Randansichten Kairos

Rund 40.000 Straßenkinder leben nach Schätzung des UN-Kinderhilfswerk in Kairo. Die meisten von ihnen halten sich mit Betteln und Kleinkriminalität über Wasser. Fast alle von ihnen wirken unterernährt und schnüffeln täglich stundenlang Klebstoff.

Islamische Familien, die es sich nicht leisten können in den informellen Siedlungen Imbaba oder Bulaq zu leben, siedeln oft in den islamischen Friedhöfen der Stadt. Etwa eine halbe Million Menschen leben inzwischen in den Slums zu denen sich die Totenstädte verwandelt haben Zwischen den Gräbern breiten sich die Hütten der Armen aus, laufen deren Hühner herum, sitzen alte Männer beim Wasserpfeifenrauchen. Elektrisches Licht haben die Familien der Totenstädte

nur, wenn sie es sich illegal abzapfen, von fließendem Wasser gar nicht zu reden.

Koptische Christen derselben sozialen Position leben hingegen meist in einer der sieben Müllstädte Kairos. Die Menschen dort leben im und vom Müll. Sie sammeln den Müll der reicheren Viertel ein, bringen ihn in ihr Viertel, trennen ihn dort und verwerten ihn.

Für diese Einkommensquelle kommen deshalb nur Christen in Frage, weil mit den organischen Abfällen Schweine gefüttert werden, welche im Islam als unreine Tiere gelten. Die Zabalin (arab. Müllmenschen) dürfen dabei nur auf Routen fahren die ihnen die Wahya -Nachfahren der Müllmenschen des 19. Jahrhunderts – vermieten. Das Geld der dort ansässigen Bevölkerung deren Müll weggebracht wird, streifen die Wahya ein. Die Zabalin leben einzig und allein vom Müll selbst.

Angefahren werden dadurch natürlich nur jene Viertel, deren Müll sich auch rentiert. Für die ärmeren Viertel Kairos existiert so keine Müllabfuhr und dadurch ersticken diese immer wieder in ihrem eigenen Müll. In den Müllstädten der Zabalin liegt der Müll auch überall herum. Die hygienischen Bedingungen sind deshalb dort am schlimmsten in ganz Kairo, die Kindersterblichkeit am höchsten.

Die Zabalin werden immer wieder von christlichen Hilfsorganisationen im In- und Ausland unterstützt. In der Zabalin-Siedlung am Gebel Muqattam steht mitten drinnen ein koptisches Kloster, das sich in Sozialarbeit versucht und große Teile der Zabalin in einer Interessensvertretung zusammengeschlossen hat.

Eine solche Interessensvertretung ist denn auch dringend notwendig. Neuerdings erhalten die Zabalin nämlich Konkurrenz von professionellen Müllentsorgungsunternehmen die von der Stadtverwaltung mit der Müllentsorgung beauftragt werden. Die Eselskarren der Zabalin wurden auch aus einigen Stadtvierteln als Verkehrshindernisse verbannt. Die Folge waren bereits handgreifliche Auseinandersetzungen der Zabalin mit den Angestellten derEntsorgungsunternehmen. Die Armen müssen zwischenzeitlich bereits um den Müll der Reichen kämpfen.

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