Die Boesewichter der Bibel

Im folgenden Artikel sehen wir, wie Gesandte Gottes, zum Teil in der Bibel dargestellt werden. Es liegt mir fern, zu kritisieren, jedoch aus meinem Verstaendnis lehne ich Ueberlieferungen als verfaelscht ab, welche Propheten Gottes oder Gesandte Gottes als heimtueckisch oder machtgierig beschreiben. Der ganze Artikel kann eingesehen werden auf

http://www.dioezese-linz.at/redsys/data/bibelwerk/boesewichte_in_der_bibel.pdf

 David

David: Ehebrecher, Mörder, Gesalbter Gottes
David gehört zu den ganz großen Persönlichkeiten der Bibel. Er gilt im Judentum als „Prototyp“ eines Königs. Viele Heilserwartungen stehen in enger Verbindung mit seinem „Geschlecht“. David gelang die Errichtung eines großen Reiches und einer mächtigen Dynastie. Er machte Jerusalem zur Hauptstadt und herrschte über Israel und Juda von ca. 1010 bis 970 v. Chr. Die Stationen seines Werdeganges waren nach biblischer Darstellung: Hirte in Betlehem, Spielmann und Waffenträger am Hof des Königs Saul; nach Mordanschlägen durch Saul, Flucht in die judäische Wüste, hier geht David in den Untergrund und wird Anführer einer „Privatsöldnertruppe“. Später steht er sogar als Heerführer im Dienst der Philister, der Feinde Israels. Mit dem Tod Sauls und drei seiner Söhne im
Kampf gegen die Philister wird der Weg für David frei. Er wird zunächst König über Juda, später auch König über Israel. 

Zwiespältig und faszinierend zugleich

In der Bibel wird David beschrieben als bescheiden, verantwortungsbewusst, gewinnend, gläubig und treu, mit einer großen musischen und militärischen Begabung. Andererseits wird erzählt, dass
David ein berechnender und skrupelloser Machtpolitiker war, der – nicht nur sprichwörtlich – über Leichen ging. In manchen seiner Kriegszüge muss er ungemein grausam gewesen sein. So ließ David nach dem Sieg über die Moabiter die Gefangenen auf den Boden legen. Mit einer Messschnur durchmaß er die Reihen. Jeweils zwei Schnurlängen ließ er töten, und eine Schnurlänge am Leben. Die Vielschichtigkeit und Zwiespältigkeit Davids spiegelt sich auch in seinen Beziehungen zu
Frauen. Bekannt ist hier vor allem die folgenreiche Geschichte zwischen David und Batseba.

Eine verhängnisvolle Affäre

Die Batseba-Erzählung besteht aus mehreren Handlungs- bzw. Spannungsbögen. Christoph Gellner vergleicht sie in einem Aufsatz mit einem Drama in fünf Akten:
¬ Im ersten Spannungsbogen („ersten Akt“) sieht David die badende Batseba. Er verfällt der Schönheit dieser Frau und läßt sie zu sich holen. David schläft mit ihr, ein Kind entsteht. Zur gleichen Zeit kämpft der Gatte Batsebas – der Hetiter Urija – im Ammoniterkrieg mit den Truppen Davids
gegen die Stadt Rabba.
– Im „zweiten Akt“ versucht David mit allen Mitteln, den Ehebruch zu vertuschen. Er gewährt seinem Offizier Heimaturlaub und hofft, dass Urija – nun befreit von den Enthaltsamkeitsverpflichtungen des Jahwekrieges – mit Batseba schläft. Urija aber nächtigt bei der Leibwache vor dem Königspalast. Auch als David ihn trunken macht, geht der Plan nicht auf, und so wird die Lage des ehebrecherischen Königs immer prekärer: Er muss mit dem Verlust der Loyalität seiner Soldaten rechnen, wenn bekannt wird, dass der König sich die Frau eines seiner Offiziere genommen hat – während seine Krieger ihr Leben an der Front aufs Spiel setzen! David schmiedet daher erneut einen teuflischen Plan. Er will Urija töten, um Batseba heiraten zu können!

– Der „dritte Akt“ zeigt, wie feige und heimtückisch David den Mord arrangiert. Er schreibt einen Brief an den Kommandanten Joab. In diesem Brief befiehlt David, dass Urija bei einem „Hinterhalt“ an vorderster Front teilnehmen soll. Makabres Detail am Rande: Das Mordopfer muss diesen Brief – sein Todesurteil – selbst überbringen. Diesmal geht die Rechnung auf: Urija fällt in der Schlacht. Auf die Todesnachricht reagiert David mit großem Zynismus. Nach der üblichen Trauerzeit
nimmt der König Batseba zu seiner Frau. Batsebas Schwangerschaft jedoch ist bereits unübersehbar, der politische Skandal damit perfekt.

¯ Und so tritt im „vierten Akt“ der Prophet Natan kritisch mit der Parabel vom Lamm des Armen an den König heran. David reagiert auf diese Erzählung heftig. Er verurteilt den Diebstahl des Lammes und das rechtlose Verhalten des Reichen in der Erzählung. Als Natan dem König eröffnet, dass dieser selbst der Reiche sei, erkennt David seine Schuld und die Tragweite seiner Tat. Er hat sich selbst das Urteil gesprochen.

– Im „fünften und letzten Akt“ stirbt das Kind, das beim Ehebruch gezeugt wurde. Vermutlich hat der Autor von 2 Sam 11 und 12 diesen Tod als Strafe für den Ehebruch, den Mord und die dadurch entstandene Ehe mit Batseba verstanden. Nach der Trauer um den Säugling tröstet David Batseba. Ein zweites Kind entsteht: Salomo, der von Gott geliebt ist. Im Auftrag Jahwes nennt Natan das Baby „Jedidja“ (= Liebling des Herrn).

Davids Schuld …

Das David-Batseba-Drama ist eine Schlüsselstelle innerhalb der sogenannten „Thronfolgeerzählungen“ (2 Sam 9 – 1 Kön 2), die vermutlich schon in der Salomo-Zeit von höfischen Jerusalemer Geschichtsschreibern verfasst wurde. Unter dem Eindruck blutiger Thronstreitigkeiten, von Bürgerkrieg nd Handlungsunfähigkeit suchen die Schreiber nach Antwort auf den großen Unfrieden und die Staatskrise im Reich Davids. Durch ihren nüchternen und offenen Blick auf die Ereignisse – ohne etwas wegzuleugnen oder zu verschweigen – erkennen sie: Was ein König tut, hat Folgen für das ganze Volk. Die Tragweite dieser Einsicht wird am Geschehen rund um den Mord an Urija ersichtlich. Dieses Verbrechen ist nicht nur ein persönliches Vergehen des Königs. Auch wenn David sein Tun bereut und die Strafe annimmt, kann er die Folgen der Schuld doch nicht mehr eindämmen.

… hat fatale Folgen

Das zeigt sich drastisch bei der Vergewaltigung Tamars durch ihren Halbbruder Amnon. Als König und Vater müsste David Tamar Recht verschaffen, zumal sie öffentlich Klage erhoben hat. Doch er tut nichts. Wie kann er, der selbst ähnliche Schuld auf sich geladen hat, Richter über seinen Sohn sein? Diese Eigenlähmung und Tatenlosigkeit bewirkt noch Schlimmeres: Abschalom rächt seine Schwester mit einem Brudermord. Auch diesem Sohn gegenüber, in dem Jugend und Schönheit Davids wiedergekehrt sind, handelt der König nicht, wie er müsste. Er lässt sich überreden, dem geflohenen Mörder die Heimkehr zu gestatten.
David unternimmt ebenso nichts, als Abschalom verbreitet, sein Vater könne nicht mehr Richter sein. Damit haben die Folgen der Schuld David eingeholt: Wie soll ein schuldiger Mensch als König in seinem Land auch Recht schaffen? Kampflos flieht David schließlich vor dem eigenen Sohn.
Gerade hier aber hätte David handeln und Abschalom Einhalt gebieten müssen, denn Aufruhr gegen den König schadet dem Volk. Daher spricht die Erzählung zum zweiten Mal davon, dass Gott eingreift
– dieses Mal, indem er „bestimmt“, dass Abschalom einen guten Rat missachtet. Die Männer Davids sind daraufhin siegreich im Kampf.
Der Königssohn selbst wird – entgegen dem ausdrücklichen Wunsch Davids – von Joab und seinen zehn Waffenträgern getötet. Die Trauer des Vaters über den Verlust seines aufrührerischen Sohnes ist tief und berührend. Am Ende entwickelt sich aus dem Konflikt ein Bürgerkrieg zwischen Israel und Juda. Beendet wird die Staatskrise erst durch Salomo, der durch die listreiche Hilfe Natans und Batsebas Nachfolger auf dem Königsthron wird. David konnte also – um mit Michal in Grete Weils Roman „Der Brautpreis“ zu sprechen – alles gewesen sein: „Heiliger und Verbrecher, Sänger und Mörder, Menschenliebender und Menschenverachtender, Weiser und Narr.“

Dr. Stefan Schlager aus: Bibelsaat Nr. 56

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