KILA

Es war einmal in einer grossen Stadt in Ägypten, nämlich in Kairo. Dort leben viele Menschen wie Ameisen auf einem Haufen. Dort gibt es kein grün, nur Häuser. Wohin du auch blickst, nur Häuser. Dort in einem kleinen Stall- wenn man es überhaupt so nennen darf, wurde Kila geboren. Kila die schnellste und kleverste Kuh in ganz Ägypten.

Die kleine Kila wuchs heran wie alle Kühe und Kinder: sorglos und spielend. Den ganzen Tag nervte sie ihre Mutter, weil sie, nicht wie andere Kuhkinder brav und gehorsam bei ihrer Mutter bleiben wollte, sondern sich in den Kopf gesetzt hatte, ein grosser Star zu werden.

Sie träumte den lieben langen Tag von einer Karriere als Rennkuh. „Es gibt keine Rennkühe, es gibt nur Rennpferde“ belehrte sie ihre Mutter.

Ach , die Erwachsenen haben ja keine Ahnung! So übte sie den ganzen Tag- Gymnastik, Dehnübungen und rannte wie ein Wirbelwind im kleinen Hof, der zum Haus gehörte umher. Die Hühner, welche dort lebten, gaben vor Schreck keine Eier mehr, so dass Samira, die Hausherrin, tüchtig mit Kila schimpfte…

so vergingen die Tage und bald ein Jahr. Kila war ein hübsches Kuhmädchen geworden. Eines Tages hörte sie, wie Samira und Ahmed, ihr Mann miteinander diskutierten: „es wird Zeit, wir haben nicht genug Geld, um zwei Kühe zu verpflegen. Morgen schaust Du für einen Käufer- sie wird gutes und viel Fleisch geben…“

WAS_? Kila blieb vor Schreck fast das Herz stehen. Ich? Verkauft?Geschlachtet?Zitternd verzog sie sich in den hintersten Winkel des Verschlages und wollte sich im Heu eingraben. Die grässlichsten Bilder schlichen sich in ihren Kopf:: Messer und Beile und Äxte, die sie höhnisch umkreisten und lachten:“ Bald bist du unser, Mädchen…bald!“

„NEIN, nie“ dachte Kila, denn sie war nicht nur schnell sondern auch klug. Am nächsten Tag, als Ahmed zur Arbeit wollte, schlich sie ihm nach. Als er dann das Eisentor aufgeschlossen und weit geöffnet hatte, sprintete Kila mit hundert Sachen an ihm vorbei, dass er wie ein Kreisel hinausgewirbelt wurde und verdutzt auf seinem Hosenboden zum Stillstand kam. Sein Gesicht hättet ihr sehen sollen!

„Die Kuh, haltet sie, die Kuh! Zu Hilfe!“ schrie er. Aber in Kairo schlafen die meisten Menschen ein bisschen länger und die Strasse war nicht sehr belebt. Und die meisten Menschen hatten andere Sorgen, als sich mit einer wilden Kuh herumzuschlagen. So standen sie nur herum und gafften blöd.“soll mir recht sein“, dachte Kila und rannte, wie sie noch nie in ihrem Leben gerannt war.Sie schlängelte sich durch die verstopften Strassen, wie ein brauner Wirbelwind sauste sie zwischen Autos, Lastwagen, Eselskarren und tausenden von Menschen hindurch. Der Wind sauste in ihren Ohren, es war fast wie fliegen.“WAAAAAAAAW! Ich komme, aus dem Weg!“ schrie sie und rannte immer weiter.

Dann wurde sie ein wenig müde und sie fing an zu überlegen: „Soll ich mich als Auto tarnen? Oder als Baum`? Oder vielleicht als Esel?“ Doch sie fand schnell heraus, dass dies mit ihrer Figur einfach nicht möglich war. Die Leute würden sie sofort erkennen. Also was tun? Als sie noch überlegte, sah sie vor sich ein grosser Lastwagen, die Rampe ausgefahren – und kein Mensch in Sicht. „dort kann ich mich verstecken, bis man mich nicht mehr sucht“. Gesagt getan, schnell kletterte sie die Rampe rauf und spähte ins dunkle Innere. Es wurde ihr ein bisschen mulmig, so dunkel war es. „Sei kein Frosch, da ist schon kein Monster drin“ machte sie sich selber Mut und schlich vorsichtig in die Dunkelheit des Lasters. Schon bald fand sie heraus, dass ihr das Glück hold war: Der Laster war halb leer, es fanden sich nur noch ein paar Kisten mit verfaulenden Äpfeln drin. „super, da kann ich mich verstecken“. Schnell quetschte sie sich hinter die Kisten und machte sich so klein wie möglich. Dann wurde die Klappe geschlossen und sie fuhren ab.

Müde von der Anstrengung dieses aufregenden Tages, schlief Kila ein und träumte von fetten grünen Wiesen und wärmender Sonne….

„rums““quietsch“ komische Geräusche weckten sie.Der Laster stand still und die Klappe wurde geöffnet. Sie hörte Menschen sprechen und dann Schritte, die sich entfernten. „Schnell, bevor sie wiederkommen“ dachte sie bei sich und linste vorsichtig ins Freie, um zu sehen, ob die Luft rein sei. Glücklicherweise war niemand da. Schnell rannte sie ins Freie genoss die frische, reine Luft. Es schien, als sei sie der stickigen luft von Kairo entronnen. Aber wo war sie?

Wenn sie sich umschaute, fielen ihr zwei Dinge auf: erstens hatte es fast keine Autos und zweitens viel Dreck. Aber nicht Abfallberge, wie in Kairo, nein, Dungberge, die sich über all auf der Strasse türmten. Kuhdung, Pferdemist, Eselskacke, Hühnermist, Kamelfladen… „Ich bin auf dem Land!“ sie konnte ihr Glück kaum fassen. Grüne Wiesen! Dattelpalmwälder! Gute Luft! Fast wäre sie in die Luft gesprungen vor Freude.

Jauchzend sprang und hüpfte sie die Strasse entlang. Es waren nicht viele Menschen unterwegs, und jene, denen sie begegnete, schauten sie nur ein bisschen schräg an, aber machten keine Anstalten, sie zu verfolgen.“Gott sei Dank!“

Als sie so schlenderte sah sie plötzlich ein Lumpenbündel, am Strassenrand, das sich bewegte. Als sie neugierig näherkam, sah sie, dass es gar kein Bündel, sondern ein Kind war. „Warum bist du nicht zu Hause?“ fragte Kila. Sie meinte, jedes Kind müsse doch ein Bett und ein richtiges Zuhause haben.“Ach weisst du“, sagte der Junge, :“meine Eltern sind so arm und wir haben nichts zu essen. Da bin ich weggelaufen, um Essen zu besorgen oder Arbeit, aber bis jetzt habe ich noch nichts gefunden. Was soll ich auch tun?“ Der Junge schaute Kila in die Augen und begann zu weinen. Dicke Tränen rollten ihm die Backen herunter. Kila brach es das Herz.“ nicht weinen, Du. Wie heisst du überhaupt? Ich werde dir helfen!“

„ Khaled heisse ich. Ja wirklich?“ Hoffnung blitzte in den Augen des Jungen auf.

„ja wirklich. Mach dir keine Sorgen mehr. Mir fällt schon etwas ein. Nicht umsonst heisse ich Kila und bin eine Rennkuh!“ „Eine Rennkuh? Was ist das?“fragte Khaled.

„Das ist wie ein Rennpferd- weisst du die, welche Wettrennen machen und der Gewinner bekommt viel Geld.- JA, das ist die Idee! Ich komme mit dir nach Hause, und ich kann euch helfen, wenn ihr mit mir Wettrennen veranstaltet. So werdet ihr immer genug zu essen haben…“

Khaled strahlte: „Wow, tolle Idee. Aber wer reitet dich dann? Ich, Ja?“

„ja!“

Mit einem Satz sprang er auf den Rücken Kilas und sagte: „Hüh, Kila, zeig was du kannst!“

Und Kila bewies ihm, dass sie nicht zu Unrecht die schnellste Kuh von Kairo genannt wurde: Sie rannte, dass es nur so zischte und die Menschen und die Strasse nur noch ein Schatten war. Es pfiff in ihren Ohren und Khaled hatte Mühe sich festzuhalten, dass er nicht runterfiel…“ja, schneller, toll!jauchzte auch er.

So kam Kila zu einer neuen Familie und einem neuen Zuhause. Ihr neuer Stall war winzig klein und bescheiden, aber das störte sie nicht. Die Eltern und die Schwester von Khaled waren sehr nett und versprachen ihr, sie nie zu schlachten. Sie versprach ihnen im Gegenzug, ihnen bei der Arbeit zu helfen und mit Khaled Geld zu verdienen.

Wie die zwei das erste Mal an einem Rennen teilgenommen haben, ist eine andere Geschichte….

 

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2 Gedanken zu “KILA

  1. Gut gefuehrter Blog, gefaellt mir sehr. Auch tolle Themen.

  2. Endlich mal ein gut zu lesender Post, vielen Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich den Blog gut zu lesen.

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