Kritische Stimmen zum Buddhismus

Wir werden programmiert, den Islam zu hassen und den Buddhismus zu lieben. Der Islam wird verschrieen als gewaltgeladene Religion, frauenfeindlich und grausam. Sicher sind in den Islam genau diese Elemente durch Zweitquellen hineingeflossen, dies ist nicht zu bestreiten. Jedoch der Anspruch des tibetischen Buddhismus, eine rein friedliche Philosophie zu sein, stellt sich bei naeherem Hinsehen auch als ein Trugschluss heraus. Hier verweise ich auf ein Buch, welches heftige Kontroversen ausgeloest hat. In Deutsch im Moment nicht erhaeltlich, nur auf englisch.

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Das Universum als Hologramm

http://www.bibliotecapleyades.net/ciencia/secret_projects/project421.htm
Der Originale Artikel ist anzusehen auf  http://www.aididsafar.com/abrasive/holo.html

Exististiert die objektive Realität oder ist das Universum ein Hirngespinst?
von Michael Talbot

Dieser Artikel ist sehr interessant und deckt sich mit der Aussage des Korans, dass wir in einer Illusion leben, die vergehen wird, wenn wir sterben. Bei unserem Tod wird die Illusion des Diesseits abgeloest durch eine neue Illusion, die entweder paradiesisch schoen, oder schrecklich sein wird. Oder auch etwas dazwischen, je nach Taten der Menschen. 

Die Theorie besagt, dass das ganze Universum ein einziges Hologramm sei. Ich stelle hier als Vergleich den Vers 24.35 ein, der Gott als Licht der Himmel und Erde beschreibt. Eine Theorie zur Auslegung dieses Verses besagt, dass es exakt die Beschreibung eines Lasers darstelle. 

24.35
Gott, Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis Seines Lichts ist wie eine Nische, in der eine Lampe steht. Die Lampe ist in einem Glas. Das Glas ist wie ein funkelnder Stern. Die Lampe erhält ihren Brennstoff von einem gesegneten Baum, einem Olivenbaum, der weder zum Sonnenaufgang allein, noch zum Sonnenuntergang allein hin wächst. Sein Öl leuchtet beinahe, ohne daß Feuer es berührt. Licht über Licht! Gott leitet recht, wen Er will zu Seinem Licht. Gott führt Gleichnisse für die Menschen an. Gottes Wissen umfaßt alles.

Lesen sie nun den ganzen Artikel und betrachten sie dann danach diesen speziellen Vers im Lichte der neuen Erkenntnisse.

Das Universum als ein Hologramm

Im Jahre 1982 fand ein bemerkenswertes Ereignis statt. In der Universität von Paris führte ein Forscherteam angeführt durch den Physiker Alain Aspekt aus, was sich möglicherweise als eines der wichtigsten Experimente des 20ten Jahrhunderts herausstellen wird. Sie hörten nichts darüber in den Abendnachrichten. Tatsächlich werden Sie, wenn Sie für gewöhnlich keine wissenschaftlichen Zeitschriften lesen, wahrscheinlich noch nicht einmal den Namen Aspect jemals gehört haben, obwohl
es einige gibt, die glauben, daß seine Entdeckung vielleicht die wissenschaftliche Sichtweise verändert.

Aspect und sein Team entdeckten, daß unter bestimmten Umständen subatomare Teilchen wie Elektronen in der Lage sind, instantan miteinander zu kommunizieren, ungeachtet der Distanz, die sie voneinander trennt. Es spielt keine Rolle, ob sie nun 10 Fuß oder 10 Milliarden Meilen auseinander sind.  Irgendwie scheint jedes Teilchen immer zu wissen, was das andere macht. Das Problem mit dieser erstaunlichen Fähigkeit ist, daß es mit Einstein’s lang vertretenem Grundsatz, daß keine Kommunikation schneller als mit Lichtgeschwindigkeit erfolgen kann, nicht vereinbar ist. Da ein schnelleres Vorankommen als mit Lichtgeschwindigkeit gleichbedeutend ist mit dem Durchbrechen der Zeitbarriere, hat diese einschüchternde Aussicht einige
Physiker dazu bewogen, daß sie versuchten, mit ausgeklügelten Theorien aufzuwarten, um Aspects Befunde weg zu erklären. Aber es hat andere dazu angeregt, sogar noch radikalere Erklärungen anzubieten.

Der Physiker David Bohm von der University of London zum Beispiel glaubt, Apect’s Befunde besagen, daß die objektive Realität nicht existiert, daß das Universum trotz seiner scheinbaren Solidität im Grunde genommen ein Hirngespinst ist, ein gigantisches und brilliant detailliertes Hologramm. Um zu verstehen, warum Bohm diese aufsehenerregende Behauptung aufstellt, muß man zunächst ein wenig über Hologramme Bescheid wissen. Ein Hologramm ist eine dreidimensionale Photographie, die mit Hilfe eines Lasers gemacht wird.

Um ein Hologramm zu erstellen, wird das zu photographierende Objekt zuerst im Licht eines Laserstrahls gebadet. Dann wird ein zweiter Laserstrahl vom reflektierten Licht des ersten wieder reflektiert und das sich ergebende Interferenzmuster (der Bereich, wo die zwei Laserstrahlen sich vermischen) wird auf Film festgehalten. Wenn der Film entwickelt ist, sieht er aus wie ein unbedeutender Wirbel von hellen und dunklen Linien. Aber sobald der entwickelte Film wieder mit einem Laserstrahl angeleuchtet wird, erscheint ein dreidimensionales Bild des ursprünglichen Objekts.

Die Dreidimensionalität solcher Bilder ist nicht das einzige Charakteristikum von Hologrammen. Wenn ein Hologramm einer Rose halbiert wird und dann von einem Laser angeleuchtet wird, wird festgestellt, daß jede der Hälften immer noch das gesamte Bild der Rose enthält. Wenn in der Tat selbst die Hälften noch einmal geteilt werden, wird jedes Filmschnitzel angetroffen, wie es eine kleinere, aber intakte Version des Originalbildes enthält. Jeder Teil eines Hologramms enthält, anders als bei normalen Photographien, alle Informationen, die auch im Ganzen enthalten sind.

Die Natur des Ganzen wiedergespiegelt in jedem Teil eines Hologramms beschert uns eine gänzlich neue Art des Verständnisses der Organisation und Ordnung. Meistenteils hat die westliche Wissenschaft in ihrer Geschichte unter der Vorannahme gearbeitet, daß die beste Art und Weise, um ein physisches Phänomen zu verstehen, sei es nun ein Frosch oder ein Atom, es ist, es zu sezieren und seine entsprechenden Teile zu analysieren. Ein Hologramm lehrt uns, daß einige Dinge im Universum sich für diese Herangehensweise nicht eignen. Wenn wir versuchen, etwas holographisch Konstruiertes auseinanderzunehmen, werden wir nicht die Teile, aus denen es gemacht ist erhalten, stattdessen werden wir nur kleinere Versionen des Ganzen erhalten.

Diese Einsicht brachte Bohm zu einer anderen Art und Weise, Aspect’s Entdeckung zu verstehen. Bohm glaubt, der Grund warum subatomare Teilchen in der Lage sind, in Kontakt miteinander bleiben, ungeachtet der Entfernung, die sie trennt, besteht nicht darin, daß sie eine Art mysteriöses Signal hin und zurück schicken, sondern darin, daß ihr Getrenntsein eine Illusion ist. Er argumentiert, daß auf irgendeiner tieferen Ebene
der Realität solche Partikel nicht individuelle Entitäten sind, sondern in Wirklichkeit Ausdehnungen von dem selben fundamentalen Etwas.

Um es den Leuten zu ermöglichen, besser zu visualisieren, was er meint, bietet Bohm folgendes Beispielt. Stell dir ein Aquarium vor, welches einen Fisch enthält. Stell dir außerdem vor daß du nicht in der Lage bist, das Aquarium direkt zu sehen und daß dein Wissen darüber und was es enthält, von zwei Fernsehkameras kommt, eine davon ist gerichtet auf die Vorderseite des Aquariums und die andere ist seitlich dazu gerichtet. Wenn man nun auf die zwei Fernsehmonitore starrt, könnte man vermuten,
die Fische auf jedem der Bildschirme seien separate Entitäten. Schließlich ist ja jedes der Kamerabilder ein wenig anders, da die Kameras auf unterschiedliche Blickwinkel eingestellt sind. Aber wenn man weiterhin die beiden Fische beobachtet, wird einem schließlich bewußt, daß eine bestimmte Beziehung zwischen ihnen besteht. Wenn sich eins dreht, macht auch das andere eine leicht unterschiedliche, aber entsprechende Drehung; wenn man sich der Vorderseite zuwendet, wendet sich das andere zur Seite hin. Wenn man sich dem ganzen Ausmaß der Situation nicht bewußt ist, könnte man sogar daraus schließen, daß die Fische wohl instantan miteinander kommunizieren, aber dies ist eindeutig nicht der Fall.

Dies, sagt Bohm, ist genau das, was zwischen den subatomaren Teilchen in Aspect’s Experiment vor sich geht. Gemäß Bohm sagt uns die anscheinende schneller-als-Licht-Verbindung zwischen den subatomaren Teilchen wirklich, daß es eine tiefere Ebene der Realität gibt, um die wir nicht wissen, eine komplexere Dimension jenseits unserer eigenen, die analog dem Aquarium ist. Und, fügt er hinzu, wir wir sehen Objekte wie subatomare Teilchen als separat voneinander, weil wir nur einen Teilausschnitt ihrer Realität sehen. Solche Partikel sind nicht separate „Teile“, sondern Facetten einer tieferen und fundamentaleren Einheit, welche letztlich so holographisch und unteilbar ist wie die zuvor erwähnte Rose. Und da alles in der physischen Realität aus derartigen Erscheinungen besteht, ist das Universum selbst eine Projektion, ein Hologramm.

Neben seiner phantomartigen Natur würde ein solches Universum weitere ziemlich verblüffende Besonderheiten aufweisen. Wenn die augenscheinliche Getrenntheit von subatomaren Partikeln nur illusorisch ist, bedeutet dies, daß auf einer tieferen Realitätsebene alle Dinge im Universum über alle Grenzen hinweg miteinander verbunden sind. Die Elektronen in einem Kohlenstoffatom im menschlichen Gehirn sind verbunden mit den subatomaren Teilchen, aus denen jeder Lachs, welcher schwimmt, besteht, jedes Herz, welches schlägt, jeder Stern, der im Himmel schimmert. Alles durchdringt alles gegenseitig, und wenn auch die menschliche Natur versuchen mag, die verschiedenen Phänomene des Universums zu kategorisieren, in Schubladen zu stecken und zu unterteilen, sind alle Repartierungen notgedrungen künstlich, und die gesamte Natur ist letztendlich ein nahtloses Gewebe.

Es mag unglaublich klingen, aber viele Menschen fürchten sich vor dem Glücklichsein. Um sich gut zu fühlen, müssten sie ihre Gewohnheiten ändern, doch sie haben Angst, dadurch ihre Identität zu verlieren.

Häufig halten wir uns der positiven Ereignisse, die uns widerfahren, für unwürdig. wir nehmen Wunder nicht an-denn sie anzunehmen, hieße, Gott etwas schuldig zu sein. Außerdem haben wir Angst, uns an das Glücklichsein zu “gewöhnen”. Wir denken, es sei besser, nicht aus dem Kelch der Freude zu trinken, denn wenn wir ihn später einmal nicht mehr haben, würden wir umso mehr darunter leiden. Aus Angst, kleiner zu werden, hören wir auf zu wachsen. Aus Angst zu weinen, hören wir auf zu lachen.

Moses’ Nachfolger
Rabbi Zuya wollte die göttlichen Geheimnisse entschlüsseln. Aus diesem Grunde versuchte er, das Leben des Moses zu imitieren. Jahrelang versuchte er, sich wie der Prophet zu verhalten-ohne den erhofften Erfolg. Von seinen Studien erschöpft, schlief er eines Abends ein. Da erschien ihm Gott im Traum. 
“Warum quälst du dich so, mein Sohn?”, fragte er.
“Meine Tage auf Erden sind gezählt, und ich bin weit davon entfernt, wie moses zu sein”, antwortete Zuya.
“Brächte ich einen weiterenMoses, hätte ich ihn bereits erschaffen”, sagte Gott.
“Wenn du vor mir erscheinst, um gerichtet zu werden, werde ich dich nicht fragen, warum du nicht wie Moses bist. Versuche, ein guter Zuya zu sein.”

Der Weise von Nepal
Mullah Nasrudin beschloss, sich auf die Suche nach neuen Meditationstechnicken zu begeben. Er sattelte seine Stute, ritt nach Indien, China, in die Mongolei, redete mit allen großen Meistern, erreichte aber nichts. Da hörte er von einem Weisen in Nepal und brach erneut auf, aber beim Aufstieg ins Gebirge starb die Stute vor Erschöpfung. Nasrudin begrub sie dort und beweinte sie. Ein Mann, der vorüber kam, meinte:
“Du hast sicher einen heiligen Mann gesucht, und das wird sein Grab sein. Ganz bestimmt beklagst du seinen Tod.”
“Nein, ich habe an dieser Stelle meine Stute begraben, die vor Erschöpfung gestorben ist.”
“Das glaube ich nicht”, meinte der Mann. “Niemand beweint den tod einer Stute. Es wird dies der Ort sein, an dem ein Wunder geschehen ist, und du willst es geheimhalten.”

Was auch immer Nasrudin sagte, es half nichts. Der Mann ging ins nahegelegene Dorf und verbreitete die Geschichte eines großen Meisters, der aus seinem Grab heraus Menschen heilte, und bald darauf kamen die ersten Pilger. Die Nachricht von dem Weisen, der still trauerte,verbreitete sich in ganz Nepal – und die Leute strömten herbei. Unter ihnen war ein reicher Mann, der aus Dankbarkeit, weil ihm ein Wunsch erfüllt worden war, an der Stelle, an der Nasrudin angeblich seinen Meister beerdigt hatte, ein eindrucksvolles Monument errichten ließ.

Daraufhin ließ Nasrudin die Sache auf sich beruhen. Aber er hatte ein für alle Mal gelernt, dass, wenn jemand eine Lüge glauben will, niemand ihn vom Gegenteil überzeugen kann.

“Mehr über den Bestseller-Autor und seine Bücher: 
www.paulocoelhoblog.com

 

Der Kokon der Taten

 Mahabharata  Juwel der Poeten  srikanta sena

Einleitung

Vor etwas mehr als fünftausend Jahren, am Ende des Dv¯apara-Zeitalters, ereignete
sich in Kuruks.etra (Nordindien) eine große Schlacht, bei der Millionen
von heldenhaften Kriegern, angeführt von den mächtigsten Ks.atriya-Königen
der Welt, ihr Leben ließen. Kurz bevor die Schlacht begann, unterwies Kr.s.n.a,
der Höchste Herr, der die Rolle des Wagenlenkers vom Bharata-Helden Arjuna
angenommen hatte, seinen Freund und Schüler in der Wissenschaft der Selbst und
Gotteserkenntnis, die von verschiedenen großen Weisen in verschiedenen vedischen
Schriften erklärt wird. Die Schlacht selbst, wie es dazu kam und was
danach geschah, wird von Dvaip¯ayana Vy¯asa in seinem über einhunderttausend
Doppelverse umfassenden Werk Mah¯abh¯arata geschildert.

Ich glaube an den Koran und nicht an die Wiedergeburt hier in diesem Leben. Wir sehen jedoch eine mehr als zufaellige Uebereinstimmung der Weisheiten, wenn wir annehmen, das jedesmal, wenn ueber die Wiedergeburt gesprochen wird,eigentlich das Jenseits nach den irdischen Leben gemeint ist. Kann es sein, dass auch diese Schriften in der Zeit verfaelscht wurden und die Botschaft des Monotheismus in Polytheismus und das Jenseits zu Wiedergeburt verformt wurde?

Der Kokon der Taten, Zitate und Dialoge

Ob in diesem oder in einem anderen Leben – alle Lebewesen leben unter Bedingungen,
die sie sich selbst geschaffen haben durch ihre Handlungen.
* * *
Keine Tat, die mit Hilfe der fünf Sinnesorgane ausgeführt wird, geht jemals verloren.
Die fünf Sinne und die unsterbliche Seele bleiben ihre Zeugen.
* * *
Wie Gefäße aus weißem Messing die Farbe von Gold und Silber annehmen, wenn
sie darin eingetaucht werden, so nimmt das Lebewesen, das völlig abhängig ist
von den Tätigkeiten seiner vergangenen Leben, die Farbe des Charakters dieser
Tätigkeiten an.
* * *
Die Taten eines vergangenen Lebens bringen ihre Früchte zu ihrer Zeit hervor,
genauso wie Blumen und Früchte ohne besondere Anstrengung es niemals verfehlen,
zu ihrer Zeit zu erscheinen.
* * *
Wie ein Kalb seine Eltern unter tausenden von Kühen erkennt, so erkennen und
treffen die Taten eines vergangenen Lebens den Täter im gegenwärtigen Leben.

* * *

Von der Zeit an, während man noch im Schoß der Mutter liegt, erleidet man schon die Früchte der Taten vergangener Leben.

* * *
Die Tat, die ein rechtschaffener Mann mit Vertrauen und Ernsthaftigkeit mit den
richtigen Mitteln ohne Stolz und mit Intelligenz ausführt, geht nie verloren.
* * *
Wasser, das in einen ungebrannten Krug gegossen wird, wird mit der Zeit immer
weniger und verschwindet schließlich gänzlich.Wenn es jedoch in einem gebrannten
Krug aufbewahrt wird, wird seine Menge nicht vermindert. In ähnlicher Weise
sind Handlungen, die ohne intelligente Überlegung ausgeführt werden, nicht segensreich, während Handlungen, die mit Überlegung ausgeführt werden, mit
unverminderter Vortrefflichkeit bestehen bleiben und Glück als Ergebnis haben.

* * *

Alle Lebewesen leben geschützt durch ihre Handlungen und erhalten ihre Nahrung
als Ergebnis ihrer Handlungen von demjenigen, der die Früchte der Handlungen
bestimmt und gewährt.
* * *

Man erleidet oder erträgt niemals die Reaktionen der guten oder schlechten Taten
anderer. In der Tat genießt oder erleidet man nur die Früchte seiner eigenen
Taten.
* * *
Ein Mann führt für das Wohl seiner Frau und seiner Kinder zahllose üble Taten
aus, muß aber die Früchte dieser Taten in dieser und der nächsten Welt alleine
ernten.
* * *
Die Sünden folgen dem Täter wie sein Schatten.
* * *

Wie eine Seidenraupe, die sich in ihren eigenen Kokon einspinnt, spinnst du dich
fortwährend in den Kokon deiner eigenen unzähligen Taten, geboren aus Verwirrung
und Illusion, ein. Die Seidenraupe, die einen Kokon um sich herum spinnt,
wird am Ende von ihrer eigenen Tat zerstört.
* * *
Jene Personen, die an Söhne, Frauen und Verwandte angehaftet sind, trifft am
Ende Zerstörung, wie ein wilder Elefant, der in den Schlamm eines Sees eingesunken
ist, allmählich immer schwächer werdend, vom Tod zerstört wird.
* * *
Verwandte, Söhne, Frauen, der Körper selbst und alle Besitztümer, mit Sorgfalt
gehortet, sind insubstantiell und haben keinen Nutzen für die nächste Welt. Nur
Taten – gute und schlechte –, die man ausführt, folgen einem in die andere Welt

* * *

Jeder erhält seine Natur von der Natur seiner Taten entsprechend der Umstände,
des Ortes, der Mittel und der Motive der Taten.
* * *

„O Bharata, niemand sollte verzweifeln und sagen: ‘O, ich handle und dennoch
habe ich keinen Erfolg.’ Denn es gibt noch andere Ursachen für Erfolg, außer persönlicher Anstrengung. Ob man erfolgreich oder erfolglos ist, man sollte nicht verzweifeln, denn der Erfolg der Taten hängt vom Zusammentreffen vieler Faktoren ab. Wenn ein wichtiges Element fehlt, mag das Ergebnis der Arbeit unangemessen oder Erfolg überhaupt nicht sichtbar sein. Wenn jedoch keine Anstrengung unternommen wird, kann es keinen Erfolg geben.“

* * *
Obwohl sie wissen, daß Erfolg ungewiß ist, handeln die Leute dennoch, sodaß
sie manchmal erfolgreich sind und manchmal nicht. Diejenigen, aber, die nicht
handeln, erlangen niemals Erfolg. In der Abwesenheit von Bemühung gibt es nur
ein Ergebnis: die Abwesenheit von Erfolg.

* * *
Weder Freunde, noch Reichtum, noch gute Geburt, noch Gelehrsamkeit, noch mantras, noch Körperkraft können einen vor Leid im nächsten Leben bewahren.

* * *
Durch ihre Handlungen werden Leute elend und arm.

Hinduismus

Definition und Verbreitung

Aus der vedischen Religion entstandene eigene Richtung, der mit circa 80 Prozent die Mehrheit der indischen Bevölkerung angehört und die darüber hinaus in vielen Teilen der Welt verbreitet ist, u. a. in Nepal, Bangladesh, Indonesien, Sri Lanka, Pakistan, Malaysia, Südafrika, Mauritius, den USA und England. Das persische Wort Hindu wurde von Sanskrit saindhava; indisch sindhu („Fluss“ oder genauer der Indus) abgeleitet und bezeichnete im 5. Jahrhundert v. Chr. die Bewohner jenes Landes nach seinem Fluss, dem Indus. Die Hindus bezeichnen sich selbst als „jene, die an die Veden glauben“ (siehe Veda) oder als „jene, die den Weg (Dharma) der vier Klassen (Warnas) und Lebensstadien (Ashramas) befolgen“.

Die Veden als Urschrift

Die Veränderung, die sich seit der Vedischen Zeit(1300-1000 v.Chr.) vollzog, tritt am augenfälligsten in der Zunahme der Götterwelt in Erscheinung. Zwar werden vedische Götter, wie Agni, Mitra, Varuna, Soma noch verehrt, aber sie sind durch persönliche Gestalten immer mehr in den Hintergrund gerückt worden. Das ursprüngliche Pantheon (Oberster Ort, Gericht) wurde durch neue persönliche Götter bestückt.

Die beiden für die Folgezeit zentralen Neuerungen sind die Einsamkeits- oder Alleinheitslehre verbunden mit dem Erlösungsgedanken und die Lehre von der Wiedergeburt in einer neuen Gestalt, die aus den im früheren Leben vollbrachten Taten resultiert.

Der Hinduismus ist eine der bedeutendsten Weltreligionen, nicht nur was die Zahl seiner Anhänger betrifft (ca. 700 Millionen), sondern auch aufgrund des großen Einflusses, den er seit etwa 300 v. Chr., während seiner langen Entwicklungsgeschichte, auf die vielen anderen Religionen ausübte. Der Hinduismus, der in hohem Maße dazu neigt, fremde Elemente aufzunehmen, wurde seinerseits von diesen unterschiedlichen Religionen beeinflusst, was zum größten Teil zu seinem ausgeprägten Synkretismus, d. h. zu der Vielzahl von Glaubensformen und Praktiken, führte. Neben der hinduistischen Lehre führten insbesondere die geographischen und wirtschaftlichen Bedingungen in Indien dazu, dass sich der Hinduismus zu einem sozialen und religiösen System entwickelte, das alle Aspekte des menschlichen Lebens bestimmt.

Da die Schriften des Hinduismus mehr von den Taten der Menschen als von ihrem Denken handeln, findet man, obwohl es nur wenige Praktiken und Glaubensformen gibt, die von allen ausgeübt werden, eine weitaus größere Übereinstimmung im Verhalten der Hindus als in ihrem Glauben. Neben der Rezitation der Gayatri-Hymne bei Morgengrauen gibt es keine festgelegten oder vorgeschriebenen Gebete. Die meisten Hindus verehren Shiva, Vishnu oder die weibliche Gottheit Devi. Darüber hinaus werden von Dörfern und einzelnen Familien Hunderte von kleineren lokalen Gottheiten angebetet. Es gibt einige wenige Praktiken, die bei fast allen Hindus üblich sind: die Hochachtung gegenüber ihren Priestern, den Brahmasamadsch, und die Verehrung der Kuh, das Verbot Fleisch, insbesondere Rindfleisch, zu verzehren sowie die Eheschließung innerhalb der Kaste (Jati), wobei die Hoffnung auf männliche Nachkommen vorherrscht. Neben der Hierarchie des Gesellschaftssystems, die untrennbar mit der Religion verbunden ist und jeder Person ihren Platz im einheitlichen Gefüge zuweist, gibt es im Hinduismus weder ein Lehrgebäude noch die Hierarchie einer religiösen Institution.

Die höchste kanonische Autorität aller Hindus ist die Vedanta (Abschluss der Veden). Um 600 v. Chr. begann die Entstehung der Upanishaden, jener mystisch-philosophischen Meditationen über den Sinn des Lebens und das Wesen des Universums.

Kurze Beschreibung der Veden

In den Erzählungen ist gleichzeitig eine komplexe Kosmologie enthalten. Die Hindus betrachten das Universum als große, geschlossene Sphäre, als kosmisches Ei, das zahlreiche konzentrische Himmel, Höllen, Meere und Erdteile enthält und in deren Mittelpunkt sich Indien befindet. Vom goldenen Zeitalter bzw. Krita-Yuga ausgehend, gelangt man über zwei Zwischenperioden, geprägt vom fortschreitenden Verfall der Güte, zur Gegenwart bzw. dem Kali-Yuga. Am Ende jedes Kali-Yugas wird die Welt durch Feuer und Flut vernichtet, und ein neues goldenes Zeitalter bricht an. Das menschliche Leiden ist gleichfalls einem Zyklus unterworfen: Nach dem Tod verlässt die Seele den Körper und wird im Körper eines anderen Menschen, eines Tieres, einer Pflanze oder eines Minerals wieder geboren. Diese endlose Kette von Leben und Wiedergeburten wird Samsara genannt (Seelenwanderung). Das Schicksal des Menschen in dem neuen Leben wird dabei von seinen in den vorhergehenden Leben angesammelten guten oder bösen Taten, dem Karma, bestimmt. Die Hindus glauben daran, dass das Karma durch Buße und Rituale aufgearbeitet werden kann und dass der Verzicht auf weltliches Begehren zur Erlösung (Moksha) aus dem ewigen Kreislauf der Geburten, dem Samsara, führt.

Die Hindus können dementsprechend in zwei Gruppen unterteilt werden: diejenigen, die nach der heiligen und weltlichen Belohnung (Gesundheit, Wohlstand, Nachkommen sowie einer vorteilhaften Wiedergeburt) in der Welt suchen und in jene, die nach Erlösung von der Welt suchen. Die Grundsätze des ersten Weges, die auf die Veden zurückgehen, werden heute vom Tempelhinduismus, von der Religion der Brahmanen und vom Kastensystem vertreten. Der zweite Weg, der in den Upanishaden vorgeschrieben wird, ist nicht nur Hauptziel der Entsagungskulte (Sannyasa), sondern auch das Ideal der meisten Hindus.

Die weltliche Richtung des Hinduismus wurde ursprünglich von drei Veden geprägt, von drei Gesellschaftsklassen (Varnas), drei Lebensabschnitten (Ashramas) und den drei Zielen der Männer (Purusharthas), wobei die Ziele oder Bedürfnisse der Frauen in den alten Texten selten erwähnt werden.Die ersten drei Klassen (Brahmanen oder Priester, Kshatriyas oder Krieger und die Vaishyas oder gemeines Volk) wurden von der Dreiteilung der antiken römischen und griechischen Gesellschaft abgeleitet.  Die drei ursprünglichen Ashramas umfassten das keusche Leben der Brahmanenschüler, das Leben als Hausvater und das Leben als Waldeinsiedler. Außerdem hatten sie angeblich drei Schulden zu begleichen: das Studium der Veden, das sie den Weisen schuldeten, einen Sohn, den sie den Ahnen schuldeten, sowie die Opfer, die sie den Göttern schuldeten. Die drei Ziele waren Artha (materieller Erfolg), Dharma (rechtes Handeln, gemäß der sittlichen Gebote sowie den Pflichten der Kaste) und Kama (sinnliche Freuden).

Kurz nach Entstehung der ersten Upanishaden und zur Zeit des Aufkommens des Buddhismus im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde ein viertes Ashrama und das entsprechende vierte Ziel hinzugefügt: der Entsager (Sannyasi), dessen Ziel die Erlösung (Moksha) von allen anderen Lebensabschnitten, Zielen und Schulden ist.


Für jede dieser beiden Lebensarten eines Hindus wurden eigene sich gegenseitig beeinflussende metaphysische und gesellschaftliche Systeme entwickelt. Das Kastensystem und die ihm zugrunde liegende Philosophie  entwickelte sich innerhalb des weltlichen Hinduismus und besagt, dass der Mensch geboren wird, um eine bestimmte Tätigkeit auszuüben, eine bestimmte Person zu heiraten, bestimmte Nahrung aufzunehmen und Kinder zu zeugen oder zu gebären, die dann ihrerseits in gleichem Sinn leben. Auch besagt es, dass es besser sei, sein eigenes Dharma zu erfüllen als das von anderen, auch wenn das eigene Dharma minderwertig und verwerflich sei .Das oberste Ziel der weltlichen männlichen Hindu ist, einen Sohn zu zeugen und großzuziehen, der dann den Ahnen Opfer darbringen wird (die Shraddha-Zeremonie).

Der zweite Weg des Hinduismus, der der Entsagung, stützt sich auf die Philosophie von der Einheit der individuellen Seele, dem Atman, mit Brahman, der universellen Weltseele oder Gott. Das Erkennen dieser Einheit gilt als ausreichend, um den Hindu von einer Wiedergeburt zu erlösen. Dieser Anschauung zufolge könne nichts die Erlösung mehr beeinträchtigen als die Geburt eines Kindes

Ein Gott in Form mehrer Goetter

Obwohl zwar alle Hindus die Existenz und Bedeutung einer ganzen Reihe von Göttern und Halbgöttern anerkennen, verehren die meisten individuellen Anbeter einen einzigen Gott bzw. Göttin, von denen Shiva, Vishnu und die Göttin Devi die verbreitetsten sind.

Bei Shiva handelt es sich scheinbar um die Verkörperung zweier gegensätzlicher Naturen, und zwar ist er sowohl Gott der Askese wie auch Gott des Phallus. Er ist die Gottheit der Entsager, insbesondere der vielen Shaiva-Sekten, die ihn verehren. In der Tradition des Mythos, soll Shiva seinen Bruder Brahma geköpft haben, da dieser mit seinen Geschwistern schlief. Shiva ist auch der Gott, dessen Phallus (Lingam) das zentrale Heiligtum aller Shivatempel und persönliches Heiligtum im Haushalt jedes Shaiva ist. Einer Legende zufolge ließ sich Shiva beim Liebesspiel mit Parvati nicht einmal durch den Besuch des Weisen Bhrigu stören und wird daher durch den Phallus verehrt. Weiter wird von ihm gesagt, dass er in verschiedenen Gestalten als Mensch, Tier und Pflanze auf der Erde erschien und viele lokale Heiligtümer errichtete.

Vishnu wird als allgegenwärtiger Gott verehrt. Seinem Nabel entsprang eine Lotosblüte, aus der der Schöpfer (Brahma) geboren wurde. Vishnu schuf das Universum, indem er den Himmel von der Erde trennte, und bewahrte es später zahlreiche Male vor dem Untergang. Er wird auch in Gestalt der Avatara oder „Herabkunft“ (Avatara) verehrt, d. h. in seinen verschiedenen Inkarnationen, u. a. als Fisch, Schildkröte und Eber. Andere Inkarnationen sind der Zwerg,der Mann-Löwe  sowie Buddha, Rama mit der Axt  und Kalki (der Reiter mit dem weißen Pferd, der am Ende der Kali-Zeitalters kommen wird, um das Universum zu zerstören).

Zu den Hauptgottheiten gehören neben diesen beiden männlichen Göttern auch einige Göttinnen. Sie werden zum Teil auch als unterschiedliche Naturen der Göttin Devi angesehen. Einigen Mythen zufolge ist Devi die Urbewegerin, die den männlichen Göttern Anweisungen zur Schöpfung oder Vernichtung erteilt. Als Durga tötet sie in einem Kampf den Büffeldämon Mahisha. Als Kali, die Schwarze, tanzt sie auf den Leichnamen derer, die sie zuvor abgeschlachtet und verzehrt hat, und ist geschmückt mit den Schädeln und abgeschnittenen Händen ihrer Opfer.

Riten

Die wichtigsten Riten des Hinduismus sind jene des Übergangs. Sie beginnen mit der Geburt und dem Ereignis, bei dem das Kind zum ersten Mal feste Nahrung (Reis) zu sich nimmt. Spätere Riten umfassen das erste Haareschneiden (bei Jungen) sowie die Reinigung nach der ersten Menstruation (bei Mädchen). Es folgen Heirat und die Segnung der Schwangerschaft sowie eine gelungene Entbindung und das Überleben des Kindes während der ersten sechs Tage . Schließlich gibt es Bestattungszeremonien (Leichenverbrennungen, bei der von einem großen Teil der Hindus die Asche in den Ganges gestreut wird, der als heiliger Fluss gilt) wie auch die jährlichen Opferrituale für die gestorbenen Ahnen. Die berühmteste Opfergabe ist der Pinda, eine Reiskugel mit Sesamkernen, die von dem ältesten Sohn überreicht wird, auf dass der Geist des Vaters aus dem Limbus, der Vorhölle, zur Wiedergeburt übergehen kann.

Bei den täglichen Ritualen legt der Hindu (gewöhnlich die Ehefrau, da ihr eher die Kräfte zugestanden werden, sich mit den Göttern in Verbindung zu setzen) Früchte- oder Blumenopfer an einem kleinen Hausschrein nieder. Sie opfert auch den lokalen Schlangen, Bäumen oder den dunklen Geistern  die sich im eigenen Garten, an Wegkreuzungen oder magischen Orten des Dorfes aufhalten. Viele Dörfer und alle größeren Städte besitzen Tempel, in denen die Priester während des ganzen Tages Zeremonien abhalten. Diese umfassen Sonnenaufgangsgebete, das Läuten von Glocken, um den Gott im Allerheiligsten  zu erwecken, sowie Baden, Ankleiden und Luftzufächeln und schließlich die Nahrungsdarbietung an Gott. Die Reste der Nahrung (Prasada) werden dann an die Gläubigen verteilt. Der Tempel ist auch Kulturzentrum, wo Lieder gesungen, heilige Texte in Sanskrit oder den Landessprachen rezitiert und Sonnenuntergangsrituale durchgeführt werden. Fromme Laien dürfen an den meisten dieser Zeremonien teilnehmen. In den meisten Tempeln, insbesondere in jenen, die den Göttinnen geweiht sind, werden zu besonderen Gelegenheiten Ziegen geopfert.. Es gibt Tausende von einfachen örtlichen Tempeln, die meist nicht mehr sind als ein kleines steinernes Gehäuse, das eine formlose, in Stoff gehüllte Steinplastik enthält. In Indien gibt es aber auch viele groß angelegte Tempel oder auch ganze Tempelstädte. An besonderen Tagen, gewöhnlich einmal im Jahr, wird das Standbild des Gottes aus seinem Schrein geholt und in einem mit prachtvollen Schnitzereien versehenen Holzwagen in einer Prozession um die Tempelanlage gefahren.


Viele heilige Orte oder Heiligtümer, wie Rishikesch im Himalaya oder Varanasi am Ganges, sind Ziel von Pilgern aus ganz Indien. Andere wiederum sind hauptsächlich örtliche Heiligtümer. Bestimmte Heiligtümer werden am häufigsten während der besonderen jährlichen Festtage besucht.



Das Urantia Buch

Schrift 2 Die Natur Gottes

DA die höchstmögliche Gottesvorstellung des Menschen in der Idee und im Ideal liegt, die er sich von einer ursächlichen und unendlichen Persönlichkeit macht, mag es erlaubt sein und sich als hilfreich erweisen, gewisse Wesenszüge der göttlichen Natur zu studieren, die den Charakter der Gottheit ausmachen. Man kann das Wesen Gottes am besten durch die Offenbarung des Vaters verstehen, die Michael von Nebadon in seinen vielfältigen Unterweisungen und in seinem wunderbaren Leben als inkarnierter Sterblicher gegeben hat. Die göttliche Natur kann vom Menschen auch besser verstanden werden, wenn er sich als ein Kind Gottes betrachtet und zum Schöpfer im Paradies als zu seinem wahren geistigen Vater aufschaut.

Man kann die Natur Gottes an einer Offenbarung höchster Ideen studieren, der göttliche Charakter kann als eine Darstellung himmlischer Ideale betrachtet werden, aber die am meisten erleuchtende und geistig erbauende aller Offenbarungen der göttlichen Natur erhält man durch das Verstehen des religiösen Lebens Jesu von Nazareth, bevor und nachdem er zum vollen Bewusstsein seiner Göttlichkeit gelangt war. Wenn man das inkarnierte Leben Michaels als Hintergrund der Offenbarung Gottes an den Menschen nimmt, können wir versuchen, in menschlichen Wortsymbolen gewisse Ideen und Ideale auszudrücken, die die göttliche Natur betreffen und vielleicht zu einer weiteren Klärung und Einigung der menschlichen Vorstellung von Natur und Charakter der Persönlichkeit des Universalen Vaters beitragen werden.

Bei all unserem Bemühen, das menschliche Gotteskonzept zu erweitern und zu vergeistigen, werden wir durch das beschränkte Fassungsvermögen des menschlichen Verstandes außerordentlich behindert. Außerdem werden wir bei der Ausführung unseres Auftrags ernsthaft behindert durch die Begrenzungen der Sprache und die Armut des Materials, das zu Illustrations- oder Vergleichszwecken herangezogen werden kann, um göttliche Werte darzustellen und dem endlichen, sterblichen Verstand des Menschen geistige Bedeutungen nahe zu bringen. All unsere Anstrengungen, das menschliche Gotteskonzept zu erweitern, wären nahezu vergeblich, wenn der menschliche Verstand nicht von dem vom Vater geschenkten Justierer bewohnt würde und vom Geist der Wahrheit des Schöpfersohnes durchdrungen wäre. Indem ich mich also zur Erweiterung der Gottesvorstellung auf die Hilfe dieser göttlichen Geiste im Menschenherzen verlasse, mache ich mich fröhlich an die Ausführung meines Auftrags, zu versuchen, dem menschlichen Verstand ein tieferes Bild vom Wesen Gottes zu vermitteln.

1. DIE UNENDLICHKEIT GOTTES

„Was den Unendlichen betrifft, so können wir ihn nicht ausfindig machen. Die göttlichen Fußspuren sind unbekannt.“ „Sein Verstehen ist unendlich und seine Größe unergründlich.“ Das blendende Licht der Gegenwart des Vaters ist derart, dass er für seine niedrigen Geschöpfe scheinbar „in dichter Finsternis wohnt“. Nicht nur sind seine Gedanken und Pläne unerforschlich, sondern „er tut auch große und wunderbare Dinge ohne Zahl“. „Gott ist groß; wir verstehen ihn nicht, und die Zahl seiner Jahre kann nicht ermittelt werden.“ „Wird Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel (das Universum) und der Himmel der Himmel (das Universum der Universen) können ihn nicht fassen.“ „Wie unergründlich sind seine Urteile und wie undurchschaubar seine Wege!“

„Es gibt nur einen Gott, den unendlichen Vater, und er ist auch ein treuer Schöpfer.“ „Der göttliche Schöpfer ist auch der Universale Lenker, der Ursprung und die Bestimmung der Seelen. Er ist die Höchste Seele, der Uranfängliche Verstand und der Grenzenlose Geist der ganzen Schöpfung.“ „Der große Überwacher begeht keine Fehler. Er ist von strahlender Majestät und Herrlichkeit.“ „Der Schöpfergott ist gänzlich frei von Furcht und Feindschaft. Er ist unsterblich, ewig, aus sich selbst existierend, göttlich und freigebig.“ „Wie rein und schön, wie tief und unergründlich ist der himmlische Ahnherr aller Dinge!“ „Der Unendliche zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich den Menschen kundtut. Er ist der Anfang und das Ende, der Vater jedes guten und vollkommenen Vorhabens.“ „Bei Gott sind alle Dinge möglich; der ewige Schöpfer ist die Ursache der Ursachen.“

Ungeachtet der Unendlichkeit der staunenerregenden Manifestationen der ewigen und universalen Persönlichkeit des Vaters ist er sich selber seiner Unendlichkeit und seiner Ewigkeit ohne jede Einschränkung bewusst, und ebenso voll und ganz kennt er seine Vollkommenheit und Macht. Abgesehen von seinen göttlichen Gleichgeordneten ist er das einzige Wesen im Universum, das eine vollkommene, angemessene und vollständige Selbsteinschätzung besitzt.

Beständig und unfehlbar wird der Vater der Notwendigkeit differenzierter Antwort auf die an ihn gestellten Anforderungen gerecht, je nachdem, wie diese sich von Zeit zu Zeit in verschiedenen Abschnitten seines Alluniversums ändern. Der große Gott kennt und versteht sich selber; er ist sich all seiner Ur-Attribute der Vollkommenheit auf unendliche Weise bewusst. Gott ist kein kosmischer Zufall, noch experimentiert er mit dem Universum. Die Souveränen Universumsherrscher mögen sich in Abenteuer stürzen; die Väter der Konstellationen mögen experimentieren; die Leiter der Systeme mögen sich üben; aber der Universale Vater sieht das Ende seit Anbeginn, und sein göttlicher Plan und ewiges Vorhaben umfassen und enthalten tatsächlich alle Experimente und Abenteuer all seiner Untergeordneten auf jeder Welt, jedem System und jeder Konstellation in jedem Universum seiner unermesslichen Reiche.

Nichts ist neu für Gott, und ein kosmisches Ereignis kommt für ihn niemals als Überraschung; er bewohnt den Kreis der Ewigkeit. Er kennt weder Tagesbeginn noch Tagesende. Für Gott gibt es weder Vergangenheit noch Gegenwart noch Zukunft; alle Zeit ist in jedem gegebenen Augenblick gegenwärtig. Er ist das große und einzige ICH BIN.

Der Universale Vater ist in all seinen Attributen auf absolute und durch nichts bedingte Weise unendlich; und diese Tatsache an und für sich schließt ihn automatisch von jeder direkten persönlichen Kommunikation mit endlichen materiellen Wesen und anderen niedrigeren erschaffenen Intelligenzen aus.

All das macht verschiedene Maßnahmen für den Kontakt und die Kommunikation mit seinen mannigfaltigen Geschöpfen notwendig. Die erste Anordnung betrifft die Persönlichkeiten der Paradies-Söhne Gottes, die, obwohl vollkommen an Göttlichkeit, auch oft an der Natur aus Fleisch und Blut der planetarischen Rassen teilhaben und einer wie ihr und einer unter euch werden; auf diese Weise wird Gott gleichsam zum Menschen, wie es in der Selbsthingabe Michaels geschah, der abwechselnd Gottessohn und Menschensohn genannt wurde. Und zweitens sind da die Persönlichkeiten des Unendlichen Geistes, die verschiedenen Ordnungen seraphischer Heerscharen und anderer himmlischer Intelligenzen, die sich den materiellen Wesen niedriger Abstammung nähern und ihnen auf so mancherlei Weise helfen und dienen. Und drittens gibt es die unpersönlichen Unergründlichen Mentoren, die Gedankenjustierer, die tatsächlichen Geschenke des großen Gottes selber, die gesandt werden, um Wesen wie die Menschen Urantias zu bewohnen, gesandt ohne Vorankündigung und ohne Erklärung. In unerschöpflicher Fülle steigen sie von den glorreichen Höhen herab, um den bescheidenen Verstand derjenigen Sterblichen zu begnaden und zu bewohnen, die der Gottesbewusstheit fähig sind oder das Potential dazu besitzen.

Auf diese und viele andere Arten, die euch unbekannt sind und völlig außerhalb des endlichen Fassungsvermögens liegen, setzt der Paradies-Vater aus Liebe und willentlich seine Unendlichkeit herab und modifiziert, verdünnt und mildert sie anderswie, um dem endlichen Verstand seiner Geschöpfeskinder näher kommen zu können. Durch diese ganze Reihe von Persönlichkeitsvergaben, die immer weniger absolut sind, wird es dem unendlichen Vater möglich, sich eines engen Kontaktes mit den verschiedenen Intelligenzen der vielen Reiche seines gewaltigen Universums zu erfreuen.

All das hat er getan, tut er und wird er ewig zu tun fortfahren, ohne im Geringsten die Tatsache und Realität seiner Unendlichkeit, Ewigkeit und seines Primates zu beeinträchtigen. Und diese Dinge sind trotz der Schwierigkeit, sie zu erfassen, absolut wahr, trotz des Geheimnisses, das sie umhüllt, und trotz der Unmöglichkeit, von Geschöpfen wie den Bewohnern Urantias voll begriffen zu werden.

Weil der Erste Vater in seinen Plänen unendlich und in seinen Vorhaben ewig ist, wird es einem endlichen Wesen aufgrund seiner Natur immer verwehrt sein, jemals diese göttlichen Pläne und Vorhaben in ihrer ganzen Fülle zu erfassen oder zu verstehen. Nur dann und wann und da und dort kann der sterbliche Mensch einen kurzen Blick auf die Vorhaben des Vaters werfen, wenn diese im Zusammenhang mit der Ausführung des Plans enthüllt werden, der den Aufstieg der Geschöpfe über sukzessive Ebenen des Fortschritts im Universum bestimmt. Obgleich der Mensch die Bedeutung der Unendlichkeit nicht erfassen kann, versteht der unendliche Vater höchst gewiss die ganze Endlichkeit all seiner Kinder in allen Universen und umfängt sie liebevoll.

Göttlichkeit und Ewigkeit teilt der Vater mit einer großen Zahl von höheren Paradies-Wesen, aber wir bezweifeln, dass er die Unendlichkeit und den sich daraus ergebenden universalen Primat mit irgendwem außer den ihm gleichgeordneten Mitgliedern der Paradies Trinität in vollem Maße teilt. Unendlichkeit der Persönlichkeit muss notwendigerweise alle Endlichkeit der Persönlichkeit in sich schließen, und daraus folgt die Wahrheit – die buchstäbliche Wahrheit – der Lehre, die erklärt, dass „wir in Ihm leben, uns bewegen und unser Dasein haben“. Das Fragment der reinen Gottheit des Universalen Vaters, das im sterblichen Menschen wohnt, ist ein Teil der Unendlichkeit des Ersten Großen Zentralen Ursprungs, des Vaters der Väter.

2. DIE EWIGE VOLLKOMMENHEIT DES VATERS

Sogar eure einstigen Propheten haben die ewige, kreisförmige Natur ohne Anfang und Ende des Universalen Vaters verstanden. Gott ist buchstäblich und ewig gegenwärtig in seinem Universum der Universen. Er bewohnt den gegenwärtigen Augenblick in all seiner absoluten Hoheit und ewigen Größe. „Der Vater hat das Leben in sich selbst, und dieses Leben ist ewiges Leben.“ Durch alle ewigen Zeitalter hindurch ist es der Vater gewesen, „der allem das Leben gibt“. Die göttliche Integrität ist von unendlicher Vollkommenheit. „Ich bin der Herr; ich ändere mich nicht.“ Unsere Kenntnis vom Universum der Universen lehrt uns nicht nur, dass Er der Vater des Lichts ist, sondern auch, dass es bei seiner Handhabung interplanetarischer Angelegenheiten „keine Unbeständigkeit noch einen Schatten von Veränderlichkeit gibt“. „Von Anbeginn kündigt er das Ende an.“ Er spricht: „Mein Ratschluss soll ewig bestehen; ich werde zu meiner Freude handeln“ „gemäß dem ewigen Vorhaben, das ich mir in meinem Sohn vorgenommen habe.“ Demnach sind die Pläne und Vorhaben des Ersten Zentralen Ursprungs wie er: ewig, vollkommen und auf immer unveränderlich.

Die Erlasse des Vaters sind von endgültiger Vollständigkeit und vollkommener Abgerundetheit. „Was immer Gott tut, soll ewig gelten; nichts kann hinzugefügt und nichts weggenommen werden.“ Der Universale Vater bereut seine ursprünglichen Vorhaben der Weisheit und Vollkommenheit nie. Seine Pläne stehen für immer fest, sein Ratschluss ist unveränderlich und seine Handlungen sind göttlich und unfehlbar. „Tausend Jahre sind vor ihm wie das Gestern, wenn es vorüber ist, und wie eine Nachtwache.“ Vollkommenheit der Göttlichkeit und Größe der Ewigkeit liegen für immer jenseits des völligen Begreifens durch den begrenzten Verstand des sterblichen Menschen.

Die Reaktionen eines unveränderlichen Gottes mögen bei der Ausführung seines ewigen Planes je nach der wechselnden Haltung und dem veränderlichen Gemüt seiner erschaffenen Intelligenzen scheinbar unterschiedlich ausfallen, das heißt, sie mögen sich oberflächlich scheinbar unterscheiden; aber unter der Oberfläche und hinter allen äußeren Manifestationen bleibt das unveränderliche Vorhaben, der ewige Plan des ewigen Gottes stets gegenwärtig.

Draußen in den Universen ist Vollkommenheit notwendigerweise ein relativer Begriff, aber im Zentraluniversum und insbesondere im Paradies ist Vollkommenheit unverwässert vorhanden; in gewissen Phasen ist sie sogar absolut. Die göttliche Vollkommenheit zeigt sich in den Manifestationen der Trinität unterschiedlich, aber nie abgeschwächt.

Gottes Ur-Vollkommenheit besteht nicht aus einer Rechtschaffenheit, die er sich erworben hätte, sondern vielmehr aus der ihm eingeborenen Vollkommenheit der Güte seiner göttlichen Natur. Er ist final, vollständig und vollkommen. Es gibt nichts, was der Schönheit und Vollkommenheit seines rechtschaffenen Charakters fehlen würde. Und das ganze Programm der auf den Welten des Raums lebenden Existenzen hat seinen Mittelpunkt im göttlichen Vorhaben, alle Willensgeschöpfe ihrer hohen Bestimmung zuzuführen, die Erfahrung der mit dem Vater geteilten Vollkommenheit des Paradieses zu machen. Gott ist weder egozentrisch noch selbstgenügsam; er hört nie auf, sich an alle selbstbewussten Geschöpfe des riesigen Universums der Universen auszuteilen.

Gott ist ewig und unendlich vollkommen. Persönlich kann er Unvollkommenheit aus eigener Erfahrung nicht kennen, aber er teilt das Bewusstsein aller Erfahrungen der Unvollkommenheit mit allen zäh ringenden Geschöpfen der evolutionären Universen aller Paradies-Schöpfersöhne. Der persönliche und befreiende Hauch des Gottes der Vollkommenheit durchweht die Herzen und erfasst das Wesen all jener sterblichen Geschöpfe, die zur Universumsebene sittlicher Wahrnehmung aufgestiegen sind. Auf diese Weise ebenso wie über die Kontakte mit seiner göttlichen Gegenwart teilt der Universale Vater tatsächlich mit jedem sittlichen Wesen des gesamten Universums während dessen Werdegangs die Erfahrung mit der Unreife und Unvollkommenheit.

Menschliche Beschränkungen und potentiell Übles gehören nicht zur göttlichen Natur, aber die sterbliche Erfahrung mit dem Übel und alle menschlichen Beziehungen zu diesem gehören mit größter Sicherheit zu Gottes sich stets ausweitender Selbst-Verwirklichung in den Kindern der Zeit – den Geschöpfen mit sittlichem Verantwortungsgefühl, die von jedem das Paradies verlassenden Schöpfersohn geschaffen oder entwickelt worden sind.

3. GERECHTIGKEIT UND RECHTSCHAFFENHEIT

Gott ist rechtschaffen; deshalb ist er gerecht. „Der Herr ist rechtschaffen in allem, was er tut.“ „ ‚Ich habe alles, was ich getan habe, nicht ohne Grund getan‘, sagt der Herr.“ „Die Urteile des Herrn sind durch und durch wahr und rechtschaffen.“ Die Gerechtigkeit des Universalen Vaters kann durch die Handlungen und Leistungen seiner Geschöpfe nicht beeinflusst werden, „denn es gibt beim Herrn, unserem Gott, weder Ungerechtigkeit noch Ansehen der Person oder Entgegennahme von Geschenken.“

Wie aussichtslos und kindisch, einen solchen Gott anzurufen, er solle von seinen unveränderlichen Ratschlüssen abweichen, damit wir den gerechten Folgen der Wirkung seiner weisen Naturgesetze und gerechten geistigen Gebote entgingen! „Täuscht euch nicht! Man spottet Gottes nicht, denn was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“ Es ist wahr, dass auch beim Ernten der verdienten Früchte üblen Tuns die göttliche Gerechtigkeit stets durch Barmherzigkeit gemildert wird. Unendliche Weisheit ist der ewige Schiedsrichter, der darüber befindet, in welchem Verhältnis Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in irgendeinem gegebenen Fall bemessen werden sollen. Die größte Strafe für übles Tun und vorsätzliche Auflehnung gegen Gottes Regierung (in Wahrheit eine unvermeidliche Folge davon) ist der Verlust der Existenz als individueller Untertan dieser Regierung. Das Endergebnis rückhaltloser Sünde ist Auslöschung. Letzten Endes haben sich solche mit der Sünde identifizierten Wesen selbst zerstört, indem sie durch ihre Frevelhaftigkeit ganz und gar unwirklich geworden sind. Das tatsächliche Verschwinden eines derartigen Geschöpfes wird indessen immer aufgeschoben, bis der in dem betreffenden Universum geltenden Rechtsordnung völlig Genüge getan ist.

Das Aufhören einer Existenz wird gewöhnlich am Ende einer Dispensation oder Epoche anlässlich des über eine oder mehrere Welten abgehaltenen Gerichts verfügt. Auf einer Welt wie Urantia findet ein solches am Ende einer planetarischen Dispensation statt. Das Ende einer Existenz kann bei einer solchen Gelegenheit in einer abgestimmten Aktion aller Gerichtshöfe der Rechtsprechung verfügt werden, vom planetarischen Rat aufwärts über die Gerichtshöfe des Schöpfersohnes bis zu den Tribunalen der Ältesten der Tage. Der Befehl zur Auslöschung ergeht von den höheren Gerichtshöfen des Superuniversums, nachdem die von der Heimatwelt des Übeltäters kommende Anklage eine ununterbrochene Bestätigung erfahren hat. Wenn das auf Auslöschung lautende Urteil an allerhöchster Stelle bestätigt worden ist, erfolgt seine Ausführung durch eine direkte Handlung der am Hauptsitz des Superuniversums residierenden und von hier aus wirkenden Richter.

Wenn das Urteil endgültig bestätigt worden ist, geschieht dem Wesen, das sich mit der Sünde identifiziert hat, augenblicklich, als hätte es nie existiert. Von einem solchen Los gibt es keine Auferstehung; es ist für immer und ewig. Die lebendigen Energiefaktoren der Identität werden durch die Verwandlungen der Zeit und die Metamorphosen des Raums in die kosmischen Potentiale aufgelöst, aus denen sie einst hervorgegangen waren. Was die Persönlichkeit des Frevlers betrifft, sieht sie sich des kontinuierlichen Lebensträgers beraubt, weil das Geschöpf nicht jene Wahl noch jene endgültigen Entscheidungen zu treffen wusste, die sein ewiges Leben sichergestellt hätten. Wenn der mit ihr verbundene Verstand fortlaufend die Sünde wählt und all dies in vollständiger Selbstidentifikation mit dem Frevel gipfelt, wird solch eine isolierte Persönlichkeit nach dem Aufhören des Lebens, nach der kosmischen Auflösung, von der Überseele der Schöpfung absorbiert und zu einem Teil der wachsenden Erfahrung des Supremen Wesens. Und nie wieder wird sie als Persönlichkeit erscheinen; es ist, als hätte es ihre Identität nie gegeben. Im Falle einer durch einen Justierer bewohnten Persönlichkeit leben die erfahrungsmäßigen Geisteswerte in der Realität des weiterwirkenden Justierers fort.

Bei jedem Kampf im Universum zwischen verwirklichten Realitätsebenen wird die Persönlichkeit der höheren Ebene am Ende über die Persönlichkeit der tieferen Ebene den Sieg davontragen. Dieser unvermeidliche Ausgang jeder Auseinandersetzung im Universum liegt in der Tatsache beschlossen, dass der Grad der Vergöttlichung irgendeines Willensgeschöpfes gleich dem Grad seiner Realität oder Verwirklichung ist. Reine Schlechtigkeit, vollständiger Irrtum, vorsätzliche Sünde und ungemilderte Frevelhaftigkeit sind an sich und automatisch selbstmörderisch. Derartige kosmisch unwirkliche Verhaltensweisen können im Universum nur dank vorübergehender barmherziger Duldung überleben, bis die Mechanismen der gerecht urteilenden Universumstribunale, die die Gerechtigkeit bestimmen und sich um Fairness bemühen, in Aktion treten.

Die Schöpfersöhne herrschen in den Lokaluniversen als Schöpfer und Vergeistiger. Diese Söhne widmen sich der erfolgreichen Ausführung des Paradies-Planes für den progressiven Aufstieg der Sterblichen, also auch der Rehabilitierung von Rebellen und solchen, die sich in ihrem Denken irren. Aber wenn alle derartigen liebevollen Bemühungen endgültig und für immer zurückgewiesen worden sind, wird die endgültige Verfügung der Auslöschung durch Kräfte vollstreckt, die unter der Zuständigkeit der Ältesten der Tage handeln.

4. DIE GÖTTLICHE BARMHERZIGKEIT

Barmherzigkeit ist ganz einfach Gerechtigkeit, welche durch eine Weisheit gemildert wird, die vollkommenem Wissen um die natürlichen Schwächen der endlichen Geschöpfe und ihrer umweltbedingten Behinderungen entspringt und ihnen voll Rechnung trägt. „Unser Gott ist voller Mitleid, gnädig, langmütig und über die Maßen erbarmungsvoll.“ Deshalb soll „wer immer den Herrn anruft, gerettet werden“, „denn dieser wird reichlich vergeben.“ „Das Erbarmen des Herrn dauert von Ewigkeit zu Ewigkeit“, ja, „seine Barmherzigkeit währt ewig.“ „Ich bin der Herr, der auf Erden Barmherzigkeit übt, Gericht hält und Rechtschaffenheit fördert, denn an diesen Dingen habe ich meine Freude.“ „Ich bereite den Kindern der Menschen nicht gerne Kummer oder Schmerz“, denn „ich bin der Vater der Barmherzigkeit und der Gott aller Tröstung“.

Gott ist seinem Wesen nach gütig, von Natur aus mitfühlend und ewig erbarmungsvoll. Und nie ist es nötig, dass irgendein Einfluss auf den Vater Druck ausübe, um seine liebende Güte zu wecken. Das Bedürfnis eines Geschöpfes ist völlig ausreichend, um den vollen Fluss zarten Erbarmens des Vaters und seine rettende Gnade zu erwirken. Da Gott alles über seine Kinder weiß, ist es ihm ein Leichtes zu vergeben. Je besser ein Mensch seinen Nachbarn kennt, umso leichter wird er ihm vergeben, ja ihn lieben.

Nur der Scharfblick unendlicher Weisheit befähigt den rechtschaffenen Gott, in jeder gegebenen Universumssituation zugleich gerecht und barmherzig zu sein. Der himmlische Vater wird nie hin- und hergerissen zwischen sich bekämpfenden Haltungen gegenüber seinen Universumskindern; Gott wird nie ein Opfer widersprüchlicher Haltungen. Gottes Allwissenheit leitet seinen freien Willen unfehlbar bei der Wahl jenes Universums-Verhaltens, das die Forderungen all seiner göttlichen Attribute und die unendlichen Eigenschaften seiner ewigen Natur vollkommen, gleichzeitig und gleichermaßen zufrieden stellt.

Barmherzigkeit ist die natürliche und unvermeidliche Frucht von Güte und Liebe. Es ist undenkbar, dass die gütige Natur eines liebenden Vaters irgendeinem Mitglied irgendeiner Gruppe seiner Universumskinder weise geübte Barmherzigkeit vorenthalten könnte. Ewige Gerechtigkeit und göttliche Barmherzigkeit zusammen bilden das, was menschliche Erfahrung Fairness nennen würde.

Göttliche Barmherzigkeit stellt eine faire Technik dar, die zwischen den Universumsebenen der Vollkommenheit und Unvollkommenheit vermittelt. Barmherzigkeit ist die den Situationen des sich entwickelnden Endlichen angepasste Gerechtigkeit der Suprematie, die abgeänderte Rechtschaffenheit der Ewigkeit, um den höchsten Interessen und dem Wohlergehen der Kinder der Zeit im Universum Rechnung zu tragen. Barmherzigkeit ist kein Zuwiderhandeln gegen die Gerechtigkeit, sondern eher eine verständnisvolle Auslegung der Ansprüche höchster Gerechtigkeit, wenn diese in fairer Weise auf die untergeordneten geistigen Wesen und auf die materiellen Geschöpfe der sich entwickelnden Universen Anwendung findet. Barmherzigkeit ist die den vielfältigen Intelligenzen der Zeit-Raum-Schöpfungen auf weise und liebevolle Art widerfahrende Gerechtigkeit der Paradies Trinität, so wie göttliche Weisheit sie ausdrückt und wie der allwissende Verstand und der souveräne freie Wille des Universalen Vaters und aller ihm beigeordneten Schöpfer sie bestimmen.

5. DIE LIEBE GOTTES

„Gott ist Liebe“; deshalb ist seine einzige persönliche Haltung den Angelegenheiten des Universums gegenüber immer eine Reaktion göttlicher Zuneigung. Der Vater liebt uns genügend, um uns sein Leben zu schenken. „Er lässt seine Sonne über Bösen und Guten aufgehen und lässt es über Gerechten und Ungerechten regnen.“

Es ist falsch zu denken, der Vater lasse sich wegen der Opfer seiner Söhne oder wegen der Fürsprache seiner untergeordneten Geschöpfe dazu überreden, seine Kinder zu lieben, „denn der Vater selber liebt euch“. Es geschieht aus dieser väterlichen Zuneigung heraus, dass Gott die wunderbaren Justierer aussendet, um dem Verstand der Menschen innezuwohnen. Gottes Liebe ist universal; „wer immer will, mag kommen“. Er möchte, „dass alle Menschen dadurch gerettet würden, dass sie die Wahrheit kennen lernen“. „Es ist nicht sein Wille, dass auch nur einer umkomme.“

Die Schöpfer sind die allerersten, die versuchen, die Menschen vor den verheerenden Folgen törichter Übertretung der göttlichen Gesetze zu bewahren. Gottes Liebe ist ihrem Wesen nach eine väterliche Zuneigung; deshalb „züchtigt“ er uns manchmal „zu unserem eigenen Nutzen, damit wir an seiner Heiligkeit teilhaben mögen“. Denkt sogar in euren schlimmsten Prüfungen daran, dass „er in all unserer Betrübnis mit uns betrübt ist“.

Gott ist den Sündern auf göttliche Weise freundlich gesinnt. Wenn Rebellen zur Rechtschaffenheit zurückkehren, werden sie erbarmungsvoll empfangen, „denn unser Gott wird reichlich vergeben“. „Ich bin derjenige, der eure Übertretungen um meinetwillen auslöscht, und ich werde mich nicht an eure Sünden erinnern.“ „Seht, was für eine Liebe der Vater uns geschenkt hat, dass wir Söhne Gottes genannt werden sollen.“

Letztlich ist der größte Beweis von Gottes Güte und der mächtigste Grund, ihn zu lieben, das im Innern wohnende Geschenk des Vaters – der Justierer, der so geduldig auf die Stunde wartet, da ihr beide auf ewig eins werden sollt. Zwar könnt ihr Gott nicht durch Suchen finden, aber wenn ihr euch der Führung des innewohnenden Geistes unterwerfen wollt, werdet ihr unfehlbar gelenkt werden, Schritt für Schritt, Leben um Leben, durch ein Universum nach dem anderen und Zeitalter auf Zeitalter, bis ihr euch endlich in der Gegenwart der Paradies-Persönlichkeit des Universalen Vaters befindet.

Wie unvernünftig seid ihr doch, Gott nicht anzubeten, weil die Beschränkungen der menschlichen Natur und die Behinderungen eurer materiellen Schöpfung es euch unmöglich machen, ihn zu sehen. Zwischen euch und Gott muss eine gewaltige Entfernung (physischer Raum) durchmessen werden. Ebenso gibt es ein großes geistiges Gefälle, das überbrückt werden muss; aber trotz allem, was euch physisch und geistig von der persönlichen Paradies-Gegenwart Gottes trennt, haltet inne und sinnt über die erhabene Tatsache nach, dass Gott in euch lebt. Auf seine eigene Weise hat er den Abgrund bereits überbrückt. Er hat etwas von sich selbst, seinen Geist, ausgesandt, um in euch zu wohnen und sich zusammen mit euch abzumühen, während ihr eure ewige Universumslaufbahn verfolgt.

Ich finde es leicht und angenehm, jemanden zu verehren, der so groß ist und sich gleichzeitig so liebevoll und mit Hingabe um die Hebung seiner niederen Geschöpfe kümmert. Ich liebe ganz natürlich jemanden, der ein so mächtiger Schöpfer und Überwacher seiner Schöpfung ist, und dessen Güte trotzdem so vollkommen ist und der in seiner Gnade ununterbrochen so treu über uns wacht. Ich glaube, ich würde Gott ebenso sehr lieben, wenn er nicht so groß und mächtig wäre, solange er nur so gütig und barmherzig wäre. Wir alle lieben den Vater mehr um seines Wesens als um seiner staunenswerten Attribute willen.

Wenn ich beobachte, wie tapfer die Schöpfersöhne und die ihnen unterstellten Verwalter sich durch die mannigfaltigen Schwierigkeiten der Zeit hindurchkämpfen, die in der Natur der Entwicklung der Universen des Raums liegen, entdecke ich in mir eine große und tiefe Zuneigung zu diesen kleineren Herrschern der Universen. Im Grunde denke ich, dass wir alle – die Sterblichen der Welten inbegriffen – den Universalen Vater und alle anderen, ob göttlichen oder menschlichen Wesen, deshalb lieben, weil wir feststellen, dass diese Persönlichkeiten uns wahrhaftig lieben. Die Erfahrung zu lieben ist in hohem Maße eine direkte Antwort auf die Erfahrung, geliebt zu werden. Aus dem Wissen heraus, dass Gott mich liebt, sollte ich auch dann fortfahren, ihn über alles zu lieben, wenn er seiner sämtlichen Attribute der Suprematie, Ultimität und Absolutheit entkleidet wäre.

Des Vaters Liebe folgt uns jetzt und während des ganzen endlosen Kreises der ewigen Zeitalter. Wenn ihr über das liebende Wesen Gottes nachsinnt, gibt es darauf nur eine einzige vernünftige und natürliche Reaktion der Persönlichkeit: Ihr werdet euren Schöpfer immer mehr lieben; ihr werdet Gott eine Liebe entgegenbringen, die derjenigen eines Kindes zu seinen irdischen Eltern vergleichbar ist; denn gerade so, wie ein Vater, ein wirklicher Vater, ein wahrhaftiger Vater seine Kinder liebt, liebt auch der Universale Vater seine erschaffenen Söhne und Töchter und sucht beständig ihr Wohlergehen.

Aber die Liebe Gottes ist eine intelligente und weit blickende väterliche Zuneigung. Die göttliche Liebe funktioniert im Einklang mit göttlicher Weisheit und allen anderen unendlichen Wesenszügen der vollkommenen Natur des Universalen Vaters. Gott ist Liebe, aber Liebe ist nicht Gott. Die größte Kundgebung göttlicher Liebe für sterbliche Wesen ist in der Vergabe der Gedankenjustierer zu beobachten, aber die größte Offenbarung der Liebe des Vaters könnt ihr im Leben des sich selbst hingebenden Sohnes Michael sehen, in der Art, wie er auf Erden das ideale geistige Leben gelebt hat. Der innewohnende Justierer ist es, der Gottes Liebe für jede menschliche Seele individualisiert.

Zeitweilig tut es mir geradezu weh, gezwungenermaßen das menschliche Wortsymbol Liebe verwenden zu müssen, um die göttliche Zuneigung des himmlischen Vaters zu seinen Universumskindern zum Ausdruck zu bringen. Obwohl dieser Begriff die höchste menschliche Vorstellung von sterblichen Beziehungen enthält, die auf Respekt und Hingabe beruhen, steht er auch häufig für manches ganz und gar Niedrige in menschlichen Beziehungen, wofür es völlig unpassend wäre, ein Wort zu gebrauchen, das ebenfalls die unvergleichliche Zuwendung des lebendigen Gottes zu seinen Universumsgeschöpfen ausdrückt! Wie bedauerlich, dass mir nicht irgendein himmlischer und ausschließlicher Begriff zur Verfügung steht, der dem menschlichen Verstand die wahre Natur und ausnehmend schöne Bedeutung der göttlichen Zuneigung des Paradies-Vaters nahe bringen könnte.

Wenn der Mensch die Liebe eines persönlichen Gottes aus den Augen verliert, wird aus dem Königreich Gottes lediglich das Reich des Guten. Trotz der unendlichen Einheit der göttlichen Natur ist die Liebe das beherrschende Merkmal in allen persönlichen Beziehungen Gottes zu seinen Geschöpfen.

6. DIE GÜTE GOTTES

Im materiellen Universum können wir die göttliche Schönheit schauen und in der intellektuellen Welt die ewige Wahrheit erkennen, aber Gottes Güte kann einzig in der geistigen Welt persönlicher religiöser Erfahrung gefunden werden. In ihrem wahren Wesen ist Religion gläubiges Vertrauen in die Güte Gottes. In der Philosophie könnte Gott groß und absolut und sogar auf irgendeine Weise intelligent und persönlich sein, aber in der Religion muss er auch sittlich sein; er muss gut sein. Der Mensch fürchtet wohl einen großen Gott, aber Vertrauen und Liebe bringt er nur einem guten Gott entgegen. Diese Güte Gottes ist ein Teil der Persönlichkeit Gottes, und voll offenbart sie sich nur in der persönlichen religiösen Erfahrung der gläubigen Söhne Gottes.

Religion schließt mit ein, dass die höhere Welt geistiger Natur die grundlegenden Bedürfnisse der menschlichen Welt kennt und auf sie anspricht. Evolutionäre Religion kann ethisch werden, aber nur offenbarte Religion wird im wahren und geistigen Sinne sittlich. Die alte Vorstellung von Gott als einer von königlicher Sittlichkeit beherrschten Gottheit wurde von Jesus emporgehoben auf die liebevoll-rührende Stufe der in der Eltern-Kind-Beziehung vorhandenen innigen Familiensittlichkeit; denn eine zartere und schönere als diese gibt es in der sterblichen Erfahrung nicht.

Die „so überaus reiche Güte Gottes führt den irrenden Menschen zur Reue“. „Jede gute Gabe und jede vollkommene Gabe kommt herab vom Vater des Lichts.“ „Gott ist gut; er ist der ewige Zufluchtsort der Menschenseele.“ „Gott der Herr ist barmherzig und voller Gnade. Er ist langmütig und überreich an Güte und Wahrheit.“ „Koste und siehe, wie gut der Herr ist! Gesegnet ist der Mensch, der sein Vertrauen in ihn setzt.“ „Der Herr ist gnädig und voller Mitgefühl. Er ist der Gott des Heils.“ „Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, und er verbindet die Wunden der Seele. Er ist der allmächtige Wohltäter des Menschen.“

Obwohl die Vorstellung von Gott als einem König und Richter einen hohen sittlichen Maßstab entwickelte und bewirkte, dass das Volk als Ganzes die Gesetze respektierte, beließ es doch den einzelnen Gläubigen in Bezug auf seine Stellung in Zeit und Ewigkeit in einer misslichen Lage der Unsicherheit. Die späteren hebräischen Propheten verkündeten, Gott sei der Vater Israels; Jesus offenbarte Gott als den Vater jedes menschlichen Wesens. Die gesamte menschliche Gottesvorstellung wird durch Jesu Leben auf transzendente Weise erleuchtet. Selbstlosigkeit liegt in der Natur der elterlichen Liebe. Gott liebt nicht wie ein Vater, sondern als ein Vater. Er ist der Paradies-Vater jeder Persönlichkeit des Universums.

Rechtschaffenheit beinhaltet, dass Gott der Ursprung des sittlichen Gesetzes des Universums ist. Wahrheit zeigt Gott als einen Offenbarer, als einen Lehrer. Aber Liebe schenkt Zuwendung und sehnt sich nach ihr, sie sucht ein verstehendes herzliches Verhältnis, wie es zwischen Eltern und Kind besteht. Rechtschaffenheit mag der göttliche Gedanke sein, aber Liebe ist eines Vaters Haltung. Die irrtümliche Annahme, dass die Rechtschaffenheit Gottes unvereinbar sei mit der selbstlosen Liebe des himmlischen Vaters, setzte das Fehlen von Einheit in der Natur der Gottheit voraus und führte direkt zur Entwicklung der Sühneopfer-Lehre, welche einen philosophischen Angriff sowohl auf die Einheit Gottes als auch auf seinen freien Willen darstellt.

Der liebevolle himmlische Vater, dessen Geist in seinen Erdenkindern wohnt, ist keine gespaltene Persönlichkeit – eine gerechte und eine erbarmende – und kein Vermittler ist nötig, um des Vaters Gunst oder Vergebung zu erlangen. Die göttliche Rechtschaffenheit wird nicht von einer starr vergeltenden Gerechtigkeit beherrscht; Gott als Vater geht weit über Gott als Richter hinaus.

Gott ist nie zornig, rachsüchtig oder ungehalten. Es ist wahr, dass Weisheit oft seine Liebe zurückhält und dass Gerechtigkeit seine Barmherzigkeit bestimmt, wenn diese zurückgewiesen wird. Seine Liebe zur Rechtschaffenheit kann nicht anders, als ebensolchen Abscheu vor der Sünde zu zeigen. Der Vater ist keine inkonsequente Persönlichkeit; die göttliche Einheit ist vollkommen. In der Paradies-Trinität herrscht trotz der ewigen Identitäten der Gleichgeordneten Gottes absolute Einheit.

Gott liebt den Sünder und hasst die Sünde: Eine solche Aussage ist im philosophischen Sinne wahr, aber Gott ist eine transzendente Persönlichkeit, und Personen können nur andere Personen lieben und hassen. Die Sünde ist keine Person. Gott liebt den Sünder, weil dieser eine (potentiell ewige) Persönlichkeitsrealität ist, während Gott der Sünde gegenüber keine persönliche Haltung einnimmt, da Sünde ja keine geistige Realität ist; sie ist nicht persönlich; deshalb nimmt einzig die Gerechtigkeit Gottes ihre Existenz zur Kenntnis. Die Liebe Gottes rettet den Sünder; das Gesetz Gottes zerstört die Sünde. Diese Haltung der göttlichen Natur würde sich scheinbar ändern, sollte sich der Sünder schließlich ganz und ebenso vollständig mit der Sünde identifizieren, wie derselbe sterbliche Verstand sich auch mit dem ihm innewohnenden geistigen Justierer völlig identifizieren kann. Ein solcher mit der Sünde identisch gewordener Sterblicher würde dann in seinem Wesen völlig ungeistig (und deshalb persönlich irreal) und müsste schließlich die Auslöschung seines Daseins erfahren. Irrealität, ja sogar Unvollständigkeit der Geschöpfesnatur, kann in einem immer realeren und geistigeren Universum auf die Dauer nicht existieren.    In der Welt der Persönlichkeit lässt sich Gott als eine liebende Person entdecken; in der geistigen Welt ist er persönliche Liebe; in der religiösen Erfahrung ist er beides. Die Liebe kennzeichnet den wollenden Willen Gottes. Die Güte Gottes liegt dem göttlichen freien Willen zugrunde – der universalen Tendenz zu lieben, Barmherzigkeit zu zeigen, Geduld zu üben und zu vergeben.

7. GÖTTLICHE WAHRHEIT UND SCHÖNHEIT

Alles endliche Wissen und Verstehen der Geschöpfe ist relativ. Informationen und Auskünfte, auch wenn hohen Quellen entnommen, sind nur relativ vollständig, an einem bestimmten Ort zutreffend und persönlich wahr.

Materielle Tatsachen sind ziemlich einheitlich, aber Wahrheit ist in der Philosophie des Universums ein lebendiger und elastischer Faktor. In Entwicklung begriffene Persönlichkeiten sind in ihren Mitteilungen nur zum Teil weise und nur relativ wahr. Sie können nur soweit Gewissheit haben, wie ihre persönliche Erfahrung reicht. Was an einem Ort allem Anschein nach völlig wahr ist, ist unter Umständen in einem anderen Abschnitt der Schöpfung nur relativ wahr.

Göttliche Wahrheit, endgültige Wahrheit ist einheitlich und universal, aber geistige Dinge, wie sie von zahlreichen, verschiedenen Himmelskörpern entstammenden Wesen beschrieben werden, können manchmal in Einzelheiten voneinander abweichen, was mit dieser Relativität zusammenhängt, einer Relativität in der Vollständigkeit des Wissens und in der Fülle persönlicher Erfahrung sowie in Dauer und Ausmaß dieser Erfahrung. Während die Gesetze und Verfügungen, die Gedanken und Haltungen des Ersten Großen Zentralen Ursprungs ewig, unendlich und universal wahr sind, geschieht gleichzeitig ihre Anwendung und Anpassung an jedes Universum und System, jede Welt und jedes erschaffene Vernunftwesen in Übereinstimmung mit den Plänen der Schöpfersöhne und mit den in ihren jeweiligen Universen funktionierenden Techniken sowie in Harmonie mit den lokalen Plänen und Vorgehensweisen des Unendlichen Geistes und aller anderen mitbeteiligten himmlischen Persönlichkeiten.

Die falsche Wissenschaft des Materialismus würde die Sterblichen dazu verurteilen, im Universum zu Ausgestoßenen zu werden. Solches Teilwissen ist potentiell übel; es ist ein Wissen, das sowohl aus Gutem wie aus Schlechtem besteht. Die Wahrheit ist schön, weil sie sowohl vollständig als auch symmetrisch ist. Wenn ein Mensch nach Wahrheit strebt, ist er dem göttlich Realen auf der Spur.

Die Philosophen begehen ihren folgenschwersten Fehler, wenn sie auf die Irrwege der Abstraktion geraten, wenn es ihnen zur Gewohnheit wird, ihre Aufmerksamkeit einem einzigen Aspekt der Realität zuzuwenden und dann von diesem isolierten Aspekt zu behaupten, er sei die ganze Wahrheit. Ein weiser Philosoph wird immer nach der schöpferischen Absicht Ausschau halten, die sich hinter allen Erscheinungen des Universums verbirgt und vor ihnen existierte. Der Gedanke des Schöpfers geht dem Schöpferakt stets voraus.

Das intellektuelle Selbstbewusstsein kann die Schönheit der Wahrheit, ihre geistige Qualität nicht nur durch die philosophische Folgerichtigkeit seiner Konzepte entdecken, sondern sicherer und gewisser durch die unfehlbare Antwort des allzeit gegenwärtigen Geistes der Wahrheit. Glückseligkeit geht aus der Erkenntnis der Wahrheit hervor, weil diese in die Tat umgesetzt werden kann; sie kann gelebt werden. Enttäuschung und Leid stellen sich nach einem Irrtum ein, weil dieser, da keine Realität darstellend, in der Erfahrung nicht verwirklicht werden kann. Man erkennt die göttliche Wahrheit am besten an ihrem geistigen Beigeschmack.

Das ewige Streben zielt auf Einigung, auf göttlichen Zusammenhang. Das unermessliche physische Universum hat seinen Zusammenhalt in der Paradies-Insel; das intellektuelle Universum hat seinen Zusammenhalt im Gott des Verstandes, dem Mit-Vollzieher; das geistige Universum wird von der Persönlichkeit des Ewigen Sohnes zusammengehalten. Aber der isolierte Sterbliche von Zeit und Raum findet seinen inneren Zusammenhalt in Gott dem Vater durch die direkte Beziehung zwischen dem innewohnenden Gedankenjustierer und dem Universalen Vater. Der Justierer des Menschen ist ein Fragment Gottes und strebt ewig nach göttlicher Einigung; er stimmt mit der Paradies-Gottheit des Ersten Zentralen Ursprungs überein und hat seinen Zusammenhalt in ihr.

Das Gewahrwerden supremer Schönheit ist die Entdeckung und Integration der Realität. Das Gewahrwerden der göttlichen Güte in der ewigen Wahrheit ist ultime Schönheit. Sogar die Anmut menschlicher Kunst beruht auf der Harmonie ihrer Einheit.

Der große Fehler der hebräischen Religion war ihr Unvermögen, die Güte Gottes mit den Tatsachen-Wahrheiten der Wissenschaft und mit der ansprechenden Schönheit der Kunst in Verbindung zu bringen. Während die Zivilisation Fortschritte machte, die Religion hingegen auf ihrem einmal eingeschlagenen, unklugen Pfad fortfuhr, die Güte Gottes unter relativer Ausklammerung der Wahrheit und unter Vernachlässigung der Schönheit überzubetonen, entwickelten bestimmte Menschentypen eine zunehmende Tendenz, sich von dieser abstrakten und losgetrennten Vorstellung von isolierter Güte abzuwenden. Die moderne Religion, deren überbeanspruchte und isolierte Sittlichkeit es nicht mehr versteht, sich die Ergebenheit und Treue vieler Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts zu erhalten, würde sich rehabilitieren, wenn sie den Wahrheiten der Wissenschaft, Philosophie und geistigen Erfahrung sowie den Schönheiten der materiellen Schöpfung, der Anmut intellektueller Kunst und der Größe echter charakterlicher Vollendung dieselbe Beachtung schenken würde wie ihrem sittlichen Auftrag.

Die religiöse Herausforderung dieses Zeitalters geht an jene weit blickenden und vorausschauenden Männer und Frauen mit geistiger Erkenntnis, die es wagen werden, gestützt auf die erweiterten und vorzüglich integrierten modernen Vorstellungen von kosmischer Wahrheit, universaler Schönheit und göttlicher Güte eine neue und ansprechende Lebensphilosophie zu gestalten. Solch eine neuartige und rechtschaffene Vision von Sittlichkeit wird ihre Anziehungskraft auf alles Gute im menschlichen Verstand ausüben und das Beste in der menschlichen Seele herausfordern. Wahrheit, Schönheit und Güte sind göttliche Realitäten, und während der Mensch die Stufen geistigen Lebens hinaufsteigt, koordinieren und einigen sich diese höchsten Eigenschaften des Ewigen immer mehr in Gott, der Liebe ist.

Alle Wahrheit – ob materiell, philosophisch oder geistig – ist zugleich schön und gut. Alle wirkliche Schönheit – materielle Kunst oder geistige Symmetrie – ist zugleich wahr und gut. Alle echte Güte – ob persönliche Sittlichkeit, soziale Gerechtigkeit oder göttliche Zuwendung – ist gleichermaßen wahr und schön. Körperliche und geistige Gesundheit und inneres Glück sind ineinander integrierte Wahrheit, Schönheit und Güte, wie sie in menschlicher Erfahrung miteinander verschmolzen sind. Solche Ebenen wirkungsvollen Lebens werden durch die Einigung von Energiesystemen, Ideensystemen und Geistessystemen erreicht.

Wahrheit ist kohärent, Schönheit ist anziehend und Güte wirkt stabilisierend. Und wenn diese Werte dessen, was real ist, in der persönlichen Erfahrung koordiniert werden, ist das Ergebnis eine hohe Art von Liebe, die von Weisheit geprägt ist und auf Treue beruht. Es ist der eigentliche Zweck aller Erziehung im Universum, auf eine bessere Koordinierung der isolierten Kinder der Welten mit den immer größeren Realitäten ihrer expandierenden Erfahrung hinzuwirken. Die Realität ist endlich auf der menschlichen Ebene, unendlich und ewig auf den höheren und göttlichen Ebenen.

Auszug aus dem Urantia Buch  http://theuniversalfather.com/