Muslime und “Unwissenschaft”

Es ist echt schade, dass gerade Muslime in letzter Zeit vermehrt Zeichen von unwissenschaftlichem Vorgehen zeigen. Der Koran ruft wiederholt dazu auf, dass man seine Augen, Ohren sowie seinen Verstand einsetzt.

(Al-Nahl; 16:9-13) Allah weist den Weg. Es gibt solche, die (vom Weg) abweichen. Und hätte Er es gewollt, hätte Er euch allesamt den Weg gewiesen. Er ist es, Der Wasser aus den Wolken herniedersendet; davon habt ihr zu trinken, und davon wachsen die Gebüsche, an denen ihr (euer Vieh) weiden lasset. Damit läßt Er für euch Korn sprießen und den Ölbaum und die Dattelpalme und die Trauben und Früchte aller Art. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für nachdenkende Leute. Und Er hat für euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht und die Sonne und den Mond; und die Sterne sind auf Seinen Befehl hin dienstbar. Wahrlich, darin liegen Zeichen für die Leute, die Verstand haben. Und was Er auf der Erde für euch erschaffen hat, ist mannigfach an Farben. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für Leute, die sich mahnen lassen.

An diversen anderen Stellen wird im Koran gefragt, ob die Menschen denn nicht denken könnten oder nicht sehen/hören könnten. Dahinter steckt in meinen Augen die eindeutige Aufforderung zum wissenschaftlichen Vorgehen: Beobachten, Nachdenken und Schlussfolgerung ziehen, um das Beobachtete zu erklären. Dass die Schlussfolgerung, die man heute gezogen hat nicht der Weisheit letzter Schluss ist, weiß an sich jeder, deshalb ist es umso wichtiger auch weiterhin mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und den Denkprozess zu keiner Zeit für beendet zu erklären.. Ob diese Einsicht auch so kommuniziert wird, hängt stark vom Ego des jeweiligen Wissenschaftlers ab.

Aristoteles wird folgender Spruch zugeschrieben:

Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, daß die Dinge sind, wie sie sind.

Heisenberg soll gesagt haben

Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, doch auf dem Boden des Bechers wartet Gott.

Was damit demonstriert werden soll, ist simpel: Wissenschaftler wissen, dass hinter jeder Antwort eine Frage versteckt ist und Nichtwissen mit zunehmendem Wissen immer weiter wächst. Dass in dieser Formel bereits die Grenzen der eigentlich grenzenlosen Wissenserweiterungen steckt, das erkennen nur diejenigen, die nüchtern und demütig ihr Wissen mit ihrem Unwissen vergleichen.

Dr. Abd Al-Baset Sayyid

Zurück zum Thema. Der Anlass für diesen Artikel hat mir ein Video mit dem Titel “Mekka als Zentrum der Welt” gegeben, das letztens von einem Nutzer auf der muslimischen Medienplattform waymo.de eingebunden wurde. Ich hatte dort bereits kommentiert, dass der “Wissenschaftler” , der interviewt wird, offensichtlich keine Ahnung vom Thema hat, das er bespricht. Die Kommentare enthalten bereits meine Kritik an seinen Ausführungen, hier eine kurze Zusammenfassung:

  • “Die Erde ist eine dunkle aufgehängte Kugel”? Ich weiß nicht, ob es das Zitat von Neil Armstrong tatsächlich gibt, aber ich halte es für unwahrscheinlich, da die Erde im Kontrast zum dunklen Weltall sogar ziemlich hell aussieht. Aber das ist nur halb so schlimm..
  • Strahl aus Mekka. Laut Herrn Dr. Abd Al-Baset Sayyid1 hat Neil Armstrong einen Strahl beobachten können, der von Mekka ausgeht. Diese Information soll 21 Tage im Internet gestanden haben, worauf hin sie gelöscht wurde. Dies ist offensichtlich Quatsch, denn um diesen Strahl zu sehen, hätte sich der Mond direkt ‘über’ Mekka befinden müssen, während Herr Armstrong genau zum richtigen Augenblick in Richtung Erde geschaut hat.. Schlimmer ist die Internetveröffentlichung. Obwohl Herr Sayyid kein Datum für diese Veröffentlichung nennt2, gehe ich davon aus, dass es um die Mondlandung herum passiert sein müsste – nur dass es damals kein “Web” gab. Das WWW ist erst 1989 entstanden.. ähm, das ist natürlich vollkommen davon abgesehen, ob es 1969 – zur Mondlandung also – überhaupt die technischen Möglichkeiten gegeben hatte, den Ursprung dieses Strahls – laut Sayyid genau die Kaaba – vom Mond aus festzustellen.
  • Seine Ausführungen zum magnetischen Feld sind vollkommener Mumpitz. Die Übersetzung ist hier irreführend. Tatsächlich sagt er, dass in Mekka eine Kompassnadel nicht abgelenktwird – also nicht dass sie sich nicht bewegen würde, wie Memri vorschlägt. Das Wort ist wichtig, denn obwohl seine Aussage dadurch nicht nachvollziehbarer wird, kann man daran erkennen woher er die Halbinformation hat, die er hier unterbreitet. Zaghloul Najjar – ein vielzitierter Geologe3 verwendet fast dieselbe Formulierung, um die Zentralität Mekkas zu ‘beweisen’. Seine Ausführungen sind auch nicht gerade koscher, aber darauf müsste ich ein andermal eingehen.. Jedenfalls lässt sich Dr. Abd Al-Baset Sayyid dazu hinreißen zu sagen, dass es in Mekka keine magnetischen Felder gibt.. Wahrscheinlich geht er davon aus, dass Mekka an einem magnetischen Pol liegt…
  • Seine restlichen Ausführungen entbehren jeglichen Beweises und spätestens ab der Aussage, dass Menschen in Mekka länger leben, habe ich abgeschaltet..

Aber eigentlich wollte ich seine konkreten Aussagen hier nicht zum Thema machen. Vielmehr geht es mir darum, wie die Ausführungen teilweise ohne Hinterfragen von einigen Muslimen übernommen werden – wohlgemerkt, ohne das kleinste Fünkchen eines Beweises!! Dies ist bei diesem Video nicht sofort ersichtlich, da nicht sehr viele dazu kommentieren, obwohl ich mich natürlich schon frage, warum nicht andere die Ausführungen kritisieren..

Mondspaltung in der Freitagspredigt

Um die Geschichte aber perfekt zu machen, hat der Prediger am letzten Freitag nebenbei eine Geschichte erwähnt, nach der der zum Islam konvertierte David Musa Pidcock4 in einem TV-Interview mit zwei NASA-Angestellten gehört hatte, dass der Mond Furchen aufweist, die dadurch entstanden sein könnten, dass der Mond eines Tages geteilt war. Dazu muss man wissen, dass sowohl im Koran als auch in den Überlieferungen im islamischen Kontext von der Spaltung des Monds die Rede ist.

Den Ausführungen des Predigers haben die Besucher meines Erachtens sehr vertieft gelauscht – mehr als normalerweise. Ein gelegentliches “Allahu Akbar” (Gott ist der grösste) oder “Subhanallah” (Gepriesen sei Gott) deuteten darauf hin, dass er mit der Geschichte beeindrucken konnte. Teilweise lag es daran, dass in dieser Geschichte Herr Pidcock selbst “Wissenschaftler” war; Laut der Islamic Party of Britain” scheint er recht wenig mit Astronomie oder Physik zu tun zu haben. Teilweise ist es aber das Staunen von Menschen, die überrascht reagieren, dass etwas wovon sie fest ausgegangen sind, tatsächlich wahr ist..

Langer Rede kurzer Sinn: Die Geschichte findet sich in dieser oder ähnlicher Form mehrmals kopiert überall im Internet. Die Betroffenen überliefern die Geschichte fast immer mittels Copy/Paste und überprüfen scheinbar nur in den seltensten Fällen den Wahrheitsgehalt (was nicht zuletzt daran erkennbar ist, dass der Name des Protagonisten falsch geschrieben wird). Aus einer solchen kopierten Quelle scheint auch unser Prediger die Geschichte zu haben, denn er erwähnte mehrere Details, die zwar belanglos erscheinen5, sich aber in allen Kopien wiederfinden.

Allein diese Kleinigkeiten machen stutzig und anfangs wollte ich dem Prediger nach dem Gebet eigentlich nur sagen, dass er doch bitte eine berühmte und sehr wichtige islamische Formel verwendet haben sollte, die lautet “Wallahu A’lam”, was soviel bedeutet wie “und Gott weiß es besser”. So, wie er die Geschichte erzählt hatte, bekam man den Eindruck, dass die sichtbaren Narben wissenschaftlich ‘unwiderlegbare’ Beweise6 dafür sind, dass der Mond gespalten war. Inzwischen gehe ich aber davon aus, dass ein Großteil der Geschichte unwahr ist. Aber eins nach dem anderes:

Quellen überprüft?

Natürlich gibt es auch andere muslimische Beispiele. In einem Forum wurde dieselbe Geschichte hineinkopiert, woraufhin ein Forumsmitglied zumindest nach den Quellen gefragt hat. Es gab zwar keine Antwort, aber die Frage ehrt ihn in meinen Augen. Ein wenig aufschlussreicher in einem anderen Forum. Nachdem dort der erste Antworter fröhlich bekannt gab, dass er die Geschichte mehreren Freunden zuschicken will, fragte ein Moderator nach der Quelle und ein anderer Benutzer gab bekannt, dass ihm bisher noch keine Studie unter die Finger geraten ist, die zum Schluss kommt, dass der Mond gespalten war. 

Nach zahlreichen Nachforschungen kam wurde ersichtlich, dass die Geschichte weder verifizierbar noch wissenschaftlich bewiesen werden kann.Dieses Beispiel zeigt klar, wohin es führt, Informationen ohne nachzuprüfen einfach weiterzugeben und zu verbreiten.

Der vollstaendige Artikel ist zu lesen http://www.toomuchcookies.net/archives/1028/muslime-und-unwissenschaft.htm

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s