Die Katastrophe naht

Die japanische Regierung hat Pläne vorbereitet, um die Metropolregion von Tokyo mit 39 Millionen Einwohner zu evakuieren. Die Atomanlage in Fukushima ist in einem sehr kritischen Zustand und stellt eine massive Bedrohung dar. Darüber hinaus ist im Umkreis von 250 Kilometer die ganze Landschaft erheblich verseucht. Nach korrekten Massstäben ist ein normales Leben dort nicht mehr möglich. Die Gesundheitsschäden, verursacht durch die radioaktive Strahlung, sind jetzt schon erschreckend, werden aber von der Regierung und den Medien völlig ignoriert. Es gibt Fälle wo Bewohner die Angst davor haben in die Psychiatrie eingeliefert werden. Eigentlich ist halb Japan nicht mehr bewohnbar und es könnte ein gigantische Flüchtlingswelle auf die ganze Welt zukommen.

Reaktor 4 (siehe Artikelbild) steht kurz vor der völligen Zerstörung, es muss nur ein grösseres Erdbeben passieren. Im Gebäude sind sagenhafte 460 Tonnen an Atombrennstoff gelagert. Das ist fast doppelt so viel wie in Tschernobyl vorhanden war, bevor die Anlage in die Luft flog. Wenn der Lagerbehälter im Reaktor 4 auseinanderbricht, dann werden die Brennstäbe sich sofort erhitzen und explodieren. Der radioaktive Niederschlag würde zu der bereits vorhandenen Verseuchung hinzukommen. 

Obwohl die amerikanische Atomaufsichtsbehörde (NRC) und die französische Atomenergiefirma (FNE) vor einem möglichen Auseinanderbrechen des Abklingbecken warnen, ignoriert die Betreiberfirma TEPCO und die japanische Regierung die potenzielle Gefahr und machen wenig dagegen, um diese einzudämmen. Statt die Ursache zu beheben, arbeiten sie Evakuierungspläne aus. Vielleicht wissen sie, es ist sowieso schon zu spät, alle Reaktoren mit einem Sarkophag abzudecken, ausserdem würde es Jahre an Bauzeit benötigen.

Nur, wie soll man überhaupt 39 Millionen Menschen aus dem Grossraum Tokyo evakuieren? Wo sollen sie denn hin? Das wäre so wie wenn man halb Deutschland umsiedeln müsste. Deshalb wird alles getan um die Fakten zu verschweigen und die Bevölkerung im Glauben zu lassen, sie haben die Situation im Griff. Die Regierung versucht von den Auswirkungen der Katastrophe abzulenken, in dem sie an den Patriotismus der Bevölkerung appelliert. Angst und Sorgen dürfen nicht gezeigt werden.

Der Chefredaktor der Mainichi Daily News, Takao Yamada, schreibt in einem Artikel: “Das schlimmste anzunehmende Szenario, welches die Regierung sich vorstellt, ist nicht nur das Auseinanderbrechen des Abklingbecken im Reaktor 4, sondern die Zerstörung der Brennstäbe in allen anderen Reaktoren. Wenn das passiert, dann werden die Bewohner von Tokyo gezwungen sein die Stadt zu verlassen.“ Erbeben passieren aber laufend, die eine weitere Zerstörung der Anlage verursachen kann. 

In dem schwerst betroffenen Gebieten ist die Strahlungsintensität höher als in der Todeszone um Tschernobyl. Bodenproben weisen eine Radioaktivität auf, die so hoch ist wie radioaktiver Sondermüll aus Atomkraftwerken. Das Tierleben im Meer um die Anlage herum zeigt extrem hohe Strahlungswerte, weil das radiokative Kühlwasser eingeleitet wird. Bis zu 600 Kilometer von der japanischen Küste im Pazifik ist das Meer radioaktiv verseucht.

Die Weigerung der japanischen Regierung etwas gegen die Ursache der Strahlung zu unternehmen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, ist völlig unakzeptabel. Warum sie so passiv sind ist eine Rätsel. Erst mehr als ein Jahr nach der März 2011 Katastrope, am 16. April hat TEPCO verkündet, sie haben vor ein Gebäude über und neben Reaktor 4 zu bauen, das mit einem neuen Kran ausgestattet ist, um die Kernbrennstäbe herauszuholen. Bis das funktioniert vergeht mindestens ein Jahr und die Strahlungsabgabe geht weiter. 

So soll das neue Gebäude über Reaktor 4 aussehen:

Vielleicht sind die Regierung und die Behörden wegen dem immensen Ausmass des Problems völlig überfordert und sie stecken einfach den Kopf in den Sand. Millionen von Flüchtlingen, die bereits jetzt schon sehr schädlichen Strahlungen ausgesetzt sind, werden Tokyo verlassen müssen, ohne zu wissen wohin. Es ist nur die disziplinierte und obrigkeitshörige Mentalität der Japaner, welche eine Panik bisher verhindert hat, auch wenn sie wissen, sie werden daran möglicherweise erkranken. In jeden anderem Land hätte schon längst eine Massenflucht eingesetzt.

Aber nicht nur die Japaner, die ganze Welt will die Grössenordnung und Auswirkungen dieses Supergaus nicht wahrhaben. Der Experte für Atomenergie, Arnie Gundersen, hat in einem Interview gesagt, es ist so viel radioaktives Cäsium im Reaktor 4, wie durch alle 800 Atomexplosionen die weltweit als Tests durchgeführt wurden in die Atmosphäre gelangte. Nur, in Fukushima ist alles an einem Ort zur gleichen Zeit und auf Bodenebene, sagt er.

Weiter erzählte Gunderson, er wäre vor zwei Wochen in Tokyo gewesen und hätte an fünf Stellen Bodenproben entnommen. Die Proben hat er in einem Labor analysieren lassen. Das Resultat war erschreckend, sagte er. Erde mit so hohen Werten würde man in den USA als radioaktiven Sondermüll bezeichnen. Das heisst, die Menschen in Tokyo, obwohl 200 Kilometer von Fukushima entfernt, leben auf Atommüll.

Techniker vor Ort sagen, es wird Jahrzehnte dauern, um alle geschmolzene Brennstäbe zu entfernen und eine weitere Strahlenabgabe zu stoppen. Ausserdem muss der Boden im verseuchten Gebiet abgetragen werden, bevor Mensch und Tier zurückkehren können oder man etwas anpflanzen kann. Das sind viele hundert Quadratkilometer. Wo soll dieser Sondermüll hin? Einfach ins Meer kippen?

Die japanische Regierung und TEPCO meinten anfänglich, die Verseuchung würde in unmittelbarer Nähe der Fukushima Anlage bleiben, dabei verbreiten sich die radioaktiven Partikel übers Meer und über die Luft auf die ganze nördliche Hemisphäre. 8’000 Kilometer entfernt, an der Küste von Kalifornien, wurde radioaktiver Müll an den Stränden angespült, der Boden ist durch das Regenwasser verseucht und bei Staubproben wurde das siebenfache der Hintergrundstrahlung gemessen.

Laut einem IAEA Bericht gelten 5 Millionen Menschen die in Weissrussland, Russland und Ukraine leben durch den Tschernobyl-GAU als verseucht. Das sind nur die Opfer der drei Länder die unmittelbar betroffen sind. Über ganz Europa gesehen sind es zweistellige Millionen. In Polen alleine wurden damals 10 Millionen Menschen mit Jodtabletten versorgt, weil die Regierung meinte sie haben den Fallout abbekommen.

Unabhängige Experten sagen, im Vergleich zu Fukushima ist Tschernobyl nur „Peanuts“. Dann kann man davon ausgehen, in Japan sind 60 Millionen Menschen kontaminiert, knapp die Hälfte der Bevölkerung. Neben Reis ist Fisch ihre Hauptnahrung und alles was aus dem Meer kommt. Darüber gelangen die radioaktiven Partikel in den Körper. Zu den bereits beobachteten Gesundheitsschäden, wie Missgeburten, Ausschläge und erste Krebsdiagnosen, werden die Krankheitsfälle über die Langzeitwirkung enorm ansteigen. 

Das fiese an der Strahlung ist, man merkt sie nicht, sie ist unsichtbar. Deshalb können Regierungen so tun wie wenn nichts wäre. Wer hat schon einen Geigerzähler, um Messungen der ionisierenden Strahlung und Teilchen vorzunehmen? Dann werden die Grenzwerte einfach erhöht. Merken tut man es erst Jahre später an Krankheiten, die dann auch noch abgestritten und die Zusammenhänge geleugnet werden.

Von den insgesamt 56 Atomkraftwerken wird im Mai das letzte aus Wartungsgründen abgeschaltet. Damit ist Japan atomstromfrei. Nur, es wird einen Energiemangel geben, eine Katastrophe für das hoch technisierte Land, denn 47’348 Megawatt fehlen dadurch. Industrieminister Yukio Edano sagte vor einigen Tagen, die Regierung wird rollende Stromabschaltungen landesweit im Sommer durchführen. Betriebe werden die Produktion einstellen müssen, Geschäfte und Büros im Dunklen sein, Aufzüge und Rolltreppen nicht mehr funktionieren, das Leben mehr oder weniger stillstehen. Der wirtschaftliche Schaden ist jetzt schon enorm.

Arnie Gundersen hat noch etwas bemerkenswertes gesagt. Als er die Memoiren von Gorbatschow las fiel ihm seine Aussage auf, der Niedergang der Sowjetunion wäre wegen Tschernobyl gewesen, nicht Perestroika, weil er seine Reformpläne dadurch nicht umsetzen konnte. Gunderson sagt, wir reden hier von einer Technologie, die Nationen vernichten kann, finanziell und wegen der Umweltzerstörung.

Wenn man es realistisch sieht, ist Japan völlig am Boden. Das Land mit einer der höchsten Lebensstandards ist im Niedergang begriffen. Die grösste Staatsverschuldung aller Industrieländer hat es bereits mit 200 Prozent des GDP. Die Aufräumarbeiten werden schätzungsweise 500 Milliarden Dollar kosten. Es wird in den nächsten 20 Jahren mit 1 Million zusätzlicher Krebstoten gerechnet. 

Die vielen Opfer des Tsunami, die ihre Häuser, Wohnungen und Arbeitsplätze verloren haben, weil sie einfach durch die Wassermassen weggespült wurden, sitzen in Notunterkünften zum Nichtstun verdamm und haben keine reelle Chance jemals ihr früheres Leben führen zu können. Dazu noch die weiten Landstriche, Städte und Ortschaften die rund um Fukushima jetzt menschenleer sind, plus die radioaktive Verseuchung mit den Auswirkungen auf die Gesundheit, wird viele Japaner überlegen lassen, ob sie noch eine Zukunft in ihrer Heimat haben. 

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Müssen wir bald Flüchtlinge aus Japan aufnehmen? http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/04/mussen-wir-bald-fluchtlinge-aus-japan.html#ixzz1t5YnmSEB

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