auch Nacktfotos. – Am 8. Juni 1985, gegen 23 Uhr, nimmt Dutroux den Golf seiner Frau, nimmt Van Peteghem mit und erklärt ihm,dass er Lust auf ein junges Mädchen hat. Vor dem Schwimmbad von Gilly wartet er auf ein Opfer. Kinder spielen in der Eingangshalle, während die Eltern im Innern an der Bar stehen. Die kleine Laurence M., 11 Jahre, geht kurz vor die Tür. Van Peteghem kidnappt das Kind und zerrt es in den Golf. In einer elf Kilometer entfernten Garage wird das Kind von Dutroux defloriert und vergewaltigt, dann bis wieder praktisch vor seine Haustür zurückgefahren. Dutroux hat das Kind in einer wenig schönen Position fotographiert und zeigt dieses Bild noch in der selben Nacht seiner Frau, Michèle Martin. Sie macht keinen Kommentar. – 17. Oktober 1985, 17 Uhr 30, Péronnes-lez-Binche. Céline S., neunzehnjährige Studentin, wird von Dutroux in der rue Vandervelde, entführt. Er nimmt sie mit zu seinem Hause nach Marcinelle. Die Jungfrau wird vergewaltigt… und wieder bis praktisch vor ihre Haustür zurückgefahren. – 14. Dezember 1985, Charleroi an einem Samstagabend. Es ist schon dunkel und dieses Mal hat Dutroux ausser Van Peteghem auch seine Ehefrau Michèle Martin mitgenommen. Objektiv: Kindesentführung. Am Bahnhof Charleroi- Sud übernimmt Martin das Lenkrad und man folgt dem Bus Nummer 52. lm Bus : Deborah N., Medizinstudentin, genau 18 Jahre alt. Sie steigt um 19 Uhr bei der Haltestelle Nalinnes aus. Die beiden Männer überwältigen sie und entführen sie zu einem Dutroux gehörenden Haus in der rue de Philippeville in Charleroi. Dutroux vergewaltigt sie noch am selben Abend, Van Peteghem tut dies am nächsten Tag. Zwei Tage später ist dasselbe Trio wieder unterwegs. Morgens, um Viertel nach sieben, wird die fünfzehnjährige Odette J. auf dem Weg zur Schule in Pont-à-Celles, verfolgt. Sie wird mit ihrem Fahrrad in den Kleinlaster geworfen. Während Martin das Kind überwacht, geht Dutroux eine Kamera und einen Videoapparat anmieten. Zusammen mit Martin und Van Peteghem wird das Kind in allen Positione ngefilmt. Dann lassen die zwei Komplizen Dutroux allein mit dem Mädchen, das vergewaltigt wird. Auch sie wird später nach Hause gefahren und bekommt noch 500 Franken (12,5 Euros) von ihm geschenkt. Am Montag, den 3. Februar 1986 werden Dutroux, Van Pethegem und Martin verhaftet. Deborah N. hatte sich endlich entschlossen, als erstes Opfer eine Klage einzureichen. Untersuchungsrichter Jean-Claude Lacroix und die BSR aus Charleroi hatten keine Mühe, Dutroux und Van Peteghem als Täter zu identifizieren. Marc Houssier, einer der Beamten der Gendarmerie, die Dutroux verhören mussten : «Ein kalter Bursche, der kein Wort zuviel sagte und der vor allem das Unrecht, das er tat, nicht realisierte. Er hat nie auch nur den Anschein eines Gewissensbisses geäussert. » Am 27. Mai 1986 schreibt der untersuchende Psychiater über Marc Dutroux : «Er gesteht nichts (..) Während unserer Gespräche ist er entspannt, lächelt und gibt den Anschein, aus dieser Sache herauskommen zu können. Nichts kann ihn durcheinanderbringen, weder die Geständnisse seiner Lebensgefährtin noch seines Komplizen, noch die Beweise aus seiner Akte. 1985 war er schon in einer ähnlichen Lage und er kam raus (…). Er verhindert jede seriöse Analyse seines Verhaltens.» Eine Sozialarbeiterin, die mit ihm im Gefängnis arbeitet, beschreibt in folgender Massen: «Ein intelligenter und geschickter Erwachsene. Er gebraucht die Existenz seiner Kinder, um sich Vorteile zu verschaffen. » Marc Dutroux wird zu 13 Jahren und 6 Monaten Gefängnis vom Gericht in Mons verurteilt. 1992 wird er von Justizminister Melchior Wathelet frühzeitig entlassen. Diese vorzeitige Entlassung wird dem damaligen belgischen Justizminister noch heute vorgeworfen. Man kann nicht verstehen, warum ein Justizminister einem solchen Strafgefangenen dieses Geschenk gemacht hat und wesshalb Belgien in den neunziger Jahren Wathelet für den Posten eines Richters am Obersten Gerichtshof der Europäischen Union in Luxemburg vorschlug. Obschon das europäische Reglement vorsieht, nur Magistraten mit lückenloser juristischer Vergangenheit auszuwählen und auch noch vorschreibt, dass die Kandidaten herausragende juristische Taten vorzeigen können, boxt Belgien den durch Dutroux vorzeitige Entlassung kompromettierten Justizminister durch. Nach seiner Freilassung zieht Dutroux im Hause in Marcinelle, 128, Chaussée de Philipville, wo auch Michèle Martin wohnt, ein. Das Haus, wo er seine meisten Vergewaltigungen begangen hat! Anfänglich respektiert er die Konditionen seiner vorzeitigen Entlassung. Er schreibt sich im Arbeitslosenfond ein… und arbeitet schwarz als «Bauunternehmer», wie er sich ausgibt. Erst 1995 bemerkt die Verwaltung Dutroux Betrügereien und dies nur, weil jemand ihn verraten hat. Erst 15 Monate später wird die Akte bei der Verwaltung studiert. Der arbeitslose Dutroux kauft Häuser: -Marcinelle : 250 000.- -Marchienne Dorcherie : 300 000.- -Mont-sur-Marchienne : 350 000.- -Sars-la-Buissière : 1 850 000.- (mit Bankkredit) Und seine kriminelle Karriere läuft weiter: – 15. November 1992. Eishalle Olympic in Charleroi : Zwei kleine Mädchen werden von Dutroux belästigt und angefasst. Die Polizei verhört ihn, unternimmt aber nichts. – 16. Dezember 1992 : Einbruch bei Confluence, in Pont-à-Celles – Februar 1993 : Diebstahl in einem Bauunternehmen in Gozée – 28. Februar 1993 : Einbruch und Diebstahl von Computern bei Intermarché. Ende Oktober 1992 erklärt Dutroux seinem Mieter Claude Thirault, mit dem er zusammenarbeitet : “Junge Mädchen sind frisch und verkaufen sich gut». Und er erläutert, dass die Arbeiten, die er in seinen verschiedenen Häusern ausführt, Zellen für zu fangende Kinder betreffen! Am 7. April 1993 gibt das Sozialamt einen positiven Bericht über den frühzeitig freigelassenen Häftling und sein Benehmen ab. Am 24. September kommt ein zweites Kind der Eheleute Dutroux-Martin zur Welt : Kevin. – April und Mai 1993. Zehn Einbrüche in der Umgebung von Marcinelle. – Juli 1993 : Diebstahl bei Jacques N. in Roux. Am 5. November 1993 unternimmt Untersuchungsrichter André-Jules Lorent eine Untersuchung unter Nummer 1003/93. Am 8. November werden sämtliche Dutroux-Häuser durchsucht. Man stellt Diebstahlobjekte sicher und fotographiert die suspekten Transformationen in verschiedenen Häusern. Dutroux wird observiert (opération décime). Er stiehlt weiter: – 6. Juni 1994 : Baustelleneinbruch. Hausdurchsuchungen erneut am 13. Juni. lm März 1994 gibt das Justizministerium ein positives Gutachten über Dutroux Benehmen in Freiheit ab. Die Jahre 1995 und 1996 nützt Dutroux dazu, verschiedene zwielichtige Personen, die heute in der «Affäre Dutroux» auftauchen, um sich zu scharen. Es handelt sich vor allem um Albert Weinstein, Michael Diakostavrianos, Michel Lelièvre, Casper Flier, Michel Nihoul, Annie Bouty. lm April 1994 begibt sich Dutroux mit Diakostavrianos nach Topolcany in die Slovakei. Dort vergewaltigt er (die Szenen wurden gefilmt und die Videoaufnahmen von den Beamten wiedergefunden) Eva Makova, 19 Jahre und deren Schwester, 16 Jahre, im Hause der Eltern. Eva kommt im Sommer 1995 nach Belgien. Sie wird später aussagen, dass sie nicht versteht, warum sie permanent, vom 29. Juli bis zum 1. August, geschlafen hat. In ihren Aussagen glaubt sie, für Pornoaufnahmen missbraucht worden zu sein. Am Samstag, den 24. Juni, werden Julie und Mélissa entführt. Aber es kommt noch Schlimmer. Seit dem 6. Dezember 1996 sitzt Marc Dutroux im Gefängnis in Arlon. Sowohl sein Vater als vor allem seine Mutter, haben sich öffentlich, in Fernsehinterwiews und geschriebenen Presseerklärungen, von ihm distanziert. Seine Ehefrau und Komplizin Michèle Martin hat einen Scheidungsantrag eingereicht. Sein einziger Kontakt zur Aussenwelt (ausser den Wärtern) bestand damals aus seinen zwei Anwälten. Julien Pierre, Anwalt aus Lüttich und wohnhaft in der Nähe von Bastogne, 40 Jahre, war der Einzige, der das Pflichtmandat zur Verteidigung von Marc Dutroux annahm. Julien Pierre ist eine interessante und schillernde Persönlichkeit. Er kennt sich aus in schwierigen Fällen. Er verteidigte einige hochinteressante Mandanten : Richard Taxquet, angeklagt und verurteilt wegen Mittäterschaft in der Mordaffäre Cools, Benoit de Bonvoisin, der «schwarze Baron», angeklagt wegen mehrfachem Betrugs, Gilbert Preudhomme, Ex-Chef der Finanzsektion der «police judiciaire» aus Lüttich, angeklagt wegen Mittäterschaft in der Affäre des Aktienklaus im Kader des Mordes an André Cools, der Buchhalter der Brüder Falkenberg aus dem deutschsprachigen Belgien, angeklagt der Mittäterschaft in Sachen Sondermüll unerlaubt entsorgt zu haben, usw, usf. Der Journalist Philippe Breways vom «Soir Illustré» wurde zu einer Entschädigung von 500 000 Franken (12 500 Euros) zu Gunsten von Julien Pierre verurteilt, weil er diesen als Sympathisanten der extremen Rechten in Belgien dargestellt hatte. lm September 1997 holte Pierre einen zweiten Anwalt hinzu, François Robinet, aus Nancy. Dieser Mann ist vor allem bekannt, weil er einer der Verteidiger der Eltern des vor Jahren in Frankreich im Fluss Vologne ermordeten kleinen Gregory war. Mehrere andere Anwälte gesellten sich zu Pierre und Robinet, bis Dutroux Ende 2002 sämtliche Anwälte entliess und sich eine neue, dreiköpfige Anwaltscrew zulegte. Es stellt sich natürlich die Frage, wie alle diese Anwälte bezahlt wurden. Julien Pierre, der erste designierte Pflichtverteidiger, beteuerte uns exklusiv von dem eines Pflichtverteidigers zustehenden Honorars bezahlt worden zu sein und dieses mit seinen Kollegen geteilt zu haben. Es ist kaum vorstellbar, dass sämtliche juristische Berater Dutroux von diesen juristischen Almosen ihre Unkosten abgedeckt haben. Es gibt allerdings keine Beweise, dass Geld für die Verteidigung Dutroux aus anderen Richtungen einfloss. Marc Dutroux mischt sich von Anfang an persönlich in die Gestaltung seiner Verteidigung ein. Er diskutiert mit und ist laut eigenen Aussagen einverstanden, eine saubere Verteidigung abzuhalten, die den Eltern der Opfer entgegenkommen soll. Seine einzige Objektion: Er will kein Mörder sein und wird plädieren, dass er keines der Kinder umgebracht hat. Zur Zeiten von Julien Pierre sah Dutroux seinen Anwalt einmal im Monat, gewöhnlich am Vortage seines Erscheinens vor der «chambre du conseil» die Monat für Monat über die Haftverlängerung entscheidet. Wenn es ausserhalb diesem noch Wichtiges zu besprechen gab, besuchte Julien Pierre Dutroux Samstags oder sogar Sonntags. Julien Pierre sagt von Dutroux : «Er hat eine überdurchschnittliche Intelligenz, drückt sich gepflegt in Französisch aus und macht subtile Wortspiele. » Im Jahre 1992 verbringen Dutroux und Michelle Martin ihre Ferien in Südfrankreich, in Marseillan, einem kleinen Hafen zwischen Sète und Montpellier. Zwei Jahre später befindet sich Michel Diakostavrianos, der beschuldigte Komplize von Dutroux, auch in Montpellier, im Viertel Saint-Martin. Im Sommer ist die Küste von Touristen überströmt, welche in den zahllosen Wohnwagen hausen, wo die vielen jungen unbesorgten Kinder denken, in Sicherheit spielen zu können. Kein Zweifel, viele Belgier verbringen gerne die Ferien in Frankreich. Auch die, die am wenigstens empfehlungswert sind. Sicherlich beweisst diese Daten und Fakten- Verbindung nicht viel, aber sie zeigt immerhin , so wie die Tchernobylwolke, dass Pädophilie keine Grenzen kennt. Fakten, die sich in Belgien abspielen und zu einem regelrechten Drama führen, bringen uns wieder nach Marseillan. Am 15.Juni 1996, wird in der Nähe des Wohnortes von Laetitia, der Leidensgenossin von Sabine, ein neunjähriger Junge von einem Porschefahrer angesprochen. Der Mann fragt nach einer Strasse, aber die vierzehnjährige Schwester die einige Meter von ihrem Bruder enfernt steht, bemerkt sofort, dass irgend etwas faul ist . Dies umso mehr, da der mitgeführte Hund knurrt und immer nervöser wird. Das junge Mädchen schreit ihrem Bruder zu, sich sofort vom Wagen zu entfernen. Der Porsche macht sich von dannen. Im selben Moment bemerkt das Mädchen einen weissen Lieferwagen der ganz langsam die Strasse in der gegengesetzten Richtung befährt. Einen Monat später, es ist Ende August, sendet das belgische Fernsehen zum ersten Male Bilder des als Dutroux Komplizen vorgestellten Michel Nihoul. Sowohl der neunjährige Knabe als auch das vierzehnjärige Mädchen, erkennen in ihm den Porschefahrer wieder. Die Kinder informieren ihre Eltern. Die ganze Familie geht sofort zur Polizei. Von diesem Tag an wird die Familie mit Schwierigkeiten überhäuft werden. Denn die untersuchenden Beamten glauben den Kindern nicht, obschon auch eine andere Familie aus dierser Ortschaft Bertrix an einem anderen Tage Nihoul erkannt hat und eine diesbezügliche Aussage unterschrieben hat. Schliesslich werden die Kinder sowie mehr als zehn andere Zeugen, die alle Nihoul in ähnlichen Szenen wiedererkannt haben, zu einer Gegenüberstellung gerufen. Mehrmals werden besagte Gegenüberstellungen in letzter Minute abgesagt, manchmal werden die Zeugen durch « technische Pannen » erst nach dem Datum der Gegenüberdarstellung zur Polizei bestellt. Das Dossier der Affäre Dutroux läuft über von Informationen über « Stützpunkte » des belgischen Pädophilen und seiner Komplizen sowohl in Frankreich wie in Deutschland, Holland oder der Tchekei. Nicht belgische Journalisten haben die Existenz der Vernetzung von Dutroux Bande und ihrem Land entdeckt. Aber, wie am Beispiel einer grossen deutschen Wochenzeitung erwiesen ist, wurden diese Journalisten und ihre Medien Opfer von politischem Druck aus Belgien. Ihre Geschichten erschienen nie. Warum ? Diese Frage zu beantworten wäre totsicher der erste Schritt zu einer Verbesserung der Bekämpfung pädophiler Netzwerke. Am 15 Oktober 2001 hat « Der Spiegel », nach mehr als einem Jahr Recherchen des Autors, Dokumente und Informationen zu einer sechsseitigen Reportage unter dem Titel « Im Netz der Dossiers » benutzt. „Er hat nicht mehr viel zu verlieren. Keinen Ruf, keine Zukunft, keine Würde. Also nimmt Marc Dutroux sich die letzte Freiheit. Er nässt sich ein. Er kackt sich voll. Wie ein kleines Kind.“ So beschreibt Alexander Smoltczyk, Reporter beim „Spiegel“, der mit dem Autor zusammengearbeitet hat, den belgischen Kinderschänder. Und erzählt und ergänzt dessen Geschichte und die seiner Opfer. „Am 13. August 1996 wurde er verhaftet, nun sitzt Belgiens berüchtigster Häftling im Gefängnis von Arlon, im äussersten Südostzipfel des Landes. Ein Fluchtversuch im April 1998 wurde von einem zufällig vorbeikommenden Förster nach vier Stunden beendet. Seither hockt Marc Dutroux in seiner Zelle, legt Riesenpuzzles und schweigt. Er hat zugegeben, seinen Kumpanen Bernard Weinstein betäubt und lebendig begraben zu haben. Teilnahmslos hat er zugesehen, wie die Polizei aus seinem Garten die geknebelten Leichen zweier kleiner Mädchen ausgrub, die Vagina der einen auf neun Zentimeter geweitet. Dutroux hatte auch zugegeben, vier andere Mädchen von der Strasse in seinen Lieferwagen gezerrt und in einem selbst gebauten Kerker über Wochen gefangen gehalten zu haben. Vergewaltigt zu haben. Er habe mit ihnen ein Leben ausserhalb der Gesellschaft führen wollen, hat er gesagt. Nur er weiss, ob er wirklich auf eigene Rechnung gearbeitet hat oder ob hinter ihm ein schützendes Netzwerk stand und womöglich noch steht. Der Prozess steht noch aus. Aber Marc Dutroux schweigt, lernt für ein Studium der Mathematik und Geschichte und sagt kein Wort. Nur wenn er aus seiner Zelle zum Richter nach Neufchâteau gebracht wird, gibt er von sich, was niemand haben möchte, entleert seine Blase und seine Gedärme als letzten Akt des Widerstands. Die Wachen beschweren sich. Es stinkt im Mercedes- Transporter der Justiz, es stinkt im Büro des Richters, es pestet überall, wo Marc Dutroux den Fuss hinsetzt. Und jetzt weht ein Ruch sogar bis an die Tore des königlichen Palastes. (…) Die Aussagen der X3 lesen sich wie vom Marquis de Sade im Koksrausch geschrieben : hochherrschaftliche Treibjagden auf Kinder, Rottweiler, bestialische Morde in Anwesenheit des Premierministers und des belgischen Hochadels, einschliesslich des Königs Baudouin und seines Bruders, des damaligen Prinzen Albert. Die Beamten hörten sich die Ausführungen geduldig an. Dann klappten sie die Akten zu. So bleibt als Hauptzeugin Christine D., eine in Scheidung lebende Mutter von drei Kindern, die 1981 bei einem Abendessen von ihren Gruppensex-Erfahrungen im Golfclub von Waterloo erzählte. Dabei lief heimlich ein Tonband mit, weil ein Nervenarzt Belastendes gegen seine Frau sammelte, die ebenfalls im Golfclub verkehrte. Laut Tonbandabschrift beschuldigte Christine D. einen Familienrichter A., zwei Kinder aus seiner Obhut zu den Orgien mitgebracht zu haben. Eine Mitwisserin sei durch Manipulation ihres Wagens umgebracht worden. Zitat : « Der Prinz Albert ist in die Geschichte verwickelt. Er ist über alles auf dem Laufenden und verlangt, dass alle dichthalten. Er hat A. gesagt : Ich decke dich . » „Der Spiegel“ widmet sich dann dem vermeintlichen Auftraggeber von Marc Dutroux, dem Mitbeschuldigten Michel Nihoul. „Das ist die belgische Krankheit », sagt einer, der selbst infiziert ist : Michel Nihoul. « Jeder besitzt über jeden ein belastendes Dossier, um es bei passender Gelegenheit als Druckmittel einzusetzen. « Nihoul ist eine der windigsten Figuren der Dutroux Affäre. Der ehemalige Fischhändler und Bankrotteur hat kurz vor einer Kindsentführung auffallend häufig mit Dutroux telefoniert. Bis heute behauptet er, es sei bei den Telefonaten nur um sein kaputtes Auto gegangen. Ein Gespräch wurde von der Polizei aufgezeichnet : « Wenn Lelièvre (der Helfer von Dutroux) mich reinlegt, werde ich ihn kriegen. » Nihoul wurde als mutmasslicher Komplize kurz nach Dutroux verhaftet, konnte aber nur wegen Betrugs und Unterschriftenfälschung verurteilt werden. Heute lebt er im Brüsseler Stadtteil Jette, in einem Hochhausblock mit integrierter Polizeiwache. Michel Nihoul wartet am Ende des Flurs, auf einen Stock mit Silberknauf gestützt und hat die kalten Augen eines Fisches. Mit der Geste des Grandseigneurs bittet er in die Zweizimmerwohnung ohne Bad, richtet das Einstecktuch an seinem Anzug und fängt an, mit Timbre und wohlgesetzten Worten über seine Unschuld zu reden. « Mancher mag Sex mit Fünfzehnjährigen, mancher mit Zwölfjährigen, mancher mit Dreijährigen. Ich nicht. Mit Kindern habe ich nie etwas angestellt. Ich liebe Kinder. » Der Mann sieht ungesund aus, blass und aufgedunsen wie gerade aus dem Wasser gezogen. Er strömt den Geruch von süssem Parfüm aus. Auf dem Sofa sitzt seine Lebensgefährtin Marleen, eine nicht unsympathische, stark gehbehinderte Blondine mit auffälliger Oberweite, die Nihoul bei einer Orgie kennen gelernt hat . Die beiden sind schon so lange zusammen, dass ihre Sätze ineinander haken wie die Teile eines Reissverschlusses. Es gebe kein Netzwerk, sagen die beiden. Dutroux habe die Mädchen nur « pour sa propre consommation » eingefangen, « zum persönlichen Verzehr ». Ein professioneller Ring hätte die Mädchen doch längst beim Besteller abgeliefert. Er selbst sei übrigens ein geborener Händler, sagt Nihoul. Aus den Ermittlungsakten geht hervor, dass Dutroux sich von ihm beraten liess, wie man in den Mädchenhandel einsteigt. Nihoul habe ihm geraten, Sado-Maso-Partys zu veranstalten. Das bringe mehr ein. « Ich dachte natürlich, der redet von Erwachsenen », sagt Nihoul. « Aber das glaubt ihm ja niemand », sagt Marleen vom Sofa herüber und schüttelt traurig den Kopf. « Dutroux bot mir Osteuropäerinnen an. Schon möglich, dass er andere Pläne mit mir hatte. Aber er wurde vorher verhaftet », sagt Nihoul. Er atmet schwer beim Reden und schwitzt Parfüm. Dann erzählt er von früher . Wie er und Marleen Gruppensex- Partys veranstalteten, « aber mit Stil ! », an denen ein- flussreiche Politiker und Beamte teilnahmen. Im Club « Le Dolo » oder im Mietschloss Faulx-Les-Tombes bei Namur. Von diesen Belustigungen soll es Fotos und Filmaufnahmen geben. Nihoul kokettiert gern mit seiner Gästeliste. Einer der ersten Sätze ist gewesen : « Ich habe die Regierung in der Hand. » Er ist eben ein Händler. Er handelt mit allem, was ihm in die Finger kommt. Mit Fischen, mit Pillen, mit Frauen und in jüngster Zeit notgedrungen mit Geschichten. Ein Interview kostet 1000 Mark : « Legen sie noch 20000 drauf, und ich liefere Ihnen einen amtierenden Minister, der in einen Mord verwickelt ist. « Angeblich alles beweisbar : « Ich kenne den Mörder und lasse ihn beim Minister anrufen. Sie hören mit, okay ? Dann bittet Nihoul, das Aufnahmegerät abzuschalten, und senkt die Stimme. Es gebe da noch ein Sonderangebot. Für eine sechsstellige Summe. « Denn dann müsste ich Belgien verlassen. Ich gebe Ihnen das Foto, auf dem der damalige Prinz Albert gerade ein 16-jähriges Mädchen bespringt. Nackt. Aufgenommen im zweiten Stock des Mirano-Clubs vor 20 Jahren. Na ?“ Der Bericht von Smoltczyk widmet sich auch den Pannen der Untersuchung : „Auf der Suche nach den beiden verschwundenen Mädchen Melissa und Julie durchsucht ein Gendarm das Haus von Dutroux. Ihm ist bekannt, dass der Hauseigentümer ein verurteilter Serienvergewaltiger ist. Die Polizei hat ausserdem einen Hinweis bekommen, dass Dutroux ein Kellerverlies angelegt habe. Als der Gendarm durch die Wohnung läuft, findet er Ketten, Chloroform, Vaginalcreme und ein Speculum. Dann hört er Kinderschreie. Und geht seiner Wege : Er habe angenommen, sagt er später, die Schreie seien von der Strasse gekommen. Es war ein kalter Wintervormittag. Die Strassen waren leer und alle Kinder in der Schule. Ist das Komplizenschaft oder hoffnungslose Tumbheit ? Den fasslungslosen Belgiern machte es im Herbst 1996 keinen Unterschied. Sie gingen zu Hunderttausenden schweigend auf die Strasse. Die « Weissen Märsche » sprachen einem Staat die Legimität ab, der sich als unfähig erweist, die Allerschwächsten zu schützen, aber wo Dutroux gleichzeitig entlassen wird, von Sozialhilfe lebt und jahrelang Kinder von ihren Fahrrädern zerren, einkerkern, missbrauchen und wegwerfen kann wie ein gebrauchtes Kleenex. Sie hatten genug von den Kirchturmkämpfen zwischen Gendarmerie und Justizpolizei, vom Justizsystem, das nur deshalb aufgeblasen und wie ein Schnittmusterbogen organisiert ist, weil alle Klientelen, Regionen, Parteien bedacht werden müssen. Belgien taumelte damals zwischen dem real existierenden Surrealismus der Fahndung und den alptraumhaften Erzählungen von Opfern, die bei einer anonymen Telefonleitung der Polizei abluden, was sie bis dahin im dunkelsten Winkel ihrer Psyche deponiert hatten. Plötzlich schienen überall im Land tote Kinder vergraben zu liegen. Die Beklemmung steigerte sich, als immer mehr Menschen aus dem weiteren Umfeld der Ermittlungen ums Leben kamen. Ein Schrotthändler wollte über das Entführungsauto aussagen und wurde vergiftet aufgefunden, wenig später verbrannte seine Frau. Eine Aktivistin der Kinderschutzbewegung stirbt bei einem Autounfall, kurz nachdem sie auf « snuff movies » gestossen war, Videos, auf denen die Ermordung von Kindern zu sehen ist. Der in Lüttich ermittelnde Staatsanwalt schoss sich eine Kugel in den Kopf, wenige Stunden, nachdem er vom neuen Justizminister Marc Verwilghen freie Hand für seine Ermittlungen bekommen hatte. Alles nur Zufall ? Oder der Hinweis auf ein mächtiges Kartell? Fragen ohne Antworten untermauern nur die Gewissheiten der Gläubigen. Regina Louf ist eine handfeste junge Frau, die in der Nähe von Gent, am Rande der Europastrasse 17, eine Hundezucht betreibt. Sie ist auffällig kleingewachsen. Ihr weiss getünchtes Haus ist voll mit Familienfotos in herzförmigen Rahmen und Engelsfiguren. Es riecht nach Hund. Auch damals hätten die Männer manchmal Hunde dabeigehabt, sagt sie. Die Welt wäre besser, wenn Regina Louf verrückt wäre. Dann müsste man sich nicht fragen, was es für eine Achtjährige bedeutet, von der Grossmutter nach oben ins Zimmer mit der Nr. 7 geschickt zu werden, wo der Onkel mit dem haarigen Bauch wieder seine Hose ausziehen wird. Dann könnte man den Schrecken in eine andere Welt abschieben, aus der keine Schreie herüberdringen. In Belgien gibt es kaum jemanden, der diese Frau nicht kennt. Wenn nicht als Regina Louf, dann als « X1 ». Unter diesem Tarnnamen wurde sie 13-mal ausgiebig vernommen. Die Protokolle gingen als « Dossier X » in die lange Geschichte des Falles Dutroux ein. Die Eltern, kleine Geschäftsleute, werden sowohl geschäftlich als aus auch privat unter Druck gesetzt : Drohbriefe, anonyme Telefonanrufe, usw. Nach einigen Monaten gibt die Familie auf und zieht in den Süden Frankreichs um, in ein kleines Haus, das der Mutter der beiden Kinder aus einer Erbschaft gehört. Der Ort, wo die Familie ansässig wird heisst Marseillan. Schlechter hätte die Familie ihren Umzugsort nicht wählen können. Denn Marseillan ist eine Anlaufstelle des Netzes von Marc Dutroux. Und wieder ist die Hölle los für diese belgische Familie : Telefonanrufe, Briefe, mysteriöse Besucher die sich um das Haus herumtreiben usw… Nachdem besagte Familie auf allen Ebenen in Belgien versucht hat, Hilfe zu bekommen, nimmt sie Kontakt mit dem Autor auf. Wir fahren sofort nach Marseillan. Wir brauchen nicht lange, um die Stelle wiederzufinden, wo längere Zeit ein von Dutroux benutzter Lieferwagen regelmässig herumstand. Wir fahren mit der Familie in der Gegend herum und haben Kontakt zu mehreren uns und der Familien unbekannten Zeugen die alle einig sind, Dutroux in diesem Ort gesehen zu haben. Im Grunde genommen hat unsere banale Kontrollaktion, für die wir insgesammt drei Tage brauchten, die Aussagen der belgischen Familie mehr als belegt. Und wir konnten mit eigenen Augen und Ohren feststellen, dass es im Falle Dutroux ein Netzwerk gibt, und letzteres sich über mehrere europäische Länder erstreckt. Dutroux « arbeitet » also auch in Frankreich. Deutschland gehört ebenfalls, laut den Ermittlungen des Untersuchungsrichters in Neufchâteau, zum Einzugsgebiet von Marc Dutroux und seiner Bande. Ein anderer Komplize von Marc Dutroux heisst Lucien Vial. Wenn wir diesen « Kinderhändler » hier erwähnen, so tun wir dies wegen seiner grossen Ahnlichkeit mit Michel Nihoul. Vial, dessen Sündenregister mehrere Seiten in den Polizeiakten füllt, hatte auch regelmässige Beziehungen nach Deutschland, was die Liste der von ihm angerufenen Telefonnummern im Polizeidossier eindeutig belegt. Zu diesem Netzwerk von internationalen Kinderhändlern gehörten ebenfalls Jean Paul R., sowie die Gebrüder M. Es ist heute von der Sonderkommission Neufchâteau erwiesen, dass Lucien Vial Kinder bei deren Eltern für 1250 Euro mietete, um sie dann an Kunden weiterzugeben. Es könnte durchaus möglich sein, dass Julie, Mélissa, Sabine, Laetitia und andere Mädchen von Dutroux entführt und « zugerichtet » wurden, um an diesem eintragsreichen Markt von Vials Netzwerk teilhaben zu können. Eine Sonderkommission der Justiz aus Palermo hat ebenfalls zur selben Zeit Spuren gesammelt, aus denen hervorgeht, dass sogennante mafiöse Strukturen und organisierte Eltern und Grosseltern ihre Kinder an « Händler » aus Vials Einzugsgebiet vermieteten. Es handelte sich hier um realistisch gedrehte und knallharte pädophile Pornofilme. Desweiteren hat die belgische Polizei entdeckst, dass ein gewisser Di Giorgio junge Mädchen in Diskos aufriss, sie betrunken machte und mit den Getränken heimlich zugeführten Medikamenten drogierte, um sie dann zu Vial in Hotels zu führen, wo sie, wenn sie Glück hatten, nur vergewaltigt wurden oder im schlimmsten Falle auch noch an andere Kunden des Netzwerkes weitergegeben wurden. Di Giorgio wurde 1995 im belgischen Namur zu fünf Jahren Freitheitsstrafe wegen Vergewaltigung und Tortur verurteilt. Der Italiener war allerdings beim Urteilsspruch nicht anwesend. Die belgische Justiz hat den Kinderschänder und Vergewaltiger allerdings nie zur internationalen Fahndung mittels eines internationalen Haftbefehls ausgeschrieben. Sie scheint diese Prozedur lieber bei unbequemen Journalisten als bei verruteilten Tätern anzuwenden. Dutroux Freund Vial, der logischerweise Marc Dutroux als Kinderräuber in sein weltweit operierendes Netz integriert hatte, beschäftigte ebenfalls den 1995 im brasilianischen Rio de Janeiro verstorbenen Didier Sizaire. Letzterer war ein Spezialist in Sachen Jagd auf Minderjährige, die von zu Hause geflüchtet waren. Sizaire nahm Kontakt zu den « Flüchtlingen » auf, schlug ihnen seine Hilfe vor und präsentierte eine Lösung, um einfaches Geld zu verdienen. Die Minderjährigen Jungen und Mädchen sollten für Werbefotos eines Weinhändlers zu Verfügung stehen. In Wirklichkeit wurden die Kinder, sobald sie sich im « Fotostudio » eingefunden hatten, mit Gewalt nackt ausgezogen, fotogra- fiert, gezwungen die obszönsten Positionen einzunehmen und, man möchte praktisch die Sache als natürlich bezeichen, vergewaltigt. Mehr als einmal wurden diese Bilder später als Erpressungsmittel benutzt, um die jungen Leute weiter fügig zu machen und sie auch anderen perversen Kunden zuzuführen. Nachdem Sizaire verstorben war, stellte Dutroux seinem Freund Vial die Gebrüder M. vor. Letztere übernahmen die Geschäfte von Didier Sizaire. Es bleibt hervorzuheben, dass mehrere Zeugen bei der belgischen Polizei ausgesagt haben, sie hätten sowohl Vial als auch Di Giorgio, route de Philippeville, in Marcinelle gesehen. Es ist in dieser Strasse wo sich das Haus befindet, in dem Julie und Mélissa starben und Sabine und Laetitia im Keller gefangen gehalten wurden. Belgien, Italien, Frankreich, Slovakei, Holland, Deutschland … die sexuellen Irrwege des Marc Dutroux und seiner Freunde sind supranational. Vial, Di Giorgio, Dutroux und einige andere Gestalten haben mit ihren Schandtaten eine grausige Spur durch Halbeuropa gezogen. Sie sind ohne Zweifel Bestandteil eines sicher primären, aber ebenso effektiven Netzwerkes, von deren Sorte es in allen Ecken Europas und auch in Deutschland Kopien gibt. Man braucht sich nur an die schreckliche Pädophilenaffäre in Saarbrükken zu erinnern. Sexualität ist seit jeher Bestandteil politischer Machenschaften und wurde schon immer als Erpressungsmittel auf allen Ebenen benutzt. Sowohl Räuber wie Richter, Wähler wie Gewählte, Banditen wie Saubermänner sind in solche Netzwerke, die von einzelnen sexuellen Orgien bis zur organisierten Kriminalität reichen, verstrickt. Man könnte meinen, dass solche « Feste » unter Erwachsenen nichts anderes als das unantastbare private Leben darstellen. Dem ist nicht mehr so, wenn Personen, die durch ihre Funktion Macht ausüben, sich durch ihre mehr oder weniger sexuellen Perversionen der Gefahr der Erpressung aussetzen. Schlimmer ist es allerdings noch –und hier rutschen wir hinab in die schlimmste Kriminalität –wenn Kinder von Erwachsenen missbraucht werden. Wie kann man solchen Leuten das Handwerk legen, wenn man weiss, dass in Sachen Pädophilie immer öfters auch finanzielle und politische Interessen mitspielen? Man kann schon ein System vermuten, wenn man die erschreckenden Lücken der Justiz betrachtet oder die immer noch ungenügenden Mitteln, die in vielen Ländern Europas den untersuchenden Beamten zur Verfügung stehen. Wenn nicht sogar manchmal Ereignisse vertuscht oder Untersuchungen unterwandert werden. Die familiäre Herkunft von Regina Louf passt in zwei Sätze: « Meine Mutter ist von ihrem Vater missbraucht worden, einem Polizeikommissar in Knokke. Ich bin von meiner Mutter vermietet worden, mit Wissen meines Vaters. « Sie wollte ihren eigenen vier Kindern diese Tradition ersparen. Deswegen, sagt sie, habe sie sich den Verhören ausgesetzt : « Der Fluch sollte ein Ende haben ». In teilweise nächtelangen, alptraumhaften Sitzungen hat X1 den Ermittlern von sadomasochistischen Orgien erzählt, bei denen Kinder gefoltert worden seien, sie hat Orte und Namen gennant. Seit damals, sagt sie, sei sie auch nicht mehr gewachsen. Die Geschichten der Regina Louf waren in grossen Teilen keine Informationen, sondern Bilder, die aus einem Sturm der Gefühle aufblitzen. Verschlüsselte Botschaften aus einer verdrängten Zeit, keinesfalls in sich stimmige Berichte, die man nur zu überprüfen bräuchte. Doch anders als bei der anonymen Zeugin X3 gab es etwas, was die Ermittler irritierte . Regina Louf beschrieb detailliert ganz aufgeklärten Tod der Christine Van Hees hatte. Die 16-Jährige war im Februar 1984 verbrannt und gefesselt im Keller einer alten Champignonzucht gefunden worden, nahe der Uni, am Boulevard des Triumphes. X1 konnte den längst abgerissenen Tatort präzis beschreiben und erwähnte Einzelheiten, die nie bekannt geworden waren. Etwa einen Metallstift, der im Handgelenk der Toten steckte . Doch diese Frau hat den Anfeindungen standgehalten und den Blick in eine andere Welt ermöglicht, die auch ohne Dutroux weiter existieren wird. Wo man sich Kinder in der eigenen Familie und im Freundeskreis besorgt, ohne ein sonderliches Risiko eingehen zu müssen. Sie sagt : « Diese Menschen werden Pädophile genannt. Es sind Pädokriminelle. Sie lieben keine Kinder. Sie wissen nur, dass Kinder sich nicht wehren gegen einen Erwachsenen und dass Kindern nicht geglaubt wird. » Es müssen auch keine Politiker, Juristen, Prinzen sein. « Das sind sehr normale, durchaus intelligente Menschen mit guten Manieren und Bausparverträgen. » Keine Monstren. Die Welt wäre besser, wenn Regina Louf verrückt wäre. Sie ist es nicht.“ Michel Nihoul ist ein spezieller Geschäftsmann, sein Unternehmen besteht aus kleinen Immobiliengesellschaften, Cateringservice und andere Aktivitäten. Seit 1974 war sein Leben von verschiedenen Konkursen seiner Geschäfte gezeichnet und verschiedene Machenschaften, die ihm einige Verurteilungen einbrachten die so schwierig und durcheinander scheinen, dass es schwer ist, sich in dem Ganze wiederzufinden. 1973 wurde er zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, davon vier Monate auf Bewährung, wegen Bankrott und Betruges. Auf Basis einer königlichen Begnadigung waren es dann aber nur zwei Monate. Später dann, im Jahre 1980,wurde er dann wieder verurteilt, wegen privatem Konkurs. Michel Nihoul ist am 23 April 1941 in Verviers geboren, Sohn einer modesten Familie, und seit seiner Kindheit hatte er ein gewisses Talent für leere Worte. Anfang 1960 arbeitete er als junger Mann als Anstreicherund interessierte sich für Casinos und bewies gewisse Qualitäten als Unternehmer oder Politiker. Aber es kam anders als gedacht. Wenn dieser Geschäftsmann heute in die Dutroux Sache verwickelt ist , so verdankt er das seiner grossen Freude an heißen Nächten, und seinem großen Bekanntheitsgrad. Er ist Moderator bei Radio Activité in Brüssel Etterbeek. Eines dieser freien Radios, das in den achziger Jahren in Brüssel Furore macht. Er lernt sehr schnell Leute aus dem politischen Leben kennen, die ihm den Weg in ein gewisses Milieu öffnen. Er unterstützt diese bei Wahlkampagnen. Er geht in Swingerclubs und auf sadomasoschistische Partys, wo er noch weitere Leute aus der politischen Szene kennenlernt. Die den Ex-Premier Jean Gol umgebenen Mitglieder im Regierungskabinett wurden Komplizen , ob freiwillig oder nicht, der Manipulationen und Operationen des Michel Nihoul. Dokumente aus dem Jahre 1987 und Briefwechsel zwischen dem Kabinett des Ministers und Nihoul bestätigen dies. Weiterer Beweis : Die Aussagen der Exfrau von Nihoul vor der Justiz. Diese Ex-Anwältin sagt über ihren Ex-Mann aus : « Dieses geschieht nicht mehr zur aktuellen Zeit, doch zur Zeit des Jean Gol und seiner Mitglieder war es üblich ». Als Nihoul wegen der Affäre Dutroux verurteilt wurde, zeigte er sich ebenfalls sehr offen : „Ich kenne Leute aus dem PRL ( Liberale): Jean Gol, Jean Claude Godfroid, Francis Burstin, François-Xavier de Donnéa ( ehemaliger Bürgermeister von Brüssel). Die Schwester von Godfroid ermöglichte es mir die Gutachten zu beschaffen. Dank meiner guten Kontakte, konnte ich inhaftierten Häftlingen helfen, ihre vorzeitige Entlassung voranzutreiben. Der Anwalt hat die Unterlagen vorbereitet, und ich habe das Ganze in meinem Namen angefragt und die Unterlagen dann weiter geleitet. Das Ganze hat so lange gedauert wie die Liberalen an der Macht waren ». Nihoul gibt zu verstehen, dass er sehr viel Unterstützung von politischer Seite bekommt. Dieser verdächtige Mann wurde im August 1996 festgenommen, nur ein Tag nach Dutroux. Der Untersuchungsrichter ist davon überzeugt, dass Nihoul etwas mit den Entführungen der Kinder zu tun hat. Aber wie kommt er zu diesem Gedanken ? Indem er sich auf verschiedene Aussagen von Zeugen festlegt. Lelièvre erklärt, dass ein Ring von Prostitution zwischen Belgien und anderen westlichen Ländern im Namen Nihoul’s entstehen soll. Die Aussagen von Annie Bouty, Exfrau von Nihoul, die nie ihre Verbindungen zu ihrer alten Beziehung abbrechen konnte, bestätigten, dass er das Hirn eines Netzwerkes vom Vertreiben pädophiler Kassetten war. Eine kapitale Aussage einer wichtigen Zeugin, die die Existenz eines solchen Netzwerkes bestätigt. Während der ersten Wochen der Untersuchung erfährt der Richter auch, dass Nihoul immer wieder Kontakt zu einem überführten Pädophilen hatte. Zum Bekanntenkreis Nihoul’s gehört ebenfalls ein gewisser Corvillain, auch wegen Pädophilie verurteilt. Ein ihm bekannter Ex-Richter wurde auch wegen dem gleichem Motiv, aber vor allem wegen Berührungen von Kindern verurteilt. Ohne einen ihm ebenfalls bekannten Politiker aus Brüssel zu vergessen, der zu vier Jahren Gefängnis wegen Pädophilie verurteilt wurde. Der Fall des Roland Corvillain ist mehr als interessant und der Untersuchungsrichter hält dies auch fest. In den ersten Stunden der Festnahme von Dutroux und Nihoul wird die Ex-Frau von Corvillain befragt. Sie sagt aus, dass ihr Ex- Mann sowie der Chef der Firma Logitel über besagte Firma ein Geschäft mit Kinderhandel abgewickelt hatte. « Es ging um blonde, braune, schwarze Kinder, sagt sie aus ». Corvillain wird jetzt auch vom Untersuchungsrichter befragt, weisst zuerst die Beschuldigungen zurück und gibt dann zu, dass seine frühere Frau die Wahrheit gesagt hat. Er fügt sogar hinzu, dass Nihoul regelmässig bei Logitel vorbei kam. Er gibt ebenfalls den Namen von Nihoul im Milieu preis :« Don ». Nihoul hat auch bei Logitel verschiedene Leute begegnet, die der Nummer eins der belgischen Kriminalität, Patrick Haemers, nahestanden. Unter ihnen dessen Spezialist in Explosionsstoffen und dessen Anwalt Michel Vanderelst, der später Nihoul ein falsches Alibi geben wird, um ihn aus der Entführungsaffäre der jungen Laetitia herauszuhalten. Besagter Anwalt kommt ebenfalls mehr als einmal in den Aussagen der X-Zeugen vor. Die Bande des Patrick Haemers war in ihren letzten Jahren in eine pädophile Affäre verstrickt. In einem von der Bande geleiteten Bordel wurden Affären vom Polizisten Marc Toussaint aufgedeckt. Letzterer hat ebenfalls die Beweise über die Beziehungen von Nihoul mit diesem Bordell zusammengetragen. Auf Basis dieser Elemente beginnt Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte seine Instruktion. Zuerst werden die Telefonate von Dutroux überprüft. Es gibt verschiedene Kontakte. In den ersten Tagen vor der Entführung von Laetitia telefonieren die zwei Hauptverdächtigten bis zu fünfmal am Tag miteinander. Einige Anrufe dauern etwas länger als andere. Am 10. August hat Dutroux Nihoul kontaktiert. Am Abend des 11. August ist es umgekehrt. Am 12. und 13. August rief Nihoul nochmals an. Aber diesmal wurde das Gespräch aufgezeichnet, in dem Nihoul bedroht wurde : « Wenn Lelièvre mich verrät, werde ich ihn finden. » Aber was Nihoul nicht weiss, ist dass Dutroux zu diesem Zeitpunkt schon festgenommen war und dass er in Wirklichkeit mit einem Polizisten sprach und dieser sich als Einwohner ausgab. Am Tag nach der Entführung von Laetitia hat Nihoul Lelièvre tausend Exstasy Pillen zukommen lassen im Wert von 6752 Euro. Die verschiedenen Kontrahenten der Dutroux-Affäre belasten sich gegenseitig. Übereinstimmige Aussagen bestätigen : Dutroux : « Lelièvre setzte mich in Kontakt mit Nihoul, weil dieser Mädchen suchte, um sie im Netzwerk der Prostitution einzusetzen. (…) Er hat mir geraten, sadomasoschistische Partys zu veranstalten , da diese mehr Geld einbrächten. (…) Nihoul selbst hat Vorlieben für sadomasoschistische Spiele. » Einen Punkt den Michel Nihoul immer wieder verneint, obwohl man solche Beschuldigungen in der Anhörung von Regina Louf wiederfindet. Michelle Martin : « Am Wochenende des 9. und 10. August, hat Nihoul mehrmals bei uns angerufen. Im August 1995 ist Nihoul öfters bei Dutroux in Marcinelle gewesen, damals als Julie und Mélissa sich dort befanden. » Michel Lelièvre hat zuerst Nihoul belastet, dann hat er seine Aussagen wieder zurückgezogen. Während seiner Inhaftierung war er mit Marc Dutroux und Michel Nihoul im Gefängnis von Arlon eingesperrt, wo sie offensichtlich bei ihren Ausgängen zusammen sprechen konnten. Obwohl ernste Beschuldigungen gegen Michel Nihoul dem Untersuchungsrichter vorliegen, weisst dieser diese zurück. In seiner Autobiographie beschreibt Nihoul, dass er Zeugen hat, die bestätigen können, dass er im Moment der vorgefallenen Taten, die ihm vorgeworfen werden, an diesen Orten nicht anwesend war. Dann schreibt er : » Ich habe nie und werde niemals ein Kind anfassen. Dafür liebe und respektiere ich Kinder zu sehr. Seit meiner Festnahme sage ich immer, dass ich unschuldig bin. » Bemerkenswert, dass das belgische Staatsfernsehen sich für die Unschuld Nihouls eingesetzt hat. So wurden zum Beispiel die Aussagen einer niederlandischen Familie, die Nihoul mit Dutroux in den Tagen vor der Entführung von Laetitia am Entführungsort gesehen hat, ins Lächertliche gezogen. So wurden zum Beispiel auch gravierende Teile des Dossiers von Nihoul ganz einfach ignoriert. Um die Wahrheit über Nihoul herauszufinden und angesichts der polizeilichen Blokade und der Hypokrisie der belgischen Presse, gab es nur einen journalistischen Weg, den der Autor in einer grossangelegten Operation und mit Hilfe einer grossen deutschen Fernsehanstalt einschlug. Es handelt sich um den geglückten Versuch, Nihoul zu unterwandern, eine in seinen Augen vertrauenswürdige Person bei ihm einzuschleusen und ihn dazuzubringen, sich anzuvertrauen. Diese interessante Person für diese Mission, die sich in den Medien von Belgien sehr gut auskennt, war schnell gefunden, da wir zusammen in einem gravierenden Fall von Geldweisswäscherei arbeiteten. Sein Name : Antonino Costa, italienischer Staatsbürger, der in Belgien wohnt und als gehobener Angestellter in der belgisch- luxemburgischen Kredietbank arbeitet. Er war Zeuge Nummer eins der belgischen Justiz in einem der grössten Fälle von Steuerhinterziehung und schwarzen Konten: Die « Affäre KB-Lux ». Costa hatte eine Serie von Mikrodateien, die aus dem Hauptrechner der Kredietbank stammten, entwendet. Auf diesen Mikrodateien sind anonyme Konten von Staatsbürgern und internationalen Gesellschaften mit ultrageheimen Informationen über die Identität der Inhaber dieser schwarzen Konten enthalten. Wir waren überzeugt, dass es nicht schwer sein würde, mit dem Lockangebot solcher sensiblen Informationen, Nihoul’s Vertrauen zu gewinnen. Doch wie an Nihoul herankommen, ohne dass er misstrauisch wird ? Er gab immer nur Interviews für die er einen Preis in Höhe von 2500 Euro fragte . Und er gab immer nur dieselben Informationen preis, die darin bestanden, seine Unschuld zu beteuern. Doch wir versuchten es trotzdem, die ganze Wahrheit herauszufinden. Wie aber die Verbindung zwischen Costa und Nihoul herstellen ? Ein ehemaliger Tierarzt, Jean-Pierre Leurquin, Ex-Informant der Polizei, der auch eine wichtige Rolle in der Affäre KB-Lux spielte, brachte uns in Verbindung mit Jacques Genevois, der uns helfen sollte, damit wir unser Ziel erreichen könnten. Dieser war in die Affäre der Entführung und des Todes von Loubna Benaïssa, eines marokanischen Kindes, impliziert. Er wurde nach einigen Wochen Haft wieder freigelassen, da der richtige Täter, Patrick Derochette, gefasst worden war. Genevois, Vertrauter von Nihoul, konnte uns sehr nützlich sein und wir überzeugten ihn, bei dieser Operation mitzumachen. Genevois überzeugte seinerseits Nihoul, dass Costa ihm gewisse Informationen aus Belgien zuspielen konnte. Über Persönlichkeiten aus Belgien. Diese Informationen könnte Nihoul dann selbst zu seinem Nutzen anwenden. Um die eventuellen Vertraulichkeiten Nihoul’s hieb und stichfest festhalten zu können, stellt mir das Brüsseler Büro der ARD das benötigte technische Material zur Verfügung. Costa verabredet sich mit Nihoul in dessen Wohnung und wurde vorher von unseren Technikern verkabelt. Dieses Mikrofon soll dazu dienen, dass mein Team, das mit mir in einem Wagen vor der Wohnung Nihoul’s sass, kein Wort des Gespräches verliert. Beim zweiten Treffen nimmt Nihoul Costa mit in seine Wohnung im achten Stockwerk, was unseren Technikern einige Schwierigkeiten bereitet. Während drei Stunden werden Nihoul, Genevois und Costa vertrauliche Informationen austauschen, reichlich begossen mit Bier, Wein und Whisky. Mein Team und ich schneiden alles mit, und wenn nötig, trete ich per Handy mit Costa in Verbindung, um die Fragen zu orientieren. Im Laufe der Zeit und auch Dank des Alkoholkonsums wird das Gespräch immer vertraulicher. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass meine Herzfrequenz unten im Auto je nach Gesprächsstoff steigt. Gleich bei der Ankunft von Costa und beim Empfang durch Nihoul rutscht mir das Herz in die Hose. Costa, übermütig wie immer, sagt etwas ganz Unvorgesehenes : -Sie können mich durchsuchen Und er fügt hinzu : – Ich trage kein Mikrofon. Ich habe nur meine Waffe bei mir. Sie können ja verstehen, lieber Herr Nihoul, dass mit meinen Aktivitäten und mit meinem Wissen ich immer eine Waffe tragen muss. Vor soviel Offenheit misstraute Nihoul ihm keineswegs und verzichtete auf die körperliche Durchsuchung. Ein gelungener Coup, aber ich war am Rande des Herzinfarktes. Da Costa von meinen Technikern verkabelt war, wurde das ganze Gespräch integral aufgenommen. « Wir haben Polizei und Richter immer gut geleimt », sagt gleich am Anfang Genevois. Dass beide Männer sich äusserst gut kennen, geht sofort aus dem Gespräch hervor. Nihoul bestätigt, dass beide fortwährend vor den Ermittlern gelogen haben. Beide Männer brechen in schallerndes Gelächter aus. « Wir taten immer so, als wenn wir uns nicht kennen würden », bestätigt Nihoul, und bricht wieder in Gelächter aus. « Wir verbrachten eine sehr gute Zeit im Dolo », begann Nihoul von dieser speziellen Bar zu erzählen. Jeden ersten Donnerstag im Monat trafen wir uns. « Jeder der Mitglieder musste eine Frau mitbringen. Es waren Richter, Politiker, Geschäftsleute anwesend. Nihoul nennt einige Namen. Er fügt hinzu : « Man musste 25 Euro Beitrag bezahlen um an diesen Orgien teilnehmen zu können ». « Um die Annäherungsversuche und die wildesten sexuellen Fantasien zu vereinfachen, musste man in dieser Bar eine « Djellaba » tragen », erklärt weiter Nihoul. « Und jeder unserer Besucher nahm Teil an diesen Orgien », erzählt Nihoul. Genevois bestätigte das Ganze. Unter anderem werden auch die Abende in der Bar « Le Jonathan » in den Jahren 1970 und Anfang 1980 beschrieben.$ Diese Bar hatte zwei Stockwerke. Im Erdgeschoss befand sich ein schönes, grosses Zimmer, mit einem aufblasbarem Schiff, gefüllt mit Marmelade, die man regelmässig auswechseln musste, um zu vermeiden dass sie verfaulte. Ein Mann war zuständig, diese « Wanne der Perversionen » in Stande zu halten. Er ist heute noch mehr als beeindruckt von dem, was er damals erlebte und hat noch sehr deutliche Erinnerungen. Wer war in dieser Bar anzutreffen ? Politiker, Richter, Journalisten, sogar Straftäter. Mit Stolz schauten die Mitglieder, die sich bei ihren Sexspielen in der Marmelade vergnügten, in einen grossen Spiegel, ohne zu wissen, dass sich auf der anderen Seite des Spiegels eine Kamera befand, die alles filmte. Diese Aufnahmen dienten erstens dem Inhaber der Bar für sein eigenes Vergnügen und Mitgliedern der Staatssicherheit, die über diese Bar ermittelten und die Aufnahmen für politische Erpressungen gebrauchen konnten. Victor Massard, verantwortlicher Hauptkommissar beim belgischen Staatssicherheitsdienst, schreibt in den achtziger Jahren an seinen Minister, dass grosse Mordaffären in Belgien mit grossen Sittenaffären in Verbindung zu bringen sind und dass diese Umstände dazu führen, dass die meisten Zeugen nicht aussagen wollen. Massard’s Leute überwachten monatelang die Bar « Le Macho ». In dieser Bar filmte man die Begegnungen, von Heterosexuellen oder Homosexuellen, wie zum Beispiel einem hochrangigen Oberhaupt der belgischen katholischen Kirche. Diese Fakten werden ebenfalls bewiesen durch Dokumente aus einem geheimen Bericht aus dem Jahre 1983 der Justizpolizei aus Lüttich : « Man konnte gewagte Fotos, sowie obzöne Filme und Videokassetten von Persönlichkeiten sehen, die sich in solche eindeutige Situationen hineinziehen liessen. Man beauftragte die Mädchen sogar, diese Persönlichkeiten dazu zu bringen, bei diesen Spielchen mitzumachen. (…) Der Inhaber soll sich sogar gebrüstet haben, in einem Bankkoffer Fotos, Dokumente, Videokassetten, aufzuheben, die ihm erlauben würden, Erpressungen auszuüben. » Im Grunde genommen filmte jeder jeden. Zuerst filmten die Inhaber aus perversen Gründen oder aus Gründen der Vorsicht ; andererseits filmte die Staatssicherheit aus Gründen, die man sich vorstellen kann und die wir schon beschrieben haben. Aus all dem geht hervor, dass das Risiko der Erpressung gegen gehobene Persönlichkeiten gross war. Aus besagtem geheimen Bericht geht ebenfalls hervor, dass ein Zeuge im Besitz einer Videokassette, aufgenommen in einem Haus in « Rouge-Cloître à la Hulpe », ist. Auf diesem Video sind unter anderem verschiedene Persönlichkeiten in einer kompromettierenden Lage zu sehen. Laut Informant ist diese Videkassette für 140 Millionen belgische Franken (3,5 Millionen Euros) verkauft worden. Besagte Information wird bestätigt durch den Ermittler Balfroid von der BSR aus Wavre in einem Protokoll vom 18. Juni 1985 und durch einen Polizisten namens Peelos, der von einem Preis von 144 Millionen spricht. Kunden, die 3,5 Millionen Euro für eine Videokassette in Belgien ausgeben können, sind nicht sehr zahlreich … Kommen wir zurück zu den vertraulichen Mitteilungen von Michel Nihoul, die mein Team mithört. Ohne Misstrauen erzählt der Beschuldigte in der Affäre Dutroux was sich so abspielt in der Bar « Le Dolo ». Costa erzählt nach diesem Gespräch : « Die Ereignisse in der Bar waren schlimmer als man dachte ». Nihoul wird immer gesprächiger und er erzählt, dass Drogen benutzt wurden, dass die Orgien ziemlich gewalttätig waren und dass auch öfters Kinder anwesend waren. Nihoul sagt auch aus, dass während diesen Treffen Prinz Albert aus Belgien sowie der einstige liberale Vize-Präsident der Regierung Jean Gol anwesend waren. Nihoul ist todsicher ein Wichtigtuer und man kann ihm nicht alles glauben. Er erwähnt allerdings immer wieder Fakten, die belegen, dass er nicht nur Unwahrheiten erzählt. Nihoul besteht darauf, mehrere Polizisten, Politiker, Minister und andere Persönlichkeiten, darunter auch wichtige Leute mit Schwäche für kleine Jungs, namentlich als anwesende Sexpartyteilnehmer zu nennen. Nihoul behauptet, dass solche Orgien öfters in eine Villa in Overijse, ein Vorort von Brüssel, sowie ins Schloss « Faulxles- Tombes »bei Namur, verlegt worden waren. Eine Spur führt hier zu einem ehemaligem Mitglied der parlamentarischen Ermittlungskommission. Michel Nihoul unterstreicht die Irregularitäten der Prozedur in der Affäre Dutroux. « Nach unserer Festnahme habe ich Dutroux im achten Stockwerk im Gefängnis in Arlon getroffen », erzählt Nihoul. « Die Verantwortlichen der Prozedur haben mich nie „ mit “ Dutroux oder Regina Louf gegenüber gestellt » erzählt Nihoul erstaunt. Nihoul hat Recht, erstaunt zu sein. Hätte man nicht die verschiedenen Kontrahenten der Affäre Dutroux miteinander konfrontieren müssen, um herauszufinden, wer wann wen kannte ? Hätte man nicht die Zeugin Louf mit ihren schwerwiegenden Beschuldigungen von Kinderschändung und von bei Sexspielen hingerichteten Kindern Nihoul gegenüberstellen müssen ? Immerhin hat Regina Louf lange vor der Dutroux Affäre Nihoul beschuldigt, ein pädophiles Netzwerk zum Wohle der belgischen High society betrieben zu haben. Im zweiten Bericht der Dutroux und Nihoul betreffenden Untersuchungskommission wird Michel Nihoul eindeutig als Beschützer von Marc Dutroux angeprangert. Der suspekte Geschäftsmann wird als Verbindung zwischen organisierten Orgien, Drogenhandel, allgemeiner Kriminalität und der selekten Gesellschaft, in der er sich wie ein Fisch im Wasser bewegte, dargestellt. Auch seine Manipulierungen von Beamten, Politikern und Leuten aus dem juristischen Milieu werden hervorgehoben. Dann wurde die Untersuchungskommission auf politischem Niveau gestoppt und konnte nicht weiter ermitteln. So blieben auch die Machenschaften des Michel Nihoul im benachbarten Ausland für ewig un untersucht. Dies obschon es klare Indizien gibt, die solche ausländische Verbindungen beweisen. Während der Redaktion dieses Buches bekam der Autor unerwarteten Besuch; zwei belgische Polizeibeamte aus Brüssel, Hauptkommissar Colson, Chef der Anti-Korruptionsbehörde für Richter und Staatsanwälte, und Kommissar Manhout, aus der Abteilung Staatssicherheit, suchten den Autoren auf Anordnung des belgischen Staatsanwaltes Michel, u.a. verantwortlich für Affären in Bezug auf die Sicherheit des belgischen Staates, auf und schlugen ihm einen Handel vor. Entgegen allen rechtlichen Regeln, die zum Beispiel und vor allem verlangt hätten, dass einheimische luxemburgische Justiz und Polizei diese Besuche ausgeführt hätten, versuchten die Belgier den Autoren zu überzeugen, von allen zukünftigen Veröffentlichungen über belgische Dossiers abzusehen und sämtliche Akten, die sich in seinem Besitz befinden und die die Belgier während der verschiedenen Hausdurchsuchungen nicht gefunden hatten, herauszugeben. Sie versprachen im Gegenzug eine auf höchstem Niveau beschlossene Amnistie gegenüber dem Autoren. Luxemburger Behörden wollten sie allerdings nicht dabei haben, da sie befürchteten, dass dann die übergebenen Akten als Kopie im Besitz der luxemburgischen Justiz bleiben würden. Vor allem interessierten sie sich für die Dutroux-Akten sowie belastende Dokumente und belastendes Photomaterial, die den belgischen König und Spitzenpolitiker betreffen. Der Autor informierte sofort die luxemburgischen Behörden. Die luxemburgische Staatsanwalt eröffnete eine Akte und die Justizpolizei beschäftigte sich mit den zwei Belgiern. Diese wurden bei ihren illegalen Besuchen überwacht, photographiert, Telefongespräche wurden mitgeschnitten und Zeugen in die Gespräche eingeschleust. Ein schwerwiegendes Dossier, das die Korruption und die Verdorbenheit der belgischen Justiz belegt, war das Resultat dieser suspekten Operation, die beweist, wie man in Belgien nach wie vor versucht, mit unbequemen Journalisten umzuspringen. Schon 2001, beim Erscheinen des Buches „Dossier Pédophilie“ beim erlesenen französischen Verleger Flammarion, hatte die belgische Regierung vergebens versucht, über ihre Botschafter in Paris und Rom, Verleger Flammarion und den Inhaber des Verlages, die italienische Pressegruppe Rizzoli, von der Veröffentlichung des Buches abzubringen. Die Kontoauszüge von Lelièvre beweisen ebenfalls, dass letzterer regelmässige Transaktionen im deutschsprachigen Raum abwickelte. Zum Beispiel : – Am 15. Juli 95 in Deutschland – Am 9. Dezember 95 in Wien – Am 11. Dezember 95 in Österreich – Am 12. Dezember 95 in Deutschland – Am 19. Januar 96 in Österreich Die Akte 112658 vermerkt ebenfalls, dass Lelièvre die Adresse « Busbahnhof-Landstrabe (Wienmitte) Südbahnhof» mehrmals als Verabredungsort benutzt hat. Identische Informationen stehen im Protokoll 112864 und belegen, dass ebenfalls Diakostavrianos zahlreiche admi nistrative und geografische Dokumente aus Deutschland besass. Eine belgische Telefonrechnung von Belgacom vom 4. November 1994 listet eine ganze Reihe von deutschen Telelfonnummern auf. Eine ähnliche Arbeit war auch bereits mit Hilfe von Dutroux’s Telefonrechnungen gemacht worden. Besagte Telefonnummern betreffen praktisch alle Bundesländer, die meisten bringen allerdings das Dutroux-Dossier in Verbindung mit Bayern und dem Saarland. Der Autor hat im Auftrag des « Spiegel » eine ganze Reihe dieser Nummern angerufen. Fast alle waren noch aktiv. Die Kinderschänderbande hielt sich auch auf deutschen Campingplätzen auf. In der Akte 113479 heben die Ermittler ihre Präsens mittels Quittungen auf solchen Ferienplätzen hervor. Im Protokoll 112864 wird sogar eine dieser Adressen eindeutig identifiziert : Mutter Veronika in Bad Honnef. In einem anderen Protokoll mit der Nummer 100352 stellt Diakostavrianos klar, dass dieser Campingplatz sich ganz in der Nähe der Wohnung seiner Grossmutter befindet. Die Bande benutzt ebenfalls Wagen mit deutschen Erkennungszeichen. Laut Protokoll 114871 sind verschiedene deutsche Erkennungszeichen später unidentifizierbar , andere wiederum waren eingetragen auf den Namen deutscher Bekannter der Mitglieder der Kinderschänderbande. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob Namen wie U.B., Inhaber eines VW Combi Golf F.H. Inhaber eines Mercedes oder anderer deutscher Staatsangehöriger den Bundesdeutschen Polizei-oder Justizbehörden übermittelt worden. Die Akte 113221 listet 28 Wagen auf. Betreffend Diakostavrianos, wurden am 2. Dezember 1996 zahlreiche deutsche Kontoauszüge wieder gefunden. Laut diesen Dokumenten bezog der Dutroux Komplize in Deutschland (wie auch in Belgien !) Arbeitslosenunterstützung sowie « Einkommen eines unidentifizierbaren Arbeitgebers ». Dutroux, der offiziel mit Diakostavrianos einen Autohandel betrieb, hat ebenfalls vor den ihn verhörenden Beamten eingeräumt, « dass er in Deutschland mit lokalen Organisatoren des Prostitutionsmarktes Kontakt aufnehmen musste. Er konnte es nicht tun, denn nachdem er eine unbezahlte gebührenpflichtige Verwarnung von 2147 Mark offenste hen gelassen hatte, konnte er nicht mehr nach Deutschland reisen ». Dies ist eine Erklärung für die Häufigkeit der Deutschlandbesuche von Diakostavrianos. Polizist Renson hält fest, dass ein internationales Rechtshilfegesuch an die deutschen Behörden geschickt wurde, um mehr Informationen über diese Geldbeträge zu erhalten. Das Protokoll erwähnt allerdings keine Antwort der deutschen Behörde. Anderes, erschreckendes Dokument, ist die Akte 117319 des Beamten Aimé Bille. Die Aussagen des anonymisierten Zeugen X69, ein belgischer Transvestit, implizieren einen deutschen Taxifahrer, Micha. « Micha war Taxifahrer in Deutschland. Ich lernte ihn 1992 kennen. Micha fuhr einen Mercedes-Benziner mit deutschen Kennzeichen. An besagtem Tag war ich als Frau verkleidet. Nihoul und der andere Mann haben zusammen ein kleines Mädchen vergewaltigt. Nihoul hat sie vaginal vergewaltigt und der andere anal. Ich ging in ein anderes Zimmer. Ich hörte das Mädchen schreien. Die Schreie wurden unterdrückt. Es waren insgesamt vier Minderjährige die französisch sprachen. Die Kinder wurden von den Eltern verkauft oder ausgeliehen. (…) Ich war präsent als sadomasoschistische Animierung. » Andere Spuren, die nach Deutschland führen, stammen aus Verhören eines zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilten belgischen Pädophilen, der sich spontan nach der Explosion der Dutroux Affäre bei der Justiz meldete. Wenn auch verschiedene Aussagen von R. mit Vorsicht zu geniessen sind, so hat er sicherlich nicht alle Informationen erfunden, was der Ermittler Lesciauskas in der Akte 115439 auch festhielt. R. sitzt in der zweiten Hälfte des Jahres 1996 zusammen in einer Zelle mit F. Letzterer steht dem Netzwerk von Michel Nihoul sehr nahe. Auszüge aus dem Protokoll : « F. hat mehrere Kinder (13-15 Jahre alt) an mehrere Kunden geliefert. Darunter Nihoul. Kostenpunkt für einen Nachmittag mit einem Kind : 250-500 Euro. F. zählte auch zu den Kinderschändern. Die Kinder kamen aus sozialschwachen Gebieten aus Belgien, Frankreich und Deutschland. Kinderaustausch zwischen den 3 Ländern. 200 Videokassetten wurden gedreht. Nihoul beschenkte die Kinder, damit sie Vertrauen gewinnen. F. hat schon einmal 12500 Euro für ein Kind erhalten. F. entführte Kinder (10 Jahre alte Kinder) mit N. F. vergewaltigte zuerst die Kinder zu Hause und übergab sie dann Nihoul. F. und N. schickten minderjährige Knaben auf den Strich. Einer dieser Jungen, heute 23 Jahre alt, soll solche Fakten zu Protokoll gegeben haben. Staatsanwalt G. hat an Orgien mit minderjährigen Knaben teilgenommen. F.’s Beschützer sind der Politiker G. und der Minister DR. Letzterer schläft mit minderjährigen Knaben im Hotel Donitz in Spa. (…) F. und N. kennen sich schon mehrere Jahre. Die in Belgien entführten Kinder wurden ins Ausland gebracht (Frankreich- Deutschland-Niederlande) und in Prostitutionsnetzwerken eingeschleust ( Hamburg). Die Entführungen fanden regelmässig am Nachmittag statt. Die Kinder wurden mit dem Medikament Mogadon drogiert. Das Hotel Donitz in Spa heisst in Wirklichkeit Hotel Dorint. Mogadon ist ein Hypnotikum. (…) In einer abschliessenden Gerichtsakte mit der Nummer T1261/96 hält die belgische Polizei die Namen verschiedener, der Pädophilie verdächtigter Personen fest. Unter ihnen ein gewisser Bernd M. und eine gewisse Sabine P. Wohnort : Rosenheim in Deutschland. Spezialität dieser Kinderzubringer : « Vermietung von Kindern für sadomasoschistische Aktivitäten, die auch zum Tode des Kindes führten “. Der Zufall will es, dass die Geschichte unserer zweiten Zeugin, Dagmar, auch in direktem Zusammenhang mit der Dutroux Affäre steht. Ein kurzes Protokoll, das uns von einem Informanten zugespielt wurde, hat uns auf diese Zeugin aufmerksam gemacht. Originaltext : Bei der Kripo Mainz erzählt eine Auskunftperson : Im Rahmen des Gespräches erzählte sie folgenden Sachverhalt : Am gestrigen Tag, 04.12.96, befand sie sich zwecks Untersuchung im Krankenhaus Centre in Luxemburg-Stadt. Während sie dort wartete, kam sie mit einer männlichen Person ins Gespräch über eine aktuelle Straftat in Luxemburg, die in den Medien stand . Es ging um eine Frau, die eine lange Freiheitsstrafe wegen Kindesmisshandlung o.ä bekam. Man kam dann auch auf die Sache « Dutroux » in Belgien zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass der Mann vermutlich ein Luxemburger Polizeibeamter ist, der sich in den Ermittlungen gut auskannte. Er erzählte ihr, dass diese Sache in Trier begann. Dutroux habe ein Appartement in Trier, wo er auch Sexfilme mit Kindern verkauft habe. Er sei an der Grenze zu Luxemburg von dortigen Beamten kontrolliert worden, die entsprechende Filme bei ihm fanden und ihn festnahmen. Er wurde aber bereits am nächsten Tag entlassen. Er wurde von einem « belgischen Minister, einem hohen Tier » (wörtlich) herausgeholt. Der Mann wusste weiter zu erzählen, dass sich die Mutter Dutroux, mit einer Information an die belgische Polizei wandte, als ihr Sohn, der bereits einschlägig in Erscheinung getreten war, im Keller Umbaumassnahmen vornahm. Sie habe wohl geahnt, dass ihr Sohn etwas mit den verschwundenen Mädchen zu tun habe. Auf jeden Fall seien auch Beamte in dem Haus gewesen und hätten sich die Sache angesehen. Unternommen wurde aber nichts. Weiterhin sei das Tonband mit dem mitgeschnittenen Telefongespräch der Mutter Dutroux mit der Polizei verschwunden und nicht mehr auffindbar. Nähere Angaben zur Person des Erzählers konnte sie nicht machen. Er wäre, so ihre Angaben, möglicherweise Patient der Poliklinik des Krankenhauses Centre. Angst…Sie war überzeugt, dieses Gefühl zu kennen. Aber in diesem Wagen herrschte eine ungesunde Atmospäre und ihre zwei Begleiter sahen Pittbulls ähnlicher als Menschen. Man hatte sie in diesen Wagen gestossen als wäre sie eine Ware, ein Paket. Nichts hatten sie ihr gesagt über das Ziel der Reise oder die Leute die dort auf sie warteten. Jeder Kilometer, den der Wagen hinter sich legte, führte Hitzewellen in ihren Körper, ihre Hände wurden lauwarm, die Feuchtigkeit weichte das Innere ihrer Finger auf und sie fühlte sich so schlecht wie ihr unnützes Leben bis jetzt gewesen sein musste. Tausend Fragen galopierten in ihrem Kopf herum. Die Angst beflügelte ihre Gedanken. Und diese endeten immer in der selben Sackgasse : Warum führe ich überhaupt so ein erniedrigendes Leben. Sie fragte sich, was sie eigentlich dazu gebracht hatte, heute hier in diesem Wagen zu sitzen, solchen geldhungrigen und skrupellosen Leuten ausgeliefert zu sein. Sie hätte nie gedacht, dass ein Mensch so viel Unnatürliches und Erniedriegendes aushalten könnte. Meiner Ansicht nach war die Party in Frankreich, denn wir mussten über die Grenze. Ich habe ein Zollhäuschen gesehen und seinen Schlagbaum. Von der Bauweise der Häuser aus, möchte ich meinen, dass es Frankreich war. Ich bin mit dem Hepp im BMW mitgefahren. Ich möchte nicht sagen, wie ich bezahlt worden bin. Das Haus zu dem wir fuhren war von aussen heruntergekommen. Es sah aus wie ein Haus, das schon mindestens 30 Jahre leer steht. Aussen war ein Misthaufen. Aber Innen war das Haus vom Feinsten. Es sah aus wie Rokoko. Oder Biedermeier. Im Prinzip war es auf der Bitburger. Anders war nur, dass die einen Hund, einen Rottweiler reinführten. Man hat mich unter Druck gesetzt damit ich mich von dem Hund lecken lasse. Sie haben mir gesagt, ich hätte vorher die Sauereien mitgemacht. Dann müsste ich das jetzt auch machen. Im übrigen haben sie mich noch mit etwas bedroht, was ich aber nicht sagen möchte, da ich sonst strafrechtlich verfolgt werden könnte. Als der Hund mit mir fertig war, sollte der Hund die Mädchen ficken. Diese wollten das nicht. Sie wurden aber dann gefesselt. Auf Frage des Staatsanwaltes : Wer hat die Mädchen gefesselt ? Vereinzelte Gäste von denen ich aber nicht weiss wer sie sind, haben die Mädchen gefesselt. Der Linster ist mit der Kamera rum und hat das gefilmt. Der Hund wurde angewixt. Als er einen stehen hatte ist der richtig rein in die Mädchen. Die Mädchen haben gekniet. Der Hund ging von hinten an sie ran. Ich habe gesehen, dass er bei den Mächen drin war. Die Mädchen hatten Schmerzen, das sah man ihren Geschichtern an. Es waren 2 oder 3 Mädchen. Frage : Sie haben vorhin angegeben, ein bekannter Politiker sei anwesend gewesen. Bleiben sie dabei ? Antwort : Ja . Ich bin mir hundertprozentig sicher. Ich kenne ihn auch aus Sexpartys im Saarland, wo ich mit einem Gast war. Wir verzichten an dieser Stelle, noch weitere Auszüge des von der deutschen Polizei erstellten Protokols zu veröffentlichen, da der oben erwähnte Auszug zur Genüge die perversen Spiele der Teilnehmer an diesen Orgien darstellt. ***** Dagmar sitzt wieder im Wagen in Begleitung ihrer zwei Aufpasser. „ Im Auto, dachte ich ununterbrochen nach und sah die Bilder dieser armen Kinder vor mir, die manchmal von ihrem Vater oder einem anderen Familienmitglied begleitet wurden, und ich konnte mich nicht davon abhalten, an meine eigene Kindheit zurückzudenken. Übrigens war in den Augen dieser Kinder nur Leere und Ausdruckslosigkeit, sie taten, was die Erwachsenen ihnen befahlen zu tun, wie ein Kind, das den Erwachsenen nacheifert, ohne Fragen zu stellen. Sie dachten, dass das so sein muss, wie bei anderen Kindern auch um Erwachsen zu werden. Was für eine Wiederlichkeit, und Erbärmlichkeit, mir wurde übel beim Anblick dieser Kinderschänder, dieser sogenannten Menschen, die nie genug bekommen vom Entdecken der schlimmsten Perversionen. Diese sexuellen Perversionen wirken wie eine Droge auf diese Leute. Sie brauchen davon immer mehr, sie gehen immer weiter auf ihrem Horrorweg. An diesem Tage hat es ihnen nicht genügt, Kinder zu schänden, unschuldige Wesen zu vergewaltigen. Nein, diesmal mussten es Hunde sein, Hunde die in Körper eindrangen, damit sie später sagen können: Welch herrliche Orgie, sowas müssen wir noch einmal veranstalten. Mich und die Kinder behandelten sie wie Dreck. Für sie war ich eine „Scheiss Hure“. Ich habe mich geschämt, der menschlichen Rasse anzugehören, ich habe mich geschämt, diese Leute überhaupt zu kennen, ich habe mich „ noch “ lange Zeit später manchmal erbrochen, wenn ich an die Ereignisse dieses Tages zurückdachte. Mit diesen Menschen weiss man nie, wann und wie eine solche Orgie ausarten kann und um ihre obszönen und perversen Fantasien auszuleben, können sie nächstes Mal noch schlimmere Szenarien erfinden. Auf einer solchen Party bist du immer unter Strom. Die Bilder dessen, was ich dort erlebt habe bleiben nicht nur für immer in mir, nein, sie nagen an meinem Innern, sie fressen mich auf, immer mehr, langsam aber sicher. Ich werde wohl nie mehr mein inneres Gleichgewicht wiederfinden, es sei denn, ich könnte alles verdrängen. Aber wie soll ich das tun, mit diesen zwei Schweinen im Auto, die jede Kleinigkeit der eben erwähnten Ereignissen mit saftigen Kommentaren wieder aufriefen. Sowieso hatte ich schon seit längerer Zeit keine Wahl mehr. Schon nach meiner Geburt liess meine Mutter mir keine Wahl und vertraute mich einem Kinderheim an. Weg von Mutter und Geschwistern verlor ich sehr schnell den Sinn für Familie und Liebe. Im Gegenteil: Sehr schnell lernte ich die schwarze Seite der Menschen kennen und als ich eines Tages mit einem jungen Knaben sprach, erfuhr ich, dass uns beiden achtjährigen Kindern dasselbe von verschiedenen erziehungsberechtigten Personen zugefügt wurde: Masturbationen und Oralsex. Meinen Vater habe ich nie gekannt. Man hat mir erzählt, dass er uns einfach aus seinem Leben radiert hätte. Als ich wieder in die Familie zurück durfte, war meine Mutter menschlich schon am Boden, der Stiefvater sehr oft besoffen und gewalttätig und Onkel F., der Bruder meiner Mutter, hatte mich sehr lieb und liebte mich schliesslich wie man eine erwachsene Frau liebt. Sehr schnell verliess ich das „Elternhaus“ und musste fortan versuchen, zu überleben und mein eigenes Geld zu verdienen. Nie hätte ich anfänglich gedacht, in die Prostitution, geschweige denn in noch schlimmere Sachen abzugleiten. Ich dachte mir nicht‘s Schlechtes dabei, als ich in lokalen Boulevardblättern Anzeigen fand, in denen man nach jungen und gutaussehenden Fotomodellen suchte. Ich meldete mich also mit grosser Hoffnung auf diese Anzeigen und fühlte mich menschlich bestätigt, als alle Arbeitgeber positiv auf meine Anfragen antworteten. Die erste Adresse die ich aufsuchte befand sich in einem Kölner Vorort. Das Vorstellungsgespräch dauerte nicht sehr lange. Sehr schnell kam der „Boss“ zur Sache. Er fragte mich (es klang beinahe wie ein Befehl) mich auszuziehen. Er erzählte mir irgendetwas von Unterwäschemode, Bikinikatalog usw. „Ich muss ja auch sehen, inwiefern dein Körper überhaupt für unsere Fotos geeignet ist“. Ich glaube, es war dies der wichtigste Moment in meinem Leben, denn mit jedem Kleidungsstück, das zu Boden fiel, mit jedem “sich darüber hinwegsetzen“ über die Scham, die ich empfand, rutschte ich ohne es zu bemerken an dem Tag in Richtung Gosse. Die empfundene Scham wurde immer wieder von dem Gedanken zurückgestellt, meine finanzielle Unabhänigkeit abzusichern und mir nicht jeden Tag Zukunftsfragen stellen zu müssen. Jetzt stand ich da, nur noch mit meinem BH und meinem String bekleidet, beide Hände vor meiner Scham gekreuzt. Ein anderes junges Mädchen, eben so notdürftig bekleidet, kam ins Zimmer. Der Fotograf schoss eine Reihe von Bildern von uns beiden und bat uns, uns anzufassen. Die Situation war für meine Verhältnisse schon gespannt, aber noch geriet sie nicht aus den Fugen. Ich stellte mir die Frage, ob es nicht besser wäre, jetzt zu gehen, aber das andere Mädchen schien sich pudelwohl zu fühlen und so sah ich denn keinen Grund, das Fotoshooting abzubrechen. Auch nicht als meine Kollegin sämtliche Kleider ablegte. Ich war wie gelähmt. Ich sah ihr zu, wie sie in eindeutigen Positionen fotografiert wurde. Ich wusste schon, dass man mich jetzt auch fragen würde, das Gleiche zu tun. Und ich tat es, wie in Trance und ich tat es auch am folgenden Tag, immer wieder, und folgte dem wahrscheinlich vorgezeichneten Weg, der immer bergabwärts ging, bis ich im Tal landete: Das Tal der Ereignisse dieses Tages “. Dagmar wird, ob dieser Ereignisse und anderer Erlebnisse in ihrem seltsamen Beruf zu einer Kronzeugin, die zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Aufklärung von Verdächtigungen gegen öffentlich Bedienstete und Personen des öffentlichen Lebens im Zusammenhang mit Ermittlungen im Trierer Rotlichtmilieu führte. In den Protokollen des Untersuchungsausschusses kann man nachlesen : „ Auf Grund von Einflussnahmen, rechtswidrigen Handlungen oder Unterlassungen dazu gekommen ist, dass -erforderliche verwaltungsrechtliche Genehmigungen erteilt worden sind, -erforderliche Aufsichtsmassnahmen unterlassen wurden, -gebotene polizeiliche Ermittlungen oder staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren unerblieben oder behindert worden sind oder -polizeiliche Ermittlungen oder staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren aufgenommen worden sind, obwohl dies nicht geboten gewesen wäre sowie -gerichtliche Verfahren nicht ordnungsgemäss durchgeführt worden sind, und dadurch das Vertrauen in die Arbeit und Unabhängigkeit staatlicher Organe gefährdet oder geschädigt wurde, und wer die politische Verantwortung hierfür trägt ; Ferner habe man bei einer Hausdurchsuchung bei einer in der Szene arbeitenden Person Bilder gefunden, auf denen ein Richter abgebildet gewesen sei. Es habe Hinweise gegeben, dass Polizeibeamte in einem Ferienhaus des Bordellbetreibers Urlaub gemacht haben oder auch in dem nicht öffentlich zugänglichen Teil einer Cafeteria in dem Bordell verkehrten . Der Zeuge R. verwies auf eine Telefonüberwachung, bei der eine im Rotlichtmilieu arbeitende Person sich gerühmt habe, in Trier sei die Welt noch in Ordnung. Er habe sehr gute Beziehungen zu Richtern und anderen wichtigen Personen. Dies alles seien Hinweise gewesen, denen die Polizeibeamten im Rahmen ihrer Ermittlungen hätten nachgehen müssen, wobei man berücksichtigen müsse, dass bei Hinweisen aus dem Bereich des Rotlichtmilieus auch viel Unwahres enthalten sei. In Hinblick auf die rechtliche Relevanz der gewonnenen Erkentnisse verwies der Zeuge R. darauf, die Demonstration von Freundschaft zwischen einem Richter und einer im Rotlichtmilieu tätigen Person sei für sich allein noch nichts Strafbares gewesen . Ebenso wenig sei ein rechtswidriges Verwaltungshandeln nicht per se auch ein Indiz für strafbares Handeln und schon gar nicht ein Beweis dafür. Erst als eine Zeugin – allerdings auch aus dem Milieu – Hinweise gegeben habe, dass der abgebildete Richter auch « kokse », sei ein hinreichender Anlass für ein Ermittlungsverfahren gegeben gewesen. Hinsichtlich zweier weiterer Richter habe dieselbe Zeugin behauptet, diese seien in den sexuellen Missbrauch von Kindern verwickelt. Deren Aussagen waren nach Einschätzung der Zeugen R. und S. jedoch so wirr, dass sie keine Grundlage für einen begründeten Verdacht darstellen konnten. Daran habe auch eine richterliche Vernehmung nichts geändert. Ausserdem sei die Aussage auch nicht durch andere Beweise bestätigt worden. Dagegen betonte die Zeugin H., Hinweise auf Kindersexpartys seien von verschiedenen Zeugen gegeben worden. Sie, die Zeugin, sei nicht von vornherein von der Unglaubwürdigkeit dieser Hinweise ausgegangen. Zum Tatnachweis des sexuellen Missbrauchs eines Kindes sei jedoch erforderlich, dass konkrete Personen, hier also Kinder, ermittelt werden müssen, bei dem es zum sexuellen Missbrauch gekommen sei. Dies sei hier trotz intensiver Ermittlungen nicht gelungen. In Bezug auf die von den Zeugen R. und S. erwähnte Zeugin erklärte die Zeugin Harinschmascher ergänzend, sie wisse nicht, ob die Zeugin gelogen habe. Sie habe nie Abstriche oder irgendwelche Zugeständnisse gemacht ; ihre Aussagen seien auch nicht durch die Ermittlungen widerlegt worden. Sie habe daher keinen Anlass gesehen, gegen die Zeugin von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. *** Ermittlungsverfahren gegen W. in Konz wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Nach Aussagen einer Zeugin soll der frühere Beschuldigte Produzent und Darsteller von Kinderpornos gewesen sein. Darüber hinaus wurde ihm vorgeworfen, auf mehreren Sexpartys, bei denen Kinder missbraucht worden sein sollen, Videoaufnahmen gefertigt haben zu sollen. Das Verfahren wurde am 9. April 1997 nach « paragraphe » 170 Abs.2 StPO eingestellt. Ermittlungsverfahren gegen den Kriminalbeamten H. in Trier wegen Strafvereitelung im Amt usw. H. soll auf verschiedene Strafanzeigen von Prostituierten nicht reagiert und Ermittlungsverfahren unter anderem gegen die gesondert verfolgten A.P.K. nicht bzw nicht nachdrücklich betrieben bzw verschleppt haben. Ermittlungsverfahren gegen Richter am Amtsgericht i.R.W. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, Versehen nach dem Betäubungsmittelgesetz usw. W. war vorgeworfen worden, an von dem gesondert verfolgten Bordellbesitzer Bolik und anderen Personen aus dem Trierer Milieu veranstalteten Kindersexpartys teilgenommen zu haben, bei denen auch Betäubungsmittel konsumiert worden sein sollen. Trotz umfangreicher Ermittlungen der AG 45 des LKA Rheinland-Pfalz konnten weder konkrete Vorfälle noch teilnehmende Kinder oder Jugendliche festgestellt werden. Das Verfahren wurde mangels Nachweises eines strafbaren Verhaltens des Beschuldigten am 18. Juli 1996 gemäss « paragr. » 170 Abs. 2 StPO eingestellt . Ermittlungsverfahren gegen Richter am Amtsgericht R. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern usw. Der Tatvorwurf entspricht demjenigen in dem Verfahren gegen den Richter am Amtsgericht i.R.W. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Das Verfahren ist am 7. August 1995 ebenfalls gemäss « paragr. » 170 Abs. 2StPO eingestellt worden. Der Untersuchungsausschuss 13/2 « Rotlicht » hat in seiner 12. Sitzung am 25. Februar 1999 folgenden Beweisbeschluss gefasst : « I. Es soll Beweis darüber erhoben werden, dass nach Einschätzung des Landgerichts Trier und des Ministeriums der Justiz 1. bei Vergabe und Verlängerung von Gaststättenerlaubnissen für die gastronomischen Betriebe im Anwesen Luxemburger Strasse 61- 63 in Trier eine schwierige Begünstigung des Bordellbesitzers B. und seines Umfeldes durch die Stadtverwaltung Trier stattgefunden hat, insbesondere dass P. in den Jahren 1985 und 1986 Gaststättenerlaubnisse zum Betrieb der Venus-Bar Pilsstube erteilt wurden, obwohl P. auf Grund von diversen Vorstrafen und seiner amtsbekannten Betätigung als Zuhälter in Mönchengladbach als unzuverlässig anzusehen war ; 2. die seit dem Jahre 1987 vom Ausländeramt der Stadt Trier praktizierte, rechtlich umstrittene Erteilung von Duldungen bzw . Aufenthaltsbefugnissen an ausländische Prostituierte, die in den Bordellbetrieben Bs der Prostitution nachgingen, eine nahezu aussichtslose Situation brachte ; 3. die Staatsanwaltschaft Trier im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen sexuellen Missbrauchs und Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie dem Verteidiger Aktensicht gewährte, der Rechtsanwalt Kopien der Ermittlungsakten, in denen sich auch ein zusammenfassender Vermerk des LKA Rheinland-Pfalz befand, dem Beschuldigten überliess und dieser die Akten unvollständig an den Verteidiger zurückgab ; 4. Im Zuge weiterer Ermittlungen im Rotlichtmilieu ein Beamter des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz intime Kontakte zu einer Prostituierten aufnahm, die in diesem Zusammenhang ans Bett fesselte und zusammen mit einem Mittäter von ihm Video-Aufnahmen und Lichtbilder herstellte, um ihn zur Wiederbeschaffung einer Gaststättenkozession zu bewegen ; 5. Die Prostituierte und ihr späterer Mitangeklagter wegen dieser Straftat inzwischen rechtskräftig verurteilt worden sind 6. Gegen den Beamten des LKA im gleichen Zusammenhang ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung, Vorteilsnahme und Nötigung eingeleitet und durch eine Sonderkommission der Kriminaldirektion Koblenz bearbeitet wurde, welches inzwischen eingestellt worden ist ; 7. Die Prostituierte durch den Leiter der Kriminaldirektion Trier nochmals zu den Vorgängen, die zu ihrer Verurteilung geführt hatten, vernommen wurde, obwohl der Beamte Kenntnis von der Einsetzung und der Zuständigkeit der Sonderkommission der Kriminaldirektion Koblenz hatte, und dass eine Unterrichtung der Staatsanwaltschaft Trier insoweit unterblieb. a) eine aus dem Ausland angereiste, aussagebereite Zeugin einen Tag vor ihrer Vernehmung in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Trier (2 Js 3912/92) aus einem Hotel in Trier spurlos verschwand und, mit Verletzungen im Gesicht, einige Tage später in der deutschen Botschaft in Lomé von ihrer Entführung berichtete, b) ein Zeuge kurz nach seiner Vernehmung im Ermittlungsverfahren (2 Js 3912/92) bei einem Verkehrsunfall zu Tode kam, (…) “ ***** Der mitteldeutsche Rundfunk ist einiger der wenigen Presseorganen, die sich mit dieser Affäre beschäftigt haben und eine qualitativ hochwertige Reportage gesendet hat unter dem Titel „ Die Rotlicht-Affäre – Polizei und Justiz in Rheinland- Pfalz im Zwielicht: Ermittlungsbehörden in Trier sollen in dubiose Machenschaften im Rotlichtmilieu verstrickt sein “. „Kriminalhauptkommissar Klaus W. steht unter Druck. Ihm droht die Degradierung mit drastischen finanziellen Einbußen. Fakt ist: In dieser Nachtbar ist Klaus W. vor zweineinhalb Jahren in eine Sexfalle getappt. Der Kommissar hatte sich mal eben in der Mittagspause von einer Prostituierten bedienen lassen – und das ganze auch noch kostenlos. Problematisch nur: Der Barbesitzer filmt den Polizisten und versucht ihn zu erpressen. In seiner Not reagiert Klaus W. postwendend und liefert die Prostituierte bei der Staatsanwaltschaft ab. Der Zuhälter wird wenig später verhaftet. Was als Sexskandälchen begonnen hat, könnte nun zu einem handfesten Justiz- und Polizeiskandal werden. Der Kommissar packt aus: In einem vertraulichen Verteidigungsschreiben, das FAKT zugespielt wurde, hat Klaus W. jetzt seinerseits schwere Vorwürfe gegen die Justiz erhoben. Mehr als vier Jahre hatte Klaus W. selbst in einer Sonderermittlungsgruppe gegen Zuhälter, korrupte Kollegen, Richter und Staatsanwälte ermittelt. Unter anderem wurden regelrechte Kindersexorgien von verschiedenen Zeugen bestätigt. Doch von den 39 Ermittlungsverfahren gegen Amtsträger blieb nicht viel übrig. Lediglich zwei einfache Streifenpolizisten wurden verurteilt. Sie hatten u.a. Freibier von einem Bordellbetreiber angenommen. Frustriert nach jahrelanger Recherche in der Sonderermittlungsgruppe resümiert Klaus W., er habe jedes Vertrauen in die örtliche Polizei und Justiz verloren. Um nicht weiteren dienstrechtlichen Ärger zu riskieren, will Klaus W. nicht selbst in die Öffentlichkeit gehen. Rechtsanwalt Mathias Schaefer: „Es bleibt in der Tat ein bitterer Nachgeschmack, wenn man bedenkt, dass hier Kapitalverbrechen im Raum stehen und im Grunde genommen unter dem Deckmantel der Nichtbeweisbarkeit eine Verfolgung nicht erfolgt.“ Ein Beispiel für die Ungeheuerlichkeiten, die der Beamte outet: Ein Richter wurde beschuldigt, an Sexparties mit Minderjährigen teilgenommen zu haben. Unfassbar: Trotz dieses Vorwurfs blieb er in genau diesem Verfahren entscheidungsbefugt. Kommissar Klaus W. schreibt dazu: „Es wurde zugelassen, dass ein Richter des AG Trier einen Durchsuchungsbeschluss erließ, in welchem er selbst Beschuldigter war. Zentrales Moment des Verfahrens war die zur-Verfügung-Stellung von Kindern aus dem Milieu an den aufgeführten Personenkreis, und zwar anlässlich von sogenannten Parties.“ Ein Kollege des Polizisten W. bestätigt die fast aussichtslose Situation der Ermittler in einem anderen Fall. Der leitende Staatsanwalt selbst wurde von Zeugen beschuldigt, an Kindersexparties teilgenommen zu haben. „Ja, das ist natürlich eine undankbare Aufgabe. Zum einen war es ja so, dass wenn Prozesse liefen und man als Zeuge da vernommen wird, auch von dem Herrn Staatsanwalt S. als Anklagevertreter, und auf der anderen Seite musste man gegen ihn ermitteln, was einen unheimlichen Umfang angenommen hatte. Also, das war sehr unglücklich.“ Nach Ansicht des Polizisten Klaus W. wurde in dem Gesamtverfahren unter der Überschrift „Kinderprostitution“ nicht mehr konsequent ermittelt. „Nachdem das Verfahren wegen sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen etwa eineinhalb Jahre bei der Staatsanwaltschaft Trier unbearbeitet lag, das LKA wartete auf Ermittlungsaufträge durch die Staatsanwaltschaft Trier, wurde es durch die gleiche Staatsanwaltschaft eingestellt.“ Richter und Staatsanwälte, die selbst verdächtig sind und trotzdem weiter im Verfahren eingesetzt werden, keine Ermittlungsaufträge, verschleppte Recherchen. Dennoch sieht man hier bei der Staatsanwaltschaft Trier keine Versäumnisse, ist mit den Ermittlungsergebnissen vollauf zufrieden. Horst Roos Staatsanwaltschaft Trier: „Dass im Übrigen Verstrickungen zu öffentlichen Bediensteten untersucht wurden mit negativem Ergebnis, schmälert den Erfolg nicht, denn auch die Feststellung, dass nichts vorliegt, ist auch ein Erfolg der Ermittlung.“ FAKT liegen unabhängig von der Aussage des Kommissars eine ganze Reihe interne Papiere vor, die beweisen, wie lax tatsächlich die Justiz in Trier mit der Rotlichtszene umgegangen ist. Nur ein Beispiel: Ein Barbesitzer wurde verdächtigt, seine eigene Diskothek in Brand gesetzt zu haben. Die Beweise gegen ihn sind erdrückend, er kommt in Untersuchungshaft. Bei einem Haftprüfungstermin unterläuft dem Ermittlungsrichter dann allerdings ein unglaublicher Fehler – er entläßt den verdächtigen Brandstifter. Zitat aus der Akte: Der Beschuldigte ist am 12. Juli 1993 aus der JVA Trier entlassen worden, weil mir insofern ein Fehler unterlaufen ist, dass ich in dem Personalbogen vermerkt habe, der Haftbefehl des Landgerichts Trier vom 17. Juni 1993 … ist außer Vollzug gesetzt worden. Obwohl das vermeintliche Versehen bekannt ist, wird das Verfahren gegen den Diskothekenbesitzer kurze Zeit später eingestellt. Zufall oder Zusammenhang: Über den Ermittlungsrichter gab es bei den Rotlichtfahndern ebenfalls eine dicke Akte. Der Rheinland-Pfälzische Landtag in Mainz. Seit eineinhalb Jahren befasst sich hier ein Untersuchungsausschuß mit den zahlreichen Ungereimtheiten der Rotlichtermittlungen. Während die SPD-FDP-Koalition nach wie vor davon ausgeht, dass korrekt und gründlich gearbeitet wurde, erwartet die Oposition angesichts der vorliegenenden Fakten einen handfesten Skandal. Herbert Schneiders, MdL, CDU Mitglied des Untersuchungsausschuss „Rotlicht“ in Rheinland-Pfalz „Bislang haben unsere Recherchen aus den Akten ergeben, dass in einer Vielzahl von Fällen, wo es ganz klar um Kindersex ging, nicht weiter ermittelt worden ist. Es ist nicht ausermittelt worden – und da stellt sich die Frage: Warum? In dem Zusammenhang werden exponierte Personen genannt. Inwieweit sich das verifizieren lässt, bleibt abzuwarten. Aber auch dieser Gedanke drängt sich auf, dass es in dem Zusammenhang um den Schutz dieser Personen gehen könnte.“ Kommissar Klaus W. selbst verweist auf mögliche Verbindungen ins internationale Milieu. Papiere, die FAKT vorliegen, bestätigen Spuren zur belgischen Kinderschänderbande um Marc Dutroux. Herbert Schneiders: „Ich gehe davon aus, dass wir hier auf einen Polizei- und Justizskandal zurollen. Die Verbindungen zu Dutroux und Belgien waren aus den Akten heraus zu lesen, aber es ist nicht geahndet worden. Und da haben wir die große Befürchtung, dass hier der Fall hinter dem Fall versteckt ist.“ FAKT: „Was heißen würde, die Kindersexskandale würden auch nach Deutschland überschwappen?“ Herbert Schneiders: „Das würde das in dem Moment bedeuten.“ Der Autor konnte sich in einer ähnlichen , nie veröffentlichen Affäre, Zugang zum Dossier verschaffen. Hier Auszüge aus einem sehr signifikativen Dossier: Betreffend Strafanzeige gegen G.K., u. a. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen sowie schwerer Körperverletzung mit bleibenden Schäden und weiterer Delikte zum Nachteil von P.E.K. Am 20. 02. 1997 stellte P.E.K., geb. am 11. 12. 69, Strafanzeige wegen obengenannter Delikte gegen seinen Vater, G.K., geb. am 10. 10. 1940, wohnhaft (…) in Hamburg. Zum Polizeirevier 27, Koppelstr. 7, 22527 Hamburg, wurde er von mir , C.Z.,. begleitet. Dieser Massnahme waren mehrere persönliche Gespräche vorausgegangen, und zwar am 06. 12. und 12. 12.-1996, die einen Teil des Gesamtumfanges der Verbrechen des Beschuldigten und seiner Verbündeten offenlegten. Das Ermittlungsverfahren vom Juli/August 1996 gegen G.K. und andere Personen (Az.: 21 Js 1205‘/96) in dem seine Tochter T-L.Z. geb. am 21. 04. 68 ausgesagt hatte, ist strafrechtlich bereits verjährt, hat aber durch die Strafanzeige ihres Bruders, P.K., neues Gewicht, da diese Verbrechen noch nicht verjährt sind. Die Hauptmotive der Geschwister gegen den leiblichen Vater vorzugehen ist das Verantwortungsgefühl für die minderjährigen Kinder ihres Vaters, die er in jetziger Ehe mit einer Philippinin grosszieht. Diese Kinder haben möglicherweise dasselbe Schicksal zu ertragen wie seinerzeit T und P. Der Einfluss bzw. die Macht des Vaters setzt sich bis zum heutigen Tag fort, indem er sie z. B. mit Telefonanrufen einschüchtert und bedroht (TL muss sich nach Anrufen des Vaters häufig sofort übergeben). Trotz der massiven Bedrohungen, die sich auch gegen die Kinder von TL richten, wollen beide Geschwister den Vater vor ein Strafgericht bringen und gegen ihn aussagen. P.K. berichtet auf einer Tonbandkassette am 06. 12. 96 in der Wohnung seiner Schwester (die jedoch nur zeitweilig zugegen war) von seinen Erlebnissen und Erfahrungen mit seinem Vater, die keinem von uns vorher bekannt waren. Ausser mir, C.Z., war auch Frau x anwesend. Das Tonband liegt als ungeschnittene Kopie diesem Protokoll bei und wird von mir, zum besseren Verständnis der Zusammenhänge, wie folgt erklärt: Zunächst beschreibt P.K. die Funktion seines Vaters in der „Organisation“, in der Kinderhandel und illegale Geldgeschäfte mit Drittstaaten getätigt wurden (z. B. für Parteispenden). Dann spricht er über die Ursache für die Verfehlungen seines Vaters, der als Praktikant bei der Post im Fernmeldeamt von Frauen sexuell missbraucht wurde und dort in durchsichtigen Negligés o.ä. als 16 – 17jähriger „vorgeführt“ wurde. Diese Opferrolle seines Vater könnte der Grund für die Straftaten gegen seinen Sohn sein, da er genau diese Verkleidungen in durchsichtiger Wäsche auch von seinem Sohn verlangte. Bei Weigerung wurde P. brutal verprügelt, wobei der Vater mit Vorliebe einen Gürtel mit Koppel verwendete. Die Schreie des Kindes nahm er per Tonband auf und hörte sich dies immer wieder an. Auch liess er seinen Sohn zur Strafe im kalten Keller übernachten. Der zweite Teil der Tonbandaussage beinhaltet das plötzliche Verschwinden der Mutter von T. und P. Nach T. Aussage war die Mutter von einem zum anderen Tag nicht mehr anwesend, als T. 6 Jahre alt war (1974); P. war damals 4 1/2 Jahre alt. Ausserdem gab es noch einen Halbbruder der Geschwister, den 7 ½ jährigen W. aus der 1. Ehe der Mutter. Die Familie wohnte zu dieser Zeit in Wedel, (…), im 6. OG. eines Hochhauses. Anmerkung: In einem weiteren Gespräch erzählte P., dass er im Alter von 6 Jahren versucht hatte, seinem Leben ein Ende zu setzen, indem er vom Balkon der Wohnung sprang. Trotz der Höhe kam er mit leichten Verletzungen ins Kinderkrankenhaus Bleickenallee und verlangte von einem Arzt, er möge ihm die Kehle durchschneiden. Den Grund dafür nannte er nicht. Der Vater stellte die Angelegenheit als „Unfall“ dar. Aus den Krankenakten ist sicherlich der Zeitpunkt des Aufenthalts zu überprüfen. Während der Tonbandaufnahme am 06. 12. 96 stellten die Geschwister (T., 28 und P. 27 J.) übereinstimmend fest, dass beide, unabhängig voneinander, Nachforschungen über den Verbleib der Mutter angestrengt hatten. Die in Australien beheimatete Mutter war 1974 ohne Koffer, Kleidung und ihren Schmuck einfach verschwunden, ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen. Der Einwand von T., dass die Mutter „irgendwo vergraben“ sein könnte, brachte P. sofort auf die Idee, dass es dann nur auf Schweinesand sein könne. Man war von Wedel oft dorthin gefahren, bis der Vater 1979 oder 1980 behauptete, die Insel sei angeblich weggespült worden?! Im weiteren Teil des Tonbandes beschreibt P. einen schwarzen Raum mit einem „Blutstein“, einem achteckigen Tisch (mit einem Kreuz in einem Kreis), auf dem an jeder Kante ein beidseitig geschliffenener Dolch lag. Dort wurde das sogenannte „Russenspiel“ ausgeübt, das auch T. bereits in ihrer Zeugenaussage eindeutig beschrieben hatte (sie erlitt eine Verletzung mit heute noch sichtbarer Narbe). P. erklärt ferner, wie die „Organisation“ arbeitet und aufgebaut ist und wie sie mit „Abtrünnigen“ umzugehen pflegt. Sein Vater hatte die Absicht, den Sohn bei der Polizei oder beim Zoll unterzubringen, in deren Behördenstellen anscheinend flächendeckend erpressbare Beamte sassen (Namen werden auf dem Band genannt) Der letzte Teil des Tonbandes beinhaltet den erschütternden Bericht des P.K., wenn er von „Mordaufträgen“, die der teuerste Anbieter per Aufnahmeprüfung ausführte und anschliessend in die „Organisation“ aufgenommen wurde. Vier Arten des Tötens waren üblich: 1. Die Zerstückelung 2. Der Genickschuss 3. Das Abhacken der Hände 4. Das Mordopfer wurde lebend an den Füssen aufgehängt, wurde hin- und hergeschaukelt, und anschliessend wurde ihm mit einem Messer der Kopf abgeschlagen. P. hat eine dieser „Zeremonien“ miterlebt, die an einem sieben bis achtjährigen Mädchen vorgenommen wurde, als er selbst acht oder neun Jahre alt war. Ein „Reiniger“ hat danach alles saubergemacht und die Überreste des Opfers in Müllbeuteln entsorgt. Der Tatort war der Keller in einem Haus, in dem zur Tarnung die Mutter von U. (einer der Geschäftspartner von G.) wohnte. Gemäss den Aussagen von P. hatte sein Vater mehrere Politiker und Geschäftsleute in der Hand, da er über deren Verfehlungen präzise informiert oder selbst in Scheingeschäfte verwickelt war. Seine Geschäftspartner waren u. a. U. (dieser wurde auch in T.Aussage, in Verbindung mit H. erwähnt) und F., mit denen er sechs oder sieben Firmen zusammen gründete, sie 1/2 – 1 Jahr betrieb und gegebenenfalls den Namen der Firma änderte (z. B. High-Tech-Läden, die auch Waffen und Handgranaten vertrieben). Eine Firma war zwischen 1989 und 1993 eine reine Briefkastenfirma für Börsenpapiere, die der Stützung des DAX diente. G. hatte zwischen 1982 und 1985 mit einem Teppichhandel Geschäftskontakt: Die Familie R. besass eine Villa an der Elbchaussee. Wenn sich die Familie K. in ihrer indischen Heimat aufhielt, verfügte G. über deren Vertrauen und die Schlüssel der Villa. Er benutzte sie als „Tatort“ für die Vermittlung von Kindern (insbesondere seine eigenen), die gegen Bezahlung von Erwachsenen sexuell ausgebeutet und sadistisch gequält wurden. (Mittäter: F.. damals ca. 50 J. alt) Ausserdem berichtete P. genaue Einzelheiten über die „Organisation“ und den Versammlungsort der „Dreizehn“. Der Versammlungsort war zwischen 1988 und 1990 ein versteckt liegender Bunker auf dem Truppenübungsplatz Holtigbaum. Am Bunker befindet sich eine alte Baumgruppe, und die Räumlichkeiten liegen zum Teil unterhalb der Erdoberfläche. P.K. kann eine genaue Beschreibung des Versammlungsraumes, der z.B. Wappen an den Wänden hatte, abgeben, da er seinen Vater einige Male zu den Treffen begleitet hat. Auch über die Sitzordnung der „13“ hat er Kenntnis. Die „13“ sind Freimaurer und stellen ihr eigenes Gericht dar. Es gibt „Aufnahmeprüfungen“ für Neue (Anwärter), die dazu angehalten werden, einen bestimmten Menschen zu töten! Ein „Beobachter“ überprüft den „Anwärter“: Falls dieser den Todeskandidaten nicht tötet, wird sowohl dieser, als auch der“Anwärter“ liquidiert. P. nennt die Namen und die jeweilige Funktion der „13“: Konkrete Angaben zu den strafrechtlichen Verfehlungen des Vaters G., die sein Sohn P. gegen ihn erhebt: Nach dem Verschwinden der Mutter begann der Vater, seinen damals fünfjährigen Sohn P. nicht nur selbst sexuell zu missbrauchen und zu misshandeln, sondern er vermietete – oder verkaufte ihn auch an Männer und Frauen bzw. Tätergruppen. Der erste Tatort war das Hochhaus in W., in dem mehrere Täterfamilien wohnten, die zu G. Kontakt hatten. Die Namen sind von T. und P. übereinstimmend, unabhängig voneinander, namentlich aufgeführt worden. Der zweite Tatort war ein Einzelhaus mit Garten in N., welches in direkter Nähe des Hauses der Familie H. liegt. Die Angaben über diesen Tatort in Bezug der Übergriffe auf T. durch ihren Vater und andere Täter liegen bereits als Zeugenaussage vor. Auf meine konkrete Frage an P., in welcher Weise sein Vater ihn missbraucht habe, antwortete er, dass sein Vater ihn oral und anal vergewaltigt hätte, und dasselbe fand auch in umgekehrter Weise statt. Wenn P. sich weigerte, wurde er brutal verprügelt (z. B. mit einem Koppel). Ein weiteres Mal schlug ihn der Vater mit einem Wagenheber auf den Kopf; P. kam ins Krankenhaus und musste genäht werden (das ist sicher nachprüfbar). Die Vermittlungen seines Vaters an zahlende „Kunden“ fanden oft gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin, H., statt, die einen kleinen Sohn namens G. hatte. Einer dieser „Kunden“ war der Politiker E. W. berichtet, dass er beim ersten Mal im Alter von 9 Jahren von E. sexuell ausgebeutet wurde. E. liebte es, seinem kindlichen Opfer brennende Zigaretten auf dem nackten Rücken auszudrücken. Es fanden auch Treffen mit mehreren Kindern und mehreren Männern statt, z. B. in der Nähe der Davidwache, an dem ausser E. auch H. und ein ev. Pastor teilnahmen. Das letzte Mal, bei dem E. sexuelle Gewalt an P. ausübte, war der 05. Mai 1985 (zwischen 19.23 und 24.00 Uhr) Er verlangte oralen und analen Sexualverkehr auf Gegenseitigkeit und ging dabei äusserst brutal vor (noch schlimmer als P. Vater). An diesem Tag beschimpfte der 14 ½ jährige P. seinen Peiniger E. als „geilen Bock“, worauf ihm dieser zwei kräftige Fusstritte in den Unterleib verabreichte. Ausserdem drohte er P.: „Sagst du was, bring‘ ich dich um!“ Auf meine Frage, warum er sich so genau an das Datum erinnern konnte, erwiderte P., dass er genau zehn Tage später von zu Hause weggelaufen sei (zum wiederholten Male). Durch die Aussagen von P. sind noch weitere Tatorte, Straftäter und betroffene Opfer bekannt, die zu einem späteren Zeitpunkt preisgegeben werden. P. hat heute noch Kontakt zu damaligen kindlichen Gewaltopfern, die u. U. als Zeugen zur Verfügung stehen werden. Aus meiner Sicht sind die Aussagen des P. absolut glaubwürdig und schlüssig, wobei er über ein ausgezeichnetes Personen- und Zahlengedächtnis verfügt. Die grösste Befürchtung, die sich für mich gegenwärtig darstellt, ist die Gefahr, dass bei Bekanntwerden dieser Vorwürfe gegen die kriminellen Mitglieder der „Organisation“ massiv verhindert werden soll, eine ordentliche Gerichtsverhandlung durchzuführen. Diese und weitere Aufzeichnungen werden an mehreren sicheren Orten hinterlegt und sollen für die „Kronzeugen“ eine Garantie ihrer Unversehrtheit und Verbesserung ihrer Lebensqualität sein. Sabine Dardenne ist heute eine nette junge Frau in einem normalen Arbeitsleben. Sie macht einen ausgeglichenen Ausdruck und scheint die Vergewaltigungen, Quälereien und Erniedrigungen die ihr beigefügt worden sind, verkraftet zu haben. Sie redet heute offen über das ihr Wiederfahrene. Dagmar hatte sich, nach ihren couragierten und bemerkenswerten Aussagen vor dem Staatsanwalt, nach Luxemburg zurückgezogen. Sie hatte uns ihre Geschichte vor zwei Jahren erzählt und uns auch ihre Aussagen zur Verfügung gestellt. Seit letztem Jahr ist sie mit unbekannter Adresse abgereist. Als wir ihr begegneten, hatte sie die miterlebten Greueltaten noch nicht verdaut und auch ihre Strategie des Verdrängens schien nicht zu fruchten. Zwei Mädchen, zwei Schicksale, derselbe Täterkreis. Laut offiziellen internationalen Berichten und Untersuchungen werden noch heute Millionen von Kindern in der Welt sexuell ausgenutzt. Für einen ertappten Täter laufen Tausende frei herum, sei es in Ländern der dritten Welt, wo man jetzt erst anfängt, das Problem ernst zu nehmen oder in unserem westlichen Europa, wo der Wille zur Bekämpfung der Pädophilie auch erst einige Jahre alt ist. Das Interesse der Medien hat es mit sich gebracht, dass die Kampfansage gegen jene Männer und Frauen die mit Kindern « Liebe » machen, in den letzten Jahren Realität wurde. Es fehlt allerdings immer noch am politischem und juristischem Willen, an die Existenz von Netzwerken zu glauben und konsequent gegen solche vorzugehen. Netzwerke bedeutet nach wie vor Seilschaften, Ausnutzung politischer und öffentlicher Ämter um solche Netze zu beschützen und vor polizeilicher Entdeckung zu bewahren. Die Geschichten von Sabine und Dagmar, dessen bin ich mir bewusst, sind nur zwei kleine Tropfen auf den heissen Stein. Solange die Moral der Menschen und die Auslegung der Gesetze es nicht erlauben, die Freiheit eines jeden dort zu stoppen wo die des Anderen anfängt und die Würde des Kindes über Alles zu stellen, ist der Kampf gegen die Pädophilie nicht zu gewinnen. Die heutige Lage beweist eindeutig, dass sämtliche Anstrengungen und Verschärfungen der Gesetze es generell nur erlauben, Einzeltäter hinter Schloss und Riegel zu bringen, während Netzwerke im Grossen und Ganzen verschont bleiben. Dies ist kein Pessimismus, dies ist ganz einfach die nackte Realität. ENDE

gesehen bei Honigmann Quelle: http://www.luxprivat.lu/site/Das-Paedophilennetzwerk

EU- Kommision will unmenschliche Menschenversuche

Ein Artikel vom September 2012, der hoffentlich niemals in Vergessenheit geraten moege

Die EU- Kommision entpuppt sich zusehends als gewissenlose Marionettencrew. Ihr neuester geplanter Coup – Menschenversuche ohne ethische Standards zugunsten der Pharmaindustrie

Tierversuch – Bald auch am Menschen?

Um herauszufinden, welche Funktionen das Rückenmark aufweist, wurden Gefangenen im dritten Reich die Nervenstränge im Wirbelkanal von der Hüfte aufwärts bis zum Nacken in kurzen Abständen durchtrennt. Dies alles bei vollem Bewusstsein der Unglücklichen, denn nur so ließ sich herausfinden, welche Körperfunktionen, vor allem auch der Willkürmotorik, durch den jeweils letzten Schnitt ausfielen. Die Forscher entdeckten, dass die Gefangenen erstickten, sobald das Rückenmark im Bereich der oberen Halswirbel durchtrennt wurde. Die wissbegierigen Verbrecher, der Begriff Arzt verbietet sich an dieser Stelle, hatten die Medulla Oblongata, das ‘Verlängerte Rückenmark’ entdeckt, in der ein lebenswichtiges Atemzentrum angesiedelt ist. Während der Nürnberger Ärzteprozesse wurden anschließend von 20 angeklagten Medizinern 16 verurteilt. Sieben davon zum Tode, die anderen zu langjährigen Haftstrafen. Zugleich wurden mit den Helsinki- Prinzipien strenge ethische Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen aufgestellt. Diese, gemeinsam mit der Richtlinie 2001/20/EG, sollten gewährleisten, dass klinische Prüfungen innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich international anerkannten ethischen und wissenschaftlichen Qualitätsanforderungen entsprechen. Nun, so war man sich sicher, würde derartiges in Europa niemals wieder vorkommen können. Sie irrten. Es kam anders. Es kam die Europäische Kommission.

Diese hat sich die Richtlinie 2001/20/EG des Europäischen Parlaments vom 04. April 2001 auf’s Korn genommen. In dieser steht geregelt, dass im Vorfeld von Humanexperimenten eine unabhängige Ethikkommission diese zunächst prüfen und anschließend genehmigen muss, bevor sie durchgeführt werden dürfen. Der Zweck des Versuches muss ebenso wie Versuchsaufbau und Risikoeinschätzung vorgelegt und von der Ethikkommission abgesegnet werden. Der Pharmaindustrie ist dies lästig. Sie möchte ohne Genehmigung am Menschen forschen können, auch in Europa. In Ländern wie Indien oder in Lateinamerika sterben bereits jährlich Versuchspersonen bei medizinischen Tests der Pharmariesen. Dies könnte nun auch in Europa zur Wirklichkeit werden. Am 17. Juli erfolgte von Seiten der Europäischen Kommission der Vorschlag zu einer Neuregelung zur „Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zu klinischen Prüfungen mit Humanarzneimitteln.“ In diesem wird die Ethikkommission einfach außen vor gelassen. Nach Meinung der Brüsseler Bürokraten geht Forschung auch ohne Ethik – auch am Menschen.

Stattdessen soll jetzt im Sinne rückschrittlicher Sozialethik das Wohl des Einzelnen gegen den Gemeinnutzen aufgewogen werden können. So heißt es in dem Papier unter anderem: „ Insbesondere der erwartete therapeutische Vorteil und Nutzen für die öffentliche Gesundheit sollte gegen das Risiko und die Unannehmlichkeiten der Probanden abgewogen werden.“ Es wird noch gruseliger. Auch das Schutzniveau für Minderjährige und Nichteinwilligungsfähige soll deutlich gesenkt werden. Komplett fehlen in dem neuen Entwurf zudem die Schutzvorschriften wie in AMG § 40 – 1.4 geregelt, welche die allgemeinen Voraussetzungen zur klinischen Prüfung beinhalten und laut denen „die betroffene Person nicht auf gerichtliche oder behördliche Anordnung in einer Anstalt untergebracht sein darf.“ Der gesamte Entwurf der EU Bürokraten ist rückwärts gewandt, inhuman und zudem strafbar.

Dass die Bundesärztekammer (BÄK) den Entwurf „grundsätzlich ablehnt“, spricht für sich. Ihr zufolge erweisen sich sämtliche von der EU Kommission angeführten Argumente der Pharmaindustrie bei näherer Betrachtung als hinfällig. Stattdessen „werde die Demontage erprobter und anerkannter internationaler Schutzstandards z. B auch der externen Begutachtung, betrieben.“ Ein weiteres Problem ist, dass kein Mensch sich freiwillig einem medizinischen Versuch mit unerprobten Medikamenten unterziehen würde, es sei denn, er ist bettelarm und benötigt dringend Geld. Die Zeiten, in denen integere Mediziner ihre Versuche an sich selbst unternahmen, scheinen vorbei zu sein. Ohne großzügige Aufwandsentschädigungen enstände auf dem Gebiet der Arzneiforschung bald eine Mangelsituation, ähnlich der Situation bei der Blut- und Organspende.

Auch das Strafgesetzbuch gilt es zu berücksichtigen. Dort heißt es unter §223:

  1. Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
  2. Der Versuch ist strafbar.

Zudem lässt sich in dem Vorstoß der Europäischen Kommission unschwer ein Verstoß gegen ein universelles Menschenrecht erkennen, das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dies gilt umso mehr, da bei Menschenversuchen nicht selten hilflose Personen herhalten müssen. Personen, die, wie bereits erwähnt, kein Geld haben oder, schlimmer noch, als Strafgefangene, psychisch Kranke, Behinderte oder Schwerkranke in irgendwelchen Anstalten verrotten. Gerade diese Menschen benötigen besonderen Schutz und dürfen nicht der krankhaften Gier einer durch und durch unmenschlichen Pharmalobby geopfert werden. Die Genehmigung eines solchen Entwurfes würde Europa ins finsterste Mittelalter zurückwerfen und unseren Kontinent in ein sittliches Entwicklungsland verwandeln. Ein ethischer Dritteweltstaat, in dem sich nur skrupellose Konzernmanager und Eurokraten wohl fühlen.

Quellennachweis und weiterführende Links:

Gesehen auf :http://denkbonus.wordpress.com

Kaufe Niere – zahle bar

Von Ursula Seiler

Chinesische Karikatur: Jedes Organ hat seinen Preis

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China richtet Verurteilte dann hin, wenn die Organe gebraucht werden. Die erste Organtransplantation fand laut jüdischer Chronologie Mitte Oktober des Jahres 3761 vor Christus statt, als Jahwe im Paradies Adam eine Rippe entnahm, um ihm daraus ein Weib zu gestalten. Während der folgenden 5’644 Jahre tat sich kaum etwas – bis 1883 nach Christus der Berner Theodor Kocher einem jungen Mann menschliches Schilddrüsengewebe unter die Haut und in die Bauchhöhle verpflanzte. 71 Jahre später, nämlich 1954, gelang in den USA die erste erfolgreiche Nierentransplantation, bei welcher der Spender der eineiige Zwillingsbruder des Empfängers war. 1967 erntete Christiaan Barnard auf einen Schlag Weltruhm, als er das erste menschliche Herz verpflanzte. Der Empfänger lebte zwar nur 18 Tage, doch war das Geschäft mit verpflanzten Herzen damit so richtig in Schwung gekommen: 164 Herzen wurden von Dezember 1967 bis September 1970 verpflanzt, obschon es zu diesem Zeitpunkt nur noch zwanzig Überlebende gab. Bis Juni 2010 waren es weltweit immerhin 88’023 Herzen[2], die die Statistik erfasst hat; infolge von Zeitlücken dürften es bis heute um die 94’000 Herzen sein, die von hirntoten Körpern in schwerstkranke übertragen wurden, damit diese – im statistischen Durchschnitt – zehn Jahre Leben dazugewinnen. Das große Geschäft macht man heutzutage jedoch nicht mit Herzen, sondern mit Nieren: Bis 2012 wurden weltweit über eine halbe Million Nieren verpflanzt. Kein Wunder, berichtet der US-Nachrichtensender CNN, dass der Organhandel der zweitlukrativste Handel weltweit ist – nach dem Waffen- und noch vor dem Drogenhandel. Was den Markt anheizt, ist die Knappheit der Spenderorgane. So sind die Gewinnspannen riesig. Der Spiegel berichtete im Sommer 2012[2] vom Fall eines deutschen Fabrikanten, der 82’000 Euro für eine Niere bezahlte, die ihm im Kosovo illegal eingesetzt wurde. Die Spenderin, eine russische Emigrantin nach Israel mit Namen Vera, hatte jedoch nur gerade 8’100 Euro für ihr Organ bekommen. Könnte sie zurück, würde sie sich keinesfalls mehr auf den unfairen Handel einlassen: Die Schmerzen in ihrer noch verbliebenen Niere fühlten sich an wie „bohrender Zahnschmerz“ – auch noch vier Jahre nach der Operation. Kraftlos fühlt sie sich meist; die Nachsorge im Krankenhaus war ihr zu teuer gewesen. Die läppischen 8’100 Euro, die sie für ihre Niere erhalten hatte, waren nach drei Monaten weg. Damit ist sie nicht allein. Laut dem Spiegel berichten fast alle illegalen Organspender, dass „ihre Gesundheit sich nach dem riskanten Deal massiv verschlechterte“. Der Empfänger von Veras Niere ist nun, vier Jahre danach, an Hautkrebs erkrankt. Weltweit erhalten rund 66’000 Menschen jährlich eine neue Niere, mehr als 20’000 eine neue Leber und etwa 5’300 ein neues Herz. Zudem, so schätzt die WHO, werden noch zehn Prozent zusätzliche illegale Organverpflanzungen vorgenommen – eine Schätzung, die wohl unter den tatsächlichen Zahlen liegt, werden doch nach Schätzungen der UNO jedes Jahr mindestens 10’000 Nieren illegal verpflanzt – und manche Forscher gehen davon aus, dass es tatsächlich eher 20’000 sind.[3] Doch da gibt es ja noch viel mehr verpflanzbares Material am Menschen: Bauchspeicheldrüsen, Lungen, Augenhornhäute, Oberschenkelknochen, Dünndärme, Gewebe aller Art (Herzklappen, Blutgefäße, Knochen und Sehnen), Stammzellen, Gliedmaßen (beispielsweise Hände) und selbst das Gesicht. Gegenwärtig unternimmt man Versuche im Tierreich, Gebärmuttern zu verpflanzen. Organe per Hinrichtung Nun unterstellen wir den Beteiligten einmal den Willen zu helfen bzw. die Verzweiflung, um jeden Preis überleben zu wollen – vor allem dann, wenn man über die nötigen Mittel verfügt. Das sind im Falle einer Niere um die 115’000 Dollar für ein neues, illegal beschafftes Organ. Herz, Leber oder Lunge kosten mehr – gegenwärtig um die 225’000 Dollar; die Kosten für Reise, Unterkunft und Operation eingeschlossen. Was damit aber in Gang gesetzt wird – nämlich ein illegaler, weltweiter Organhandel von armen Spender-Ländern wie Indien, Pakistan, Brasilien, den Philippinen, Moldawien, Rumänien oder der Ukraine hin zu reichen Menschen im Nahen Osten, aber auch aus China oder Indien, seltener in Nordamerika oder Europa, wo die Menschen in der Regel zögern, sich im Ausland ein Organ aus einem gänzlich fremden Kulturkreis einpflanzen zu lassen, das nimmt zuweilen frankensteinsche Züge an. Beispielsweise wenn man erfährt, dass 65 Prozent aller chinesischen Organe von Hingerichteten stammen, die immer dann exekutiert werden, wenn gerade Organempfänger im Lande eintreffen.[4] So berichteten die Salzburger Nachrichten am 10. Januar 2000 vom US-Chirurgen Rothmann, der zu einer Herz-Transplantation nach China eingeladen worden war. Auf seine Frage, ob zum Termin ein Spenderherz verfügbar sein werde, bekam er die Antwort, man werde eine passende Hinrichtung organisieren. So werden denn im Reich der Mitte Todesstrafen schon für Lappalien verhängt – alles mit dem Ziel, die Zahl der Körper, aus denen man Organe „ernten“ kann, zu erhöhen. Sogenannte Todes-Vans fahren die Gefängnisse ab, um zum Tode Verurteilte in diesen Fahrzeugen bei sanfter Musik zu töten und ihnen die Organe zu entnehmen. Höhere Stellen in China geben zu, dass Gefängnisse als menschliche Ersatzteillager dienen, in denen sich die Behörden ganz nach Bedarf bedienen würden. Zudem gibt es in China die Falun-Gong-Praktizierenden, die offiziell als Sekte bezeichnet wurden, jedoch keine sind,[5] sondern vielmehr Menschen, die „sich gesund ernähren, die meditieren und auf brutalste Weise vom chinesischen Staat verfolgt wurden“, schreibt Wolfgang Weirauch im Flensburger Heft Nr. 116. „Sie hatten 1999 siebzehn Millionen Mitglieder, eine Million mehr als die chinesische KP, und seitdem werden sie massiv staatlich verfolgt. In großer Zahl dienen diese Menschen als Organlieferanten. Sie werden inhaftiert, fast wie in einem Zoo gehalten und je nach Bedarf werden sie als lebende Lieferanten für Organe und Gewebe genommen. Sie werden zu Tausenden umgebracht, weil man mit ihren Organen ein großes Geschäft machen will.“ Die Zahl dokumentierter Todesfälle unter Falun Gong beläuft sich auf über 3’500 – die Zahl der Inhaftierten wird auf mehrere Tausend geschätzt. Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas brachte zusammen mit David Kilgur (ehem. kanadischer Parlamentsabgeordneter und Staatssekretär für Asien) 2006 einen 50-seitigen Untersuchungsbericht zu den Anschuldigungen der Organentnahmen an Falun-Gong-Praktizierenden in China heraus. Danach würden – je nach Anforderungen – den Gefangenen die Organe entnommen, während sie noch lebten. Zudem stellten sie ideale Spender dar: Sie seien eher jung und würden weder rauchen noch trinken. Die toten Körper würden anschließend verbrannt, um Beweise zu vernichten. Genauso schrecklich ist, was der Nachrichtensender CNN auf der Sinai-Halbinsel aufdeckte: Angehörige des Sawarka-Stammes überfallen Flüchtlinge auf ihrem Weg von Eritrea, Äthiopien oder dem Sudan nach Israel. Kurz vor der Grenze nehmen sie sie in Gewahrsam und fordern von ihnen um die 2’000 Dollar Wegzoll. Die Geiseln haben jedoch meist ihr ganzes Geld schon zu Beginn der Flucht an Schlepper bezahlt. Kein Problem: die Beduinen nehmen gerne auch eine andere Währung, nämlich Lebendfleisch in Form von Nieren, Lebern und Ähnlichem. Mobile Ärzte aus Kairo tauchen gleichsam aus dem Nichts auf, operieren die Flüchtlinge und bringen die entnommenen Organe in Kühlfahrzeugen nach Kairo oder anderswohin. Meist werden die Opfer einfach wieder zugeflickt und in der Wüste abgelegt, wo sie buchstäblich elend verrecken. Pro Organ nimmt der Stamm dann zwischen 1’000 und 20’000 Dollar ein. Polizeikräfte im nördlichen Sinai bezeugten gegenüber CNN, dass es diesen Organhandel im Grenzgebiet von Israel gibt, sagen jedoch, sie wüssten nicht, wer dessen Drahtzieher seien. Und dass sie der ganzen üblen Geschichte leider machtlos gegenüberstünden

Organe per Gewaltanwendung

Israel nimmt im internationalen Organhandel eine Sonderrolle ein: In keinem anderen Land werden von der eigenen Bevölkerung weniger Organe gespendet, aber gleichzeitig so viele nachgefragt. Für Nancy Scheper-Hughes, Professorin für medizinische Anthropologie an der Berkeley-Universität in Kalifornien und Gründerin der Organisation Organ Watch, steht „Israel an der Spitze“ des weltweiten Organhandels. „Seine Tentakel reichen über die ganze Welt.“ Israelische Organhändler seien die bestorganisierten der Welt – mit Vermittlern, Bankkonten, Anwerbern, Übersetzern und Reisebüros, welche die Visa besorgten. Die Wissenschaftlerin recherchierte nach den Motiven der israelischen Organhändler. „Zum einen ist es die Gier“, sagt sie; das andere Motiv mag etwas befremdlich erscheinen: „Rache, Entschädigung – Wiedergutmachung für den Holocaust.“ Sie beschreibt ein Gespräch, das sie mit einem israelischen Händler führte und welcher ihr sagte, es handle sich „um eine Art von Auge für Auge, Zahn für Zahn. Wir sind hinter jeder einzelnen Niere und Leber und jedem Herz her, die wir kriegen können. Die Welt schuldet sie uns.“ Auch israelische Ärzte hätten sich in gleicher Weise geäußert. Die israelische Regierung unterstützte während vieler Jahre die „Transplantationsferien“ ihrer Bürger im Ausland mit einem Beitrag von 80’000 Dollar. Ein großer Teil der restlichen Kosten konnten die Bürger oft von den staatlich subventionierten Versicherungen erstattet bekommen. Zudem war auch das israelische Verteidigungsministerium direkt in die Angelegenheiten involviert. Scheper-Hughes berichtet von einem internationalen Syndikat, welches durch ein lokales Geschäft in Verbindung mit einem führenden Transplantationschirurgen stand, der in einem wichtigen medizinischen Zentrum unweit von Tel Aviv operierte, das geschäftliche Beziehungen zu Transplantationsärzten in der Türkei, in Russland, Moldawien, Estland, Georgien, Rumänien und der Stadt New York unterhielt. Ein Report der BBC aus dem Jahre 2001 deckte auf: „Hunderte von Israelis haben eine Produktionslinie errichtet, welche in den Dörfern von Moldawien beginnt, wo die Männer heute mit nur noch einer Niere herumlaufen.“ In Brasilien fand eine parlamentarische Kommission heraus, dass mindestens dreißig (möglicherweise auch bis zu sechzig) Brasilianer aus Armengebieten ihre Nieren an Handelsringe verkauft hatten, die von Israelis geleitet wurden. Die Organe gingen fast ausschließlich an israelische Bürger und den größten Teil der Kosten übernahm die israelische Regierung. Der Ring hatte bereits Nachforschungen nach anderen Organen armer Brasilianer angestellt – Lungen, Lebern und Hornhäute.

Im Jahre 2007 berichtete die israelische Zeitung Haaretz, zwei Israelis hätten zugegeben, geistig gestörte oder zurückgebliebene Palästinenser überredet zu haben, jeweils eine Niere gegen Geld zu verkaufen. Laut Haaretz hatten die Händler den Palästinensern das Geld nie ausgehändigt, nachdem ihnen die Niere genommen worden war. Nicht selten, so die Zeitung weiter, würde dabei Zwang ausgeübt. Rabbi Levy Izhak Rosenbaum, ein Organhändler aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, der im Juli 2009 vom FBI in New Jersey festgenommen wurde, war Berichten zufolge mit einem Gewehr bewaffnet. Sollte ein potentieller Organverkäufer zurückkrebsen, täuschte Rosenbaum mit seinem Finger einen Schuss in den Kopf seines Gegenübers vor. Der Rabbiner gehörte zu einem Händlerring von Rabbis, Abgeordneten und Beamten, welche jahrelang Geldwäsche und illegalen Organhandel betrieben. Rosenbaum kaufte nach eigenen Aussagen Organe von wenig bemittelten Menschen für etwa 10’000 Dollar ein und verkaufte sie dann an verzweifelte Patienten in den USA für 160’000 Dollar weiter. Die legale Wartezeit auf eine Niere beträgt neun Jahre – zu lange für viele Schwerstkranke. Auch der Spiegelberichtet von der Anwendung von Zwang beim Beschaffen von Spenderorganen: „Wir haben auch Fesselungen festgestellt. Das geht so weit, dass sie [die Organspender, die Red.] so lange gefangen gehalten wurden, bis die Operation stattfand“, berichtet EULEX[6] -Staatsanwalt Jonathan Ratel. „Die Zahlungsversprechen stellten sich nach der Operation oft als falsch heraus, Menschen wurden danach einfach weggeworfen.“ Dabei ist es weltweit verboten, Organe zu kaufen und zu verkaufen – sie dürfen nur kostenlos gespendet werden! (Ende des Textauszugs) (…) (…) Wir decken außerdem auf, dass Organhändler in vielen Fällen nicht einmal vor Entführung zurückschrecken. Sie erfahren, auf welche Weise Saatgutkonzerne wie Monsanto den internationalen Organhandel indirekt zur Blüte verhelfen. Und dann ist da noch die tragische und schockierende Leidensgeschichte eines Palästinensers, die zu diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen Schweden und Israel führte. Sie finden den vollständigen Artikel in unserer ZeitenSchrift-Druckausgabe Nr. 74. Niemand würde Organe spenden, wenn man wüsste, was bei der Entnahme genau geschieht – und welche Schmerzen der Spender dabei oft noch empfindet, weil es so etwas wie den Hirntod im Grunde gar nicht gibt.

Mehr dazu lesen Sie im Artikel: „Organspende: Morderner Kannibalismus?“ Welche gravierenden Konsequenzen Organverpflanzungen aus geistiger Sicht sowohl für Spender als auch Empfänger haben können, erfahren Sie hier: „Organspende: Der Mensch ist nicht nur Fleisch allein“

Quelle des Artikels:http://www.zeitenschrift.com/magazin/74_Organhandel-Kaufe_Niere_zahle_bar.ihtml

Bunker fuer die grosse Katastrophe…

Der „Tresor des jüngsten Gerichts“ in der Arktis von  F. William Engdahl

Gates, Rockefeller und die GMO-Giganten wissen mehr als wir Wenn sich Bill Gates entscheidet, 30 Millionen Dollar seines hart verdienten Geldes in ein Projekt zu investieren, dann lohnt es, sich die Sache genauer anzusehen. Und nichts ist momentan aufschlussreicher als seine Beteiligung an einem seltsamen Vorhaben in einem entfernten Winkel der Erde, auf Spitzbergen. Hier investiert Bill Gates, mitten im arktischen Meer, tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, einige Millionen Dollar in eine Samenbank… Übersetzung* von Jens Loewe Eines kann man dem Microsoft-Gründer Bill Gates nicht vorwerfen, und das ist Faulheit. Mit vierzehn Jahren konnte er bereits programmieren, mit zwanzig gründete er, noch als Harvard Student, seine Firma Microsoft. 1995 stand der Hauptaktionär von Microsoft ganz oben auf der Liste des Forbes-Instituts als reichster Mann der Welt. Microsoft hatte es in einem unaufhaltsamen Feldzug geschafft, seine Software auf nahezu allen Personalcomputern der Welt zu installieren. Die meisten Menschen würden in solch einer Situation daran denken, sich auf eine ruhige Pazifikinsel zurückzuziehen — nicht so Bill Gates. Seit 2006 konzentriert er seine Energie auf die Bill & Melinda Gates Foundation, die sich selbst als größte „transparente“ private Stiftung bezeichnet, mit einem sagenhaften Stiftungsvermögen von 34,6 Milliarden Dollar und der Vorgabe, jedes Jahr 1,5 Milliarden für wohltätige Zwecke auf der ganzen Welt auszuschütten, um den Status der Gemeinnützigkeit und damit der Steuerbefreiung zu bewahren. 2006 bescherte das Geschenk eines Freundes und Geschäftspartners, des Großinvestors Warren Buffett — Anteile an Buffetts Berkshire Hathaway mit einem geschätzten Wert von 30 Milliarden Dollar — der Gates-Stiftung den Aufstieg in eine Größenordnung, in der sie ebensoviel Geld vergibt, wie es der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen in einem Jahr zur Verfügung steht. Wenn sich Bill Gates nun entscheidet, 30 Millionen Dollar seines hart verdienten Geldes in ein Projekt zu investieren, dann lohnt es, sich die Sache genauer anzusehen. Und nichts ist momentan aufschlussreicher als seine Beteiligung an einem seltsamen Vorhaben in einem entfernten Winkel der Erde, auf Spitzbergen. Hier investiert Bill Gates, mitten im arktischen Meer, tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, einige Millionen Dollar in eine Samenbank. Spitzbergen, die Hauptinsel des Svalbard-Archipels, ist ein karger Felsen im Arktischen Meer, von Norwegen beansprucht und dem Land seit 1925 durch internationale Verträge überlassen. Auf diesem gottverlassenen Eiland steckt Bill Gates sein Geld, gemeinsam mit der Rockefeller-Stiftung, der Monsanto Corporation, der Syngenta-Stiftung und der norwegischen Regierung, um nur einige zu nennen, in ein Unternehmen, das als „Tresor des jüngsten Gerichts“ bezeichnen wird. In der offiziellen Sprachregelung heißt es „Svalbard globaler Saatgut-Tresor auf der norwegischen Insel SF. William Engdahl Der „Tresor des jüngsten Gerichts“ in der Arktis Gates, Rockefeller und die GMO-Giganten wissen mehr als wir Wenn sich Bill Gates entscheidet, 30 Millionen Dollar seines hart verdienten Geldes in ein Projekt zu investieren, dann lohnt es, sich die Sache genauer anzusehen. Und nichts ist momentan aufschlussreicher als seine Beteiligung an einem seltsamen Vorhaben in einem entfernten Winkel der Erde, auf Spitzbergen. Hier investiert Bill Gates, mitten im arktischen Meer, tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, einige Millionen Dollar in eine Samenbank… Übersetzung* von Jens Loewe Eines kann man dem Microsoft-Gründer Bill Gates nicht vorwerfen, und das ist Faulheit. Mit vierzehn Jahren konnte er bereits programmieren, mit zwanzig gründete er, noch als Harvard Student, seine Firma Microsoft. 1995 stand der Hauptaktionär von Microsoft ganz oben auf der Liste des Forbes-Instituts als reichster Mann der Welt. Microsoft hatte es in einem unaufhaltsamen Feldzug geschafft, seine Software auf nahezu allen Personalcomputern der Welt zu installieren. Die meisten Menschen würden in solch einer Situation daran denken, sich auf eine ruhige Pazifikinsel zurückzuziehen — nicht so Bill Gates. Seit 2006 konzentriert er seine Energie auf die Bill & Melinda Gates Foundation, die sich selbst als größte „transparente“ private Stiftung bezeichnet, mit einem sagenhaften Stiftungsvermögen von 34,6 Milliarden Dollar und der Vorgabe, jedes Jahr 1,5 Milliarden für wohltätige Zwecke auf der ganzen Welt auszuschütten, um den Status der Gemeinnützigkeit und damit der Steuerbefreiung zu bewahren. 2006 bescherte das Geschenk eines Freundes und Geschäftspartners, des Großinvestors Warren Buffett — Anteile an Buffetts Berkshire Hathaway mit einem geschätzten Wert von 30 Milliarden Dollar — der Gates-Stiftung den Aufstieg in eine Größenordnung, in der sie ebensoviel Geld vergibt, wie es der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen in einem Jahr zur Verfügung steht. Wenn sich Bill Gates nun entscheidet, 30 Millionen Dollar seines hart verdienten Geldes in ein Projekt zu investieren, dann lohnt es, sich die Sache genauer anzusehen. Und nichts ist momentan aufschlussreicher als seine Beteiligung an einem seltsamen Vorhaben in einem entfernten Winkel der Erde, auf Spitzbergen. Hier investiert Bill Gates, mitten im arktischen Meer, tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, einige Millionen Dollar in eine Samenbank. Spitzbergen, die Hauptinsel des Svalbard-Archipels, ist ein karger Felsen im Arktischen Meer, von Norwegen beansprucht und dem Land seit 1925 durch internationale Verträge überlassen. Auf diesem gottverlassenen Eiland steckt Bill Gates sein Geld, gemeinsam mit der Rockefeller-Stiftung, der Monsanto Corporation, der Syngenta-Stiftung und der norwegischen Regierung, um nur einige zu nennen, in ein Unternehmen, das als „Tresor des jüngsten Gerichts“ bezeichnen wird. In der offiziellen Sprachregelung heißt es „Svalbard globaler Saatgut-Tresor auf der norwegischen Insel Spitzbergen, Teil der Svalbard-Insel-Gruppe“. Wenn aber Bill Gates, die Rockefeller-Stiftung, Monsanto und Syngenta sich zu einem gemeinsamen Projekt zusammenfinden, dann lohnt es sich, ein bisschen tiefer in die Felsen von Spitzbergen vorzudringen. Und tatsächlich eröffnen sich hier einige faszinierende Zusammenhänge. Der erste bemerkenswerte Punkt sind die Sponsoren dieses „Tresors des jüngsten Gerichts“. Außer Norwegen beteiligen sich, wie bereits erwähnt, die Bill & Melinda Gates Foundation; der US-Agribusiness-Gigant DuPont Pioneer Hi-Breed, einer der größten Inhaber von Patentrechten auf gentechnisch veränderte Pflanzen (GMO) und die entsprechenden Pestizide; Syngenta, Schweizer Großproduzent von GMO-Saatgut und Agrochemie, vertreten durch die Syngenta-Stiftung; die private Rockefeller-Stiftung, die seit den 70er Jahren die „Gen-Revolution“ mit mehr als 100 Millionen Dollar Gründungskapital initiiert hat; und CGIAR, ein globales, von der Rockefeller-Stiftung in Leben gerufenes Netzwerk, das ihre Vorstellungen von „genetischer Reinheit“ durch den Wandel der Landwirtschaft vorantreiben soll.pitzbergen, Teil der Svalbard-Insel-Gruppe“. Wenn aber Bill Gates, die Rockefeller-Stiftung, Monsanto und Syngenta sich zu einem gemeinsamen Projekt zusammenfinden, dann lohnt es sich, ein bisschen tiefer in die Felsen von Spitzbergen vorzudringen. Und tatsächlich eröffnen sich hier einige faszinierende Zusammenhänge. Der erste bemerkenswerte Punkt sind die Sponsoren dieses „Tresors des jüngsten Gerichts“. Außer Norwegen beteiligen sich, wie bereits erwähnt, die Bill & Melinda Gates Foundation; der US-Agribusiness-Gigant DuPont Pioneer Hi-Breed, einer der größten Inhaber von Patentrechten auf gentechnisch veränderte Pflanzen (GMO) und die entsprechenden Pestizide; Syngenta, Schweizer Großproduzent von GMO-Saatgut und Agrochemie, vertreten durch die Syngenta-Stiftung; die private Rockefeller-Stiftung, die seit den 70er Jahren die „Gen-Revolution“ mit mehr als 100 Millionen Dollar Gründungskapital initiiert hat; und CGIAR, ein globales, von der Rockefeller-Stiftung in Leben gerufenes Netzwerk, das ihre Vorstellungen von „genetischer Reinheit“ durch den Wandel der Landwirtschaft vorantreiben soll.

 

Video Dokumentation zum Text: https://www.youtube.com/watch?v=lQS5moQA3a0&feature=g-all-esi

Weiterfuehrende Links:

http://www.eurekalert.org/pub_releases_ml/2008-02/aaft-q_1022608.php

http://www.engdahl.oilgeopolitics.net/Auf_Deutsch/Saatgutbank_des_Bill_Gates_in_/saatgutbank_des_bill_gates_in_.HTM

http://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/nachrichten/artikel/saatgutbanken_in_gefahr/ansicht/bild/

http://www.swissaid.ch/de/gefaehrliche-saatgut-monopole

Kindesmissbrauch und Okkultismus

Folgender Artikel von Jonathan Fischer gibt einen guten Ueberblick in den Zusammenhang von Kindesmissbrauch und Okkultismus, den viele Menschen nicht wahrhaben wollen oder nicht koennen. Doch sich abwenden und die Wahrheit verwerfen ist in diesem Fall gleichbedeutend mit Mittaeterschaft. (meine persoenliche Meinung). Hier muessen wir alles tun, damit das aufhoert. Fuer unsere Kinder.

 

Kindesmissbrauch und Okkultismus

 

Das Thema des Kindesmissbrauchs findet sich aktuell verstärkt in den Medien wieder und ekelt die in Kenntnis gesetzten Menschen immer mehr an, zumal täglich verdeckte oder todgeschwiegene Gewalttaten an die Öffentlichkeit kommen. Insofern hat die Vergewaltigung der Heranwachsenden auch mit dem Okkultismus zu tun, da Verborgenes und geheim Gehaltenes im fortgeschrittenen Alter doch noch enthüllt wird. Ein Beispiel für den geistlichen Kampf mit unsichtbaren Mächten, wenn Straftaten nach Jahren ans Licht gebracht werden, schildert folgender Artikel aus dem Stern:

http://www.stern.de/tv/sterntv/kindesmissbrauch-vergewaltigt-und-verachtet-622438.html

 

Wer noch mehr über die Vorfälle googelt, kann zum Schluss kommen, dass sich Mitglieder der evangelischen Kirche durchaus falsch verhalten haben. Bedeutet das weitere Verbergen, als versuchte dämonische Täuschung, nicht alle Vorwürfe abzumildern oder ganz abzustreiten, um dann aus dem Leben zu scheiden, damit Ehre oder Ruf bewahrt bleiben?

Die teuflische Lüge bei Verführungen Minderjähriger ist, dass dem Opfer immer wieder vom Täter eingeredet wird, es wäre selbst schuld an den Misshandlungen und hätte Schlimmes zu befürchten, wenn es sich Dritten offenbare. Schlimm ist jedoch, wie sich die Allgemeinheit immer wieder gegenüber vermeintlichen Nestbeschmutzern verhält, weil sie die Schande nicht teilen oder wahr haben will. Sehr schmerzlich für die Missbrauchsopfer war in vielen Fällen, dass ihnen kein Glauben geschenkt wurde, und sie als vermeintliche Lügner selbst zum Verbrecher gestempelt wurden.

Wie es scheint hat sich das Blatt nun gewendet, da viele Fälle nicht nur in Telefon-Hotlines Gehör finden, sondern auch von der Justiz aufgearbeitet werden. Problematisch gestaltet sich natürlich die Beweisführung und die sich ergebenden Fragen nach Entschädigung und Verjährung. Ich persönlich denke nicht, dass neue Gesetze etwas Grundsätzliches am Problem der Kindesmisshandlung ändern, genauso wenig kann das Sperren oder Löschen von Internetinhalten, die pädophile Neigung von voyeuristischen Sexualstraftätern, deren Festplatten voller Nacktbilder sind, gänzlich bekämpfen.

 

Einen besseren Beitrag dazu leistet das sich gerade weltweit verändernde Bewusstsein, verbunden mit der entstehenden Wut in der Bevölkerung, durch die Auseinandersetzung mit diesem Problem behafteten, greuelhaften Thema. Selbst der mit „Urbi et Orbi“ Rom und den ganzen Erdkreis segnende Papst bezeichnete jüngst in einer Stellungnahme den Kindesmissbrauch als abscheuliches Verbrechen und schwere Sünde gegenüber Gott und drückte sein tiefes Bedauern aus, was trotzdem nicht half Schaden von der katholischen Kirche abzuhalten. So erforschte die gerne Skandale aufdeckenden Presse zuletzt das päpstlichen Geheimhaltungsgesetz aus dem Jahr 1962, welches Joseph Kardinal Ratzinger peinlicherweise in seinem Dekret „De Delictis Gravioribus“ 2001, wie gewohnt, in Latein bekräftigte. Analphabeten mögen die altertümliche Gelehrtensprache nicht verstehen, desto größer war später die Empörung über die durchs Beichtgeheimnis geschützten Vertuschungsversuche, mit zentraler Meldestelle in Rom. Denn in der Praxis löste gerade das strikte Verbergen und Verhüllen, durch die Versetzung oder gar Beförderung der rückfälligen Kinderschänder Bestürzung im Volk und Handlungsbedarf bei der nicht informierten staatlichen Justiz aus. Ist es nicht verborgen okkult und dämonisch geheim, wenn Kirchenobere, die in Kenntnis über Verbrechen gesetzt werden, Verschwiegenheitseide leisten müssen, mit der sonstigen Androhung der Exkommunikation? Zumindest verstößt es klar gegen die Lehren der Bergpredigt. Aber der Pontifex und bestens informierte einstige Chef der Glaubenskongregation konnte ja nicht mir nichts dir nichts, wie in Zeiten der Inquisition, seinen beichtenden, sündigen Priestern eine Hand abhacken oder ein Auge ausreißen bzw. sie mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen. Nun muss sich der Nachfolger des verheirateten Petri als Oberhirte ausgerechnet von Laien den Vorwurf gefallen lassen, trotz seiner Hirtenbriefe geschwiegen und zu wenig unternommen zu haben. Bei solchem Geschwätz sieht sich der Glaubensdogmen bewahrende, leibliche Bruder, des seit 1982 nicht mehr Ohrfeigenden Georgs, nicht genötigt, etwas an Gesetzen zu ändern, obgleich viele deutsche Kirchgänger hoffen, dass der Priestermangel zu einer Sinnesänderung im Vatikan über das Zölibat führt.

 

Bitte verlassen sie nun gedanklich die „Heilige Römisch-Katholische Kirche“, die ihr Zentrum in der Stadt der dreizehn Obelisken hat, wohin bekanntlich alle Wege führen, und wenden sie sich dem Hauptsitz der Europäischen Union zu. Was bringt 300.000 Demonstranten 1996 dazu in einem weißen Marsch nach Brüssel zu ziehen? Ungeklärter Kindesmissbrauch und der damit verbundene Okkultismus. Einer der weltweit schlimmsten Fälle von Kindesmissbrauch und Pädophilie fand in Belgien unter der Regie des mehrfachen Mörders Marc Dutroux statt. Das eigentlich Mysteriöse an dem Fall war nicht allein, wie der Gewalttäter aus der Untersuchungshaft fliehen konnte, und wie lange der Prozess hinaus gezögert wurde, sondern der Tod von 27 Zeugen. An ein Gottesgericht glaubend bin ich überzeugt, dass auch hier einmal die ganze Wahrheit ans Licht kommt und empfehle allen, die jetzt schon mehr erfahren wollen, sich Zeit für folgende ZDF-Reportage zu nehmen:

http://www.youtube.com/watch?v=XKn2fRWMobg&feature=related

 

Wer wie viele Humanisten weiter an das Gute im Menschen glauben will und meint, dass unsere Politiker durch die Übernahme des sittlichen Wertes der Menschenwürde in die westlichen Verfassungen die Gesellschaft durchdringen, sollte jetzt nicht mehr weiter lesen. Die Vermutung, dass Kindesmissbrauch auch in höheren Regierungskreisen geschieht und Geheimdienste bis hin zum Mord benützt werden, um Beweise dafür aus der Welt zu schaffen, verursacht natürliches Unbehagen. Darum besteht die Hoffnung, dass es sich bei obigem Bericht um einen Einzelfall handelt. Leider bestätigen Schlagzeilen immer wieder das Gegenteil, denn letztes Jahr hat sich neben dem SPD-Abgeordneten Jörg Tauss selbst der französische Kulturminister blamiert. Dabei ist Frederic Mitterand, der in seinem autobiografischen Buch „Das schlechte Leben“ andeutete in Thailand Sex mit Jünglingen gehabt zu haben (nach Pädophilie-Vorwürfen beteuerte der geoutete Schwule, dass die Burschen volljährig waren und Sextourismus ohnehin kein Verbrechen ist), ein Waisenknabe im Vergleich zu einer handfestere Affaire mit Regierungsvertretern in den USA. Der Franklin-Cover-Up-Skandal ist ein Enthüllung aus dem Jahr 1989 von der Washington Times über Kinderprostituierte, die in Satanischen Messen rituell missbraucht und bis ins Weiße Haus versklavt wurden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Franklin-Cover-Up-Skandal)

 

Wie üblich wird den Aussagen der Missbrauchsopfer nicht geglaubt, denn die Vermutung liegt nahe, dass sie unter Persönlichkeitsstörungen leiden, was eine psychiatrisches Gutachten wahrscheinlich prompt bestätigen würde. Aber genau das ist was die Täter bei den Opfern von sogenannten „Mindcontrol-Programmen“ erreichen wollen, nämlich dass sie Kontrolle über ihr Bewusstsein gewinnen, indem sie durch verschiedene Methoden die Persönlichkeiten aufspalten. Bei Gehirnwäsche-Forschungen in den fünfziger Jahren anhand des MKULTRA-Projekts begann die CIA mit Drogen (LSD) und Hypnose zu experimentieren und vernichtete, wie es sich für eine Geheimdienst gehört, auf des Direktors Befehl 1973 die Unterlagen, so dass eingeleitete Nachforschungen des US-Senats im Sande verliefen. Der US-Kongress stoppte dagegen 1994 nachfolgend aufgeführte Dokumentation, die der Discovery Channel kurzfristig aus dem Programm nehmen musste bzw. anderweitig verkaufte. Wer der englischen Sprache mächtig ist, kann eine nicht vernichtete, vergessene BBC-Videokopie mit dem Titel „Conspiracy of Silence – Verschwörung zur Stille“ trotzdem unter http://video.google.com/videoplay?docid=866739408240639313# verfolgen.

 

Bankenpleiten in den USA sind nun wahrlich nicht neues. Wenn juckt es da schon, dass der singende, aufgehende schwarze Republikaner-Stern Lawrence E. King 1991 zehn von fünfzehn Jahren in den Knast musste, weil er als Chef der Franklin Community Federal Credit Union in Ohoma, Nebraska, 38 Millionen Dollar veruntreute. Mehr Aufmerksamkeit würde heute erregen, wenn Knaben-Mordvorwürfe über Bohemian Grove geklärt würden. Eine Zeugenaussage lautet, dass katholische Waisenkinder mit dem Privatjet für pädophile Sexparties der okkulten High Society von Nebraska nach Kalifornien eingeflogen wurden. Der 1989 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilte Paul A. Bonnaci wartet als das bekannteste von 80 aussagenden Missbrauchsopfer wahrscheinlich heute noch auf die vom Ohamaer Bezirksgericht 1999 zugesprochene Millionen-Dollar-Entschädigungssumme vom königlichen Ex-Bankdirektor. Dabei kann Bonnaci noch froh sein, dass er nicht wegen Meineides sein ganzes Leben ins Gefängnis gesteckt wurde, in gleichem Umfang wie es die Co-Zeugin und verängstigte „Psychopathin“ Alisha Owen befürchten musste. Owen bekam wegen Falschaussage gewissermaßen eine Haftstrafe von 25 Jahren aufgebürdet, weil sie behauptete vom Ohamaer Bankmanager, Bezirksrichter und Polizeichef vergewaltigt und vom letzteren geschwängert (Bluttest ergab das Gegenteil – Kind sieht erst recht wie Vater aus) worden zu sein. Bei so viel justizieller Ungerechtigkeit (Normal wäre eine Psychotherapie gewesen) ist es eher verständlich, dass verspottete Buchautoren wie John de Camp oder Nick Bryant evtl. in ihren Recherchen zur Übertreibung neigen, wenn sie von satanischen Ritualopfern an Kindern, verbunden mit Nekrophilie und Kanibalismus, berichten. Was auch immer Eulen oder Frösche in den Wäldern Kaliforniens beobachten konnten, so ist das Ganze so weit weg, dass der Leser gegebenenfalls das Interesse verliert, selbst wenn eine Kamera alles festgehalten hätte.

 

Darum ein Schwenk zurück zu deutschen Gefilden. Leider ist es so, dass gerade in sozial schwachen Familien Kinder vernachlässigt werden und das Umfeld nichts bemerkt oder zu spät reagiert. Das Jugendamt kann nicht jede Wohnung überwachen und die Mitarbeiter sind oft mit der Arbeit überfordert, so dass es zu Misshandlungen bis hin zum Verhungern von Schutzbefohlenen kam. Immerhin sind, aufgrund der durch die Presse gegangen Verbrechen an Pflegekindern, Ärzte und Lehrer aufmerksamer geworden und melden Verdachtsfälle schneller weiter.

Ein Fernsehbericht vom Hessischen Rundfunk zeigt auf, wie schwer es für Opfer von Kindesmissbrauch ist, sich der Außenwelt mitzuteilen, im Besonderen, wenn die Eltern dadurch bestraft würden. Ich denke viele Psychologen würden zugeben mit dem aufgezeichneten Fall überfordert zu sein, nachdem ihre Therapieversuche fehl schlugen. In der Regel wird dann ein solches Kindesmissbrauchsopfer lebenslang mit starken Psychopharmaka behandelt, die die Persönlichkeit erst recht verändern. Die Entstehung einer multiplen Persönlichkeit zur besseren Verarbeitung schrecklichster Traumata zeichnet folgende Dokumentation auf, die nur für Erwachsene mit guten Nerven geeignet ist:

Höllenleben, eine multiple Persönlichkeit auf Spurensuche

http://www.youtube.com/watch?v=pV0l8DJfiEA&feature=related

 

Das Thema der Abhandlung lautet Kindesmissbrauch und Okkultismus. Mir ist bewusst, dass viele Menschen nicht an die Existenz des Teufels glauben, aber Satanisten, die ihn im Verborgenen anbeten sind zu allem fähig und wollen ihre uralten Rituale zur Erheischung von Macht über die Generationen durch ihre Blutlinien weiter vererben. Die niederträchtigste Manipulation um Kindesmissbrauchsopfer mundtot zu machen und in Luzifers finsteren Kreisen zu binden, besteht darin, sie selbst zum Töten zu zwingen. Bei so viel Boshaftigkeit von Eltern an ihren eigenen Kindern müsste eigentlich ein Schrei durch die Gesellschaft gehen und alle Energie daran gesetzt werden zu helfen und aufzuklären. Immerhin gibt es Bilder von Kindern, die überführen können, weil sie von den Erziehungsberechtigten an Pädophile, nicht nur zur Ansicht, weiter verkauft wurden. Aber Opfer oder Aussteiger die Hilfe suchen sind von der Polizei oder Staatsanwaltschaft viel zu oft alleine gelassen. Warum wohl will man das Böse nicht aktiver bekämpfen?

Folgender Beitrag von N24 über rituellen Missbrauch an Kindern mit Beispielen und Beweisen aus Frankreich müsste eigentlich wach rütteln:

http://www.youtube.com/watch?v=OX9AvCOLP9s

 

Geheim halten, verbergen, verdecken wo man hin sieht – also Okkultismus pur, und das im Zusammenhang mit grausamsten Kindesmissbrauch, wie ihn Horrorfilme kaum dargestellt haben.

Das Auftauchen von Snuff Videos könnte eine noch größeres Erdbeben in der Medienlandschaft auslösen. Bisher werden Filme oder Fotos aus Schwarzen Messen nur dazu benutzt um Mittäter zu erpressen und gefügig zu machen, aber wehe wenn sie veröffentlicht werden und die Namen der sich hinter schwarzen Kutten verbergenden Beteiligten ans Licht kommen.

Quelle: http://jonathanfischer.de

Die CIA hat ihre schmutzigen Finger auch in Morgellons

Was ich schon vermutet hatte, aber noch nicht naeher erforscht hatte, hat sich nun bestaetigt. Die seltsame Krankheit Morgellons hat natuerlich keine organischen Ursachen, sondern ist Manmade, besser gesagt CIA made: Die Bevoelkerung wird wie so oft wieder einmal als Versuchskaninchen missbraucht- Genmanipulationen lassen sich schwer an Tieren durchfuehren, wenn die sogenannten Goetter menschliche Resultate anstreben…

Ein Arzt, der nicht schweigen wollte und seinen Verdacht kundtat , wurde angehalten, sich psychologisch untersuchen zu lassen und natuerlich wurde versucht, ihn um die Ecke zu bringen…

 -Die Mundtotmachungsmaschinerie funktioniert wie immer bestens… Seien es Krebsaerzte, welche Menschen helfen wollen und verleumdet werden, bis sie sich umbringen (siehe den Fall der Aerztin Bach in Deutschland) oder Zeugen in einem Kinderporno- und Kindesmissbrauchsfall (wir erinnern uns an den Fall  Dutroux in Belgien).  Weltweit haben diese Satanischen Fanatiker ihre Haende am Hebel und wir sind die Unterklasse, die man abschlachten kann und auch muss, da es ja eh zu viel davon hat.

Sorry, die lange Einfuehrung. Lest einen Auszug eines Artikels- er ist leider nur auf Englisch erhaeltlich :

“A massive malignant agenda at play…”

Symptoms of Morgellons disease.

Dr. Edward Spencer, 75- years old, is one of the few physicians in the United States that takes Morgellons disease very seriously. Spencer is a Stanford University and Yale University Medical School educated neurologist, who worked for nearly 40 years at Petaluma Valley Hospital in Northern California.

One day several years ago, Dr. Spencer was summoned to meet with the hospital’s Physicians Wellness Committee. Spencer had no idea what the purpose of the meeting was, but thought perhaps they wanted to discuss his recently expressed concerns about swine flu and vaccines in Eastern Europe. Dr. Spencer had been alarmed to learn that the flu vaccine sent to Eastern Europe was reportedly contaminated with lethal bird flu virus. Additionally, Spencer had been an outspoken advocate for Morgellons patients.

Spencer had earlier stated, “[The] CDC and medical establishment have been totally negligent in studying this system of disorders known as Morgellons, and have provided no treatment, support, or comfort at all to patients afflicted.” He further stated, “Morgellons is not a problem of ‘delusions of parasitosis’; it is an unexplained illness which is characterized by skin manifestations including non-healing lesions, itching, and the appearance of fibers. There appears to be a strong association with Lyme disease.”

Once in the meeting, Spencer recalls, “I naively thought that maybe they actually wanted to discuss some of my findings about swine flu”, but was instead shocked to hear that the committee was greatly concerned about his positions on swine flu and Morgellons, and that they wanted him “to agree to undergo psychiatric evaluation because they felt me to be a possible danger to my patients.” Said Spencer, who had been associated with the hospital for nearly 40-years, “I couldn’t believe what I was hearing. I was in a state of near shock, sitting there with all my files on swine flu thinking they were actually interested in my findings.”

Following a second meeting with the committee, Dr. Spencer says he realized, “I was up against a star chamber and kangaroo court which had already decided to get rid of me.” He explains, “I had never challenged the system before, but I had come to the point where I felt I had to do it. Too much was going on that really bothered me. I had come to realize that the pharmaceutical companies were basically a conspiracy against common people; that truth about a lot of things had become submerged big time; that medicine today was 100 years behind the times and had been taken over by military medicine. There seemed to be a massive malignant agenda at play.”

After resigning his position at the hospital, Spencer testified about Morgellons disease before the mayor and city council of Berkeley, California. He stated in part: “There now exists strong data indicating that this disorder [Morgellons] is associated with nanotechnology, specifically nano machines in the form of nanofibers.”[see below] About 30-days later, Dr. Spencer recounts that “I made plans to attend an infectious disease conference in Malaysia”, but before he left he was involved in a strange automobile accident. His car was struck head on by another vehicle traveling completely on his side of the road. Hospitalized with non-life threatening injuries, Spencer oddly entered “a disassociated state for about 4 hours.” He states that no reason or diagnosis for this was ever established. He recalls, “I was on my cell phone when it started, and phone records revealed that I called a woman in Iowa who tracks Morgellons patients, and was connected for seven minutes. I have no memory of this.”

In an interview with these authors, Dr. Spencer said, “I regard Morgellons disorder as a hybrid bio-nano-machine terror weapon. Establishment medicine and the government, which is now a fraudulent foreign owned corporation, go to great lengths to protect Morgellons from investigation of any sort. Morgellons is not one thing but is actually a system of multiple attack vectors that damage the body in numerous ways and carry various DNA and RNA strands. It is made in laboratories by talented men and women who have lost their souls and adhere to satanic principles.”

weiterlesen : http://www.voltairenet.org/article166027.html

weiterschauen: https://www.youtube.com/watch?v=mmeB-3TPsSw&playnext=1&list=PL1D50FE857A817BC2&feature=results_main