Unterwasserarchäologe findet Hölle der Maya

Tahtzibichen/ Mexiko – Der Unterwasserarchäologe Guillermo de Anda von der Universidad Autónoma de Yucatán (UADY) zeigt sich zuversichtlich, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan das irdische Pendant zur Höllenvorstellung der Maya, die so genannte Xibalba, den „Ort der Angst“ gefunden zu haben. Zahlreiche Details des unheimlichen, teilweise überfluteten Höhlensystems stimmen nahezu haargenau mit den Schilderungen der indigenen Hochkultur überein.

In den Kalksteinhöhlen von Yucatan, die nur durch Einsturzlöcher, den so genannten Cenoten (dzonot), für waghalsige Forscher wie de Anda zugänglich sind, stieß der Forscher aufgrund von Ortsangaben aus den Folterprotokollen der spanischen Inquisition in der Nähe des Dorfes Tahtzibichen auf Kammern, wie sie im „Popol Vuh“, dem heiligen „Ratsbuch“ der Quiché-Maya, als „Häuser“ beschrieben werden und von den Priestern der Maya für rituelle Zwecke verwendet wurden.

Die noch kaum erforschten über 2.500 Cenoten wurden von den Maya nicht nur als Trinkwasserspeicher, sondern offenkundig auch für Menschenopfer an die Götter genutzt. In zahlreichen der teilweise bis zum Grundwasserspiegel hinabreichenden Höhlen, fanden Forscher in der Vergangenheit Dutzende menschlicher Skelette – vornehmlich von Kindern unter 12 Jahren.

Mit Ausnahme von Selbstmördern, Ritualopfern und Frauen die im Kindbett starben, so glaubten die Maya, mussten alle Verstorbenen in diese Welt hinabsteigen, um hier von den Zwölf Herren des Todes nach belieben gepeinigt und geprüft zu werden, bevor sie in die Welt der Götter durften.

Eine Höhle des rund 1.900 Jahre alten Systems, deren Boden mit nachträglich sogar künstlich geschärften Stalagmiten übersäht ist, entspricht offenbar einem Haus, das im Popol Vuh als „mit scharfen Klingen angefüllt“ beschrieben wird. „Es war kaum möglich, hier einen Fuß vor den anderen zu setzten, ohne sich zu verletzten“, beschreibt de Anda die Höhlenkammer.

Eine andere Kammer, in der es aufgrund kalter Luftzüge selbst Forschern im Neoprenanzug fror, entspricht hingegen dem „Haus der Kälte“, gefolgt vom „Haus des Feuers“, das von der Erdwärme zu nahezu unerträglichen Temperaturen aufgeheizt wird. Bevor man jedoch eine ebenfalls im Popol Vuh beschriebe Kammer mit Tausenden von Fledermäusen betritt, fand de Anda im vermeintlichen „Haus der Raubkatzen“ tatsächlich Knochen eines Jaguars.


Dass es sich bei all diesen Übereinstimmungen mit dem Buch der Maya um Zufälle handelt, glaubt de Anda nicht, zumal in den Höhlen auch eine im Popol Vuh beschriebene gepflasterte Straße gefunden wurde, die exakt in Richtung Westen führt – auch dieses Merkmal stimmt mit dem von den Maya beschriebenen Jenseitsweg überein. Der Höhlenweg endet in einem von zahlreichen unterirdischen Teichen und Seen. Auch sie könnten jenen Flüsse aus Eiter, Blut und Skorpionen entsprechen, wie die das Popol beschreibt. Mehr noch: am Grund eines dieser Seen entdeckte de Anda einen Altar, der den zwölf Herren der Unterwelt gewidmet ist.
Ob die Mythen des Popol Vuh dem Bau Ritualanlage als Vorbild dienten oder das Buch selbst auf realen Handlungen in dieser Totenwelt basiert, ist bislang noch unbekannt. De Anda glaubt, dass die Maya in den Cenoten tatsächlich den Eingang nach Xibalba sahen und die zugänglichen Teile aus diesem Grund entsprechend ihren mythologischen Vorstellungen gestalteten.
Quelle: www.grenzwissenschaft-aktuell.de
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