Kritische Stimmen zum Buddhismus

Wir werden programmiert, den Islam zu hassen und den Buddhismus zu lieben. Der Islam wird verschrieen als gewaltgeladene Religion, frauenfeindlich und grausam. Sicher sind in den Islam genau diese Elemente durch Zweitquellen hineingeflossen, dies ist nicht zu bestreiten. Jedoch der Anspruch des tibetischen Buddhismus, eine rein friedliche Philosophie zu sein, stellt sich bei naeherem Hinsehen auch als ein Trugschluss heraus. Hier verweise ich auf ein Buch, welches heftige Kontroversen ausgeloest hat. In Deutsch im Moment nicht erhaeltlich, nur auf englisch.

 Victor und Victoria Trimondi, der Schatten des Dalai Lama, Patmos Verlag (vergriffen)

Es liegt mir fern, den Buddhismus verleumden zu wollen. Ich bin ueberzeugt davon, dass die Quelle der Buddhistischen Philosophie dieselben sind, wie deren des Islams oder des Christentums, naemlich Gott. Jedoch wurde auch dort die urspruengliche Botschaft verfaelscht und verdreht, um die Wahrheit der Liebe und des Friedens zu ueberdecken mit Gewalt und Blut.

Folgende Vorwuerfe gegen den Buddhismus, wie er heute gelebt wird, sind nicht von der Hand zu weisen. Quelle: http://www.ruedigersuenner.de/dalai1.html

Archaische Geschichte


Während die Anhänger des Dalai Lama und auch dieser selbst die Geschichte Tibets gerne als eine von Frieden und Weisheit getragene Epoche deuten, ergeben die Recherchen der Trimondis ein anderes Bild: Neben meditativer Stille und einer Philosophie des Mitgefühls herrschten hier auch über Jahrhunderte Beamtenwillkür, diktatorische Entscheidungen, Gehirnwäsche, Dämonenglauben, spirituelle Kontrolle, kriecherische Servilität, der Gegensatz von Massenarmut und orientalischem Reichtum der Herrschenden, Mangel an jeder Hygiene, grausamste Straf- und Folterpraxen sowie privater und politischer Mord.

Diese Schattenseiten des vom Westen zurechtgeträumten Paradieses auf dem „Dach der Welt“ werden von heutigen tibetischen Führern und ihren westlichen Anhängern meist unterdrückt. Während letztere nicht müde werden, in der eigenen europäischen Geschichte z.B. LeibeigenschaftSklaverei undAusbeutung anzuprangern, übersehen sie dieselben Phänomene im weit entfernten und über allen Wolken thronenden Geheimland Tibet. Wichtig ist auch der Hinweis der Trimondis, dass bspw. derKarmaglaube dafür eingesetzt wurde, soziale Unterschiede spirituell zu rechtfertigen: Priviligiertheit konnte so als Belohnung für gute Taten in einem früheren Leben gedeutet werden und Armut als Busse für ehemalige Verfehlungen. Während sich der Westen über die barbarischen Exzesse der Taliban empörte, übersah er gerne, dass noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts öffentliche Auspeitschungen in Tibet üblich waren, von früheren Strafformen wie Verstümmelung etc. einmal ganz abgesehen. Der tibetische Klerus war nicht nur eine friedfertige Gruppe von studierenden Mönchen, sondern – laut den Trimondis – auch ein privates, profitorientiertes Kapitalunternehmen, in dem politische Intrigen undKonkurrenzkämpfe der verschiedenen Orden an der Tagesordnung waren. Zwischen den Eingeweihten und der analphabetischen Masse herrschte kein demokratischer Dialog, sondern Indoktrination und – wenn nötig – brutale Gewalt. Wie schnell dieses prekäre Gleichgewicht umkippen konnte, schilderte z.B. Heinrich Harrer, der in den 40er Jahren während des Neujahrsfestes einmal die Verwandlung von okkultem Massentheater in kollektive Raserei beobachten konnte: 

„Wie aus der Hypnose erwacht, stürzen in diesem Augenblick die Zehntausende aus der Ordnung ins Chaos. Der Übergang ist so plötzlich, dass man fassungslos ist. Geschrei, wilde Gesten … sie trampeln sich gegenseitig zu Boden, bringen sich fast um. Aus den noch weinend Betenden, ekstatisch Versunkenen sind Rasende geworden. Die Mönchssoldaten beginnen ihr Amt! Riesige Kerle mit ausgestopften Schultern und geschwärzten Gesichtern – damit die abschreckende Wirkung noch verstärkt wird. Rücksichtslos schlagen sie mit ihren Stöcken auf die Menge ein … Heulend steckt man die Schläge ein, aber selbst die Geschlagenen kehren wieder zurück. Als ob sie alle von Dämonen besessen wären.“ (Schatten des Dalai Lama, 534)

 

Frauenbild im tibetischen Buddhismus

Ein zentraler Vorwurf der Trimondis an den tibetischen Buddhismus ist, dass er in seinen Geheimlehren ein Bild der Frau pflege, durch das diese oft zum Symbol des Inferioren, Verführerischen und Dämonischen degradiert werde. Dies könne man nicht nur an negativ besetztenSprachwendungen (1) ablesen, sondern bereits am tibetischenUrsprungsmythos selbst. Dieser berichte von der Verführung eines Buddhawesens in Affengestalt durch eine „von „Geilheit aufgestachelte“ Dämonin namens Srinmo, der der meditierende Buddha zunächst 7 Tage lang widerstehen konnte. Erst als sie ihm drohte, mit anderen Dämonen monströse Jungtiere zu zeugen, die Tod und Verderben über die Welt brächten, schlief er „aus Mitleid“ mit ihr.

(1)

Die bei den Trimondis häufig zitierte intime Kennerin des tibetischen Buddhismus, June Campbell, weist daraufhin, dass in dieser Glaubenslehre eine Sprache fehlt, die geschlechtliche Differenz anerkennt und würdigt. Eher herrsche eine Terminologie sexistischer Polarisierung vor, die schon in der Frauenverachtung des historischen Buddha angelegt sei. So fallen Campbell in den heiligen Texten z.B. folgende Synonyme für „Frau“ oder „Weiblichkeit“ auf: „die mit Beschränkungen behaftet ist“, „die fesselt“, „die ohne Samen (Stärke) ist“, „die man nachts nicht aus dem Haus lassen kann“, „Unruhestifterin“, „primäre Ursache des Leidens“, „zuerst lächelnde Göttin … dann Dämonin mit Leichenaugen … am Ende zahnlose alte Kuh“, „heilige Zutat des Tantra“ (June Campbell: Göttinnen, Dakinis und ganz normale Frauen, Berlin 1997, 69f)



Eine andere Legende fügt hinzu, dass Srinmo, weil sie gegen die Einführung des Buddhismus in Tibet protestiert habe, auf den Rücken geworfen und mit 13 Ritualdolchen („Nägel der Unbeweglichkeit“)
gepfählt worden sei.

Die Abbildung oben zeigt diesen Vorgang, wobei die jeweiligen Einschnittstellen auch die Hauptgründungsklöster Tibets markieren, mit dem Potala von Lhasa als Zentrum in der Mitte. Unter seinen Kellern, so die Sage, befinde sich ein riesiger Blutsee, aus dem dann und wann noch der leise Herzschlag der gepfählten Dämonin nach oben dringe.

Selbst wenn andere Mythen und Religionen auch nicht mit archaisch-drastischen Bildern geizen, so strömt dieses doch eine besonders makabre Kraft aus: Die Gründung Tibets wird im Zusammenhang mit der Herzdurchbohrung einer weiblichen Gottheit gesehen, die wohl Erdkräfte, Verführung, Wildnis, Animalisches und schweifend Sinnliches symbolisiert. Gleichwohl wird sie am Leben gelassen, um – gezähmt – ihre Energien doch irgendwie für eine männliche Priesterkaste nutzen zu können. Spricht sich hierin die gleiche Angst vor dem Weiblichen aus wie in buddhistischen Meditationsanweisungen für Mönche, die sich den langsam verwesenden Leib einer schönen Frau vorstellen sollen, um Einsicht in die unabwendbare Vergänglichkeit aller Dinge zu erhalten?

 

Magische Politik

Wenn die Trimondis behaupten, dass der tibetische Buddhismus nach wie vor ein magisch-okkultes Weltbildpflege, in dem „Visionen“, „Eingebungen“ und „Götter“ sogar die Politik mitbestimmen, so lässt sich dies am klarsten anhand des sogenannten Staatsorakels belegen, das am Hofe des Dalai Lama eine wichtige Funktion innehat. In Trance ruft dieses den Zorngott Pehar, um Weisungen für denReinkarnationsort etwa eines verstorbenen Lamas zu erhalten. Bei solchen Ritualen spielen sich für den Westler bizarr anmutende Szenen ab: Das Orakel, meist ein junger Mann mit medialen Fähigkeiten, zuckt in seinem kiloschweren Ornat hin und her, bis sich ihm die Augen verdrehen und Schaum aus dem Mund tritt. Um ihn herum Mönche mit Diktaphonen, die gebannt jedes Stammeln aufzeichnen, das Botschaften über Himmelsrichtungen und Topographien Tibets enthalten soll, wo die Reinkarnation des geistlichen Führers in Form eines kleinen Jungen vermutet wird. Trotzdem einige „progressive“ Tibeter diese archaische Methode inzwischen auch mit Skepsis ansehen, verteidigt sie der Dalai Lama nach wie vor als zuverlässige „Informationsermittlung“:


„Ich halte aus dem einfachen Grund daran fest, weil ich im Rückblick auf zahlreiche Befragungen feststellen konnte, dass das Orakel noch immer recht hatte … Ich glaube nicht nur an Geister, sondern an verschiedene Arten von Geistern! … Zu dieser Kategorie gehört auch das Staatsorakel Nechung. Wir halten diese Geister für zuverlässig, denn sie haben eine lange Geschichte ohne jede Kontroverse in über 1000 Jahren.“ (Schatten des Dalai Lama, 548)

Trotzdem sich der Dalai Lama bei seinen Auftritten in Europa und Amerika als rational denkender Mensch gibt, herrschen in seinem Amtssitz in Dharamsala nach wie vor Orakelkunst,ReinkarnationsglaubeSternenkundeTraumdeutung und Losziehung vor, auch um wichtige Fragen der exiltibetischen Politik mitzubestimmen. So befragte man auch nach dem bereits oben erwähnten Ritualmord der Shugden-Anhänger das Orakel, wie man sich angesichts der furchtbaren Ereignisse zu verhalten habe. Ich erwähne dies hier nicht, weil ich solchen „okkulten“ Dingen prinzipiell unversöhnlich gegenüberstehe: Auch in unseren „westlichen“ Entscheidungsfindungen spielen Intuition, Eingebung, Inspiration, „innere Stimmen“ und sogar Träume eine gewisse Rolle, ganz zu schweigen von der Arbeit der Künstler, die ohne so etwas gar nicht auskommt. Aber in Tibet wird darüber kaum offen gesprochen und das Orakelwesen liegt in der Hand einiger weniger Auserwählter, die naturgemäss damit auch Missbrauch betreiben können. Zudem ist es nicht eingebettet und ausbalanciert durch rationale und demokratische Prozesse, sondern bestimmt mit unhinterfragter Absolutheit das spirituelle und politische Geschehen.

Als weiteres Beispiel für „magische Politik“ führen die Trimondis auch den sogenannten Shambhala-Mythos an, eines der Kernstücke des Kalachakra-Tantras, in dem die Etablierung eines goldenen buddhistischen Zeitalters und ein erbitterter Krieg gegen Glaubensfeinde vorausgesagt wird. Dort ist die Rede von „zornigen Raddrehern“, die in einer „letzten Schlacht“ die Feinde der buddhistischen Lehre vernichten werden, wobei bestimmte Begriffe auf den Islam deuten. Zwar sind solche Passagen in gewisser Weise historisch plausibel, da zur Entstehungszeit des Shambhala-Mythos (10. Jahrhundert) tatsächlich islamische Krieger in buddhistischen Gemeinden Indiens viel Unheil anrichteten. Aber man kann sich trotzdem fragen, wieso solche Anachronismen nach wie vor zur aktuellen „spirituellen Politik“ Tibets gehören. Sie sind letztlich genauso unzeitgemäss, irrational und gewaltgeladen wie die Rechtfertigung von „Heiligen Kriegen“ durch arabische oder jüdische Fundamentalisten, die ebenso auf jahrhundertealte Mythen zurückgreifen, um aktuelle politische Konflikte zu lösen.

 

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