Erkennen wir die Wahrheit, dann macht sie uns frei

 

Ein Wort an alle Muslime im Osten und Westen von Edip Yüksel, türkischer Reformer. Auszug aus dem Vorwort seiner Quranübersetzung „Quran, a reformist translation“ , in Zusammenarbeit mit Layth Saleh al Shaiban und Martha Schulte-Nafeln. Erschienen in Brainbowpress. Frei übersetzt von mir, alle Fehler in der Übersetzung sind auf meinem Rücken abzuladen. Auch holprige Wendungen gehen allesamt auf mein Konto. Mehr von E.Yüksel unter http://www.yuksel.org/

 

Erkennen wir die Wahrheit, dann macht sie uns frei

 


Die folgenden Worte sind nicht von einem Feind von dir geschrieben.  Dies sind die Worte von jemandem, der sich sehr viel um dich kümmert. Jemand, der in der Nacht schreit für Deine Notlage, für die Tragödien, die Dir widerfahren sind. Es ist jemand, der Deine Großzügigkeit, Deine Aufrichtigkeit, Deine unerfüllten Träume, Deine Ziele, Deine Tragödien, Ängste, Torheiten und Wahnvorstellungen kennt. Du solltet zuhören, mindestens einmal.

 

 Genug Vorurteile und Bigotterie. Genug Paranoia und Hass.

Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit.

Bevor wir mit dem Finger auf die Ursache unserer Probleme zeigen, als erstes ein Blick in den Spiegel. Ich meine nicht, dass wir die imperialistischen Ambitionen der anderen Nationen und ihren offenen oder heimlichen Eingriffe in die Politik, Wirtschaft und Kultur des Menschen ignorieren sollen. Aber ihr Zustand können wir nicht ändern, es sei denn, wir selbst ändern uns zuerst. Wir können nicht die Invasionen, Aggressionen, Massaker und imperialistische Politik der korrupten Umayyaden, Abbasiden und osmanischen Kalifen in unserer Geschichte verherrlichen und zugleich andere moralisch kritisieren, wenn sie dasselbe tun. Hätte  Gott uns die gleiche Überlegenheit gegeben, vielleicht würden wir auf der Erde mehr Korruption und Zerstörung anrichten als unsere aktuellen mächtigen Feinde. Wir können sie nicht von zu Hause rausschmeißen, bevor wir nicht uns und unser Zuhause reformieren. Wir können nicht Barmherzigkeit von anderen verlangen, wenn wir noch kein Erbarmen mit uns selbst haben.

Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit von Selbstgerechtigkeit .

Prüfen wir die Liste der Patente im letzten Jahr. Überprüfen wir und sehen, wie viele von ihnen zu der Gruppe, Nation, Religion gehören, mit der wir uns identifizieren . Es sollte uns eine Menge über unsere Position in einer Welt sagen, wo Informationen und technische Fortschritt so wichtig ist. Prüfen wir die Liste der wohlhabenden Länder. Überprüfen wir und sehen, wie viele von ihnen gehören zu der Gruppe, Nation, Religion, mit der wir uns identifizieren. Vor Jahrhunderten waren wir ein Vorbild für die Zivilisation, Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit, waren wir Pioniere in Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie. Jetzt sehen wir uns um und schauen in den Spiegel, wer sind wir?

 

 Wir folgten dem religiösen Fatwa von einem Scheich ul-islam (höchster Geistlicher innerhalb des Osmanischen Reiches), welcher die Verwendung von Druckmaschinen in einem riesigen Land für 272 Jahre – von 1455 bis 1727 – verboten hatte, während Europa sich im Lernen in und mit der Natur erging und dieses gemeinsame das Wissen über Druckmaschinen allen zugänglich machte und von Gott mit Renaissance-, Reform-, Technologie-und Wohlstand belohnt wurde. Wir dagegen versanken weiter in unserer Unwissenheit. Während die Europäer in philosophischen Argumenten beschäftigt waren, rezitierten wir das heilige Buch nicht besser als ein Papagei – dieses Buch, das die Bedeutung des Lernens, Fragens und Entdeckens hervorhebt und Streben nach Wissen.

 

 Wir staunten über handgeschriebene Bücher von Hörensagen und Aberglauben, um mit der vollen Unterstützung des Königs die Philosophie zu verbannen. Während Europa ein besseres System suchte, um sich von der Tyrannei der Könige und der Kirche zu retten, rezitierten wir handschriftliche Gedichte um unsere korrupten Könige und Götzen zu preisen. Kein Wunder, dass dein Land, dein Name, dein Gesicht und deine Religion nun mit Rückständigkeit, Ignoranz, Unterdrückung, Gewalt und Armut assoziiert wird.

Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit von unserer Unwissenheit.

Die Religiösen unter euch hoffen, dass die Theokratie der Mullahs Ihren Traum erfüllen werde, die glorreichen Tage der Vergangenheit zurückzubringen. Jene versprachen „Istiqlal, azadi, hukumat-i Islami“ (Unabhängigkeit, Freiheit, islamische Regierung), und doch, war das Ende dieser Worte ein Schwarm von Unterdrückung und eine nicht gottesfürchtige Regierung. Einige von euch haben gehofft, dass ein sunnitischer Taliban in Afghanistan die Würde und Ehre zurückbringen würde. Was brachten sie war schlimmer als das Saudi-Regime: Sie steckten Frauen in schwarzen Säcke, belebten die barbarischen Praktiken als Rückschritte in die Zeit der Tribalismus, verweigerten Frauen Bildung. Durch exponentiell zugenomme Unwissenheit wandelte sich Afghanistan nun zu einer internationalen Farm für Opium. 

 


Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit von unseren eigenen Vergehen.

Gott segnete uns mit wichtigen natürlichen Ressourcen, so dass wir es für unseren Wohlstand nutzen könnten. Dennoch sind unsere Einnahmen durch korrupte, hedonistische, kurzsichtige, rückständige und bedrückende Könige, Emire, Stammesführer und Mullahs verschwendet worden. Statt Ihre Freiheit zu gewinnen, statt der Gründung eines echten demokratischen Systems durch das heiligen Buch, sind wir auf Loyalität angewiesen, verschwenden wir unsere Zeit in Cafés, auf den Straßen und in morschen Büros der Antike, die nichts als Nullen produzieren.

Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit von Apathie und Sklaverei.

Schauen wir uns die Hälfte unserer Bevölkerung an, unsere Frauen, Mütter, Schwestern, Töchter. Was haben wir mit ihnen getan? Wie kann man hoffen, Fortschritt und Frieden zu erlangen, Wohlstand und die Barmherzigkeit Gottes, während wir sie begraben haben? Man kann nicht Glück erwarten, während wir die Hälfte der Schöpfung Gottes, unsere Frauen, Mütter, Schwestern und Töchter verachten, während wir sie ihrer menschlichen Rechte, welche ihnen von ihrem Schöpfer gegeben wurden, berauben. Wir können nicht sagen, „Gott“, wenn wir alle diese Götzen namens Bukhari, Muslim, Tirmizi, Ibn Hanbal, Ibn Maja, Abu Dawud, Malik und eine Herde von anderen Imame, Mullahs und Geistliche verehren. Keiner dieser Idole wird uns von der Gerechtigkeit Gottes retten. Wir haben bereits teuer bezahlt für unsere frauenfeindliche Überzeugungen und Praktiken. Wir müssen uns bei unseren Müttern, Ehefrauen, Schwestern und Töchtern für die Behandlung gegenüber ihnen als unsere Sklaven entschuldigen. Wir müssen unsere Pharaonische Gehabe bereuen.

Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit von den dunklen Löchern der Täuschung.

Die Welt weiß, dass Israel sich von einer Opfernation zu einer rassistischen kolonialen Macht verwandelt hat. Viele progressive Juden akzeptieren diese Tatsache, und kämpfen gegen sie. Die Welt sieht und die meisten Menschen erkennen die faschistische Politik,welche sich Grausamkeiten, Massaker und Demütigung gegen das palästinensische Volk seit 1948 verpflichtend gemacht hat. Die Welt weiß, dass Israel viel mehr palästinensische Kinder getötet hat, als die palästinensische Selbstmordattentäter es getan haben. Die Zahlen und Ereignisse sind dort aufgezeichnet, um zu beweisen, dass Israel Staatsterrorismus gegen die palästinensischen Menschen macht. Die Welt weiß, dass eine Koalition von Interessengruppen in Türme der Macht verschachtelt sind und mit amerikanischen Steuergeldern, militärischer und politischer Macht, diese Tragödie zu verewigen versuchen, in der Hoffnung für Armageddon. Dennoch müssen wir wieder in den Spiegel schauen. Was haben wir getan, um dies zu verdienen? Wir verurteilen alle Juden als rassistisch oder zionistisch. Wir verurteilen alle Juden ohne Ausnahmen, vergessen die vielen großen Propheten , vergessen die vielen Philosophen, Wissenschaftler und Erfinder, die wir verehren und bewundern. Wir haben uns zu einer selbstmörderischen Nation erhoben. Wir folgen nicht friedlichen Vorbildern, sondern ignoranten Führern, rassistischen und manipulierende Politiker, fehlgeleiteten religiösen Klerikern, und nicht zuletzt unseren Hormonen. 

 

Hätten wir Lehren aus der modernen Geschichte gezogen und uns unsere Meinung über animalische Instinkte und den Koran über religiösen Lehren, welche Gewalt und Rassismus fördern, gestellt, dann würden wir jetzt in Frieden neben Jerusalem leben als Brüder und Schwestern im Glauben. Wir können nicht die Barmherzigkeit Gottes erwarten, wenn wir auf Hass mit Hass reagieren, auf Rassismus mit Rassismus, auf Verbrechen mit Verbrechen. Wir können nicht Freiheit und Frieden erlangen, ohne ernsthaft dasselbe für unsere Feinde zu wollen. Wie können wir behaupten, Muslime zu sein, während wir S-l-m aus unserem Wortschatz getilgt haben?

Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit von Gewalt, die uns umgeben hat.

Durch das Festhalten dieses Weges der Verleugnung und Sektierertum, riskieren wir mehr als nur Glück und Würde in dieser Welt, sondern auch Risiko, Scham und Vergeltung im Jenseits …

(40:10-12)

 

Diejenigen, die abgelehnt haben wird zugerufen: „Gottes Abscheu vor euch ist weitaus größer als eure Abscheu vor euch selbst, weil ihr zum Glauben eingeladen wurdet und ungläubig geblieben seid.“ Sie werden sprechen: „Unser Herr! Du hast uns zweimal sterben und zweimal leben lassen. Wir gestehen unsere Schuld ein. Gibt es einen Ausweg?“ „Diese Strafe, die ihr erleidet, fällt euch zu, weil ihr, als zu Gott allein aufgerufen wurde, ungläubig geblieben seid. Doch als Ihm etwas beigesellt wurde, da glaubtet ihr daran. Gott, dem Erhabenen, dem Großen, gehört die Entscheidung.“

Solange wir nicht bereit sind, die notwendigen und schmerzhaften Schritte der Reform durch Selbstuntersuchung und -erkenntnis in Angriff zu nehmen, werden wir durch die Form der Selbstgefälligkeit und blinde Anhängerschaft in den Abgrund als ewiges Schicksal geführt werden. Wir müssen uns dem wahren System des Islam zuwenden, wie Gott es durch seinen Boten enthüllt hat und nicht mehr blindlings unseren Gelehrten und Führern und ihren Verzerrungen und unberechtigtem Lehren nacheifern. Wir werden ständig verlieren, weil wir das Wort Gottes verlassen und es durch andere religiöse Gesetze und Lehren ersetzt haben, welche bedingen, dass Gott uns verlässt.

Dieses Leben ist nicht nur Spaß und Spiel … es geht um die Erfüllung unseres Teiles des Pfandes mit Gott , indem wir beweisen, dass wir Ihm allein dienen.

(39:45)

„Und wenn Gott allein ist erwähnt, sind die Herzen derer, die nicht an das Jenseits nicht anerkennen, mit Abneigung erfüllt, und wenn andere neben ihm genannt werden, freuen sie sich!“

Sind wir bereit, den Weg zu Gott allein zu umarmen und all unseren Götzendienst zu verlassen ? Oder werden wir auch weiterhin verlieren?

 

 Wir müssen die Wahrheit anzuerkennen, damit sie uns befreit


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