Neues zur Steinzeit und der Sintflut

Armin Naudiet, Die „Sintflutkatastrophe”

Dieser Beitrag versucht in einem groben Bild zu skizzieren, was die „Sintflut” war und wie sich diese Katastrophe auswirkte. Dabei muss vorausgeschickt werden, dass wir zwar den Sintflutbericht aus dem Alten Testament und mesopotamischen Keilschrifttafeln kennen und zusätzlich zahlreiche andere Flut- und Katastrophensagen von Naturvölkern, aber letztlich sind diese Berichte nur regionale Sagen. Was in erster Linie auf eine globale Katastrophe schließen lässt, ist die erstaunliche Gleichartigkeit dieser Sagenstoffe. Mehr als dieses Material haben wir allerdings nicht. Es gibt jedoch anhand vieler erdgeschichtlicher Zeugnisse zahlreiche Indizien, die die Vermutung einer Weltkatastrophe stützen.

Über die Sintflut sind schon sehr viele Mutmaßungen angestellt und niedergeschrieben worden. Doch letzten Endes sind alle Szenarien nur hypothetisch. Das gilt auch für das Szenario, das von mir entworfen wird. Es beruht allerdings nicht auf reiner Fantasie, sondern auf bestimmten beobachteten Fakten aus Geologie, Klimageschichte und erdgeschichtlichen Zeugnissen. Sie alle einzeln darzulegen würde ein besonderes Buch erforderlich machen. Ich bitte also die Leser, im Rahmen dieser Studie mein Szenario im Detail ungeprüft zu akzeptieren. Es ist – wie alle anderen auch – eine „gedachte” Darstellung. Was wirklich geschah, werden wir nie erfahren. Es geht in diesem Szenario darum, bestimmten Fakten bestimmte Ursachen zuzuordnen.

Das erste Faktum ist die Gleichartigkeit der mythischen Überlieferungen. Sie lassen nur den Schluss zu, dass diese Katastrophe die gesamte Erde betraf. Daraus ist abzuleiten, dass es sich um eine Ursache handeln muss, die von „außen”, also aus dem Weltraum kam. Aus einem weiteren Faktum, einer Anzahl von Einschlagskratern an der Ostküste Amerikas, hat O. H. Muck einen Asteroideneinschlag in verschiedenen Teilen sehr gut rekonstruiert und die Auswirkungen quantitativ berechnet. In Eiskernbohrungen auf Grönland wurde ein Klimaumbruch festgestellt, der einer klimatischen Veränderung von etwa dreißig Breitengraden entsprach. Daraus ließ sich folgern, dass es zu einer Veränderung der Erdachsenneigung gekommen sein muss. Anders ist dieser Klimaumbruch nicht zu erklären.Es ist bekannt, dass am Ende der jüngeren Altsteinzeit Mammut, Urbison, Wollnashorn u. a. sehr plötzlich ausstarben. Diese Aufstellung lässt sich noch fortsetzen. Alle untersuchten Fakten machen folgendes Bild möglich:

Am Ende der „jüngeren Altsteinzeit” vor der Sintflutkatastrophe hatte unsere Erdachse eine weit geringere Neigung als heute. Die Weltkatastrophe trat ein, als sich ein fast erdgroßer Himmelskörper der Erde bedrohlich näherte. Der Himmelskörper hatte noch einen wesentlich kleineren Begleiter. Dieser wurde von der Erde eingefangen und schlug in den Mittelatlantik ein. Beide Vorgänge zusammen verschoben die Erdachse beträchtlich. Dies wiederum hatte schwerste Naturkatastrophen zur Folge. Die größte waren riesige Flutwellen, die sich aus der Erdachsenneigung ergaben. Außerdem gab es schwerste Vulkanaktivität, Orkane, Landhebungen und Landabsenkungen usw. Ganz entscheidend war, dass sich am nördlichen Erdpol wieder eine neue Eiskappe bildete und sich das Poleis am Südpol vermehrte. Darüber hinaus entstanden durch die veränderte Stellung der Erde zur Sonne unsere Jahreszeiten! Sie hatte es vorher nicht gegeben! Also nun heißere Sommer und sehr kalte Winter. Die Welt der „paradiesischen” Zeit vor der Sintflut war dahin. Alles änderte sich drastisch. Ganz ohne jeden Zweifel gingen bei diesen Katastrophen unzählige Tiere und viele Menschen zugrunde. Doch keinesfalls alle.

 Ueber die gesamte Erde senkte sich für lange Wochen eine große Dunkelheit, bedingt durch schwere Wolken, die mit Vulkanasche und Staub vermischt waren. Ununterbrochen erschütterten zahllose Erbeben die Erdkruste, durch Lavaergüsse wurden riesige Brände ausgelöst. Alle genannten Vorgänge änderten an zahlreichen Stellen das Landschaftsbild,aber am entscheidendsten war die enorme geoklimatische Veränderung. Die nun stärker geneigte Erdachse (etwa 35o) schuf größere Polarzonen, aber auch eine größere Tropenzone. Das war bedingt durch die damals höher liegenden Wendekreise (35o statt heute 23,5o). So lagen die konstant warmen Erdräume sehr nahe bei den kälteren. Auf der Südhalbkugel wirkte sich das weniger aus, weil die südliche Polzone überwiegend im Weltmeer lag. Die Bedingungen auf der Nordhälfte der Erde waren problematischer, weil dort die großen Landmassen lagen. Riesige Landgebiete gerieten dort in den Bereich des größeren Polarkreises. Die veränderten Wendekreise bedingten einen erheblichen jahreszeitlichen Temperaturwechsel. Er entwickelte sich dramatisch. Zunächst stiegen die Temperaturen erheblich an. Das war die Folge der enormen Vulkanaktivitäten. Sie erhöhten den Kohlendioxidanteil in der Erdatmosphäre beträchtlich.Da gleichzeitig eine schwere Wolkenschicht die Erde einhüllte, entwickelte sich ein gewaltiger Treibhauseffekt.

Diese Situation änderte sich aber bald ins umgekehrte Extrem. Denn als die Wolken nachließen, machte sich die enorme Kälte der neuen Polregion stark bemerkbar. Die Temperatur stürzte ab. Erst nach und nach stieg sie wegen der neuen Solarperiodik wieder an und erreichte einen hohen Wert. Dieser ging in den folgenden Jahrtausenden dann langsam aber konstant zurück, weil sich die vorher stärker geneigte Erdachse langsam wieder aufrichtete. Etwa im Beginn der christlichen Zeitrechnung hat der Neigungswinkel dann ungefähr seinen heutigen Stand erreicht .Dieses Geschehen lässt sich aus paläoklimatischen Hinweisen über Pflanzenarten usw. sehr gut belegen. Als These der eigenen Forschung wurde lediglich die Veränderung der Erdachsenneigung als Ursache hinzugefügt. Andere  Erkenntniss eließen sich aus den ersten Vorabveröff entlichungen über die Eiskernbohrung in Grönland gewinnen. Es bedarf im Grunde keiner allzu großen Vorstellungskraft, sich in die Probleme der Menschengruppen hineinzudenken, die jene Katastrophe überlebt haben. In den alten Keilschrifttexten und im Alten Testament wird in legendärer Form über die Situation im Nahen Osten berichtet. Flutsagen indianischer Völker in Amerika und anderer Stämme berichten für ihre Räume Ähnliches. Bemerkenswert ist, dass in letzteren Stoffen auch der Himmelskörper erwähnt wird, der als schreckliche „Feuersonne” oder „Wassersonne” bezeichnet wird.

 Das Mesolithikum -eine Schreckenszeit

 In der herrschenden Lehre, – die ja erst in einem ganz vorsichtigen Ansatz die Sintflutkatastrophe als historische Tatsachen zu akzeptieren beginnt – gilt das Mesolithikum/ Mittelsteinzeit als jene Epoche, die zwischen dem so genannten „Ende der Eiszeit” und dem Beginn des Neolithikums, der Jungsteinzeit lag. Interessant ist aber, dass auch in der herrschenden Lehre einmütig anerkannt wird: Die Qualität der Funde aus dem Mesolithikum ist entschieden schlechter, als jene der Artefakte aus der vorangegangenen „jüngeren Altsteinzeit”. Dieser „Rückschritt” wurde zwar deutlich erkannt, ließ sich aber nicht zufriedenstellend erklären. Ebenso bemerkenswert ist, dass dieser „Rückschritt” an allen archäologischen Fundorten zu bemerken war. Normalerweise hätte die Qualität der Werkzeuge und Jagdwaffen sich positiv höher entwickeln müssen. So blieb der Rückschritt rätselhaft. Mit dem bisher vorgelegten katastrophischen Hintergrund wird dieser Kulturbruch ,der überall stattfand, ohne Probleme verständlich. Das schreckliche Ereignis der Sintflut” ließ schwer geschädigte Gruppen in ebenso schwer zerstörten oder geschädigten Lebensräumen zurück. So ist, – bedingt durch den sicherlich eingetretenen Bevölkerungsverlust – zunächst einmal mehr als verständlich, dass „mesolithische Fundstätten” relativ rar sind. Ebenso verständlich wird nun auch, warum deren Qualität stark abfiel. In dieser schrecklichen Phase gab es weder Zeit noch Gelegenheit, sich langer, kunstvoller Anfertigung von steinernen Speer- oder Pfeilspitzen hinzugeben. Die Provisorien mussten schnell fertig sein und ihren Zweck erfüllen, mehr nicht.

Der archäologische Befund deckt sich also mit dem hier dargestellten realen Hintergrund. Dass es deutlich weniger Funde als aus der Zeit davor gibt, ist ebenfalls klar. Und dass die mesolithischen Schichten nicht für drei bis vier Jahrtausende reichen, wird nun ebenfalls verständlicher: Das Mesolithikum, die „Mittelsteinzeit”, war keine Epoche einer langsamen Entwicklung auf niedrigerem Qualitätsniveau, sondern eine relativ kurze, aber schreckliche Störungsphase in der  Entwicklung. Die schon hoch entwickelte Menschheit der „vorsintflutlichen, paradiesischen, jüngeren  Altsteinzeit” wurde aufs schwerste getroffen und geriet in eine Existenzkrise.

Doch wir müssen uns vorzustellen versuchen, was es bedeutet haben muss,in dem zuvor beschriebenen Inferno während und nach der Sintfl utkatastrophe zu leben und überleben zu wollen! Und dennoch, die Menschen haben es geschafft, wenngleich sie nach der Katastrophe nicht mehr die gleichen waren als vorher. Außerdem muss man bedenken, dass jede Gruppe, jeder kleine Stamm das schreckliche Erleben nur als sein individuelles Erleben empfinden musste. Dass diese Katastrophe alle Menschengruppen der Erde betroffen hatte, wusste ja niemand.

 So wird auch klar, warum die zahlreichen Flut- und Katastrophensagen der Menschheit regional unterschiedliche Formen und Ausprägungen haben. Ihre Analyse wird außerdem dadurch erschwert, dass die „Sintflutkatastrophe” leider nicht die letzte war. Es folgten noch andere, und so vermischen sich ältere und neuere, spätere Überlieferungen. Wir müssen also das Mesolithikum nicht als eine mehrtausendjährige Epoche der Menschheitsgeschichte sehen, sondern als kurze, aber schwere Schreckenszeit. Sie dauerte – je nach Grad der direkten Betroffenheit – etwa zwischen 200 bis 500 Jahre. Und in dieser Zeit hat es mit Sicherheit die größten und weiträumigsten Wanderungsbewegungen der „steinzeitlichen” Gruppen gegeben.

 Viele Erdräume am Rand der nördlichen Passatzone begannen langsam auszutrocknen, weil es keinen Regen mehr gab. So entstanden die großen Wüsten in Nordafrika, Arabien, nördlich des Himalaja oder im Südwesten Amerikas. Auf der Südhalbkugel geschah das Gleiche. Doch da dort weniger Landmassen waren, bildete sich nur die große australische Wüste und eine Wüstenzone im Süden Afrikas. Der südamerikanische Kontinent hatte ein besonderes Schicksal. Dort wirkte sich die Landhebung und Landsenkung intensiv aus. Der Westteil mit den Anden hob sich nach und nach und der Ostteil senkte sich ab. Das dauerte allerdings weit über tausend Jahre. Allerdings hatte die „Sintflutkatastrophe” keinesfalls – erdgeschichtlich und menschheitsgeschichtlich gesehen – nur Nachteile. Im Gegenteil: Für die weitere Entwicklung der Menschheit gab die Natur entscheidende neue  Rahmenbedingungen” vor. Sie führten zur so genannten „neolithischen Revolution”, zur „Jungsteinzeit“. Sie wird uns als Nächstes beschäftigen.

 Die neolithische Revolution -ein Anpassungsprozess

 Der Begriff „neolithische Revolution”gehört heute zu den Standardausdrücken der vorgeschichtlichen Fachliteratur.Er wurde von G. Childe geprägt und sollte den gewaltigen Unterschied zwischen der „jüngeren Altsteinzeit” und der „Jungsteinzeit” zum Ausdruck bringen. Denn mit der „Jungsteinzeit” beginnt in vielen Gebieten der Welt eine völlig neue Entwicklungsphase der Menschheit.

Nach geltender Lehre lag dazwischen das Mesolithikum mit etwa 3-4.000 Jahren. Doch im voraufgegangenen Abschnitt wurde dargelegt, dass diese Periode jene relativ kurze, aber schreckliche Zeit nach der Sintfl utkatastrophe war. Sie umfasste nur etwa 200-500 Jahre. Erdbild und geoklimatische Konstellation waren verwandelt worden. Galt zuvor auf unserem Planeten ein überall weitgehend ausgeglichenes Klima, so wurde es danach von heißen Sommern und kalten Wintern geprägt, denen Übergangsperioden zugeordnet waren. Das galt natürlich nicht in der tropisch-subtropischen Erdzone, aber umso mehr in den gemäßigten Breiten und den Polarzonen. Letztere schieden für die Lebensaktivitäten der Menschen weitgehend aus. Nur einige nördliche Stämme wie die Eskimo passten sich in der mesolithischen Störungsphase den veränderten Klimabedingungen an. Da sich der überwiegende Teil der so genannten gemäßigten Breiten nun auf der Nordhälfte unserer Erde befand, wurde dort die neue Solarperiodik am stärksten fühlbar. Sie stellte an die Menschengruppen bisher ungewohnte Anforderungen. Wer die Winter überleben wollte, musste sich in den Frühlingsund Sommermonaten darauf einstellen. Das galt für Pfl anzen und Tiere ebenso wie für die Menschen. Man muss sich vorstellen, man hätte sein Leben stets in den Tropen gelebt, wo es immer gleichmäßig warm war und müsste nun plötzlich in unserem Klima leben.

Zu einer sehr langwierigen Anpassung hatten zwar Pflanzen und Tiere mehr Zeit, der Mensch jedoch nicht. Er musste völlig neue Aktivitäten und Denkmodelle zur Überlebensstrategie entwickeln. Es ging bei diesem Prozess um Leben oder Tod. Dabei blieb nicht viel Zeit. So ist die „neolithische Revolution” zu einem großräumigen und dauerhaften Anpassungsprozess geworden, der beachtliche Aktivitäten eingeleitet hat. Sie konzentrierten sich auf die nördlichen Festlandsmassen. Festere Unterkünfte für den Winter, Schutz vor Regen, Vorratshaltung für die Wintermonate, festere Bekleidung usw. Doch mit diesem Klimaumbruch war auch ein Wechsel in der Pf lanzenwelt verbunden, der weitreichende Konsequenzen hatte. In den gemäßigten Breiten wuchsen zahlreiche Körnergräser, sie wurden zur Grundlage des Ackerbaus. Außerdem wurden einige Herdentiere wie Ziege, Schaf, Rind, Schwein nach und nach domestiziert. Den Anfang hatte dabei der Hund gemacht. Da die klimatischen Bedingungen nun noch weit reichendere Gemeinschaftsaufgaben erzwangen, schlossen sich größere Gruppen zusammen und wurden zu Dorf- oder Lagergemeinschaften Es entwickelten sich die drei wesentlichsten Wirtschaftsformen”:

Ackerbau mit Sesshaftigkeit, Fischfang mit Sesshaftigkeit und nomadische Viehherdenwirtschaft. In den meisten der tropischen Räume verblieben die Menschen in der traditionellen Lebensart der Sammler und Jäger. In den gemäßigten Breiten wurden Menschen der Sammler- und Jägergruppen aber bald schon in entlegene, für die drei anderen Wirtschaftsformen ungünstige Gebiete abgedrängt. Legen wir das schon vorgestellte Modell der Sintfl utkatastrophe zugrunde, so ergibt sich für die Jahrhunderte nach der Sintfl ut ein geoklimatisch sehr komplexes, aber hochinteressantes Entwicklungsbild. Die Menschen der „Jungsteinzeit” und den ihr folgenden Zeiten mussten sich also wiederholt an andere klimatische Bedingungen anpassen. Hinzu kam, dass – bedingt durch die Neigungswinkel veränderungen in all den vielen Jahrhunderten – die Erdbebentätigkeit sehr groß war. Damit wird wiederum verständlich, warum manche „steinzeitliche” Siedlung irgendwann aufgegeben wurde, und wir sie heute in praktisch lebensfeindlichen Wüsten finden.Fassen wir diese Aussagen zusammen, so lässt sich sagen, dass die „neolithische Revolution” ein umfassender Anpassungsprozess der Menschen andie sich verändernde Natur war. Ausdi esem Prozess entstand „Geschichte”.

 Ackerbau – Lebensraum -Zivilisation

Die wirkliche „Geschichte” beginnt mit der Bindung des Menschen an einen festen Lebensraum. Nur dort kann „Geschichte” überhaupt archäologisch greifbar” werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass es in der Zeit vor der Sintfl ut keine Geschichte gegeben hat. Die ist allerdings nicht „fassbar”. Höhlenschichten können nur Spuren aufzeigen, mehr nicht. Altsteinzeitliche, also „vorsintflutliche” Funde sind zwar zahlreich, aber sie scheinen zu Menschen zu gehören, die noch keine Steinbauten errichtet haben. In der hier vorgelegten Rekonstruktion wurde aufgezeigt, dass das bei den „paradiesischen” Klimabedingungen auch nicht nötig war. Behausungen aus leichtem- allerdings vergänglichem – Material waren sogar zweckmäßiger. Dies war ja der Grund, warum in dieser Arbeit die Naturvölker als Spiegel für „vorsintflutliche” Lebensweise benutzt worden sind.Mit dem großen Klimaumbruch, der infolge der „Sintflut” eintrat, wurden die Bedingungen in großen Räumen der Erde anders. Feste Ansiedlungen, die dem Klima gerecht wurden, wurden zur Notwendigkeit. Diese Notwendigkeit, verbunden mit der Entwicklung des Brotgetreideanbaus, schuf die ersten, auch archäologisch erkennbaren festen Ansiedlungen. Sie wurden an sehr vielen Orten ausgegraben, und immer wieder kommen Neue hinzu. Sie verblieben im Besitz von Generationen. Damit entstand jenes bäuerliche Heimatgefühl, das bis in die heutige Zeit hinein erhalten geblieben ist.

Die Ackerbauern waren also die Grundlage für Stämme und Völker in fest umrissenen Gebieten. Das Gleiche gilt für die Fischerkulturen. Ihre Ernährungsgrundlage war der Fischfang im Meer oder an den großen Binnengewässern. Ackerbaukulturen und Fischerkulturen lebten stets in enger Symbiose. Bei den viehzüchtenden Nomaden war das anders. Als generelle Kennlinie für Ackerbaukulturen ist die Zeit ab etwa 2500 v. C. anzusetzen. Doch die von den Ackerbauern genutzten Räume waren keinesfalls riesengroß. Sie nahmen jedoch ständig zu, weil man sich den Umgebungsverhältnissen anpasste. Das geschah sowohl durch organisierte Bewässerung, als auch durch Rodung. Alle diese Aktivitäten schufen arbeitsteilige Systeme, die sich organisieren mussten.

Die Wurzeln dessen, was zu den ersten „Zivilisationen” führte, liegen also in diesem Bereich. Er erwies sich auch in den folgenden rund fünftausend Jahren der Menschheitsgeschichte bisher als das stabilste Element aller Völker. Da der Bauer (und Fischer) von allen stets gebraucht wurde, blieb dieser Stand gegen alle Änderungen von Machtverhältnissen mehr oder weniger „immun”. Wer wann auch immer ein Land eroberte oder beherrschte, beherrschte auch den Bauernstand, aber immer nur indirekt, weil er auch von ihm abhängig war.

Aus den Bedingungen des Ackerbaus heraus entwickelten sich auch die ersten Städte. Es waren Märkte, auf denen man zum Tausch seiner Produkte zusammentraf. Damit gingen Handel und Handwerk einher. Diese Märkte waren Mittelpunkte der jeweiligen Regionen. Und als die Zeiten unruhig undkriegerisch wurden, entwickelten sich diese Plätze zum abgesicherten Mittelpunkt eines Gebietes. Sie wurden mit Palisaden oder Mauern umschlossen, hinter denen man Schutz fand. Und so, wie auch heute noch jeder Marktfl ecken seine Kirche hat, wurden die errichteten Märkte (= Städte) zum Ort des Tempels für die Götter, an die man glaubte.So ist es also nicht verwunderlich,dass sich von der Jungsteinzeit an oft bis heute Plätze als Städte erhalten haben, die berühmte Namen tragen.

Stets getrennt von den Arbeitenden muss der Stand der Priester gesehen werden. Sie galten immer als „heilige” Männer oder Frauen, deren Aufgabe es war, die dörflichen Gemeinschaften zu führen und die ständige Verbindung zu den Göttern aufrecht zu erhalten. „Führen” kann hier aber nicht „politisch” verstanden werden. Es ging um die „geistige Führung”. Für das tägliche Leben war nach allem, was wir von den Naturvölkern wissen, ein „Rat der Ältesten” zuständig. Dieses Bild von der Struktur ist uns auch aus dem Alten Testament bekannt. Die „Richter” waren als geistige und religiöse Führer die erste Instanz. Ihnen waren die „Ältesten” zugeordnet. Wir müssen uns also die „Jungsteinzeit” als eine Zeit lebhafter Aktivitäten vorstellen. Diese nahmen dann einen beträchtlichen Umfang an, als man die Nutzbarkeit der Metalle entdeckte. Das dürfte zu jener Zeit gewesen sein, als man begann, den Feuerstein auch bergmännisch abzubauen. Die Archäologen haben echte Feuersteinbergwerke entdeckt. Wir wissen natürlich nicht, wo das Kupfer zuerst als Metall entdeckt wurde. Aber als es erst einmal entdeckt war, wurde es sehr begehrt. Oft entsteht der allgemeine Eindruck, mit der Entdeckung des Kupfers sei die „Steinzeit” zu Ende gegangen. Das war keinesfalls so. Off enbar auch zu jener Zeit, als man schon fähig war, Kupfer und Zinn zu Bronze zu legieren, waren steinerne Waff en und Werkzeuge sehr viel zahlreicher als jene aus Metall. Noch sehr lange waren Steingeräte beim breiten Volk die Regel, und wie wir wissen, kamen einige Völker erst sehr spät in den Besitz der Metalle.

 Menschen der Weite -Seefahrer und Nomaden

 In allen einschlägigen Werken zur Vorgeschichte liegt der Schwerpunkt stets auf Ackerbau und Sesshaftigkeit. Sie sind – durchaus richtig – als Grundlagen der Zivilisation angesehen worden. Doch dieser sehr langfristig angelegten Entwicklung fehlt jenes Element, das die Dynamik bewirkt, die sich historisch erkennen lässt. Dieses Element waren jene Gruppen, von denen hier zu sprechen sein wird: die Seefahrer und die viehzüchtenden Nomaden. Obwohl die letztgenannte Gruppe die weitaus Größere war, habe ich die kleinere vorangestellt, weil sie im Sinne der Dynamik die Führende war. Die Seefahrer gingen aus jenen Fischerkulturen hervor, die an den Gestaden der großen Ozeane lebten. Sie sind von den Fischern der Binnenseen erheblich zu unterscheiden. Der Schritt vom Kanu oder Floß auf den Flüssen zum Befahren der großen Meere war gewaltig. Aber zwei Bedingungen mussten dazu auf jeden Fall erfüllt werden. Der Bau größerer Boote oder Flöße als Gemeinschaftsleistung und die Kenntnis der Navigation nach den Sternen. Die ersten Seefahrer müssen diese Bedingungen erfüllt haben, denn sie haben unter völlig „steinzeitlichen” Voraussetzungen praktisch alle größeren Inseln in den Meeren erreicht und auch besiedelt. Die Seefahrer müssen auch kolonisiert haben, denn sie zogen wieder Ackerbauern auf die größeren Inseln.

 Aber auch die zweite Gruppe, jene der viehzüchtenden Nomaden, war in ihrer Struktur wesentlich dynamischer als jene der Ackerbauern. Denn ihre  Ernährungsform, d. h. ihre Wirtschaftsgrundlage war von Natur aus dynamisch. Es lag in der Natur der Wirtschaftsform Viehzucht, dass die Hirtenvölker eine mobile Lebensform entwickelten. Ihr zentraler Lebensmittelpunkt war das Lager. Statt fester Bauten lebten sie überwiegend in Zelten. Ihre bewegliche Habe musste also begrenzt und leicht transportierbar sein. Auch ihre Denkstruktur unterschied sich erheblich von jener der Ackerbauern. Das bezog sich auch auf ihre Glaubensvorstellungen. Ein fester Tempel war ihnen fremd. Sie errichteten dagegen in ihren Wandergebieten „heilige Plätze”, die entweder besonders markante geografische Punkte waren oder durch aufgeschichtete Steinmale kenntlich gemacht wurden. Die Glaubensstruktur der Hirtenvölker war also ebenso weiträumig wie ihre Lebensform. Ackerbauern, Hirtenstämme und teilweise noch Sammler- und Jägergruppen lebten in unterschiedlichen Formen in fast allen Gebieten relativ eng beieinander. So war es unausbleiblich, dass es nicht nur zum Austausch zwischen den Gruppen kam, sondern auch zu Konflikten.

 Im Alten Testament wird diese Konfl iktsituation in der Geschichte von Kain und Abel verdeutlicht. Dabei ist gut zu erkennen, dass diese Geschichte zur Tradition von Hirtenvölkern gehört, weil „Gott” das Opfer des Kain (eines Hirten) höher bewertete, als jenes des Abel (eines Ackerbauern). Vor diesem Hintergrund muss man das Jahrtausend der „Jungsteinzeit” und der „Steinkupferzeit” als einen sehr prägenden Zeitraum der Menschheitsgeschichte sehen. In ihm entwickelten sich die Anfänge dessen, was wir als Zivilisation bezeichnen. In diesen Zeitraum, der etwa von -2500 bis -1500 anzusetzen ist (nicht schon im -5. oder -4. Jahrtausend, wie die herrschende Lehre annimmt), bildeten sich Dörfer und Städte, begann eine ausgedehnte Seefahrt, wurden die ersten Schriften entwickelt und Handelsverbindungen geknüpft. Dieses Jahrtausend, dessen Entwicklungsschwerpunkt der südliche Rand der nördlichen Erdhälfte war, kennt nun auch die ersten Organisationsformen, die man als „Staaten” bezeichnen konnte. In aller Regel waren diese „Staaten” recht klein. Sie umfassten kaum größere Räume als heutige Provinzen. 

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Dieser Artikel ist gekuerzt. Der vollstaendige Artikel kann eingesehen werden auf http://www.efodon.de/

 

 

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