Es mag unglaublich klingen, aber viele Menschen fürchten sich vor dem Glücklichsein. Um sich gut zu fühlen, müssten sie ihre Gewohnheiten ändern, doch sie haben Angst, dadurch ihre Identität zu verlieren.

Häufig halten wir uns der positiven Ereignisse, die uns widerfahren, für unwürdig. wir nehmen Wunder nicht an-denn sie anzunehmen, hieße, Gott etwas schuldig zu sein. Außerdem haben wir Angst, uns an das Glücklichsein zu “gewöhnen”. Wir denken, es sei besser, nicht aus dem Kelch der Freude zu trinken, denn wenn wir ihn später einmal nicht mehr haben, würden wir umso mehr darunter leiden. Aus Angst, kleiner zu werden, hören wir auf zu wachsen. Aus Angst zu weinen, hören wir auf zu lachen.

Moses’ Nachfolger
Rabbi Zuya wollte die göttlichen Geheimnisse entschlüsseln. Aus diesem Grunde versuchte er, das Leben des Moses zu imitieren. Jahrelang versuchte er, sich wie der Prophet zu verhalten-ohne den erhofften Erfolg. Von seinen Studien erschöpft, schlief er eines Abends ein. Da erschien ihm Gott im Traum. 
“Warum quälst du dich so, mein Sohn?”, fragte er.
“Meine Tage auf Erden sind gezählt, und ich bin weit davon entfernt, wie moses zu sein”, antwortete Zuya.
“Brächte ich einen weiterenMoses, hätte ich ihn bereits erschaffen”, sagte Gott.
“Wenn du vor mir erscheinst, um gerichtet zu werden, werde ich dich nicht fragen, warum du nicht wie Moses bist. Versuche, ein guter Zuya zu sein.”

Der Weise von Nepal
Mullah Nasrudin beschloss, sich auf die Suche nach neuen Meditationstechnicken zu begeben. Er sattelte seine Stute, ritt nach Indien, China, in die Mongolei, redete mit allen großen Meistern, erreichte aber nichts. Da hörte er von einem Weisen in Nepal und brach erneut auf, aber beim Aufstieg ins Gebirge starb die Stute vor Erschöpfung. Nasrudin begrub sie dort und beweinte sie. Ein Mann, der vorüber kam, meinte:
“Du hast sicher einen heiligen Mann gesucht, und das wird sein Grab sein. Ganz bestimmt beklagst du seinen Tod.”
“Nein, ich habe an dieser Stelle meine Stute begraben, die vor Erschöpfung gestorben ist.”
“Das glaube ich nicht”, meinte der Mann. “Niemand beweint den tod einer Stute. Es wird dies der Ort sein, an dem ein Wunder geschehen ist, und du willst es geheimhalten.”

Was auch immer Nasrudin sagte, es half nichts. Der Mann ging ins nahegelegene Dorf und verbreitete die Geschichte eines großen Meisters, der aus seinem Grab heraus Menschen heilte, und bald darauf kamen die ersten Pilger. Die Nachricht von dem Weisen, der still trauerte,verbreitete sich in ganz Nepal – und die Leute strömten herbei. Unter ihnen war ein reicher Mann, der aus Dankbarkeit, weil ihm ein Wunsch erfüllt worden war, an der Stelle, an der Nasrudin angeblich seinen Meister beerdigt hatte, ein eindrucksvolles Monument errichten ließ.

Daraufhin ließ Nasrudin die Sache auf sich beruhen. Aber er hatte ein für alle Mal gelernt, dass, wenn jemand eine Lüge glauben will, niemand ihn vom Gegenteil überzeugen kann.

“Mehr über den Bestseller-Autor und seine Bücher: 
www.paulocoelhoblog.com

 

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