Ameisenblues

Ägypten ist ein Wüstenland. Heisse, trockene Sommer und kalte Winter. Die Menschen leben hier mit den Jahreszeiten, im Winter wird geschlottert und und im Sommer wird geschwitzt. Die Modernität hat in fast alle Haushalte Klimaanlagen gebracht, diese jedoch fressen eine Unmenge von Strom und gerade der Gesundheit förderlich sind sie nicht. Man stelle sich nur den dauernden Wechsel von eiskaltem, frostigen Kühlschrankklima zur draussen herrschenden Sonnenhitze. Die Körper sind überfordert, sich diesem Wechsel anzupassen und die Folge : Dauerndes Kränkeln bis hin zu schlimmen Erkältungen und Bronchitis… Die Fürsorge der Technik.

Dies als Vorinformation, denn der Titel tönt es an: Diese Zeilen werden sich den unangenehmen Seiten des Sommers widmen: Sobald es draussen wärmer wird, und die Wohnungen sich von Kühlschränken in Backöfen verwandeln, fängt alles an zu leben. Es trappelt in den verputzten Backsteinwänden, wie auch unter dem Keramikboden, der unter sich eine Schicht Sand begraben hat. Neue Häuser werden relativ verschont von den Heerscharen trappelnder Insekten, (vor allem Ameisen) da die Ritzen und Spalten noch gut verschlossen sind. Ältere Wohnungen können von diesem Luxus nur träumen: Dort finden sich nicht nur zwei, drei Löcher oder Spalten, nein es sind deren Hunderte.

Dementsprechend fängt der Krieg beim ersten Frühlingserwachen an. Krieg? Ja ,es ist ein Krieg. Jeder Tierfreund muss sich da mit sich selbst auseinandersetzen. Da ich mich zu diesen bekenne, komme ich in ein grässliches Dilemma. Einserseits weiss ich und akzeptiere ich die wundervolle Erschaffung einer Ameise gleicherweise wie einer Kakerlake, ihre biologische Funktionen, ihre Gesellschaften und Kommunikationen , ja, auch ihre mikroskopische Schönheit. Es sind Lebewesen, keine tote Materie, kleine Kunstwerke, Völkergemeinschaften wie wir. Ich weiss. Und doch, wenn ich am morgen schlaftrunken in die Küche strauchle und mir vor Entsetzen beinahe der Atem wegbleibt, weil sich schwarze Strassen die Küche erobern, dann fällt es mir schwer, mir jene als kleine Kunstwerke Gottes vorzustellen. Denn, es nicht nur tausende Ameisen, sondern Millionen von Kleinen und Kleinsten, Roten und Schwarzen. Ein Trippel und Getrappel kleinster emsigster Füsse. Ein Gewiesel. Wunderbar, ja, wirklich, aber bitte nicht in meiner Küche!

Man sollte es mit putzen versuchen? Dies scheint der Vorwurf an eine faule Hausfrau und deshalb die Ameiseninvasion als gerechte Strafe. Dem kann ich nur entgegnen, dass jede Hausfrau das Handtuch frustriert wirft, wenn sie viermal am Tag die Wohnung fegt und putzt und dauernd die Kinder und alles Hausvolk (inklusive Katzen) anschreit, wenn sie jene dabei erspäht, ein Krümelchen auf den Boden fallen zu lassen.

Die Nerven liegen blank und das ganze Haus befindet sich im Kriegzustand. Jedes Mittelchen wird ausprobiert, jede noch so giftige Substanz versprüht und diese kleinen Bösewichte scheinen die rotierende Hausfrau zu verhöhnen, da es scheint, sie kämen, je mehr geputzt und gesprüht und vergiftet wird, umso mehr und zahlreicher… Eine Strasse bekämpft, erscheinen aus dem Nichts vier andere…. Es bleibt nur noch die Flucht , die Resignation, oder – Krieg! Wenn die Nacht sich breitmacht, tauchen die Armeen auf und jede Seite rüstet sich. Attacke!

Das Ende vom Lied? Kurz vor dem Nervenzusammenbruch erscheint die gute Fee in Gestalt des Schwiegervaters mit dem einzigen Mittel, das gegen diese Viecher hilft- Benzin , was die Alten sehr wohl wussten, die Jungen jedoch vergessen haben. Gott sei Dank und Frieden kehrt ein- besser spät als gar nie, kann man hier nur sagen… 

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